2016-12-27 bis 2016-12-30

2016-12-27

Immer noch hervorragendes Wetter.

Trotz meines Zustandes hoch zur Tanke, Trinkwasser bunkern und das Klo entsorgen. Das ist Rekord. Innerhalb von zwei Tagen voll. Auf der Rückfahrt kaufe ich mir zur Sicherheit noch fünf Liter Trinkwasser im Kanister im Supermarkt. Zur Sicherheit. Denn noch ist es nicht ausgeschlossen, ob mein Magendesaster vom Wasser kommt.

Anschließend liege ich den ganzen Tag im Bett. Tür offen. Damit das Leben nicht ganz an mir vorüber geht. Die Gesprächsfetzen von draußen im Ohr, träume ich mir in meinem Koma meine Phantasiewelt zusammen. Das kann ich ja schon sehr gut, wenn Heidi fernsieht und ich schon einschlafe.

Pierre kümmert sich rührend um mich. (Danke dafür. Auch an alle anderen, die sich um mich Sorgen gemacht haben) Er schaut immer wieder nach mir, ob ich noch lebe, kocht mir Tee und am Abend bekomme ich von ihm ein paar ohne Fett zubereitete Nudeln und für die Nacht drei Knäckebrot. Das hat mir alles geholfen.

Und mittlerweile weiß ich auch, was ich falsch gemacht habe. Ich habe in der Schule die falsche zweite Fremdsprache gelernt. Spanisch statt Latein hätte mir jetzt dieses Desaster erspart.

Sonja hat sich die Flasche Olivenöl angeschaut, die ich so stolz beim Marokkaner gekauft hatte: naturtrüb. Hier ist scheinbar üblich, den Presskuchen aus der Ölherstellung dann noch einmal mit hohem Einsatz von Chemie und mechanischer Einwirkung auszupressen. Sogenanntes Tresteröl. Die Marokkaner vertragen das scheinbar. Aber laut Sonja gehöre das eigentlich nicht ins Lebensmittelregal. Wird hier aber so gemacht. Jedenfalls, das hat mich umgehauen. Nun wird sie Seife daraus herstellen. Aus dem Öl, nicht aus mir.

Am Abend bekomme ich, nachdem mein Magen nicht mehr so rebelliert, von dem Lagerfeuer draußen sogar noch was mit.

Ich schlafe gut ein und muss nachts nicht mehr dauernd auf’s Klo, damit das Bett sauber bleibt.

2016-12-28

Ich nehme wieder am Leben teil. Bin sogar einer der Ersten auf den Beinen. Aber das Wetter ist schlechter geworden. Die Sonne ist schon über dem Horizont, aber die aufziehenden Wolken bemühen sich immer zwischen und die Sonne zu kommen. Und es zieht sich immer weiter zu.

Tee und Müsli bleiben drin in mir. Auch kein Bauchgrimmen mehr. Nur ein Basishungergefühl. Aber ich will meinen Verdauungstrakt nicht gleich überfordern. Gegen die aufkommenden Rückenschmerzen vom langen Liegen, mache ich eine Radtour. Ich merke aber, dass der vorherige Tag doch nicht so spurlos an mir vorüber gegangen ist. Gerade im Sand oder losen Geröll habe ich dann doch Probleme mit der Kraft und dem Gleichgewicht.

Was mich ja besonders ärgert. Vorgestern sind hier zwei Franzosenautos aufgelaufen. Und die haben Boule gespielt. Den ganzen Tag. Hermann hat da auch mitgemacht. Und ich liege im Bett. Aber ich habe natürlich meine Kugeln auch vergessen. Die stehen in Buchholz im Regal in der Diele. Da stehen sie gut.

So beschäftige ich mich damit, jemandem das Fahrrad zu reparieren. Das Vorderrad verliert Luft. Den Ausbau des Schlauches hätte ich mir jedoch sparen können. Es ist nur das Ventil. Das schließt nicht richtig. Aber auch meine Ersatzventile sind schon zu alt und lassen Luft durch. Ich suche das mit dem besten Lufthaltevermögen raus und baue es ein. Muss sie sich erst einmal irgendwo ein neues Ventil kaufen oder einmal am Tag aufpumpen.

Die Restcombo, unsere DDR-Hippies und Wolfgang sind heute nach Cartagena gefahren. Pierre will da für mich noch einmal nach einem Handy gucken. Alternativ habe ich ihm gesagt, er kann mir auch eine Prepaidkarte mitbringen, die in das Handy, welches er mir angeboten hat und wovon auch Putin eins hat (das reizt mich ja doch), passt. Dann würde ich das nehmen. Das kann ich dann auch behalten. Denn mein alter Vertrag läuft ja auch im Februar aus. Da hätte ich mich ja sowieso kümmern müssen. Und am dieser Stelle noch als Nachtrag, weil mir das von gewisser Seite her unterstellt wurde. Ich war nicht betrunken, als mir das Handy in den Tee gefallen ist. Es ist in der Nacht eben einfach von der Wand abgefallen, wo ich es immer mit dem Klettband in den Wandteppich drücke.

Ist das heute scheißenkalt hier draußen. Nichts mehr gewohnt. Aber auf Reinsetzen habe ich auch keinen Bock. Mal rumgehen, wen ich noch nerven kann.

Sonja hat sich in ihrem LKW auch eingemummelt. Sie liest Harry Potter. Zum 1000-sten Mal. So wie ich Donald Duck. Sie hat Grießpudding gekocht. Mit Eischnee, Eigelb, Zitronenschale und er ist noch ganz warm. Mein Gott, wie leicht ich bestechlich bin. Sie erzählt mir von ihrem Traum: Zwetschgen. Die gibt es hier nicht. Sie hat da ein Minigläschen vor sich. Hat eine Wohnmobil Freundin ihr mal mitgebracht. Ich habe zwei große Gläser eingemachte Zwetschgen dabei. Wir werden uns morgen mal ein Glas gemeinsam vornehmen. So wird unsere Bestechlichkeit ganz schnell zu einem Korruptionssystem. Und das Ganze mit dem einzigen Hintergedanken, einfach was Leckeres gemeinsam zu verschnabulieren.

Mit tut nach einiger Zeit der Rücken weh. Denn in ihrem Auto gibt es so richtig keinen Stuhl. Und so still stehen geht mir auf die Lendenwirbel. Vor allem auch, weil ich mich die letzten beiden Tage eigentlich zu wenig bewegt habe.

Caro für uns vier gekocht hat. Gemüsesuppe. Ich soll mich da mal einfinden. Also schnell die Ausgehklamotten an. Das heißt, die Überweste aus. Schön warm ist es bei ihnen im Wohnwagen. Es macht Spaß. Die Beiden, Hermann und Caro erzählen weiter von ihren Erlebnissen auf dem Jakobsweg. Das war wohl eines ihrer prägendsten Erfahrungen in der letzten Zeit. In der sie zusammen sind. Sehr emotional. Haben eben dabei ganz viel Neues in ihrem „hohen“ Alter erlebt.

Gegen 20:00 Uhr wollen sie noch einmal los. Denn ihrer Meinung nach soll es Sylvester Mistwetter sein. Und da wäre das mit dem Barbecue hier unter freiem Himmel nicht so ihr Ding. Außerdem versprechen sich die beiden Musiker eventuell auch einen bezahlten Gig in einer Kneipe, die sie für uns alle zum Jahreswechsel klar machen wollen. Ich verabschiede mich und wünsche ihnen viel Glück bei der Suche. Allerdings wäre das nicht mein Ding. Denn die Meisten werden ja dann älter werden wollen als 24:00 Uhr. Und das sind circa vier Kilometer von hier aus. Das dann mit dem einen oder anderen Bier im Kopf, nee! Und sich drauf verlassen, dass irgend jemand anders auch schon früher mit dem Auto nach Hause will, ist mir zu unsicher. Dann werde ich wohl hier bleiben. Tanzen ist ja sowieso nicht mein Ding. Dann suche ich mir hier noch einen anderen Einzelgänger und gehe früh Schlafen. Ist ja auch zu Hause meistens so. Das Feuerwerk kriegen wir schon lange nicht mehr mit. Und hier soll ja nicht einmal gekrachert werden. So sehe ich einem ungestörten Schlaf entgegen.

So, Tee ist fertig. Unsere DDR-Hippies sind mit Wolfgang immer noch nicht zurück. Man gut dass ich nicht mitgefahren bin. Nachts auf den Straßen hier. Ich träume von anderen Dingen.

2016-12-29

Beim Frühstück sieht es zu Anfang so aus, als ob es sich auch heute wieder so zuzieht wie gestern. Aber Irrtum. Die anfängliche Wolkenbildung zieht sich zurück und ein wunderschöner Tag kündigt sich an.

Pierre bringt mir schon zum Frühstück mein neues Handy mit. Und er hat auch noch an mein Leinöl gedacht. Einfach klasse der Mann. Melli ist zu beneiden. Und Wolfgang hat an Olivenöl für mich gedacht. Superklasse.

Wieder mit unverbaubarem Blick auf Meer in Ruhe frühstücken. Dann das Handy ausprobieren. Heidi anrufen. Mit Meeresrauschen im Hintergrund. Den Neidfaktor ein bisschen hochschrauben. Der erste Versuch scheitert. Aber der zweite geht klar. Es ist schön von Heidi zu hören. Und auch, dass unser Hofhüter Frank aus dem Sommer bei uns zum Kurzurlaub eingetroffen ist. Und dass es ihm jetzt schon wieder viel besser geht. Er stand ja mit seinem Darmverschluss eine lange Zeit auf Leben und Tod.

Melli fährt dann mit Hermann irgendwohin einen Mietwagen abzuholen. Das hat mit irgendeinem Freund zu tun, der die Beiden besuchen kommt und heute Nacht in Alicante vom Flughafen abgeholt werden muss.

Ich gehe mit Pierre, Avid und ihrem Wolfi zu einem einsamen Strand hinter der Schlangenbucht. Ganz allein können wir hier ungestört nackt baden und uns am Strand von der Sonne wieder trocken braten lassen. Wolfi meint, er könne sich auf mein Hemd legen. Das geht nun gar nicht. Als ich ihn davon vertreiben will, beißt mich doch diese kleine Mastratte in meinen griechischen Fußzeh. Über meine Reaktion war er dann aber doch überrascht. Und das hat dann auch den restlichen Tag am Strand gehalten. Ungefähr drei Stunden halten wir das aus. Dann will Pierre zurück, denn er erwartet Melli. Und es passt wie Faust auf Auge.

Wir alle kommen gleichzeitig an unserem Stellplatz an. Allerdings war es dann vorbei mit dem unverbaubaren Blick. Das Mietauto muss unbedingt in der Sicht zum Meer geparkt werden. Auch mein Hinweis, dass, wenn ich auf Motorhauben starren will, mich in die Stadt setzen würde, aber hier am Strand ich etwas anderes erwarte, verweht erst einmal im Wind. Schade, dass man um solche Selbstverständlichkeiten erst mehrmals bitten muss.

Aber es wird alles gut. Hermann und Wolfgang fangen jetzt schon am frühen Nachmittag mit dem Klampfen an. Dazu im Liegestuhl vor sich hin dösen. Geht’s uns gut!

Ich mache am Abend Tortilla für Arme, also Bauernfrühstück. Bratkartoffeln in Rührei. Und Caro macht einen Salat dazu. Da es heute um 20:00 Uhr schon mächtig kalt ist, essen wir in Big Blue. Dort steht einfach der größte verfügbare Tisch. Die ganze Bude riecht hinterher mächtig nach Bratkartoffeln. Aber ich schlafe ja mit der Nase am Fenster.

Irgendwann in der Nacht kommt dann Pierre. Er hat sich für heute Nacht bei mir im Alkoven einquartiert. Denn sein Freund Michael, den er von Flughafen abgeholt hat, schläft in deren Wohnmobil Rudi auf dem Tisch. Seit wir hier zusammenstehen, hat er mir immer wieder „angedroht“ Melli über Nacht zu mir zu schicken. Ich weiß nicht warum. Aber jetzt, wo es soweit ist, kneift er doch und kommt selbst. Ist auch gut so, bei meinem gespaltenen Verhältnis zu Kleinkindern. Vor allem nachts.

2016-12-30

Schon um 4:00 Uhr morgens, ich bin gerade zum Pullern draußen, ist der Himmel zugezogen. Leider bleibt das heute auch bis circa 14:30 Uhr so.

So frühstücken wir heute mal wieder im dicken Pulli draußen. In Big Blue hängt mir immer noch zu sehr der Bratkartoffelgeruch.

Dann mal wieder Einkaufen fahren. Bier, Gemüse, Brot und Käse. Heute gönne ich mir mal ein Stück Lachsschinken (Lomo Curado Embuchado). Der ist echt lecker.

Ich merke, dass ich mehr Rad fahren muss. Habe seit meiner Zwangspause vor zwei Tagen leichten Druck auf den Ohren. Aber heute Morgen ist es mir zu kalt. Außerdem habe ich keine Handschuhe und Mütze dabei.

Endlich ist meine 12 GB Simkarte da. Und schon ist die Kacke am dampfen. In meinem Router lässt sie sich nicht installieren. Es fehlt eine PIN. Im Handy geht es. Auch ohne PIN. So richte ich sie mit Pierre dort ein und stecke sie dann wieder in den Router. Fehlanzeige. Dann das selbe noch einmal. Nach kurzer Zeit im Handy meldet sich dann das System, dass die Simkarte blockiert ist, wegen mehrfacher falscher PIN-Eingabe. Es wird jetzt eine PUK zum Entsperren verlangt. Auch die war im Lieferumfang nicht enthalten. Mist. Und über die angegebene Internetadresse des Anbieters komme ich auch nicht weiter. Gar nicht erst ran, da ich ja kein Internet habe. Wegen der blockierten Simkarte. Und Pierre ist mit seinem Freund Michael auf Spanienrundreise. Also sein Hotspot auch nicht erreichbar. Alles Mist mit diesen neuen Technologien. Melli wird später es schaffen, diese Karte doch zu aktivieren.

Mit aufreißendem Himmels gegen 14:30 Uhr schwinge ich mich noch einmal auf’s Rad und fahre hoch bis auf die Straße nach Mazarrón. Ich will mal testen, wie weit das bis dahin ist. Ich schätze es werden so 15 Kilometer sein. Also mal an einem schönen Tag nach dem Frühstück los, Wechselklamotten mit nehmen und am frühen Nachmittag zurück um vor dem Sonnenuntergang wieder auf der Ziegenwiese zu sein.

Wieder zurück auf den Platz. Jemand hat gerade einen Salat gemacht. Ich tausche ein bisschen davon gegen einen Teil meines Quarkkuchens ein. Anschließend gehen wir noch einmal mit der Hündin los. Die hatte heute ganz offensichtlich nicht genug Bewegung.

Gefühlt um 20:00 Uhr, real 18:00 Uhr ziehen wir alle uns zurück in unsere rollenden Burgen. Ins warme Bett. Ich mache mir noch einen Tee und schreibe noch ein bisschen.

Irgendwie kurvt draußen noch einer von der Sandblechfraktion rum und sucht einen Stellplatz. Er ist sehr wählerisch. Er findet scheinbar keinen Platz der seinen Offroad Ambitionen entspricht. Alles zu gerade. Oder es ist ihm hier vorne am Wasser zu gefährlich. Keine Ahnung. Will ich heute Abend auch nicht mehr wissen.

Morgen geht’s weiter ->

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