2016-08-19 – Gjirokastra – Magic night in stone

Heute Morgen verlassen uns zwei von unseren tapferen Abendessenmitstreitern. Sie wollen nach Himarë.

Ich bastele noch etwas an der Homepage für Zhanisa und Julian und hole dann die beiden letzten Tage unseres eigenen Reiseberichtes nach. Es haben sich eine Menge an Bildern angesammelt. Und ich kann jetzt auch auf die von Helga zurück greifen. Sie als professionelle Mediengestalterin hat da natürlich einen ganz anderen Blick für Fotoobjekte und eine wesentlich professionelle Ausrüstung zur Verfügung. Damit käme ich aber gar nicht klar. Denn ich bin dann von den vielen Möglichkeiten, die ein solcher Fotoapparat bietet, völlig überfordert. Ich finde ja schon an meiner kleinen Lumix nie die Filmfunktion wenn ich sie mal eben schnell brauche. Neben dem anderen Blickwinkel, einer thematisch ganz anders gewichteten Berichterstattung als die unserige, ist für mich in diesem Fall noch von Vorteil, und der ist nicht zu unterschätzen, dass sie Unmengen von Bildern von den typischen Sehenswürdigkeiten in Gjirokastra gemacht hat, die ich ja gar nicht auf dem Schirm habe, da ich lieber durch die auf ersten Blick unscheinbaren Wohngebiete strolche und dort die kleinen Sehenswürdigkeiten des alltäglichen Lebens versuche festzuhalten. Undgestellt und unmoderiert im Motiv.

Trotz aller Unterschiedlichkeiten sind auch ihre Reiseberichte nicht nur sehr informativ, sondern auch wunderschön zu lesen.

Einer solcher Unterschiede ist zum Beispiel heute gewesen: Gestern Abend hat sie nicht auf uns hören wollen und hat Bier, Wein und Raki in wilder Mischung mit ständig steigender Freude zu sich genommen. Heute hat sie ins Schwimmbad gekotzt. Das würde sie nie schreiben. Bei mir gehört es einfach dazu. That’s life. Ich berichte eben nicht nur über das Land in dem ich mich bewege, ich berichte auch über mich in diesem Land, was ich gut mache, aber auch wo ich Fehler mache, nicht nur wo es mir gut geht, sondern auch darüber, wenn es mir nicht so gut geht. Siehe mein Handicap durch meine Fußverletzung.

2016-08-19; Gjirokastra; Magic music in stoneGegen Mittag kristallisiert sich heraus, dass wir am Abend nach Gjirokastra radeln werden um ab 20:00 Uhr an der Magic Night in Stone, einer Folklore Musik- und Tanzveranstaltung, teilzunehmen.

Parallel dazu steht noch die Einladung von Julian im Raum, heute Abend ein Barbecue zu veranstalten. Er möchte das mal ausprobieren. Es wird für ihn eine Primäre sein. Und er glaubt, dass er das am besten mit uns machen kann, denn durch unseren „längeren“ Aufenthalt hier hat sich etwas entwickelt, was über das normale Gastgeber-Gast Verhältnis hinaus geht. Es hat sich eine Vertrauensebene entwickelt, auf der wir recht offen mit einander kommunizieren können. Lange Rede, kurzer Sinn, wir werden auf alle Fälle spätestens um 21:30 Uhr wieder hier sein und dann mit der Familie hier gemeinsam kochen, grillen, essen und trinken.

Die Familie von Helga schleppen sich ins Schwimmbad. Helga kotzt da rein und kommt völlig fertig wieder hierher zurück und versucht sich durch Schlafen den Kater weg zu kurieren. Sie hat natürlich allen denkbaren Spott auf ihrer Seite.

Ich setze mich zu ihrem Mann und wir unterhalten uns über uns (Männer). Bei ihnen ist das ähnlich wie bei uns, mal von den Kindern abgesehen. Sie eine Frau der schönen Künste, er Lehrer mit absolut technischer Ausrichtung. Ein Praktiker. Gegensätze pflastern ihren gemeinsamen Weg. Aber sie sehen das genauso erfrischend, wie wir in unserer Beziehung. Gegensätze ziehen sich nicht nur an, sie bereichern auch das Leben gegenseitig.

Er erklärt mir, wie ich unsere Homepage auf dem Server von WordPress trotz aller Verhinderungsstrategien des Providers, trotzdem extern sichern und Kopien erstellen kann, um gegebenenfalls irgendwann den Server oder Provider zu wechseln. Ein Tipp, den unser letzter Homepagebetreuer mir konsequent vorenthalten hat.

19:15 Uhr kommt Hektik auf. Denn plötzlich steht im Raum, in 15 Minuten geht es los. Ich noch schnell duschen, bei Ida muss noch die Kette am Fahrrad repariert werden, Helga schreibt noch an ihrem Blog, beziehungsweise komprimiert Bilder und kämpft mit den ständig leeren Akkus (Für das nicht erfolgte Laden selbiger wir der Ehemann schuldig gesprochen).

Wir schaffen es, fast pünktlich loszukommen. Und dann kommt für mich die Ernüchterung. Die Beiden haben mir den Weg im Vorfeld beschrieben, und da kam er mir nicht sonderlich beschwerlich vor: Die Hauptstraße hoch, dann links in die Altstadt und dann noch 100 Meter. Nicht Höhenmeter, sondern Streckenmeter. Jetzt stellt sich das ganz anders da. Gleich am Anfang der Hauptstraße links ins Wohngebiet und dann weit über 100 Höhenmeter auf grob gepflasterter Straße hoch und weit über 100 Entfernungsmeter ins das Wohngebiet rein. Die Sträßchen sind so steil und das Pflaster so rutschig, dass schon jetzt ich beschließe, mein Fahrrad nicht nur hoch, sondern später dann auch wieder runter zu schieben.

2016-08-17; Gjirokastra 02Oben angekommen ist das doch total schön hier. Auf dem Platz steht in der Mitte ein Obelisk. An diesem Platz steht angeblich die erste Schule Albaniens. Steht nur die Frage, ob das „erste“ qualitativ oder historisch gemeint ist. Drei Viertel der Umrandung des Platzes gibt den Blick auf das nächtliche Gjirokastra von oben frei. Die Mischung von weißer Beleuchtung und gelb strahlenden Laternen prägen eine prachtvolle Scene.

In traditionelle Trachten gekleidete Gruppen warten auf ihren Auftritt. Vier Lautsprecherboxen werden von einem Laptop mit Musik gespeist. Laut. Und laut heißt vor allem jenseits des sauberen Klanges. Voll im übersteuerten Bereich. Als die Tanzdarbietungen jedoch beginnen und das Publikum immer stärker in die Rundtänze mit einbezogen werden, nehmen wir dieses Scheppern nicht mehr wahr. Ich als militanter Nichttänzer habe meine Mühen, den Aufforderungen zu entgehen.

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Auch hier. Das Fernsehen
Auch hier. Das Fernsehen

Hier wuselt auch noch ein Filmteam herum, macht Interviews und filmt das Ganze für gleich zwei Fernsehstationen. Das erinnert mich unweigerlich an die Jahre, in denen wir auch immer ein Filmteam am Hacken hatten.

Helga und ich machen Fotos für unsere Reiseberichte. Bei ihr gehört dazu, Szenen zu schaffen, Leute zu gruppieren und ähnliches. Ich fotografiere mehr aus der sich ergebenden Situationen.

Um 21:00 Uhr beginnt für uns der Abstieg Richtung Campingplatz. Hätten wir das Barbecue nicht gestern Abend oder morgen Abend machen können. Denn die Stimmung hier oben lädt eigentlich zu Verbleiben ein. Aber Kohldampf haben wir auch. Und am Grill verspricht der Abend ja auch noch einiges.

Julian hat schon den Grill auf Arbeitstemperatur vorbereitet. Helga macht ihre Rosmarinkartoffeln und einen Salat, ich Schmorgemüse und als Vorspeise gedrehtes Spiegelei mit albanischen Salamis vom Schlachter. Albanische Salamis sind keine Rohwürste, wie wir sie als Belag auf Brot kennen, sondern mehr so etwas, was wir als eine gewolfte, leicht angebrühte Bratwurst kennen. Kann man kalt aber auch gekocht, gebraten oder gegrillt essen. Ist lecker.

Julian hat Schweinesteaks besorgt.

Unser Kreis ist heute erheblich kleiner als die Tage vorher. So besteht die Chance, dass nicht, wie gestern geschehen, ein anderer Gast des Platzes darüber beschwert, dass er wegen uns nicht schlafen könne. Und sich standhaft dagegen wehrt, unserer Einladung zu folgen und sich zu uns zu setzen um mitzufeiern. So soll der Abend dann auch ausklingen.

Ach ja. Irgendwann habe ich eine E-Mail bekommen, dass Heidi morgen früh um 7:00 Uhr wieder hier aufschlägt. So gegen 3:00 Uhr morgens geht die Tür von Big Blue auf und Heidi steht völlig übermüdet vor dem Bett und will nur noch schlafen. Da sie das Tor vom Platz nicht aufbekommen hat, ist sie über den Zaun geklettert und hat sich ihre Hose zerrissen. Das hatte gerade noch gefehlt. Und wie bestellt: Heidi ist wieder da, und irgendwo kläfft wieder ein Köter. Es ist schön, dass sie wieder da ist!

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