Von Lüchow bis Havelberg – 2014-08-28 bis 2014-09-01

Wappen der Stadt Lüchow (Wendland)
Lüchow

2014-08-28

Dieses Mal fahren wir beide mit Big Blue los. Ich möchte Heidi zeigen, wie weit ich beim ersten Mal gekommen bin. Denn ich fand Dömitz wirklich ganz nett: Den Standplatz und das kleine Örtchen.

Auf dem Hinweg möchten wir uns aber Lüchow ansehen.

Das erste Mal, dass Heidi mit Big Blue einen Parkplatz suchen muss. Aber es geht dann doch recht einfach. Auf der Brücke über die Jeetzel gibt es eine Standspur. Kaum stehen wir da und steigen aus, spricht uns ein Freak an, nachdem er sich Big Blue von allen Seiten angeschaut hat. Er sucht zurzeit auch so ein Wohnmobil und hat Big Blue im Internet gesehen. Aber wie es dann so ist. Er hat zu lange gezögert.

Auf unserem Spaziergang durch Lüchow finden wir eine schöne Eisdiele mit Hinterhofgarten. Das Eis ist lecker. Anschließend suchen wir noch das Büro der BI. Aber da haben wir keinen Erfolg.

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Big Blue trifft Beluga

So fahren wir weiter Richtung Elbe und treffen rein zufällig auf den symbolträchtigen Veranstaltungsplatz der Antiatomkraftbewegung des Wendlands. Das Mekka eines jeden Atomkraftgegners. Hier sind wir richtig. Alte Erinnerungen aus der aktiven Kampfzeit werden wieder wach. Ich hatte schon ganz verdrängt, das Greenpeace hier ihre erste Beluga „entsorgt“ hat. Der Platz strahlt Zuversicht aus.

Zu einer Umrundung des Zwischenlagers haben wir dann aber doch keine Lust.

So fahren wir dann weiter nach Dömitz.

Wappen der Stadt Dömitz
Dömitz

2014-08-28

Auf Grund der fortgeschrittenen Stunde, fahre ich erst einmal auf den Stellplatz in Dömitz. Die Erfahrung aus meiner ersten Tour ist ja auch folgende gewesen: Die meisten Wohnmobil Rentner suchen mit ihren rollenden Joghurtbechern spätestens ab 16:00 Uhr ihren Stellplatz auf. Wenn wir also noch einen Platz mit guter Aussicht haben möchten, dann müssen wir uns leider diesem Diktat unterwerfen.

Zielgerichtet steuere ich fast den gleichen Platz an, auf dem ich vor ein paar Tagen schon einmal stand. Der Platz ganz vorne, von wo aus man vor allem die Elbe und nicht die Nachbarn sehen kann, ist natürlich schon okkupiert.

Ich mache mich erst einmal mit dem Fahrrad auf meine Trainingstour. Anschließend fährt Heidi noch einmal eine Runde mit Lara.

Datschen am Wasser
Es gibt sie noch: Datschen
Dömitz Standplatz
Standplatz auf der Rampe der ehemaligen Eisenbahn Elbquerung

Dann packen wir den Grill aus, zünden die Gartenfackeln an und genießen den Abend.

Am nächsten Morgen radele ich schon vor dem Frühstück ein bisschen landeinwärts. Richtung Osten. Hier finde ich verschiedene kleine Kanäle an deren Ufern vereinzelt auch Datschensiedlungen liegen. Es riecht jetzt schon nach Grillen.

Nach unserem Frühstück besichtigen wir das Ortsinnere. Dieses Mal finden wir auch einen kleinen handwerklichen Bäcker. Direkt am Kirchplatz. Den habe ich beim letzten Besuch übersehen.

Am Ufer entlang tasten wir uns stromab vor. Die Festung, die innerhalb des Ortes direkt am Wasser liegt, ist beeindruckend, aber leider verrammelt und verriegelt.

Nachdem wir aus Dömitz raus sind, fahren wir durch den breiten Grünstreifen zwischen Deich und Ufer recht zügig Richtung Norden. Es ist ein angenehmes Radeln, denn die Berge fehlen.

Beim abendlichen Grillen suchen wir uns auf unseren Landkarten unser morgiges Ziel aus.

Vielleicht schaffen wir es bis Havelberg?

Wappen der Stadt Wittenberge
Wittenberge

2014-08-29

Heute wollen wir doch nur eine kurze Strecke fahren. Also nicht bis Havelberg. Über den Rudower See bei Lenzen nach Wittenberge.

Heidi bringt mir heute bei, dass Wittenberge was anderes ist als die Lutherstadt Wittenberg. Tja, ich bin eben ein Kind des Westens und habe zwei Jahre lang keinen Erdkundeunterricht gehabt, da die Lehrerin krank war. Ja, auch damals gab es schon Unterrichtsausfall, der bei Schülern Wissenslücken hinterlassen hat, die ganze Karrieren vernichten können. So sei diese mir entschuldigt.

Der Rudower See ist etwas enttäuschend. Die Hoffnung dort eine Runde Schwimmen zu können hat sich ganz schnell verabschiedet.

Also weiter stromauf. Wittenberge macht von Anfang an einen zwiegespaltenen Eindruck. Links von der Lenzener Straße, der Einfallstraße in diesen Ort, also auf der der Elbe abgewandten Seite, Plattenbauten und eine große Fußgängerzone. Auf der rechten Seite, also zwischen uns und der Elbe kleine Häuser, die teilweise den Charme eines Slums haben.

Wir tasten uns durch diesen Teil der Stadt Richtung Stadthafen und landen auf dem ehemaligen Gewerbegebiet einer für unsere Verhältnisse riesigen Ölmühle.

Heute wird hier kein Öl mehr hergestellt. Diese Industriebrache ist größtenteils mit EU-Geldern hervorragend saniert und zu einem Veranstaltungszentrum mit Gastronomie und Hotellerie ausgebaut worden. Hut ab. Eine gelungene Arbeit. Aber für uns ist hier kein Platz zum Übernachten.

Wir fahren wieder etwas stromab und erreichen so durch winzige Straßen den heutigen Hafen. Oder ist es mehr eine Marina? Hier stehen schon ein paar Wohnmobile. Wir packen uns dazu. Blick Richtung Wasser.

Des Ausflugsboot für Rundfahrten auf der Elbe verpassen wir leider. Wir sehen nur noch sein Heck.

Nachdem ich mit Gartenfackeln unseren Claim abgesteckt habe, gehen wir heute mal zu Fuß in die Innenstadt.

Der Stadtteil bis zur Hauptstraße mit den kleinen Häusern macht zu großen Teilen eine sehr verlassenen Eindruck. Die Auslagen in den Schaufenstern sehen teilweise wirklich noch so aus, als ob sie seit der Grenzöffnung nicht mehr angefasst worden sind.

In der Fußgängerzone angekommen sieht das ganz anders aus. Zwischen den Plattenbauten ist alles vorhanden, was der Bürger so wünscht: MC Doof, Lidl, MC Billig und so weiter. Am gegenüberliegenden Ende finden wir dann aber doch noch ein paar Orte, die sich von diesen uniformen Konsumtempeln abheben.

Auch einen großen leer stehenden Laden dessen Schaufenster dazu genutzt werden, die Geschichte von Wittenberge mit Bildern und alten Büchern zu dokumentieren. Das ist für mich das Interessanteste, was ich hier sehe.

08-29; Havelberg; Kranhaus
Mit modischer Lesebrielle

Auf dem Rückweg zur Marina kommen wir auf der Elbstraße am Kranhaus, einem Restaurant, was interessant aussieht, vorbei. Klein und mit Terrasse zur Wasserseite hin. Wir reservieren einen Tisch für zwei.

Gegen 19:00 Uhr ist es Gewissheit. Es war richtig, den Platz zu reservieren. Es ist brechend voll.

Der Ablauf hier ist ungewöhnlich. Zuerst bekommt Lara Wasser. Dann können wir Getränke bestellen und bekommen die Speisekarte. Ich habe natürlich wieder meine Brille vergessen. Die überaus aufmerksame Bedienung bringt mir sofort ein Kästchen mit einer Auswahl sehr modischer Lesebrillen.

Als wir die Bedienung ansprechen, wir wären soweit, auch das Essen zu bestellen, wird uns erklärt, dass die Essenbestellung der Küchenchef, Knut Diete, persönlich vornimmt. Interessant. Das habe ich so noch nie erlebt. Das Schöne daran ist, dass wir mit dem Fachmann selbst unsere Menüfolge auch losgelöst von der Speisekarte gestalten können.

Das Essen, natürlich beides Fisch aus der Elbe, war phänomenal. Alles bis hin zu den Beilagen ist sehr naturbelassen angerichtet, nicht mit Gewürzen verfälscht. Bohnen schmecken nach Bohnen und Kartoffeln eben nach Kartoffeln.

Nur die Sahne im Sahnemeerrettich schmeckt als ob sie aus der Sprühdose kommt. Nach dem Dessert kommt wieder der Küchenchef aus seiner Küche. Er unterhält sich mit seinen Gästen, auch mit uns, und fragt natürlich überall ‑ ganz beiläufig ‑ wie es denn geschmeckt hat. Heidi meint, dass es ganz vorzüglich geschmeckt hat, aber warum Sprühsahne? Da ist der Chef doch etwas pikiert und bestreitet das natürlich: „Ich koche selbst! Und ich weiß was ich in der Küche verarbeite.“

Wir werden uns, wenn wir das nächste Mal bei ihm speisen werden, entschuldigen müssen. Denn ein Gespräch mit Jan-Göran Barth, dem Küchenchef des Bundespräsidialamtes im Schloss Bellevue, der durch Zufall auch gerade hier, nämlich in der Ölmühle, ist, und durch spätere eigene Erfahrungen haben uns eines Besseren belehrt. Man kann echte Schlagsahne so schlagen, beziehungsweise aufschäumen, dass sie im Mund und auf der Zunge ein außergewöhnliches Erlebnis ist, sich geschmacklich aber ‑ zumindest für unser Empfinden ‑ der Sprühsahne annähert.

Wappen der Stadt Havelberg
Havelberg

2014-08-30

Die Fahrt nach Havelberg ist recht unspektakulär. Havelberg wird gerade für ein großes Fest herausgeputzt. Wenn wir die Leute hier richtig verstehen, findet auf der Havelmündung in die Elbe ein großer illuminierter Schiffskorso nach Einbruch der Dunkelheit statt. Zusätzlich findet zum Wochenende ein riesiger Pferdemarkt auf den umliegenden Wiesen statt. In der Stadt sind fast alle Straßen mit Imbiss- und Verkaufsbuden zugebaut. Selbst die große Durchgangsstraße wird gegen Abend gesperrt.

Bei der Suche nach einem geeigneten Stellplatz finden wir eine kleine Weide an der neben der Fähre nach Räbel. Hier lagern schon ein paar Schausteller. Oder sind es Pferdehändler? Egal, wir fragen die, ob wir uns dazu stellen dürfen. Da nichts dagegen spricht, bauen wir uns am gegenüberliegenden Ende der Wiese auf.

Mit dem Fahrrad und Lara fahren wir zurück nach Havelberg. Das ist eine schöne Strecke durch den Wald. Havelberg selbst ist auch wieder ein Mischung aus nachsozialistischem Verfall und teilweise aufwendiger Restaurierung und Sanierung.

In den Straßen finden wir noch Läden von Handwerkern, die in ihren Schaufenstern Sachen anbieten, die für uns aus einer anderen Zeit stammen: Alte Badeöfen, historische Schreibmaschinen, Lampen und Ersatzteile für Geräte, die bei uns kein Mensch mehr reparieren, sondern neu kaufen würde.

Der Kirchplatz mit seinen Gebäuden im Rund ist herausgeputzt. Kleine Geschäfte, Kneipen und Cafés finden sich hier. Wir setzen uns mit einem großen Eis vor die Eisdiele und beobachten das Treiben. Auf einer Bühne wird ein Musikprogramm dargeboten. Auf dem Platz stehen heute, wie im ganzen Ort, Markt- und Imbissstände.

Wir kaufen uns bei einer Schlachterbude noch ein paar Würstchen für heute Abend. Und machen uns auf den Rückweg.

Später, wir sind schon am Grillen, stoßen zwei ältere Männer zu uns, die mit einer Jolle von Dresden aus bis hierher gesegelt sind.

Die beiden bauen ihr Minizelt auf. Dann fängt es an zu regnen.

Wir packen unseren Grill in unsere Werkstatt und fragen die beiden, ob sie sich zu uns setzen wollen. Nach anfänglichem schüchternen Zögern kommen sie aber doch rein. Das ist wirklich geil hier in der Werkstatt. Wir können grillen ohne uns die Wohnung vorne voll zu qualmen. Das werden wir uns für schlechtes Wetter merken.

Wappen der Stadt Arendsee (Altmark)
Arendsee

2014-08-31

Nach dem Frühstück setzen wir mit der Fähre über die Elbe Richtung Räbel. Durch die Hansestädte Werben/Elbe und Seehausen geht es weiter nach Arendsee. Es ist schon interessant, welche Dörfer hier den Status einer Hansestadt haben. Die Erklärung liegt darin, dass die Elbe zur Entstehungs- und Blütezeit der Hanse eine wichtige Handelsstraße war. Und an dieser orientierten sich die Handelsplätze der Hanse.

Wir wollen auf unserer Fahrt nach Hause noch bei Heidis Cousine in Salzwedel vorbei schauen. Dazu legen wir am Arendsee eine Übernachtungspause ein.

Leider finden wir keinen Platz, an dem wir uns wild hinstellen können. Die Umgebung des Sees ist sehr umfassend mit Schildern gepflastert, die das Parken mit Wohnmobilen über Nacht außerhalb der Campingplätze verbieten. Und davon gibt es direkt am See nur einen. Eigentlich ein recht schön gelegener und gestalteter Platz unter Kiefern. Mit Kneipe, sanitären Anlagen und Mülltrennung.

Die Sommerferien sind zu Ende. Daher sind von den mehreren hundert Plätzen nur noch circa 50 belegt. So haben wir unsere Ruhe.

Nachdem wir uns den Ort Arendsee ‑ eigentlich nur einer große Straße ‑ angesehen haben, fahren wir mit dem Rad um den See.

Gleich zu Anfang sehen wir am Strandbad eine Tribüne auf dem Wasser. Ein Relikt aus Vorwendezeiten. Hier war zu Vorwendezeiten richtig was los. Aber jetzt auch hier: Die Saison ist zu Ende!

Auf dem Rundweg treffen wir auf mehrere kleine Fischräuchereien. Die Fischer sitzen mit an den Gästetischen und erzählen ihren Gästen aus ihrem Leben.

Durch unsere Radelei animiert möchten wir nun noch mit dem Ausflugsdampfer über den See fahren. Und wir haben Glück. Gegen 15:00 Uhr fährt noch einer.

Wir stehen vor der Landungsbrücke und warten mit einer Busreisegruppe von Landfrauen auf den Einlass.

Als wir an Bord gebeten werden entdecken wir ein ganz neues Problem. Lara weigert sich über den Landungssteg zu gehen. Kein gutes Zureden und kein Ziehen an der Leine hilft. Tragen scheidet aus. Dazu ist der Hund zu fett und zu schwer. Ich packe sie an den Vorderbeinen und ziehe sie an Bord. Die Landfrauen sind empört. Aber wir sind drauf. Und hier geht es Lara wieder gut.

Die Fahrt ist schön und interessant. Der Skipper kennt sich wirklich aus und hat Interessantes über den See, seine Entstehung und seine Geschichte zu erzählen.

Für den Abend haben wir in der Gaststätte Seglerheim, dem einzigen Restaurant am See, welches noch offen hat, einen Tisch reserviert und die Zusage erhalten, dass wir um 20:00 Uhr noch etwas zu essen bekommen.

Als wir dort ankommen, sind die Stühle schon hochgestellt. Mit mürrischem Gesicht wird dann aber doch noch unsere Bestellung aufgenommen. Während wir essen, steht die Servicefachkraft trippelnd hinter dem Tresen und macht mit ihren Blicken deutlich, dass wir ihr viel zu langsam essen. Sie will Feierabend haben.

Hätten wir uns bloß bei den Fischern Fisch gekauft und ihn auf dem Campingplatz selbst gegrillt.

Wappen der Stadt Salzwedel
Salzwedel

2014-09-01              Über Salzwedel nach Hause

Nach einem knappen Frühstück ‑ wir gehen davon aus, dass wir bei Heidis Cousine auch etwas zu essen bekommen ‑ brechen wir nach Salzwedel auf.

Wir kommen über die falsche Einfallstraße in die Stadt. Aber nach einigen Fragen und Probieren erreichen wir doch unser Ziel.

Und nach der Gartenbegehung gibt es erst einmal einen leckeren Eintopf.

Heidi hat sich mit ihrer Cousine viel zu erzählen.

Am Nachmittag fahren wir dann in einem Rutsch durch nach Hause.

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