Spaniens zerstörte Landschaften

Es ist ja schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal in Spanien war. So um die 35 bis 40 Jahre. Damals in jungen Jahren, im Aufbruch, mit dem VW-Bus durch die ganze Welt, oder zumindest durch Europa und Nordafrika, haben wir einen guten Blick dafür gehabt, wie sich das Land, welches wir besucht haben, entwickelt. Diese Länder, insbesondere auch Spanien, waren auf dem Weg zur billigen Werkbank für die nordwesteuropäischen Länder. Dementsprechend preiswert, wenn nicht sogar billig, waren die von uns benötigten Waren und Dienstleistungen. Dieses war für uns natürlich erfreulich. So konnten wir mit schmaler Kasse uns diese Urlaube überhaupt leisten. Hatte aber für die Entwicklung des Landes einschneidende negative Auswirkungen.

Schon damals war absehbar, dass dieses Land auch aus diesem Grund einige gemeinschaftliche Aufgaben nicht leisten konnte. Zum einen aus Unerfahrenheit im Umgang mit diesen, aber auch fehlte einfach das Geld für diese Notwendigkeiten. Wie auch für den Umgang mit Müll. Dieser wurde einfach ich die Landschaft geworfen. Einmal von den Leuten selbst. Aber auch durch die Müllabfuhr. Einfach auf ungesicherte Deponien. Einfach in ein Loch bis es voll war. Bürgermeister rissen sich nach Deponieverträgen. Denn es war einfach verdientes Geld für den eigenen Etat. Und manchmal viel auch ein Bakschisch ab.

Und erschreckender Weise hat sich an diesen Zuständen nichts zum Positiven geändert. Im Gegenteil.

Eigentlich müsste mittlerweile bei den entsprechenden Behörden und Unternehmen das Know How für den Umgang mit dem anfallenden Müll vorhanden sein. Und am Geld kann es auch nicht liegen. Denn für solche Projekte fließt ausreichend Geld aus Brüssel. Aber dennoch. Auf allen Ebenen wird Müll produziert und Landschaft vernichtet.

Der Verbraucher: Es gibt in Spanien kein funktionierendes Pfandsystem. Daher finden wir überall weg geworfene Flaschen, Dosen und sonstiges Verpackungsmaterial. Und zwar nicht mal hier oder dort. Nein. Die Straßenränder sind flächendeckend zugemüllt. Diese Zustände sind sicherlich nicht unerkannt geblieben. Denn die Verwaltungen haben überall Schilder aufstellen lassen, die darum bitten, keine Mülltüten – ja richtig, nicht keinen Müll, sondern keine Mülltüten – aus dem Auto zu werfen. Das Ganze in Wort und Bild. Also auch für Analphabeten verständlich. Neben diesem Verpackungs- oder Hausmüll ist es auch an der Tagesordnung, dass nach wie vor und in steigenden Maße alte Möbel, Autos, Baumaterial und Ähnliches einfach in der Landschaft entsorgt werden. Und des nicht einmal in irgendwelchen versteckten Ecken, nein ganz offen am Strand, auf Plätzen in den Städten, im Garten des Nachbarn, der gerade nicht zu Hause ist. Picknickreste werden einfach am Ort, wo sie anfallen, einfach zurück gelassen. So sind auch die Strände zugemüllt mit Plastikflaschen, Kekstüten, Ein- und Mehrweggeschirr, Dosen und Glasscherben.

Das Gewerbe / Die Industrie: Produktionsreste und -abfälle werden offen irgendwo auf dem eigenen oder benachbarten Gelände gelagert. Ein leichtes Spiel für die hier doch häufig sehr starken Winde, diesen großflächig im Land zu verteilen. Der Rest wird, den der Wind nicht kostengünstig entsorgt, wird mit offenen LKW unsortiert zu irgendwelchen Deponien gebracht. Hier verrottet dieser Müll so gut er kann oder wird auch von hier wieder durch den Wind weiterverteilt. Betriebe die an Gewässern liegen, nutzen die Deponierung an der Uferböschung in der berechtigten Hoffnung, dass das nächste Hochwasser – meist im Frühjahr – sie von dieser Last befreit. Gewässer sind zu großen Teilen nur noch als Kloaken zu bezeichnen.

Die Landwirtschaft: Exemplarisch hier in der Bucht von Mazarrón. Hier wird federführend durch große Handelsunternehmen im ganz großen und industriellen Stil Obst und Gemüse angebaut. Und das Ganze natürlich in Plastikfoliengewächshäusern.

Das größte Unternehmen hier vor Ort ist Perichan. Ihnen gehören mehrere Hektar große Gewächshäuser. Bei vielen, mehrfach von noch heute gültigen Baustopps überzogenen, Firmen, wird in den eigentlich gesperrten Treibhäusern einfach weiter produziert.

Und nebendran werden unverändert ganze Berge abgetragen und die Flächen planiert, um neue Produktionsflächen zu schaffen. Und dabei sind große Teile dieser Bucht unter Naturschutz gestellt. Auch die Flächen, auf denen diese intensive Landwirtschaft betrieben wird. Und unter diesen Unternehmen finden wir auch Produzenten zertifizierter Bio-Ware deren Flächen in Bezug auf das hier Beschriebene nicht unterscheiden!

Dieser Raubbau an der Landschaft ist aber nur ein Verbrechen, dem sich hier die Landwirtschaft schuldig macht. Denn es ist hier auch absolut üblich, wenn ein Gewächshaus abgewirtschaftet ist, der Boden durch Überdüngung und durch die Spritzmittel uneffektiv geworden ist und die Pflanzen zu als geworden sind, dieses einfach inklusive Krume und der darin verlegten (Bewässerungs-)Technik mit großen Radladern an den Rand zu Wällen zu schieben. Am besten nicht auf dem eigenen Land, sondern auf das angrenzende Land der Kommune. Und hier liegen sie dann, die nahezu unverrottbaren Plastikteile: Zelt- und Bodenfolien, Bewässerungsrohre und Tröpfelleitungen, Spritzmittelkanister, Gemüsekisten und Maschinenreste. Für alle Ewigkeit. Und dieses Verhalten wird noch durch die EU-Förderung für die Landwirtschaft unterstützt. Denn dieses „Verfahren“ gilt als Neuanlage einer Produktionsanlage, und dafür zahlt der europäische Steuerzahler.

Auch der Umgang mit Spritzmitteln ist hier unbekümmert bis üppig . Diese werden teilweise nicht einmal mehr mit fahrbaren Spritzen in die Gewächshäuser gebracht, sondern über fest installierte Sprinkleranlagen regelmäßig über die Pflanzen und Mitarbeiter – in der Regel Marokkaner – verteilt. Die Arbeitsschutzbekleidung besteht aus einem Fließstaubschutz über Nase und Mund und löcherigen Handschuhen. Ob das so richtig gegen Glyphosat hilft?

Und nebenbei fließt in diese Gegend viel EU-Kohle für den Natur- und Landschaftschutz. Der sieht dann so aus. Auf riesigen Parkplätzen an den Stränden stehen dann Schilder, dass das hier ein Naturschutzgebiet ist oder besser sein soll. Und dass es hier verboten ist, Müll wegzuwerfen, zu Grillen, Hunde laufen zu lassen (auch an der Leine), zu zelten oder mit dem Wohnmobil zu übernachten. Der eigentliche Naturschutz bezieht sich dann aber nur auf einen circa 30 Meter breiten Küstenstreifen, der alle paar Meter durch monumentale Grenzsteine sichtbar gemacht ist. Parken muss man in einem Abstand von mindestens weiteren 50 Metern. Die Gewächshäuser werden jedoch bis an die Grenzsteine heran gebaut. Wir verstehen unter Naturschutz etwas anderes.

Der Straßenbau: In ganz Spanien, so auch hier, sind in den letzten Jahren üppig Gelder für den Straßenbau geflossen. Natürlich auch als Infrastrukturhilfen aus Brüssel. So haben so kleine Städtchen wie Mazarrón einen autobahnähnlichen Straßenanschluss. Diese wird nach wenigen Kilometern durch eine parallel laufende gebührenpflichtige Autobahn ergänzt. Und daneben verläuft dann noch eine Nationalstraße. Und alles gebaut nach EU-Norm. Breite Fahrstreifen (ein bis zwei je Richtung) plus Standspur. Aufwendig gestaltete Auf- und Abfahrten mit je einem Kreisel in jeder Fahrtrichtung. Und das Ganze bei einem geringeren Verkehrsaufkommen als bei uns auf mancher Kreisstraße.

Und der Wahnsinn geht weiter. In weniger als einem Jahr fräsen hier international tätige Bauunternehmen 50 bis 100 Kilometer Autobahnen durch die Berge. Teilweise werden hier solche Baumaßnahmen im laufenden Verkehr durchgeführt. Wenige Meter hinter der Asphaltmaschine rollen dann schon die LKW.

Fazit: Da die hier angeführte Region um Mazarrón exemplarisch für weite Landstriche Spaniens steht, ist für mich dieses Land und seine Produkte durch das, was ich hier erlebt und gesehen habe, zu einem absoluten No Go geworden. Die Lebensmittel sind von absolut minderer Qualität. Die Gewinne landen nicht bei den Bauern, denn die gibt es hier nicht mehr. Sondern bei international tätigen Konzernen. Und solange die Spanier (die Menschen und die Institutionen) es nicht lernen, was es bedeutet, mit ihrem ökologischen Fußabdruck (persönlicher Fußabdruck Rechner) umzugehen, bin ich auch nicht bereit, in der Zukunft auch nur einen Pfennig in diesem Land zu lassen.

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