Albanien 2017 – Die Anreise

2017-07-24 – Es geht los nach Frohse

Traditionell geht es an unserem ersten Reisetag nur bis zum Campingplatz Magdeburg in Frohse.

Hier erwartet uns die Familie Hennig in ihrem Bibergrill wieder mit ihrem leckeren Bier, dem Treibgut, welches ihr Sohn in seiner kleinen Brauerei selbst herstellt.

Auf unserer Radrudfahrt überrascht uns dann ein mächtiger Regenschauer. Regen bis zum Abend.

Dann wieder trocken. Zumindest so in etwa. Treibgut am Bibergrill. Dazu zwei Bockwürste (DDR -Knacker) mit Kartoffelsalat (nicht mit Majonaise sondern mit Essig und Öl) und der Sauce, die eigentlich für die Currywürste gedacht ist. Heidi nimmt wieder paniertes Schnitzel, auch mit Kartoffelsalat.

2017-07-25 – Zum Malchovo Jezero

Es schifft schon die halbe Nacht. Der Ausblick vom Bett aus nach draußen ist trüb. Auch aus dem neuen Fenster am Fußende. So schleppe ich mich mit dem Hund raus und wecke die beiden Jungs von gestern Abend in ihren Zelten, die Heidi zum Frühstück eingeladen hat. So richtig fitt sind die Beiden auch noch nicht. Aber sie nehmen das Frühstück im Trockenen und Warmen freudig an.

Dann noch schnell Körperreinigung, bezahlen und los.

Heute will Heidi nach langem auch mal wieder fahren. Wie jedes mal verfahren wir uns auf dem Weg zur Autobahn. Dieses Mal, weil der direkte Weg durch eine Baustelle versperrt ist. So landen wir erst bei Calbe auf der A14. Dann geht es aber zügig voran.

Irgendwo eine Pinkelpause und kurz vor Dresden braucht Heidi ihren 14:00 Uhr Kaffee. Anschließend hat sie keinen Bock mehr auf Fahren. Jetzt klart der Himmel so langsam etwas auf. Sogar einige Sonnenstrahlen dringen bis zu uns durch. So fahre ich dann über Prina , Bad Schandau, Děčín bis zum Malchovo Jezera.

Hier haben wir schon letztes Jahr übernachtet. Auf dem Parkplatz davor, denn Hunde sich auf dem Campingplatz nicht erlaubt. 80,00 Kronen, also irgendwas um die 3,00 €. Dafür dürfen wir auch den Badestrand nutzen. Heidi ist es aber zu kalt. Daher radeln wir nur mit Lara teilweise um den See und landen in einer Sackgase auf einer Aussichtsplattform, von der man das wiedervernässte Naturschutzgebiet beobachten kann.

Etwas früher als bei uns gewohnt, gibt es heute schon gegen 19:00 Uhr das Abendessen. Tomatensuppe und fein gehackte Tomaten aus der Dose. Eine Dose aus der Sammlung silberner, entettiketierter Dosen, die uns unsere Nachbarn Tina, Andre, Eske und Marie Wohlers am 15-ten des Monats uns zur Silberhochzeit geschenkt haben. Also jedes mal eine „Wundertüte“, wenn Heidi das Abendessen vorbereitet.

2017-07-26 – Nach Bad Deutsch Altenburg (Österreich)

Wir können draußen frühstücken. Die Sonne kommt schon um 8:00 Uhr zaghaft durch die Wolken. Danach gehe ich erst einmal schwimmen. Das Wasser ist echt warm. Aber etwas grün von Algen. Dann eine Runde mit Rad und Lara. Dann kann es losgehen.

Bis Kolin auf der 38 geht es zügig voran. Dann kommen die Baustellen. Und ein Unfall mit Polizeibeteiligung. Also viermal Stau ohne Ende. Dadurch verlieren wir ungefähr zwei Stunden. Aber trotzdem kommen wir insgesamt wirklich gut voran. Um 2:00 Uhr ist für Heidi dann wieder Schicht am Lenkrad. Vier Stunden liegen hinter ihr. Erst einmal Tee trinken, dann klemme ich mich wieder hinter das Steuer. Immer weiter auf der 38 bis Znojmo. Kurz vorher auf die 408 wechseln und dann bei Hevlin nach Laa an der Thaya nach Österreich rüber.

Hier sieht es für uns überhaupt nicht nach Österreich aus. Keine hohen Berge, mehr so ein Mittelgebirge mit Hügeln. Und arm sieht es hier aus. Wenn wir mal die reichen Weingüter außen vor lassen.

Heute kommen wir bis Bad Deutsch-Altenburg und finden hier einen super Stellplatz direkt zwischen Kurpark und Donau. Morgen früh werde ich wieder schwimmen gehen. Bis dahin beobachtet Heidi die vorbeifahrenden Schiffe. Die sind hier ganz schön groß.

2017-07-27 – Nach Palic bei Sobotica (Serbien)

Die halbe Nacht hat’s geregnet. Heute Morgen auch! Aber nichts desto trotz, nach dem Frühstück will Heidi noch mal ins Dorf auf den Hauptplatz, weil auf irgend einer Infotafel stand, dass dort ein Konditor sein soll. Gestern, als wir auf dem Platz waren, wer dieser jedenfalls noch nicht oder nicht mehr dort. Auch heute Morgen ist hier kein Konditor, nicht einmal ein Bäcker zu finden. Nur ein „Kuchen“-Tresen in einem türkischen Super- oder mehr Minimarkt.

So können wir dann los. Es ist schon wieder nach 10:00 Uhr. Das ist unsere Erfahrung: Wenn es normal los geht, dann 11:00 Uhr, wenn’s mal früh sein soll, ist es irgendwas zwischen 10:00 und 11:00 Uhr.

Als wir von der Uferpromenade wegfahren, bleibe ich (!) in einer Rechtskurve an einem Seitenbegrenzungspfosten hängen. Nun ist der zweite Kratzer im neu lackierten Big Blue. Mist!

Es regnet so langsam vor sich hin. Aber wir kommen gut voran. Heidi immer auf der 38 Richtung Süden. Ich ab und zu auf dem Laptop nach der Route geguckt. Und immer wieder Buchungsanfragen für unsere Ferienwohnung und unseren Schäferwagen beantworten. Es geht schon wieder so los wie im letzten Jahr. Kein Tag ohne irgendwelche Buchungsanfragen.

Recht schnell sind wir in Ungarn. Der Übergang bei Hegyeshalom, ist auf der „Bundesstraße“ recht unübersichtlich. Wir ordnen uns bei PKW und Bussen ein. Und kein Schwein will was von uns. Wir fahren einfach rüber.

Ungarn hat sich nicht verändert seit wir vor circa 15 Jahren mit der Eisenbahn nach Griechenland gefahren sind: Flach und eintönig! Was will man hier außer ungarischen Wein trinken und Paprika essen?

Wir haben uns irgendwie zum Ziel gesetzt, so schnell wie möglich durch dieses Land durch zu fahren ohne hier Geld auszugeben. Denn wir wollen Ungarn zurzeit nicht nur wegen seiner Asylpolitik nicht unterstützen. Auch kein Geld hier lassen.

In Dunaújváros geht es über die Donau.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis Tompa. Die Grenze nach Serbien. Stau! Es gibt vier Abfertigungsspuren: LKW, PKW mit Pässen PKW mit EU-Pässen und PKW mit internationalen Pässen. Das können wir aber am Beginn des Staus nicht sehen. Aber irgendwann scheren wir einfach aus der Schlange aus, wie es auch andere tun und ziehen einfach bis vorne durch. Und hier ist es wieder erstaunlich. Die Ungarn kontrollieren bei der Ausreise! Dabei freuen die sich doch über jeden Asylsuchenden den man mit außer Landes nimmt. Und wie im letzten Jahr gucken sie erst einmal ganz dumm – ein LKW auf der PKW-Spur. Aber dann. Sie wollen reingucken. Na gut. Und wieder erobert Lara sofort das Herz der gut aussehenden Grenzerin. Der Rest ist Formalie. Papiere zurück und gute Fahrt.

Die Serben ein paar Meter weiter sprechen im Gegensatz zu den Ungarn fließend Englisch und sind bemüht. Kurzer Blick in die Papiere und eine „Gute Fahrt“ mit auf den Weg.

Das war es dann aber auch schon. Die Straßen echt gewöhnungsbedürftig und kaum eine Ausschilderung. Wir wollen in Palic an den dortigen See zum Übernachten.

Jetzt kommt alles zusammen. Die Datenkarte im mobilen WLAN-Router ist alle. Und im Ort wirklich keine Hinweise. Weder auf Straßennummern noch auf Ortsnamen, an denen wir uns orientieren könnten.

Aber mit der letzten runtergeladenen Google-Maps-Karte π mal Daumen und dem Sonnenstand die richtige Straße gefunden (Zufall). In Unwissenheit dessen an einer Tankstelle eine Straßenkarte gekauft und den Tankwart um Hilfe gebeten. Der meint, da braucht ihr keine Karte. Vierte Ampel rechts ab und dann noch circa 500 Meter. Die Karte habe ich trotzdem gekauft. Man weiß ja nie, was noch kommt.

Zwischen dem größten und dem nordöstlichsten See ist ein sehr breiter Damm mit zwei „Parkplätzen“ die sich wirklich sehr gut zum Übernachten eignen. 20 Meter vom Wasser und wenige 100 Meter vom Ort.

Wir erkunden gleich mal den Strand. Erschreckend ist vor allem eines: Trotz einer wirklich schönen Anlage ist hier trotz Hauptsaison Totentanz. Für denjenigen, der Ruhe sucht und nicht das Wohnmobilkuscheln, ist das hier genial. Ein Thermalbad ist auch in Griffnähe.

Heute Abend gibt es die fünf Wildbratwürste, die wir von unserem Schlachter Hüppe anlässlich unserer Silberhochzeit geschenkt bekommen haben.

Vielleicht bleiben wir morgen hier stehen. Mal einen Tag Pause machen.

2017-07-28 – in Palic bei Sobotica (Serbien)

Wir starten zu unserer Seeumrundung mit Verspätung. Mein Fahrradhinterreifen ist mal wieder platt. Also erst einmal Reparieren. Dieses Mal die einfache Tour. Den defekten Schlauch raus, über den Haken „Muss mal gemacht werden!“ gehängt.

Mal wieder einen Platten
Mal wieder einen Platten

Dann erst einmal das Dorf erkunden. Es gibt hier alles, nur kein Handy Laden. So kaufe ich mir für meine in die Knie gegangen Daten-Sim-Karte eine mit vier GB an der Tanke. Damit werde ich aber nicht klar kommen. Dazu aber später. Die Promenade von Palic kann sich wirklich sehen lassen. Viele Angebot für Alle. Wir treffen ein Privatorchester aus der BRD, die vor dem Kulturzentrum für den Abend proben. Mal sehen, vielleicht gehen wir hin. (Nein, wir werden essen gehen). Aber alles in allem, auch hier sind erschreckend wenig Menschen. Und das in der Hochsaison.

Am frühen Nachmittag ist es dann mit unserer Seeumrundung soweit. Dreiviertel des Sees lassen sich wirklich ganz gut mit dem Rad bewältigen. Obwohl der Weg als Wanderweg angelegt ist. Der Rest ist landwirtschaftlicher Wirtschaftsweg der üblen Sorte und Straße. Aber der erste Teil ist wirklich schön. Und wir haben reife Birnen, Pflaumen und Mirabellen gepflückt. Mein Müsli ist gerettet.

Unsere verschwitzten Leiber reinigen wir im Thermalbad direkt 200 Meter neben uns. 39°C Wassertemperatur. Und keine 10 Zentimeter ins Wasser. Riecht nach Teer und Jod. Es soll aber nur Jod sein erklärt uns ein Össi, der hier wohl seit Jahren auf die Heilung seiner Gelenke hofft. Wenn man nach 30 Minuten rausgeht, hat bei der Hitze heute der Kreislauf ganz schön zu tun.

Am Abend essen wir heute in einem Strandrestaurant Catfish (Seewolf! Nicht Seeteufel!). Lecker. Und es gibt hier Open-WiFi. In unserer Situation zurzeit wirklich nicht zu unterschätzen.

Beim Essen den Sonnenuntergang über den ehemaligen Badestegen genossen. Später am Abend bis zum Mückeneinfall noch am Auto gesessen und uns über die Teelichter vom Waschbären geärgert. Die brennen einfach nicht ordentlich!

2017-07-29 – Nach Cuprija am Autoput (Serbien)

Heute geht’s weiter. Wir haben beide schlecht geschlafen. Bei Heidi weiß ich nicht so genau warum. Ich mache mir Sorgen, wie wir den Weg ohne anständige Karten und ohne Google-Maps (Datensimkarte ist out off order) finden wollen. Die Rache der schlechten Vorbereitung. In Zukunft kommen immer ausreichende und ausführliche Straßenkarten in Papier (!) mit. Auf das Internet ist eben doch nicht immer Verlass.

Daher zuerst noch einmal zum Kulturzentrum. Hier das öffentliche WLAN – hier heißt es WiFi – nutzen um noch einmal von Google-Maps Scrennshots ziehen, damit wir den Weg runter an die kosovarisch-albanische Grenze bei Zub bei Dakovica finden. Aber es kommt dann doch immer anders als man denkt. Dazu aber später.

Wir ziehen noch einmal Geld vom Automaten und gehen in den Supermarkt: Kaffeesahne für Heidi, Paprika und Bier für uns Beide. Dann noch einmal zu Tanke und fragen, ob die mir bei der Freischaltung der SIM-Karte helfen können. Beide sind sehr bemüht – Dank dafür – aber leider ohne Erfolg. Aber ich habe jetzt verstanden, worum es dabei geht.

Später, wenn Heidi am Steuer sitzt werde ich das dann mir noch einmal vornehmen. Es ist hier vorweg genommen: Mit Erfolg!

Aber zurück zu unserer Routenplanung. Auf einer der ersten Raststätten kaufe ich zwei Straßenkarten. Auf beiden ist der bei Google-Maps aufgezeigte Grenzübergang nicht existent. Vielleicht für Fußgänger, Offroader oder Albaner mit mit Marihuana beladenen Eseln. Aber wohl nicht für uns mit Big Blue. So macht es keinen Sinne die alte Route bei zu behalten über die 21 nach Dakovica über Sabac, Valjevo und Novi Pazar.

So wird Heidis lange gehegter Wunsch – einmal im Leben noch einmal über den Autoput – erfüllt. Also über Novi Sad, Belgrad, Nis und Pristina nach Kukës. Und das Ganze um Umgehung der Mautvermeidung. Bis heute Abend kommen so 21,00 € zusammen. Denn, da Big Blue an der Vorderachse höher als 1,30 Meter ist und über 3,5 to höchstzulässiges Gesamtgewicht in den Papieren stehen hat, fahren wir in der Kategorie drei. Und das ist ein bisschen teurer als PKW.

Wir kommen bis Cuprija im Moravatal. Hier haben wir ein Déjà-vu. Als wir vor dem Ortseingang die Morava überqueren, sehen wir am Fuß der Brücke zwischen Bäumen versteckt kleine Wohnwagen und Zelte. Es stellt sich heraus, dass dies ein von der Kommune angelegter kleiner Grillplatz ist. Und so haben sich im Stil eines Sintilagers einige Leute schon niederlassen. Serbische Musik, zwei gemauerte Grills in Betrieb und gute Laune. Wir stellen uns ein bisschen abseits, da wir heute Nacht etwas Ruhe haben möchten um das Schlafdefizit der letzten Nacht auszugleichen.

Die Einheimischen gucken erst verdutzt, dann neugierig und dann sie fragen uns woher wir kommen, wohin wir wollen und wie es uns in Serbien gefällt. Wir schildern, dass die Freude über Serbien uns von einem Polizisten an einer Mautstation etwas vermiest wurde, da er von uns 5000,00 Dinar haben wollte, weil ich am Mauthäuschen den Sicherheitsgurt abgelegt hatte, um an das Geldreinreichefenster heran zu kommen. Er ließ sich auf 2500,00 Dinar runter handeln. Er steckte sich das Geld in die Brusttasche und wir durften weiter fahren. Aber sonst ist es ganz in Ordnung hier. Allerdings hat die Autoput nichts mehr mit der zu tun, die wir vor 35 Jahren immer nach Griechenland runter gefahren sind. Damals waren die Gefahr auf der Straße die LKW. Heute sind es die Testosteron gesteuerten Jungmannen aus den Ostblockstaaten inklusive Griechenland, die mit ihren Sportboliden und SUV’s auf dem Heimweg aus ihren Arbeitsländern zur Familie die Straßen zur Abenteuerpiste machen.

Am späteren Abend stößt noch Mauro zu uns. Er kommt aus Argentinien und ist mit seinem Fahrrad schon seit einem Jahr in Europa unterwegs. Jetzt kommt er gerade aus Albanien und will weiter nach Bulgarien und Rumänien. Spannend seine Abenteuer. Im letzten Winter hat er sich in Marokko im Atlas den Arsch abgefroren bevor mit seinen beiden Freunden in die Sahara gewechselt ist. Dann war es mit der Kälte zu Ende. Wir verabreden und zum Frühstück. Heidi will ins Bett.

2017-07-30 – Zum Leqeni i Batllava (Kosovo)

Wir frühstücken mit Mauro, machen einen kleinen Spaziergang mit Lara. Noch kurz unter die kommunale Dusche und dann los. Seit längerem lässt Heidi mich mal wieder den Beginn machen. Wieder rauf auf die Autobahn. Bis dahin ist nichts ausgeschildert.

Auf der Autobahn kommt dann kurz vor Nis etwas Unsicherheit auf, da auch hier die Ausschilderung nur sehr verhalten ist. Aber Heidi setzt sich durch und wir liegen richtig. Auf der 35 oder E 80 nach Pristina.

Bei der ersten Möglichkeit Tomaten, Paprika und eine Honigmelone am Straßenrand kaufen.

Und in der Folge passieren wir auch noch Zeugnisse der ethnischen Säuberungen in Serbien in den Kriegen der jüngeren Vergangenheit. So um 1999 rum.

Jetzt geht es verhalten in die Berge. An einer Tankstelle noch einmal das WiFi nutzen. Enttäuschung. Im ganzen Kosovo gibt es keinen Campingplatz. Mist. Abendliches WiFi wäre so langsam mal gut. Ich habe große Mengen zum Hochladen

Später wird sich rausstellen, dass es doch einige Plätze gibt. Offizielle und Möglichkeiten zum Freistehen.

Wir suchen uns per Google-Maps einen See kurz von Pristina. Dort  wollen wir es dann versuchen.

Auch auf dieser Strecke wieder dienstbeflissene Polizisten. Die winken und wirklich auf die letzten 20 Meter nach links raus. Dann wollen sie nur wissen, ob wir Touristen sind. Und ob wir aus Deutschland kommen. Und schon dürfen wir weiterfahren. Diese Infos hätten sie auch von vorne an unserem Auto erkennen können. Aber vielleicht hatten sie Langeweile.

Irgendwann beginnt der Stau. Ab Kilometer 240 Rückstau von der Grenze. Und keiner weiß, wie weit es noch bis zur Abfertigung ist.

Der Stau ist hier wohl auf diese Länge normal. Wenn man sich die Müllanhäufungen am Straßenrand anschaut kann man nur zu diesem Schluss kommen. Wenn die Dosen und Flaschen alle pfandpflichtig wären, könnte man hier echt reich werden.

So kann ich wieder etwas schreiben.

Eine Stunde hat’s gedauert. Dann erst noch der serbische Bulle. Völlig unerwartet kommt er von seiner Couch hoch und will was von uns wissen. Da er keiner Sprache mächtig ist außer seiner Amtssprache kommt kein zielführendes Gespräch zustande. Wir fahren einfach weiter im Stau Richtung Kosovo. Hier auch erst die Grenzpolizei. Sie sind erstaunt, dass wir zwar aussehen wie ein LKW, aber keiner sind. Kommen wirklich so wenig Verrückte wie wir mit solchen Autos wie wir hier über die Grenze?

Auf der Seite der Kosovaren erst die Grenzpolizei. Bemüht eine gemeinsame Sprache zu finden, dann kurz die Papiere gecheckt und weiter zum Zoll. Die haben uns erst einmal zum Versicherungsbüro geschickt, eine KFZ-Versicherung für den Kosovo abzuschließen. Denn hier sind wir in dem einzigen Land in Europa (so glauben wir) welches die grüne Versicherungskarte nicht anerkennen. 15,00 € für unser großes Auto für 15 Tage. Naja. Was mich wunderte war vor allem, dass nur Euro akzeptiert werden.

Dann gute Wünsche für unsere Weiterreise und einen schönen Aufenthalt im Kosovo und Albanien.

Und wir fühlen uns auch sofort wie in Albanien. In den nächsten ein einhalb Stunden drei Hochzeitskonvois. Und immer mit großen albanischen Flaggen dabei.

Und Waschbecken am Straßenrand. Die fände ich gut für unseren Schäferwagen – outdoor. Und bei dem Anblick kommt es mir komisch vor: Was haben die hier für schöne Badezimmereinrichtungen. Und wir bringen ein Waschbecken und eine Toilettenschüssel mit Spükasten mit. So Standardware, wie wir es bei uns kennen. Für unser Empfinden schön, aber eben Standard.

Waschbecken
Waschbecken

Heidi hat einen kleinen See bei Orlane ausgesucht. Circa 10 Kilometer östlich von der 35 /E 80. Und wir sind überrascht. Ein Stausee in leicht bergiger Landschaft. Der Liqeni i Batllava. Am hinteren Ende öffentlich begehbare, in diesem Land auch befahrbare, Strände mit Restaurant, Bar und Minimarkt. Und brechend voll. Wir parken Big Blue erst einmal irgendwie dort hin. Auf unsere albanischen Erfahrungen vom letzten Jahr bauend, dass alle zwischen 8:00 Uhr und 19:00 Uhr nach Hause fahren. Gut. Hier wird es 19:00 Uhr. Aber dann können wir unseren schiefen Platz gegen einen tauschen, der einer fast waagerechten Terrasse gleich kommt. Stühle und Tische raus. Vom Minimarkt ein paar eiskalte Bier geholt und es ist Feierabend.

Wenige verbleibende Familien mit ihren Kindern nähern sich vorsichtig Lara. Die Leute haben hier vor Hunden scheinbar erst einmal Angst. Das vergeht dann aber, wenn sie merken der Hund lässt sich gerne streicheln.

Und nun zum weiteren Punkt, warum wir uns, wie oben angesprochen hier schon wie in Albanien fühlen. Der Plastikmüll hier übertrifft unsere Erfahrungen aus dem letzten Jahr noch um Längen. Es ist unvorstellbar wie die Leute hier damit umgehen. Es bleibt wirklich alles, was nicht mehr gebraucht wird einfach liegen. Und die Krönung am Abend: Der Minimarktbesitzer macht einen großen Haufen von seinem Plastikkram gleich oben an der Einfahrt zum Strand und zündet ihn dann einfach an. So sind sie.

Was mich heute noch gewundert hat. Auf allen einschlägigen Wohnmobilstell- und Campingplatz Portalen werden für den Kosovo keine Plätze angeboten. Es mag sein, dass es hier wirklich keine Campingplätze gibt. Aber freie Übernachtungsplätze in wunderschöner Umgebung gibt es hier in Massen. Es mag zwar sein, dass das freie Übernachten hier verboten ist (wir wissen es nicht wirklich), aber bislang sind wir in allen Jahren, in denen wir unterwegs sind, nie wirklich abgewiesen, beziehungsweise von Ordnungskräften der Plätze verwiesen worden.

Dieser Platz hier am See ist wirklich toll. So haben wir heute Abend noch entschieden, einen Tag hier zu bleiben. Denn heute ist der 30-ste. Und unser Ziel war ist es am Ersten August an der Grenze zu Albanien zu stehen. Da können wir dann den 31-sten hier noch dranhängen. Durch den Minimarkt in circa 50 Meter Entfernung ist die Bierversorgung gesichert. Es kann also nichts schief gehen.

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2017-07-31 – Liqeni i Batllava

Irgendwann am Tag gehen wir in das Restaurant Liqeni. Nicht zuletzt wegen dem WiFi. Hier laufen wir dem Zimmermann Mehmet über den Weg. Es wird sich herausstellen, ein überaus faszinierender Mann. Er baut im Restaurant eine neue Treppe, die von der Terrasse direkt zum Wasser führt. Dabei hat er seine acht jährige Tochter, die perfekt deutsch spricht und uns endlos aus ihrem Leben erzählt und uns Löcher in den Bauch fragt. Auf angenehme Art.

Mehmet erzählt uns, dass er lange Zeit für die GIS (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit: Die Zusammenlegung von DED – Deutscher Entwicklungsdienst und GTZ – Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) gearbeitet hat. Viele Projekte mit angeschoben und durchgeführt hat. Aber hier im Kosovo muss er, wenn er seine Erfahrungen und seine Ideen für Projekte in diesem Land an zum Beispiel den Bürgermeister weitergeben möchte, gebührenpflichtig einen Termin vereinbaren, der dann aber vom Amtsinhaber nie gewährt wird.

Er muss zusehen, wie zum Beispiel die „Ingenieure ohne Grenzen“ hier am See Designer Papierkörbe aufstellen, mit Sicherheitsschloss und dreifachen Hinweis auf die Luxemburger Ingenieure, aber keiner daran denkt, dass diese Körbe auch mal geleert werden müssen. So gibt es hier am Stand einen Mann, der rennt den ganzen Tag von einem Ende des Standes zum anderen, und morgens räumt der die Körbe aus und steckt den ganzen Plastikkram an. Inklusive Dosen und Glasflaschen. Da kann man nur sagen super.

Wenige hundert Meter Richtung Orllan gibt einen riesigen Palastbau. Der ist nach dem Krieg begonnen worden, um ein Betreuungszentrum für Kinder, die durch die Jugoslawienkriege ihre Familie verloren haben, zu schaffen. Heute, circa 17 Jahre später ist es immer noch nicht fertig, die Kinder sind erwachsen und keiner hat mehr Interesse an dem Gebäude. Es verfällt vor sich hin. Inklusive der Hinweisschilder an die EU-Förderung.

Direkt daneben ein kleines Restaurant – Millenium – teilweise auf Stelzen in das Wasser hinein gebaut. Endlich mal wieder richtiges und kein Softeis essen. Und Entenküken vor uns im Wasser.

Trotz aller „Mängel“, dieser See ist wirklich ein wunderschöner Stopp auf dem Weg Richtung Albanien. Und wir werden auf dem Parkplatz, auf dem wir Quartier bezogen haben von niemanden, auch nicht von der Polizei belästigt.

Morgens noch vor dem Frühstück ins Wasser. Den Müll am Ufer muss man einfach „wegsehen“.

Es schmeckt
Es schmeckt

Heute Abend, die Treppe ist fertig, gehen wir im Restaurant essen. Einen kosovarischen Salat vorweg und dann gegrillte Forelle aus dem See als Hauptspeise. Die Luft hat sich abgekühlt und auf der Terrasse über dem See ist genau die Stimmung, die uns diesen Abend unvergesslich werden lässt.

2017-08-01 – Nach Besuch bei Mehmed an die Grenze Albaniens

Heute ist der Tag, der in unserem Plan uns an die Grenze nach Albanien führen soll. Wir gehen noch einmal in Liqeni um Mehmet zu treffen. Er ist fertig mit seiner Treppe und frühstückt gerade: Hausgebackenes Brot mit Rührei und einer weißen Soße, die wir selbst schon gestern mit unserem Salat genießen durften.

Er lässt nicht locker. Er wiederholt die Einladung in sein Haus circa drei Kilometer entfernt. Auf unserer Strecke. Wir können bei so viel Freundlichkeit und Beharrungsvermögen nicht nein sagen. Zumal sein Haus auf unserer Strecke liegt. Er hatte uns schon von seiner Pyramide und seinem Schiff erzählt. Die Pyramide, ehemals konzipiert als Ferienwohnung im Rahmen seines kleinen Gastronomie Betriebes, ist leider schon etwas verfallen, da er diesen Betrieb schon seit einiger Zeit eingestellt hat, da auch hier am See jetzt die Großen das Sagen haben. Und er hat nun mal leider keinen direkten Zugang zum Wasser. Aber er hat vor, es wieder zu restaurieren.

Aber auf dem dahinter liegen Grundstück, aufsteigend am Berg hat er mit seinen Brüdern drei Wohnhäuser, ein gemeinsames Küchenhaus, einen kleine Pool und einen Gemüsegarten aufgebaut beziehungsweise angelegt. Mehmet bewirtschaftet seinen Teil nach biologischen Ansätzen. Das ist hier wirklich nicht einfach und auch nicht üblich.

Nach Kamillentee, Honigmelone und Hausführung bringt Mehmet uns mit Regjina, seiner Tochter noch zur Tankstelle eines Freundes. Hier werden wir betankt für 0,98 €/Liter Eurodiesel.

Danach noch eine herzliche Verabschiedung und los geht es in Richtung Pristina. Wir werden Mehmet und seine Familie hier sicherlich noch einmal besuchen!

Kurz vor Pristina beginnt die Autobahn die bis an die albanische Mittelmeerküste führt. Ein Teilstück ist noch nicht fertig und wieder zeigt sich die unglaubliche Ausschilderung in diesem Land. Das war in Serbien nicht viel besser. Der Kartenleser wird hier richtig gefordert.

Um 14;30 Uhr passieren wir die Grenze bei Morinë. Und wieder mal, die albanische Grenze ist die für uns in weniger als fünf Minuten bewältigt. Da haben wir an innereuropäischen schon länger gestanden!

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