Neustart Sommertour 2018

<- Das war vorher


2018-07-05 – Neustart – Auf zu neuen Ufern

Heute Morgen lassen wir es ganz geruhsam angehen. Die Hunde pennen heute auch bis 8:00 Uhr. Nur eine ganz kurze Phase gegen 6:00 Uhr des Tobens.

Die Hunde raus an die lange Leine und noch eine halbe Stunde dösen. Dann Frühstück, große Radtour mit Lara und Linda mit Bad in der Donau.

Anschließend treffen wir die endgültige Entscheidung: Wir fahren zu dem Vodní Nádrž Nové Mlýny. Also immer an der Morava entlang Richtung Norden. Dieser kleine Fluss ist gleichzeitig die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei.

Ich habe mir vor der Abfahrt ein Dörfchen ausgeguckt: Angern. Hier gibt es eine kleine Fähre über den Fluss. In der Vergangenheit hatten wir immer Glück mit Plätzen an kleinen Fährübergängen. Das soll auch dieses Mal so werden. Wir finden einen Zuweg zum Ufer, an dem kein Verbotsschild steht. Das nutzen wir schamlos aus. Unter einer riesigen Pappel im leichten Schatten bei mittlerweile 34°C gegen 13:00 Uhr machen wir den Motor aus. Tisch und Stühle raus und ein kleiner Imbiss mit Blick auf die kleine Fähre. Wie es scheint eine Goldgrube. Im Fünfminutentakt pendelt sie mit jeweils sechs Autos hin und her. Eine Auslastung von der unsere Fährmeister in Schweringen nur träumen können.

Hier gibt es auf der anderen Seite einen gut ausgebauten Radweg auf dem Deich. Den werden wir morgen ausprobieren. Denn wir können mit dem Seniorentarif die Fähre für 1,00 €/Person nutzen. Big Blue werden wir hier lassen. Wir haben so wieder einen Platz gefunden, der, unseren zurzeit besonderen Bedürfnissen unserer Hunde wegen, absolut optimal ist. Viel Platz zum „unbeaufsichtigten“ Rumgämmeln“ und gute Wege um mit dem Rad die Hunde zu fordern, so dass sie müde werden.

So bleiben wir auf dem Weg zu den oben genannten Seen auf der Hälfte der Strecke hängen. Aber wir haben immer noch sieben Wochen Zeit und brauchen nicht mehr die lange Anfahrt nach Albanien mit zu kalkulieren. Schon jetzt einfach da stehen bleiben, wo es schön ist!

Auf unserer Radtour finden wir niedliche kleine Fischerhütten. Die kann man teilweise sogar als Übernachtung mieten.

Gegen Abend rücken wir noch etwas von der großen Pappel weg. Es ist sehr windig geworden, und wir wollen keinen Ast auf unserem Dach provozieren. Morgen werden wir lesen, dass hier in Österreich schwere Unwetter getobt haben. Hier bei uns konnten wir ferne Blitze eines Gewitters beobachten. Schönes Schauspiel aber bei uns ohne Regen.

2018-07-06 – Angern – auch große Radtour mit den Hunden

Der Gewitterregen ist hier auch in der Nacht ausgeblieben.

Aber heute schaffen wir es echt mal nach dem Frühstück schon gegen 9:00 Uhr mit den Hunden los zu kommen.

Mit der Fähre auf die slowakische Seite und dann von Záhorská Ves Richtung Vysoká pri Morave. Teilweise auf dem Deich (der hier tatsächlich in einer Waldschneise verläuft), teilweise direkt hinter ihm kommen wir auf dem Grobasphalt richtig gut voran. Auch unsere beiden Hunde halten gut mit. Am Ziel finden wir eine kleine Badestelle in der Morave. Das tut gut.

Wir finden ein Storchennest. Ein verlassenes. Aber auf einer natürlichen Grundlage. Diese haben aber auch andere Tiere für sich entdeckt. Mag das der Grund sein, warum der Storch sich zurückgezogen hat? Angst vorm Zusammenbruch?

Auf  unserer Tour, besonders in Dorfnähe finden wir immer wieder alte Befestigungsanlagen.

Heidi ist nach wie vor unruhig. Sie erwartet immer noch das ausstehende Gewitter. Aber es kommt nicht. So binden wir, zurück in Záhorská Ves, unsere Fahrräder am Fährhaus an und schauen uns das Dorf zu Fuß an. Es strahlt genau diesen Charme aus, den man von den ehemaligen sozialistischen kleinen Orten kennt: Zwei Fabriken die dem Ort früher einen gewissen Wohlstand verschafften, sogar ein Bahnhof, ein „Kulturpalast“, mehrere Läden, die die Versorgung des Ortes sicherstellten. Heute sind die Produktionsstätten geschlossen – die Bewohner sind arbeitslos oder pendeln irgendwo hin. Sehr viele über die Fähre nach Österreich, wie wir beobachten konnten. Der regelmäßige Zugverkehr ein gegen einen selten fahrenden Linienbus ausgetauscht. Der Kulturpalast ist einem Fitnesscenter gewichen und von den Läden ist nur der Schlachter übrig geblieben. Aber die Kneipenkultur hat sich größtenteils erhalten. Es gibt hier einige. Wir kehren in die gegenüber vom Heldendenkmal (Helden wofür auch immer) ein. Sie hat sich „weiterentwickelt“. Hier ist das Zentrum der Sportwetten. Die Männer, die hier sitzen, sehen so aus, als würden sie versuchen ihre Renten oder ihr Arbeitslosengeld, wenn es so etwas hier gibt, zu vermehren. So wie sie aussehen, hat das bislang nicht so richtig funktioniert.

Aber der halbe Liter Bier kostet nur 1,20 €. Wiedermal mussten wir feststellen, dass wir €-mäßig nicht auf dem Laufenden sind. Wie vor zwei Jahren bei der Einfahrt nach Montenegro mussten wir uns belehren lassen: Die haben hier den €! Und wir waren ständig auf der Suche nach einem Geldautomaten, um uns mit der hiesigen Währung einzudecken.

Wir haben mal ausgerechtet, wie viel Bier wir am Abend trinken müssen, wenn wir das in einer Kneipe trinken würden, damit es in der Slowakei für uns günstiger ist. 1,20 € ein halber Liter in der Slowakei – 2,90 € in Österreich. Die Fähre für uns beide hin und zurück 4,00 €. Wir sind bei so bei drei Halben pro Person gelandet. So viel trinken wir nur in Ausnahmesituationen. Die sind hier noch nicht in Sicht. Also gibt es heute Abend wieder österreichisches Dosenbier. Knacke kalt aus dem Eisfach im gekühlten Kozel-Glas. (Wer nicht weiß was Kozel-Gläser sind, der sollte einfach mal auf unserer Elbereise 2015 nachlesen.) Ja, ich muss es wirklich betonen: Nachdem wir unserem Kühlschrank wegen mangelnder Kühlleistung angedroht haben, einen Kompressorkühler zu kaufen, schmeißt er sich wirklich wieder ran.

Wir haben hier Franz kennengelernt. Er veranstaltet als Kanu-Verl – auch hier auf der Morava – Paddeltouren. Ich habe Interesse, eventuell morgen mit Heidi eine Strecke im Kanadier zu paddeln. Aber wir wissen nicht, was unsere beiden Hunde dazu sagen. Ich spreche ihn an. Er ist sofort bereit uns unentgeltlich ein Boot mit Paddeln zur Verfügung zu stellen, mit dem wir das hier vor Ort ausprobieren können. Und wenn das gut geht, uns morgen früh 13 Kilometer stromauf zu bringen, damit wir dann ganz entspannt in circa drei Stunden hierher zurück paddeln können. Das ist doch ein Angebot! Leider wird nichts draus. Bei unserer Probe stellten sich mehrere Faktoren gegen diese Idee. Das Boot war für Heidi zu schwer zu tragen – und die Hunde waren auch not really  amused. So werden wir uns dann für morgen was anders überlegen.

Nach unserer abendlichen Hundetour fahre ich auf den Tipp vom Kanu-Verl ins Nachbardorf Mannersdorf an der March (so heißt die Morava hier in Österreich). Hier soll es einen schönen Gasthof geben. Den will ich mir anschauen für morgen Abend. Und vor allem den Weg dorhin, wie das mit den beiden Hunden geht. Kaum bin ich zurück, schlägt das seit gestern Abend angedrohte Gewitter mit Starkregen zu. Wir können gar nicht so schnell die Luken dicht machen und die Hunde retten, wie hier landunter ist. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Aber unser für heute angesetztes abendliche Grillen ist abgesoffen. Also wieder Grillfleisch aus der Pfanne. So wie Heidi kocht, ist das wirklich nichts Schlimmes!

2018-07-07 – Immer noch Angern – den Kopf frei bekommen

Heute Nacht hat es noch einmal richtig zugeschlagen – das Wetter. Ein Gewittersturm vom feinsten. Wir haben darauf gewartet, dass irgendwo Wasser eindringt oder irgendwelche Äste oder sonstige Teile ins Auto reinkommen. Aber nicht der gleichen ist geschehen. Und jetzt am Morgen scheint die Sonne. Frühstückswetter vom feinsten.

Dann geht es mit dem Radl auf der österreichischen Seite Richtung Norden. Vorbei an diesen kleinen Fischerhütten entweder an der Morava oder an einem ihrer toten Arme. Bis zum Bahnhof Stillfried. Auf den ersten Blick ein kleiner runter gestufter Bahnhof mit keiner großen Bedeutung. Auf den zweiten Blick echt sehenswert. Im Gebäude ist ein kleiner Bauernmarkt fest installiert auf dem hiesige bäuerliche Betriebe und deren kleine regionalen Verarbeiter, zum Beispiel Bäcker oder Metzger, ihre Produkte anbieten. Wir kaufen Eier und Bauchspeck. Nachdem wir Kaffee und Tee getrunken haben.

Dann geht’s zurück. Wir finden an einer Fischerhütte einen kleinen Kiesstrand den wir uns dann mit einer Kanureisegruppe teilen. Baden, in der Sonne sitzen und trocken, unsere Hunde dabei beobachten, wie sie große Muscheln ausbuddeln und noch einmal baden.

Zurück bei Big Blue an der Fähre erste einmal die Seele baumeln lassen. Den Fährmeistern zusehen und den Kopf frei kriegen. So langsam kommt Erholung auf.

Franz vom Kanu-Ferl taucht auch wieder auf. Es macht Spaß sich mit ihm zu unterhalten. Ach so ein Freigeist und hat in seinem Leben auch schon vieles Interessantes gemacht. Leider hat er heute keine Zeit mit uns ins Gasthaus Traube in Mannersdorf zum Abendessen zu gehen. Schade. Aber er ist so ein Typ, dem laufen wir bestimmt noch einmal über den Weg.

Endlich dringt in mein Bewußtsein, natürlich von Heidi annimiert, dass zwischen Big Blue und der Morava unendlich viel wilder Meerrettich wächst. Mit meinen Erfahrungen im Spargel klauen schaffe ich es ein paar Wurzeln aus der Erde zu bekommen. Diese schäle ich dann und hacke sie in kleinste Würfel – denn unsere Reibe ist irgendwie abhanden gekommen – um sie dann in ein Glas mit Olivenöl zu versenken. Heidi ist pessimistisch, ob das klappt. Aber sie mag sowieso kein Meerrettich und bremmst das Thema daher gerne aus.

Für uns ungewöhnlich früh, gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Mit dem Fahrrad bis an die Hauptstraße von Mannersdorf. Bis hierhin können die Hunde frei mitlaufen. Wir schließen die Räder an einer kleinen Sitzgruppe mit Dach, nehmen Lara und Linda an die Leine und gehen die letzten 200 Meter zu Fuß.

Im Hinterhof unter einer wunderschönen Weinlaube bekommen wir eine hervorragende Weincremesuppe als Vorspeise, einen Grillteller und einen Rahmrinderbraten als Hauptspeise und einen Eispalatschinken als Dessert. Alles wirklich lecker. Das Bier auch. Und es läuft Fußball. Nicht hier, aber im Fernseher. Daher erleben wir ein wirklich ruhigen Abend.

Irgendwann stößt noch ein zweites Pärchen dazu. Die sind mit dem Motorrad unterwegs. Die haben uns von ihren Reisen vor allem mit dem Fahrrad erzählt und uns einen Tipp auf einen See irgendwo im Dreiländereck Polen, Slowakei und Tschechien gegeben.

Jetzt zurück an der Fähre, es ist 21:42 Uhr, hat Heidi entschieden, dass sie heute mal den Feierabend der Fährleute miterleben will. Also bis 22:00 Uhr durchhalten! Bei dem lauen Lüftchen heute Abend kein Problem.

2018-07-08 – Poysdorf

Unser Wasser ist alle. Wir müssen nachtanken. Dafür haben wir uns den Campingplatz in Poysdorf ausgeguckt. Er liegt auf dem Weg Richtung Brno und direkt an einem kleinen Badesee.

Nach dem Frühstück und der Hundeabarbeitungs-Fahrradtour läuft uns Franz noch einmal über den Weg. Er bespaßt wieder eine seiner Paddelgruppen. Dann machen wir uns auf den Weg. Es sind ja nur ein paar Kilometer.

Am Ziel ist die Rezeption nicht besetzt. Ein Schild fordert uns auf, einfach einen freien Platz zu okkupieren. Wir sind – obwohl wir ja nicht so die Campingplatzfreunde sind – von der Großzügigkeit der einzelnen Parzellen überrascht. Diese sind so großzügig bemessen, dass wir mit Big Blue mit ausgefahrener Markise immer noch Platz hätten, einen Wohnwagen mit darauf zu stellen. Der Badesee liegt gleich auf der anderen Seite des Zaunes, der durch die vielen Türen kein wirkliches Hindernis um dahin zu gelangen darstellt. Ein sehr gepflegter Rasen bis ans Wasser, ein kleiner Sandstrand und mehrere Treppen ins Wasser – auch von einer kleinen Insel aus – laden auch uns ein, hier zu baden und uns auf dem Rasen anschließend trocken zu lassen. Leider verzieht sich die Sonne genau in diesem Moment hinter den Wolken. So gehen wir dann doch noch warm Duschen. Von diesem Sanitärhaus war ich geplättet. Einen so umfangreich, vom Ambiente und der Funktionalität her super eingerichteten Sanitärbereich haben wir – und wir schon viele gesehen – noch nie angetroffen. Wir müssen diesem kleinen Platz – 20 Parzellen für Reisende – unser uneingeschränktes Lob aussprechen. Und das Paar, welches diesen Platz im Auftrag der Gemeinde betreut, muss ebenfalls ein hohes Lob gezollt werden. Die Anlage ist angenehm gepflegt und sauber. Das haben wir hier nicht erwartet und empfehlen diesen Platz wirklich gerne weiter.

Nur für Hunde ist es hier nicht ganz einfach. Im Bereich der Naherholungsanlage des Badesees ist mit Tieren alles verboten. So gehen wir mit unseren beiden Hunden auf der gegenüberliegenden Seite durch die Weinberge. Ich bin erstaunt. Hier haben die Winzer es geschafft tatsächlich aus der Weinanbaumonokultur, die man ja so aus den Weinbaugebieten kennt, zu vermeiden. Zwischen den Weinfeldern steht Getreide, Mais, Weideland und Wildwuchs. Es findet hier zwar – man kann es nicht verheimlichen – eine intensive Bewirtschaftung statt. Aber durch die Vielfältig- und Kleinteiligkeit der einzelnen Stücke können sich hier sogar immer noch Insekten halten. Auf welchen landwirtschaftlichen Flächen hören wir in unseren Breiten noch Grillen, sehen wir Schmetterlinge oder sonstiges Kleingetier? Hier ist es der Fall.

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Auf dem Rückweg finden wir noch einen Baum mit reifen Marillen. Eine Handvoll davon wird in meinen nächsten Müslis landen.

Gegen Abend ist die Rezeption wieder besetzt. Beim lockeren Einchecken wird mir auf meine Frage, wann wir am Abreisetag den Platz geräumt haben müssen, geantwortet: 14:00 Uhr. Das ist schon eine angenehme Aussicht auf morgen. Da können wir ausschlafen, noch mit den Hunden losgehen, Heidi will noch mit dem Rad in den Ort. Und bis Brno ist es ja auch nicht weit.

So können wir uns auf’s Abendessen in Ruhe freuen: Bratkartoffeln mit Rührei.

2018-07-09 – Hängen geblieben in Poysdorf

Nach dem Aufstehen und dem Hundebespaßen – eine Radtour Richtung Ameis – entschließen wir uns, einen Tag länger hier zu bleiben. Heidi fährt mit dem Fahrrad in den Ort. Das kommt mir entgegen: Ich bleibe hier und passe auf die Hunde auf.

Hier ist ein Pilgerweg für irgend eine Maria soundso ausgeschildert und ein Radweg namens 995. Die Schilder dazu stehen recht sporadisch in der Gegend rum und die Wege sind – manchmal – bessere Feldwege. Da sind wir anderes gewohnt. Aber der Poybach ist in der Nähe und die Hunde können immer mal wieder abtauchen. Übrigens, Linda ist mittlerweile die größere Wasserratte von den Beiden. Sie geht immer ins Wasser wenn welches da ist. Lara nur wenn ihr wirklich heiß ist oder sie Angst hat, dass wir ihr wegschwimmen und sie alleine zurücklassen.

Ein Besuch im Ort lässt uns nachdenken. Auch der Ort ist wirklich sehenswert. Und wer dem Wein frönt, der kann hier was erleben. Mindestens ein Winzereibetrieb macht je Tag hier Verkostungen. Das Ganze ist meist mehr ein Restaurantbesuch: Menü und Weine kennenlernen. Daher ist uns mittlerweile unverständlich, warum der hiesige Campingplatz hauptsächlich von Kilometerfressern genutzt wird: Spät Abends ankommen und Morgens früh weg. Kroatische Küste bis hier an einem Tag mit Wohnanhänger. Ich sag da mals nicht zu.

Neben einem Oldtimermuseum und einer außerhalb liegenden Kirche haben wir noch eine Menge „touristische“ Attraktionen gesehen. Aber wir sind ja nicht so die Sightseeing Hoppers. Uns haben mehr die Radwege und der Badesee interessiert.

Als wir zum Abendessen draußen unter unserer Markise – das erste Mal – sitzen kommt die Frau vom Platz vorbei und schenkt uns noch selbstgemachten Johannisbeerkuchen. Sie hat diesen uns mit dem österreichischen Namen vorgestellt. Haben wir aber nicht verstanden oder können uns diesen Namen nicht merken. Ist aber total lecker. Danke dafür.

2018-07-10 – Weiterfahrt an die vodní nádrž Nové Mlýny-dolní Seen

Nach Frühstück, mit den Hunden die erste Runde drehen, schwimmen, fahrfertig packen, duschen und bezahlen geht es Richtung Tschechien los.

Noch bei Hofer (österreichischer Aldi) vorbei und ein bisschen einkaufen. Wir müssen auch hier wieder erkennen, dass Hofer wirklich ein anderes Qualitätsmanagement hat als die Mutterbetriebe in BRD. Unmengen an Bio und regionalen Produkten. Mit Herkunftshinweis. Zum Beispiel Kartoffeln bei denen wirklich bis auf den Anbaubetrieb die Herkunft angegeben ist. Warum können das unsere deutschen Einzelhändler nicht?

Die Grenze ist nah und mal wieder unbewacht. Irgendwie versäumen wir, uns tschechische Kronen an der Grenze zu besorgen.

Dann finden wir uns erst einmal auf der mautpflichtigen Schnellstraße 52 wieder. Also schnell runter und nach Pavlov an den See. Campingplätze entwickeln sich hier immer mehr zu Plätzen mit stationären Mobilhomes. Wohnmobile werden hier gar nicht gerne genommen. Und die die welche nehmen, da passen wir auf Grund unserer Größe nicht drauf. Meist ist schon das Tor ein ununterwindliches Problem. So stellen wir uns am Damm bei Dolní Věstonice in die Büsche.

Nach zweimal umrangieren haben wir unsere Position gefunden. Räder raus und auf dem Deich mit den Hunden Auspowertraining machen. Das klappt auch hervorragend. Keine Ablenkung für Lara und Linda außer verdächtig vielen toten Fischen am Ufer. Es war sehr heiß die letzten Wochen. Wir denken, dass im Seewasser ein gewisser Sauerstoffmangel herrscht, welcher zu diesen toten Fischen führt.

So langsam merken wir, dass wir hier schon einmal (erfolglos) waren. Genau, auf unserer ersten Albanienfahrt in 2016 haben wir auch hier versucht zu übernachten und aber keinen geeigneten Platz gefunden. Wir sind dann nach Pouzdřany gefahren und haben dortigen Seengebiet an einem Fahrradweg zwischen Weinkellern übernachtet. War auch sehr schön dort.

Nach unserer Radtour bin ich alleine noch einmal nach Dolní Věstonice geradelt. Irgendwie ist hier eine ganze Menge kleintouristischer Infrastruktur vorhanden. Eben auch viel in Verbindung der Winzereibetriebe hier. Aber irgendwie ist nicht los. Schöne Pensionen aber keine Menschen zu sehen. Die kleinen Imbissbuden, als wir ankamen noch voll besetzt stehen jetzt so gegen 19:00 Uhr vereinsamt da. Dabei ist das hier ein echt schöner Landstrich. Man könnte ihn vom Ambiente mit Rheingau oder Mosel vergleichen. Ich verstehe es nicht.

2018-07-11 – Dolní Věstonice

Bei trüben Wetter den ganzen Tag die Hunde um die Seen gescheucht. Es ist wirklich schön hier. Nur die vielen Angler schmeißen die Reste ihrer gefangenen Fische, die sie sich dann grillen, in die Gegend. Und Lara ist da eine Fressmaschine. Und Linda lernt von ihr. Das nervt. Aber trotzdem alles gut. Trotzdem schöne Stellen in den beiden Orten gesehen.

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Am Abend drehen wir nach einem ausgiebigen Regen nochmal eine kleine Runde. Die Abendstimmung ist faszinierend: Klare Luft und die Sonne teilweise unter den verbliebenen Wolken. Die Schwanenfamilie sitzt am Ufer und putzt sich für die Angler heraus in der Erwartung etwas vom Beifang abzubekommen. Mehr als diese Bilder wollen wir euch heute nicht zeigen.

2018-07-12 – Veselí nad Moravou

Nach unserer Entscheidung, uns doch mehr an Flüssen als an Seen zu orientieren, sind wir zurück an die Morava (Slowakei), March (Österreich) und hier heißt sie jetzt Moravou. In Veselí finden wir mehr durch Zufall einen kleinen Platz, an dem hauptsächlich (Haus-) Bootreisende rasten oder übernachten. Irgendwie ist uns nach über einer Woche Freistehen der Sinn nach etwas „Geselligkeit“. Der Platz ist schön angelegt. Wir stehen mal wieder direkt am Wasser des Baťův Kanals.

Als erstes gehen wir Einkaufen und gucken uns dabei das Zentrum dieser Kleinstadt (?) an. Wir haben es schon auf der gesamten Strecke hier in Tschechien bemerkt: Es gibt kaum Leerstand. Überall wird gebaut, saniert oder modernisiert. Privat oder von Staats wegen. Fußgängerzonen wachsen überall aus dem Boden, Geschäfte werden angesiedelt und was hier besonders auffällt, sind die überaus großzügige Anlage von Radwegen mit einer bestechenden Ausschilderung. Und diese Wege sind mit einheimischen Radfahrern und Radtouristen sehr stark frequentiert. Die Gegend bietet sich dafür auch an.

Unsere erste Radtour am Kanal Richtung Süden ist richtig entspannend. Wir können die beiden Hunde frei laufenlassen, da es hier keine Angler gibt, denen Linda die Köder wegfressen will oder die ihren Fehl- beziehungsweise Beifang einfach in der Botanik entsorgen.

Wir beobachten die Boote auf dem Kanal: Hausboote die man mieten kann für längere Touren, kleine Boote für Tagestouren und „Touridampfer“, die Gruppen auf dem umfangreichen Fluss- und Kanalsystem umher schippern.

Anschließend packen wir die beiden Hunde in Big Blue und radeln in Richtung Norden zu einem See bei Uherský Ostroh. Der Weg zieht sich länger hin als gedacht. Eine Reisebus große Radlergruppe aus Unterfranken kommt uns entgegen. Dies ist für uns der Moment umzudrehen. Auf dem Rückweg sind wir ganz schön fertig. Haben uns wohl etwas übernommen.

Am Platz zurück ist es glücklicherweise schon 18:00 Uhr und so können wir uns im Pavillon des Platzes dem ersten Bier hingeben. Der Junge, der den Laden schmeißt und auch bekocht, erklärt uns die in Tschechisch gehaltene Speisekarte auf – uns verständlichem – Deutsch. Die erste Speise ist Kohl- beziehungsweise Krautsuppe. So ein Zufall. Denn die haben wir auch in Big Blue. Die hat Heidi schon vorbereitet. So bleibt uns nur die Aussicht auf ein Essen im Restaurant für morgen. Nach dem Essen noch ein Bier in der Bar. Anschließend noch den Tag zusammenfassen und dann ins Bett.

2018-07-13 – Veselí nad Moravou (Zweiter Tag)

Es beginnt leider wieder ein trüber Tag. Ausgedehnte Spaziergänge an der Moravou und dem Baťův Kanal. Ein bisschen kürzer treten heute. Habe mich mit meinem linken Kniegelenk gestern etwas übernommen. Tut weh.

Wir kommen auf dem Rückweg von hinten in den hiesigen Schlosspark.

Auf einer Infotafel wird gezeigt, dass um 1900 der hiesige Bewohner sich hat eine kleine Schmalspurbahn durch den Park zum Zweitschloss am anderen Ende der Anlage bauen lassen. Die fotographische Dokumentation auf der Stelltafel lässt das Herz eines Modell- und Museumseisenbahnfans höher schlagen: Mit Dampflok, mehreren Waggons, viel Gleiskörper bis hin zum Lokschuppen. Aber alles nicht mehr vorhanden. Leider.

Etwas einkaufen – endlich wieder Kozel Bier. Und auch Heidis Suche nach Lakritzen ist auch mit Erfolg beschieden. Es ist Freitag, der 13-te.

Jetzt mal erkunden, was mit dem Schwimmbad auf der anderen Seite los ist. Und eine Bootsfahrt für morgen buchen.

2018-07-14 – Veselí nad Moravou (Dritter Tag)

Frühstück, für heute Abend einkaufen, die Hunde bewegen und dann zum Schiff. Es startet um 10:00 Uhr hier auf dem Platz nach Strážnice. Wir haben uns das heute als touristisches Ereignis vorgenommen nachdem wir uns in den letzten Tagen nicht für Kanuing oder dem Mieten eines kleinen Motorbootes entscheiden konnten.

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Das Schiff ist fast voll. Wir haben uns für das Oberdeck entschieden, damit für die beiden Hunde mehr Platz ist. Der Skipper kommt auch gleich vorbei und stellt den Beiden einen großen Eimer Wasser hin.

Von hier oben haben wir einen sehr schönen Überblick über diesen interessanten Kanalbau. Dieses Kanalsystem ist angelegt worden um zum einen den Grundwasserspiegel hier in der Region zu regulieren und zum anderen einen Wasserweg zu haben, auf dem man Güter transportieren kann. Der Kanal kreuzt mehrfach die Morava. Die unterschiedlichen Wasserpegel werden durch ein umfangreiches und ausgeklügeltes Staudamm und Schleusensystem ausgeglichen. So erleben wir heute auch mehrfache Schleusungen. Diese Anlagen sind klein und werden von Schleusenwärtern oder Wärterinnen gesteuert. Die Durchfahrt ist auch für die Haus- und Kleinboote umsonst. Das Ambiente hier und die Stimmung vor allem an den Schleusen erinnert mich an den Canal du Midi in Südfrankreich, der vom Mittelmeer nördlich der Pyrenäen bis fast an den Atlantik verläuft. Unter Brücken müssen wir die Köpfe einziehen und vom Ufer reichen zurzeit Mirabellenbäume ihre fast reifen Früchte an Bord.

In Strážnice angekommen finden wir uns erst einmal in einem touristischen „Zentrum“. In einem kleinen „Hafen“ tummeln sich die Touristendampfer, die Hausboote, die kleinen Motorboote und Kanus. Die Radfahrer, die es hier in der Gegend zuhauf gibt. Das haben wir schon 2015 auf unserer Elbetour erfahren müssen: Die Tschechen lieben scheinbar das Radeln.

Wir tippeln erst einmal etwas am Ufer entlang um den Hunden ein erfrischendes Bad zu gönnen. Leider sind die Ufer meist so steil, dass sie sich nicht rein trauen. Ein kleiner Schubs kann da Wunder wirken. Kaum drin paddeln sie um die Wette. Und das Rauskommen ist wirklich nicht problematisch für die Beiden. Wir wundern uns immer wieder, wie sie sich am Ufer hochziehen.

Dann machen wir uns auf einen kleinen Rundgang durch den Ort. Wir sind erstaunt. Mehrere schloss- beziehungsweise klosterartigen Großkirchen dominieren das Stadtbild. Ein großer Park, in dem in seinem Atriumtheater ein Musikfestival von Beat Radio – übrigens ein geiler Sender hier / Rock aus unserer Jugend – vorbereitet wird lädt zum pausieren ein. Und auf dem Weg zurück Hafen finden wir auch noch das Freilichtmuseum Strážnice. Und hier kommt unsere nicht vorhandene Planung wieder mal ins Wanken. Das will sich Heidi genauer ausschauen. Daher werden wir in den nächsten Tagen dann erst einmal nicht Richtung Norden weiterfahren sondern die paar Kilometer stromab Richtung Süden und uns dort einen schönen Platz suchen, von dem aus wir dann uns das hier noch einmal genauer anschauen können. Kultur, ich hör dir trapsen.

Auf der Rückfahrt regnet es ein bisschen. In Veselí ist das aber schon wieder vorbei. Wieder mit den Hunden ans Wasser, dann unser erstes Feierabendbier hier in dem Platzrestaurant. Mit einem Haufen in Olivenöl gerösteten Brot mit Knoblauchzehen zum individuellen Verreiben. So fällt dann unser Bauernfrühstück (Bratkartoffeln mit Rührei) heute aus und es gibt einen Salat mit Ei. Wir waren schon vom Brot pappsatt.

Noch ein paar Runden Mölkki und dann können wir es nicht mehr unterlassen. Wir tapern noch einmal rüber zu dem Musikfestival im hiesigen Schlossgarten. Wunderschön in der Anlage eine Bühne aufgebaut, ein paar Stände für das leibliche Wohl. Nur die Musik ist dann doch nicht so ganz die unsere. Aber im direkten Umfeld finden wir noch schön eingerichtete Spielplätze. Für Kinder tun die hier einiges.

So komme ich dann doch noch zum Schreiben. Jetzt aber treiben mich die Mücken rein in Big Blue. Morgen haben wir Hochzeitstag.

2018-07-15 – Veselí nad Moravou (Unser Hochzeitstag)

Wir waren im Schwimmbad gleich neben dran. Heidi als Sportlehrerin findet, wenn wir bei uns solche Schwimmbäder hätten, dann wäre das ein ungemeiner Zugewinn. Es gibt alles. Und das vom Feinsten. Nur keine Sprungbretter, dafür darf man überall im Bad essen und trinken. Pizza und Bier am Beckenrand. Und erstaunlicherweise nichts davon im Wasser.

Heute grillen wir uns Klobasa. Seit langem mal wieder unseren Mu kratha aus der Kiste geholt. Er funktioniert immer noch. Kann ja auch nichts dran kaputt gehen. Vor allem, wenn man nur die Feuerschale nutzt. Wie wir heute Abend.

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Am Abend zum Feierabendbier ins Bistro BaŤák. Roman, Tereza und Baira, die drei machen hier wirklich einen tollen Job. Das Bier schmeckt und das Essen ist lecker (Das haben wir schon der Tage ausprobiert). Kleine Karte, aber oho. Viel Frisches und natürlich alles Gerichte aus regionaler Küchenkunst.

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Den endgültigen Abschluss dieses Tages finden wir auf einem der Deiche hier bei untergehender Sonne.

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2018-07-16 – Veselí nad Moravou – Am Badesee

Roman vom Bistro BaŤák hat uns gestern einen Tipp gegeben: Ein Badesee in 1000 Metern Entfernung. Dort gehen die einheimischen (Jugendlichen) zum Baden. Das wollen wir uns heute mal anschauen. Dafür haben wir unseren Aufenthalt hier noch einmal verlängert.

Roman hat recht. Ein schöner Badesee. Das Wasser ist trotz der hohen Temperaturen nicht veralgt. Es sind wenige Angler am Ufer und kaum Schwimmer. So können wir ganz in Ruhe unsere Runde schwimmen. Und Libellen beobachten. Nur eins hatte Roman nicht so im Griff. Das mit Entfernungen. Es sind locker drei Kilometer von unserem Stellplatz bis zu diesem schönen See. Zu Fuß schon eine Herausforderung bei den heute vorherrschenden Temperaturen. Vor allem der Rückweg.

Anschließend machen wir noch eine Runde durch die hiesigen Supermärkte: Billa und Kaufland. Billa, der uns in Österreich neben Hofer (das dortige Aldi) besonders wegen seiner regionalen Produktpalette aufgefallen ist, kann hier mit diesem Anspruch nicht so punkten. Kaufland jedoch hat im Gemüsebereich wirklich für fast alles eine Alternative aus regionalem Anbau. Trotzdem, Fleisch und Brot kaufen wir auf dem Rückweg bei zwei kleinen handwerklichen Betrieben. Da haben wir ein besseres Gefühl. Heute gibt es Blumenkohlsuppe. Das Fleisch ist für Morgen. Irgendwas mit Goulasch.

Und für unsere Hundchen haben wir vier Schweinefüße erstanden. Ja, hier gibt es so etwas noch beim Schlachter. Und zwar nicht aus dem Hinterstübchen. Nein, sowas liegt hier ganz offen im Tresen.

2018-07-17; Heute geht’s weiter. Nach Strážnice

Heute verlassen wir diesen kleinen wohnlichen Platz. Das müssen wir auch als überzeugte Freisteher so sagen. Was oben bislang noch etwas zu kurz kam. Hier gab es neben den schon oben beschriebenen Wohnmobil Stellplätzen und dem Restaurant auch Liegeplätze für Boote, einen famosen Klettergarten, eine überzeugende Skaterbahn, eine Boulderhalle. Hier konnte man (Haus-) Boote mieten für Tagestouren, aber auch für längere Touren durch das wunderschöne Fluss- und Kanalsystem hier. Ein Gespräch mit der Eigentümerin ergab noch, dass sie eigentlich ihren Schwerpunkt auf die Bootsleute setzen und der Stellplatz nur ein Nebenaspekt ist. Wichtig ist ihnen, dass der Platz nicht überlaufen wird und auch nicht von „saufenden und grölenden Horden“ bevölkert wird. Ein guter Ansatz wie wir finden.

Wir umfahren in Strážnice den Campingplatz und parken gegenüber einer kleinen Gastronomie an der letzten Schleuse vor dem Ort. Der Platz war mir schon bei unserer Bootsfahrt aufgefallen. Diese kleine Landzunge ist für uns ideal. Hier stören unsere Hunde niemanden. Auch nicht morgens in ihrer Rauf- und Bellphase. Und so richtig weglaufen können sie hier auch nicht.

Nach unserer obligatorischen Hunde Abarbeitungsradtour besuchen wir noch einmal den Ort. Heidi kommt zu ihrem Geburtstagskuchen (Sachertorte) mit Cappuccino und ich zu einem Eis. Kugeleis, und nicht wie hier meist Softeis.

Im Ort entdecke ich noch ein paar Häuser, die auf dem Fenstersturz sehr schöne aufgemalte Ornamente haben. Darüber haben wir letztens gelesen, dass das irgendwas mit Ehrdarbietungen der Geliebten gegenüber zu tun hat. Ich mache noch ein paar Fotos von den schönsten.

 

Den Rest des Tages verbringen wir am Kanal, beobachten Radlergruppen – es gibt hier Unmengen davon – und hupen mit meiner Blasebalghupe den vorbeifahrenden Schiffen zu.

Das Freilichtmuseum Strážnice haben wir auf morgen vertagt.

2018-07-18 – Freilichtmuseum Strážnice

Gegen 11:00 Uhr sind wir hier eingetroffen. Es ist für uns gewöhnungsbedürftig. Eintritt müssen wir hier in Tschechien für Senioren bezahlen. Das schont die Reisekasse, aber es ist und bleibt ungewohnt.

Leider ist im Museum das Fotografieren verboten. Und als gute Deutsche halten wir uns daran. Daher gibt es keine Fotos für euch. Schaut einfach auf deren Homepage. Nur so viel: Das Gelände ist riesig groß. Es sind mehrere kleine Dörfer aus der südostmährischen Kultur hier mit viel Liebe aufgebaut. Es gibt sehr viel Informationen zu den Baustielen und den Materialien sowie den Techniken, mit denen die Häuser errichtet wurden.

Dann macht uns das Wetter einen Strich durch unsere Rechnung. Es ist von durchwachsen über unsicher jetzt endgültig auf Dauerregen umgeschwenkt. So kehren wir zu Big Blue zurück und trocknen uns erst einmal die Klamotten und den Leib. Was essen und dann sich der Kommunikation mit dem Rest der Welt widmen.

Heidi hat Sorgen, dass wir von der Stelle, an der wir stehen, bei anhaltendem Regen nicht mehr wegkommen. Und ich als gehorsamer Ehemann fahre Big Blue auf den frisch geschotterten Bereich direkt an der Schleuse. Das war kein Problem. Und auch anhaltender Regen hätte das Ganze zu keinem Problem werden lassen. Der Untergrund war Schotter und Bauschutt. Nur im oberen Bereich war recht viel klebriger Lehm dabei. Das hatte zur Folge, das Big Blue in der Kurve schon über die Vorderachse wegschob. Aber der ganze Lehm mit dem Schotter an den Reifen – die zugegebener Maßen nicht mehr die besten sind – hat überhaupt keine Sorge aufkommen lassen, dass wir stecken bleiben.

Morgen soll es weiter gehen. Stromauf an der Morava Richtung Norden. Vielleicht gar nicht so schlecht. Denn auch morgen hat der liebe Gott keine Sonne für uns auf dem Plan.

2018-07-19 – Aus Otrokovice wird Pahrbek

Es ist bewölkt, aber schon wieder 20°C und mehr. Beim Frühstück sind schon die ersten Hausboote unterwegs und grüßen uns ständig mit „Ahoi“. Über Nacht hat ein Bootsbesitzer sein Boot mit einem Autokran aus dem Kanal heben lassen. Wir stehen jetzt direkt mit diesem Boot Nase an Nase. Jetzt kommt ein Werkstattlastwagen, der eigentlich eine rollende Werkstatt ist. Der schweißt irgendwas an dem Boot. Dabei versperrt er die komplette Ausfahrt. Aber bis wir dann so abreisefertig sind, sind die Beiden auch schon durch mit ihrer Arbeit und schon wieder weg.

Wir haben uns vorgenommen bis Otrokovice zu fahren. Dort möchten wir an einer Anlegestelle für die Hausboote unser Lager aufschlagen. Auf dem Weg dahin schauen wir uns auch einen solchen Platz in Pahrbek an. Aber der törnt eigentlich nur ab. Vom Ambiente Angebot ist er gar nicht sooooo schlecht. Aber der Stellplatz selbst ist eigentlich ein Parkplatz für den man viel Geld bezahlen muss. Deutsche Preise: So um die 20,00 €/Nacht.

Daher machen wir uns auf den Weg nach Otrokovice. Dort finden wir auch einen wunderbaren Platz. Direkt an der Anlegestelle der Hausboote. In direkter Nähe gibt es ein Freibad und einen Naturbadesee. Alles fußläufig erreichbar. Das schauen wir uns auch alle an und beschließen: Hier bleiben wir ein paar Tage.

Wir haben gegen die Regeln verstoßen
Wir haben gegen die Regeln verstoßen

Aber wie so oft im Leben, es kommt anders als man denkt. Zurück an Big Blue packen wir gerade unsere Sitzmöbel aus und ich repariere die linke hintere Positionsleuchte von Big Blue. Die habe ich heute Morgen abgefahren. Da kommen zwei fürchterlich nette Menschen in Uniform und weisen uns darauf hin, dass das, was wir hier machen, nicht zulässig ist. Und dass sie leider auch eine Strafe von kassieren müssen, da uns die Überwachungskamera erfasst hat. Und da könnten sie leider nichts machen. Denn auch sie würden kontrolliert, ob sie ihren Pflichten nachkommen. Nun ja, Heidi hat sich ja gerade im Bikini in die Sonne gesetzt und hat die Verhandlungen mit den Beiden übernommen. Ich repariere die Positionsleuchte nachdem ich gefragt habe, ob ich das noch fertig machen darf. So kommen wir mit 7,00 € davon. Aber wir müssen diesen schönen Platz verlassen. Und mit dem Hinweis, dass im gesamten Bezirk das Campen verboten ist, verwiesen sie uns an den Platz in Pahrbek. Wir sehen das sportlich. Man kann nicht immer gewinnen.

Leider habe ich versäumt, einerseits Bilder von diesem wunderschönen Stellplatz zu machen und andererseits von den Ordnungshütern bei ihrer Arbeit. Da merke ich immer wieder, dass mir immer noch eine gewisse Coolness und Professionalität fehlt. Aber gerade das macht das Leben ja auch so schön.

Da wir aus unserer Recherche wissen, dass es Richtung Norden sowieso schwierig werden wird, wenn wir beim Freistehen weggeschickt werden, auf AutoCamps auszuweichen, fahren wir für heute erst einmal auf diesen nicht so schönen Platz. Der schon mal bessere zeite gesehne hat. Damals im Osten.

Bei unserer Ankunft werden wir auch durch den Preis für – es ist wirklich nicht mehr – einen Parkplatz 520,00 ck nicht unbedingt besser gestimmt. Aber das Bier im Restaurant, gezapft und kalt, hat uns dann doch etwas milder gestimmt. 56 ck für zwei halbe Liter. Das ist in Ordnung.

Der Platz ist, wie auch die anderen hier in Tschechien, an denen wir vorbeigekommen sind, so gut wie leer. Und das in der Hauptsaison. Und die, die hier sind, sind Tschechen oder Slowaken. Es scheint, auch wenn man sich auf den einschlägigen Portalen das mal anschaut, dass dieses Land von uns Nordwesteuropäern nur als Durchreiseland genutzt wird. Eigentlich schade. Denn es ist hier eigentlich wunderschön.

Und auch die Authorities sind, wie wir heute erfahren mussten, nicht auf Krawall gebürstet. Sie weisen dich darauf hin, wenn du was falsch macht. Und entschuldigen sich, dass sie auch kassieren müssen.

Aber auch das gibt es hier!

So freunden wir mit unserem heutigen Schicksal an. Morgen werden wir schauen, wie wir weiter machen. Vielleicht bleiben wir doch einen Tag. Denn, und das ist nicht zu verachten, hier ist ein toter Arm der Morava zum „Badesee“ umfunktioniert worden. Und das Wasser sieht gut aus. Und vielleicht spielen wir auch mal eine Runde Minigolf. Erinnerungen an meine Jugend. Mal sehen. Jetzt gibt es erst einmal Pilze zum Abendessen. Vielleicht erledigen sich damit sowieso alle weiteren Planungen.

2018-07-20 – Ausspannen in Pahrbek und Besuch in Napajedla

Auch wenn das Autocemp, ja, so nennt man in Tschechien die Campingplätze, auf denen auch Wohnwagen und Wohnmobile akzeptiert werden, hier nicht so das pralle ist, im toten Arm der Morava können wir hervorragend baden und schwimmen. Denn heute morgen reißt der Himmel auf.

Und der Ehrlichkeit halber will ich auch noch Folgendes erwähnen. Die Campingszene hat sich hier im Ostblock historisch ganz anders entwickelt als bei uns im Westen. Hier sind die Möglichkeiten zu gemeinsamen Aktivitäten – ein Relikt des „real existierenden“ Sozialismus – wichtiger als die besonders „luxuriöse“ Ausstattung der Stellplätze. Diese erinnern eigentlich immer an Parkplätze mit besonders große Parklücken. Aber das gehört in diesen Ländern einfach dazu. Genauso wie der Sand auf den Campingplätzen in Marokko. Deswegen wollen wir nicht mehr darüber jammern. Es ist einfach so.

Aber ein anderes Ding ist mir noch so in den Kopf gekommen. Trotz Hochsaison sind diese Plätze irgendwie einfach nur leer. Mit Ausnahme am Wochenende. Da können wir uns nun drüber wundern, oder enttäuscht sein oder sonst was. Aber man kann es einfach auch nur an eine besondere Form des Freistehens sehen. Denn auf einem Platz für circa 50 Fahrzeuge, wenn wir da zu zweit stehen, wo finden wir diese Einsamkeit sonst?

So, nach diesen Abschweifungen zu dem, was wir heute gemacht haben. Wir waren circa achtmal im Wasser.

Irgendwann am späten Vormittag haben wir uns dann auf die Räder geschwungen und sind nach Napajedla geradelt. Wir sind ja gestern schon zweimal mit Big Blue durchgefahren. Per Rad und zu Fuß präsentiert sich dieser Ort aber viel interessanter. Die Architektur – grob betrachtet – ist eine Mischung von Überbleibseln nach dem zweiten Weltkrieg und der sozialistischen Wohnungs- und Gewerbebau Politik. Und dazwischen noch Prunkbauten längst vergangener Tage. Rathäuser, Kirchen und Schlösser. Eine Einkaufsstraße, auf der es Spaß macht, zu flanieren. Kleine Läden, kaum Leerstände und natürlich die kleinen Restaurants mit ihren Biergärten auf den Bürgersteigen.

Aber auch hier im Ort lässt es sich nicht verschweigen. An den „tourstischen Highlights“ herrscht gähnende Leere. Sei es architektonsich auffallenden Rathaus oder die Fabrik,

an der Kirche,

am Schloss,

dessen Restaurant,

 

dessen rieisigen Schlossgarten oder an dem großen Edelgestüt.

Einiges davon hat auch schon den Charme des Verfalls. Es ist schwer für uns, das zu verstehen. Ich wiederhole mich: Es ist Hauptaison!

Endlich auch mal wieder Kugeleis. Kein Softeis! In einem kleinen Lokal im Hinterhof. Kuschelig und schön. Und dann beim Schinkenspezialisten Schweinefüße für unsere Hunde gekauft. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass wir unsere Ruhephase am Morgen dadurch verlängern können, das wir die Beiden rausschmeißen und jedem einen Knochen geben. Da haben die eine Stunde mit zu tun. In der Zeit können wir dann ausschlafen, denn erst kommt bei den Hundchen das Fressen und erst dann das Toben.

Nach, wie schon oben erwähnt, mehrfachen Baderunden haben wir uns dann entschieden, das Angebot vom Platzrestaurant zu nutzen und dort vom Grill zu essen. Denn es ist Wochenende und der Platz füllt sich etwas. Belegungsrate ungefähr bei 35%. Also immer noch kein richtiges Kuscheln. Gegrillte Rippen, gebackener Käse, Krautsalat, Meerrettich und Saucen und kühles Bier. Sonnenuntergang. Das kommt gut.

Noch eine runde mit den Hunden. Heute liegen am Bootssteg auch Hausboote. Die Besatzungen sind am Grillen wie verrückt.

Tagebuch schreiben, heute auch mal Mücken totschlagen. Das haben wir das erste Mal. Schluss.

2018-07-21 – Heute nichts Neues in Pahrbek

Ich bin heute wieder mit dem morgendlichen Rundgang mit den Hunden dran. Bis 6:45 Uhr haben sie uns schlafen lassen. Es scheint die Sonne und es sind schon über 25°C. So streue ich, bei meiner Rückkehr ins Bett, ganz vorsichtig ein, ob es nicht besser ist, bei solchem Wetter die Vorteile einer schönen Badestelle zu nutzen als sich auf das Abenteuer der Suche nach was Neuem einzulassen. Da auch Heidi noch Sonnenbadeverluste hat, sind wir uns schnell einig. Wir bleiben noch einen Tag. Der Rest ist Routine: Frühstücken, Baden, was Einkaufen, Baden, mit den Hunden radeln, Baden, was trinken, Baden, was essen und so weiter.

Im Übrigen. Wir können es langsam nicht mehr glauben, wie viele Tschechen hier mit dem Rad unterwegs sind. Und das noch mit richtig gutem Material. So formt sich unsere Erkenntnis: 1/4 der Polen findest du als Trucker auf der A2 und 1/3 der Tschechen auf dem Rad auf irgendwelchen Radwanderwegen. Bleibt die Frage im Raum, wer lebt gesünder? Oder auch anders gefragt, wer ist zufriedener mit seinem Leben?

2018-07-22 – Das Ziel ist (eigentlich) Mohelnice

Eigentlich solle es heute Morgen gewittern. Deswegen habe ich ja gestern Abend noch die Markise eingefahren.

Aber nicht des gleichen. Irgendwie kommt die Versuchung auf, noch einen Tag hier am Badestrand zu verbringen. Wir entscheiden uns dagegen.

Es soll der Morava stromauf entlang gehen. Dort haben wir uns drei Seen rausgesucht, an denen wir glauben, dass es schön sein könnte: Das Seengebiet bei Záhlinice, den Hradecký rybnik bei Tovačov und den Poděbrady bei Horka nad Moravou.

Der erste See ist fest in der Hand der Angler. Rund um alle Seen und verbarrikadiert mit Schranken und Verbotsschildern. Ansonsten eigentlich ein schönes Gebiet mit klarem Wasser in den Seen.

Am Hradecký rybnik ist es wunderschön. Hier ist nichts von Verboten zu sehen. Ein kleiner Parkplatz direkt am klaren Wasser, was sofort zum Schwimmen einlädt, bietet sich förmlich an. Nur für die Hunde ist es doof. Absolutes Naturschutzgebiet mit brütenden Vögeln im Schilfgürtel, da haben wir so unsere Probleme. Auf der anderen Seite des Sees gibt es noch einen Parkplatz. Aber da sind die Durchfahrtshöhen durch tiefhängende Bäume für unseren Big Blue zu gering. Das ist am Beginn der Straße ausgeschildert: 2,80 m.

Die Frage, ob auf dem vorderen Parkplatz zu bleiben oder doch weiter zu fahren, diese Entscheidung überlassen wir der Münze. Also weiterfahren.

Der Poděbrady bei Horka nad Moravou entpuppt sich als eine Fischzuchtanlage mit einem doch sehr eigenen Geruch. Also nichts für uns. Also kommt unser Notanker, das Autokemp Morava bei Mohelnice wieder auf den Plan. Heidi bringt Sternberk ins Gespräch. Ich neige zum ersten. Ist irgendwie auf der Strecke zur Elbe. Trotzdem fahren wir nach Sternberk.

Die Anfahrt ist etwas nervig, da wir in die Berge kommen, und die erhofften Querverbindungen der Hauptstraßen dann doch nicht so vorhanden sind wie erträumt. Berge und Täler eben mit den damit verbundenen Höhenunterschieden. Am Ende finden wir das schlecht ausgeschilderte Dorf Dolni Zleb und dort das ebenso schlecht ausgeschilderte Autokemp Sternberk.

Es schlägt uns eine Mischung aus verblassender Schönheit und engagierter Pflege des Ambientes entgegen. Mit viel Liebe gestalteter Platz unter Walnussbäumen. Und kaum Gäste. Und die, die hier sind, sind Tschechen. Was ist bloß los in diesem schönen Land. Warum kommt hier keiner aus dem Ausland her?

Wir finden uns hier in dem Tal der Hužovka wieder, welches uns vermittelt, mitten in der Wildnis gelandet zu sein. Mit einer kleinen Bar mit kaltem Bier und leckerem Fleischspießen. Letztere haben uns dann bewogen, unsere Pfannkuchen doch erst morgen zu essen und uns heute Abend den fleischlichen Wonnen hinzugeben.

Nach dem ersten Bier bereitet Heidi die oben genannten Pfannkuchen vor, damit die schon am Morgen vorbereitete Eier-Mehl-Milchmasse nicht schlecht wird. Ich gehe mit den Hunden in den Wald. Endlich mal wieder ein entspanntes Wandern mit den beiden. Dabei finde ich eine Lichtung mit Unmengen an reifen Waldbrombeeren. So frage ich, nachdem ich wieder „zu Hause“ bin, Heidi, ob sie sich einen zweiten Tag hier vorstellen kann. Im Wald wandern, Brombeeren pflücken und sich die Stadt Sternberk anschauen. Es kommt zwar kein direktes „Ja“. Aber beim Fleischspieße Essen zeigt sich schon, dass wir unserer Rolle als Rentner immer gerechter werden, und auch mal was in Kultur machen.

Ich fahre nach dem dritten Bier in der Bar noch unsere Markise aus und verzurre sie. Denn es tröpfelt so ganz leise vor sich hin. Das schafft eine echt schöne Stimmung. Und es gibt keine Mücken! Packe Tische und Stühle aus und setze mich draußen zum Schreiben hin. Es ist schon dunkel. Die Hunde liegen zu meinen Füßen und geben immer mal wieder kund, dass jetzt sie eigentlich lieber in Big Blue liegen wollen. Aber ich will heute sowieso mal den Versuch starten, sie draußen schlafen zu lassen. Angebunden zwar, aber mit recht viel Bewegungsfreiheit. Mal sehen ob das klappt.

So. Nun ist Schluss für heute.

2018-07-23 – Noch ein Tag in Sternberk

Die Hunde haben wir so gegen 1:30 reingeholt. Im Wald hat ein Rehbock gebellt, und das hat dann doch eine gewisse Unruhe bei Lara und Linda erzeugt. Am Morgen haben sie dann auch bis 6:30 Uhr ausgehalten. Das ist ja schon mal was.

Nach dem Spaziergang mit den Hunden im Wald, was wir dann auch gleich nutzen um reife Waldbrombeeren zu sammeln.

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Dann machen wir uns mit den Rädern auf nach Sternberk. Ein wirklich sehenswertes Städtchen. Es hat einiges an den sogenannten Repräsentationsbauwerken zu bieten, aber auch kleine Lädchen, in denen man vieles Notwendiges und auch Überflüssiges erstehen kann. Zum Beispiel für mich ein Hemd und für Heidi eine Postkarte und einen mächtig scharfen Bikini.

An italienischem Eis und einer Kofula kommen wir bei unserem Rundgang nicht vorbei.

Im Autokemp zurück verlängern wir erst einmal um einen Tag. Denn das Wetter ist schön und die Lage ist hier entspannt. Die Nächte von einer unglaublichen Ruhe geprägt, die Wanderungen mit den Hunden im Wald – nicht durch gestörte Angler vermiest.

Wir beobachten ständig Leute, die mit Badezeug den Platz hinten raus verlassen. Ein Blick auf die Landkarte an der Bushaltestelle vor der Autokempeinfahrt verschafft uns Gewissheit. Da gibt es eine Bademöglichkeit. Also die Badehose/Bikini an, die Hunde an die Leine und los geht’s. Nach circa 800 Metern finden wir ein betoniertes Becken, in dem die Eingeborenen und auch die Besucher des Autokemps baden. Eine kleine Kioskbar und ein Kinderspielplatz, was in Tschechien an solchen Lokalitäten nie fehlt, runden das Ambiente ab. Das Becken ist sicherlich mal zu anderen Zwecken angelegt worden. Aber jetzt erfüllt es diesen Zweck. Und das sehr gut. Wir verlängern um einen weiteren Tag. Denn auf der unserer weiter geplanten Strecke, soll es einen Tag früher als hier wieder mit Regen beginnen. Nämlich schon morgen. Hier erst übermorgen.

Abendessen wieder in der kleinen Kneipe auf dem Platz. Heute Koteletti. Und Bernhards Bier.

Es trifft ein französisches Pärchen ein. Mit einer Kastenente. Für die Ignoranten: Ein 2CV mit Kastenaufbau. Ich wechsele ein paar (zu) wenige Worte mit ihnen. Aber echt schon faszinierend nicht nur so ein altes Auto am Leben zu erhalten sondern damit soweit in der Gegend rumzufahren. Und dann noch in dem kleinen Bett darin auch keinen krummen Rücken zu bekommen. Aber auch wir kennen ja das Motto aus unserem Schäferwagen: Eine Schlafmöglichkeit für sich wirklich Liebende.

2018-07-23 bis 25 – Und noch ein Tag in Sternberk

Baden, Sonnen, Baden, Sonnen und so weiter.

Heute mal selber kochen. Der Platz hat sich etwas gefüllt. Aber für deutsche Verhältnisse echt viel Platz für jeden. Rund um uns Bäume und sonstige Natur. Und von oben blauer Himmel.

Heute ist irgendwie eine ganze Menge der Dorfjugend hier. Es ist erschreckend. Mindestens der Hälfte kann man jetzt schon ansehen, dass sie in wenigen Jahren zu den Übergewichtigen des Landes gehören werden. Und diese bilden schon heute fast die Mehrheit.

Aber auch was anderes fällt uns heute auf. Eine solche unbewirtschaftete Badestelle wie diese hier, würde unseren Erfahrungen nach in diesen südlichen Ländern, aber auch bei uns zu Hause, mächtig vermüllt werden. Hier ist es absolut sauber. Die Leute stehen tatsächlich auf und bringen ihre Chipspackungen oder ihre leere Plastikflaschen zum Mülleimer. Und wenn wir unsere bisherige diesjährige Reise an uns revuepassieren lassen, auch die Straßenränder sind hier extrem sauber. Nicht nur in den Städten, auch an den außerörtlichen Straßen, an wilden Badestellen am Ufer der Naturseen, an den Rad- und Wanderwegen. Wie haben die hier das so geschafft, die Bevölkerung zu diesem positiven Müllverhalten zu erziehen? Eines mag das auch hier eingeführte Pfandsystem zu sein. Zwar nur auf Glasflaschen, aber immerhin. Und Mülltonnen werden nicht, wie oft im Süden üblich, von den Kommunen an Sammelstellen auf die öffentlichen Straßen gestellt, sondern jedes Haus, beziehungsweise Haushalt, hat seine eigenen Tonnen nach Wert- und Reststoffen geteilt. Und muss dafür bezahlen. Und wenn man schon für was bezahlen muss, dann nutzt man es natürlich auch. Tja, wie bei so vielem – Es geht scheinbar immer nur übers Portemonnaie. Aber das alles trägt zu einem Wohlfühlgefühl bei. Wer unsere Reiseberichte verfolgt hat, kennt ja unsere Frustphasen in Albanien und auch in Spanien wegen der dortigen Vermüllung. Trotzdem werden wir, sobald unser Welpchen es zulässt, wieder nach Albanien fahren! Aber das hat andere Gründe!

2018-07-26 – Wir können uns losreißen. Auf in Richtung Nordwesten.

Der Wetterbericht sagt heute Regen für Sternberk voraus. Das ist das Kommando zum Aufbruch. Zusammenpacken, noch einmal Baden und Duschen. Bezahlen und raus auf die Piste. Heidi hat eine schöne Route rausgesucht. In Mohelnice können wir den kleineren der beiden Stellplätze von oben einsehen. Ein bisschen Flair wie in Magdeburg/Frohse. Die Einfahrtsituation durch ein kleines totes „Gewerbegebiet“. Dahinter ein Platz, wie sie hier üblich sind. Rasen mit Bäumen, keine Aufstellordnung, ein kleiner Badesee und nur Tschechen auf dem Platz. Das sin die Plätze, die früher eigentlich fürs Zelten konzipiert waren. Und heute lassen einige von denen eben auch Wohnmobile mit drauf. Wie hier. Aber nach den paar Metern, die wir bislang heute hinter uns gebracht haben, wollen wir hier nicht schon wieder pausieren.

Doch direkt hinter diesem Platz kommt dann doch noch eine Herausforderung auf uns zu. Eine Eisenbahnbrücke mit einer Durchfahrtshöhe von maximal 3,40 Meter. Da wir es nicht glauben konnten, fahren wir erst einmal bis an die Brücke ran. Aber da steckt schon ein LKW fest. Also brauchen wir es erst gar nicht zu versuchen. Heidi sucht eine Umfahrung heraus. Über Feldwege finden wir die nächste Querung von Bahn und Morava.

Irgendwie hat sich Heidi doch in den Kopf gesetzt, nicht irgendwo auf der Strecke in den Bergen nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Bis 16:00 Uhr nach Poděbrady ist ihr Ziel. Und nach einem Unwetter bei Kolín schaffen wir das auch mit zehn Minuten Verspätung.

Das Schwimmbad vom Kemp Jezero ist knacke voll und auch auf der „Liegewiese“ für Zelte, Wohnwagen und -mobile müssen wir schon ganz schön suchen, bis wir einen Platz finden, der uns passt. Aber dann ist alles gut.

2018-07-27 bis 2018-07-31 – Poděbrady

Auf der Rückseite der Liegewiese stehend, haben wir den vollen Überblick über das Geschehen auf einem tschechischen Campingplatz. Daher in der Folge mal ein paar Einblicke in die Campingmentalität der Locals.

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Der Ablauf ist hier ein ganz anderer, als wie wir ihn von deutschen, oder von Plätzen außerhalb von Deutschland, die aber auf deutsche Gäste hin abzielen, gewohnt sind.

Es dominieren hier die Zelte. Das Auto immer direkt neben dran. Eine Platzzuteilung findet nicht statt. Es gibt gar keine vorgegebenen Buchten. Man stellt sich so hin, wie Platz ist und wie es einem am besten gefällt.

Wir finden drei verschiedene Gruppen vor: ① Pärchen, die alleine unterwegs sind, ② Freunde und Bekannte, die sich hier zum gemeinsamen Zelten verabredet haben und ③ Großeltern mit Wohnmobil, die hier von ihren Kindern mit Enkeln besucht werden. Die Ersten haben in der Regel ein Zelt und ihr Auto dabei und meist ein Kleinkind. Die Zweiten bauen mit ihren Zelten meist eine Burg, die in der Mitte durch einen gemeinsamen Pavillon komplettiert wird. Diese Familien haben in der Regel mehr als ein (Klein-) Kind dabei und es wird rund um die Uhr wettkampfmäßig gegrillt. Tja und die dritte Gruppe sind eben Oma und Opa, Mammi und Pappi und mit Süßigkeiten voll zu stopfende Kinder. Das faszinierendste für uns dabei ist, dass der Geräuschpegel trotzdem weit unter dem eines wohlgeordneten und regulierten Campingplatzes unserer Breitengrade liegt. Und Punkt 22:00 Uhr ist Ruhe auf dem Platz. Selbst die eine oder andere kampftrinkende Gruppe Jungendlicher zieht sich dann in ihre Zelte zurück und machen dort die Dinge, die nicht so geräuschintensiv sind.

Auch durch diese Beobachtungen lernen wir was über das Leben der Tschechen.

Das Schloss von Podebrady, welches von der Elbeseite alles überragt, hat eine mächtig bewegte und nicht immer ruhmreiche Vergangenheit hinter sich. Heute dient es als „Außenstelle“ der Prager Universität. Vom Innenhof her begehbar beherbergt es noch ein Kino, ein kleines Restaurant und eine Herberge. Von außen her eine Disko und ein Restaurant. Im Innenhof finden wir ein „Windspiel“, welches verschiedene Länder über seine typischen Merkmale darstellen sollen. Da hätte ich mir von einem Universitätsbetrieb etwas anderes gewünscht als Bayern, vollbusige Heidi, Bier und auf der anderen Seite Berlin verknüpft mit dem Freiheitsgedanken. Da gibt es sicherlich Besseres.

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Seit wir das erste Mal hier in Poděbrady aufgeschlagen sind (2015), ist uns auf den Landkarten und Google Maps ein Oval in der Landschaft etwa sieben Kilometer entfernt aufgefallen. Mehrere frühere Versuche mit dem Fahrrad zu erkunden, was das wohl ist, waren gescheitert. Heute nehme ich mit dem Roller einen weiteren Versuch und werde fündig. Es handelt sich um ein Eisenbahnentwicklungs- und Prüfwerkwerk mit ausgedehnter Teststrecke. Und das mitten in der Pampa. Ich sehe auf dem Betriebsgelände mehrere Züge stehen. Darunter die roten Doppelstöcker für die Deutsche Bundesbahn mit der zusätzlichen Beschriftung: MÜNCHEN – NÜRNBERG – EXPRESS. So, das Geheimnis ist auch gelüftet!

2018-08-01 – Poděbrady – Unsere Freizeitbeschäftigung

Endlich haben wir einen Laden gefunden, in dem wir eine anständige(n) Schaufel/Spaten kaufen konnten. Und bei Tesco finde ich auch noch eine anständige (!) Reibe. Ist zwar für Parmesankäse gedacht. Aber funktioniert auch mit Meerrettich. Und nun geht’s los auf den Selbigen. Tief verwurzelt in der Erden! Gaaaanz schön tief! Dafür schöne dicke Wurzeln. Und nun kann ich ihn auch schön zubereiten.

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Das Hacken und in Olivenöl einlegen des Meerrettichs, wie ich es in Angern gemacht habe, hatte doch einen nicht zu übersehenden Geschmacksverlust zur Folge. So können wir ihn jetzt immer Bedarfsgerecht frisch reiben und auf den Speisen verteilen.

2018-08-02 – Poděbrady

Heute geht hier das zweite Gewitter, seit wir hier auf dem Platz sind, nieder. Unsere Markise hält. Allerdings muss ich mehrmals die sich bildenden Wassersäcke ausleeren. Habe aber schon eine Idee, wie ich zu Hause die Konstruktion so verbessere, dass das nicht mehr notwendig sein wird.

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Die Leute hier verziehen sich für kurze Zeit unter irgendwelche Dächer. Wenige Minuten nach dem letzten Regentropfen ist der Badebetrieb wieder in vollem Gange. Es hat sich etwas abgekühlt. Keine 33°C mehr, sondern nur noch 29,9°C. Eine Stunde nach dem Regenguss kann man schon nichts mehr von diesem sehen. Der Boden ist schon wieder trocken. Die Brandgefahr erhöht. Aber das hält den Tschechen nicht vom Hochleistungsgrillen ab.

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Übrigens. Schon am nächsten Morgen sind Leute mit einem Hubsteiger da und entfernen die abgebrochenen Äste aus den Bäumen. Nicht zu glauben.

2018-08-03 – Poděbrady (erzwungener Badeurlaub)

Heute, am Samstag ist Markt im Ort. Klein. Sehr klein. Eigentlich nur Obst und Gemüse. Ein Stand von einem Geflügelhalter aus Veseli (siehe oben) bietet hier hauptsächlich Putenfleisch. Nicht so unser Ding, da wir die Massenställe hier im Land zu häufig gesehen haben. So bleibt es bei Paprika, Tomaten, Kohl und Radieschen. Beim Albrecht holen wir uns noch ein bisschen Käse und dann schlägt die Hitze wieder erbarmungslos zu. Ab ins Wasser. Dieser Wechsel zwischen Baden, trocken (im Schatten) und wieder Baden bleibt unser Lebensinhalt bis zum Abend. Ein sich am Himmel ankündigendes Gewitter verpisst sich leider vor seinem Niederkommen. Es bleibt heiß. Auf unserem Thermometer teilweise knapp über 40°C.

2018-08-03 – Poděbrady

Es hat sich bei uns eingebürgert, dass Heidi mehr ihren Bewegungsdrang, auch bei dieser Hitze, per Fahrrad abarbeitet. Ich weniger. Die Runden mit den Hunden reichen mir. So hat Heidi mit Hilfe unserer Nachbarn endlich einen Schlachter gefunden und ihn auch gleich aufgesucht. So ist Fleisch und Grillen für heute Abend sichergestellt. So bekommt die Tagesplanung Strukturen. Blöd ist nur, dass Heidi den Stadtteil, in dem der Schlachter ist, sehr schön findet und ihn unbedingt mir auch zeigen möchte. So eine Quälerei! Na, mal sehen. Entweder morgens oder abends wenn die Temperaturen unter 25°C gehen. Hoffentlich!

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2018-08-04 bis 07 – Poděbrady

Nix Neues!

2018-08-08 – Es geht weiter – nach Kokořín

So schön es ist in Poděbrady – vor allem bei diesen Temperaturen immer den Badesee vor der Tür -, irgendwann muss es weiter gehen. In einem Rutsch zu Sven und Christina ist uns zu weit. Wir haben uns den See bei Harasov rausgesucht.

Wir fahren über Nebenstraßen. Wunderschöne Landschaft. Wir verlassen langsam das Elbtal und kommen in die ersten Berge – Mittelgebirge. Mir kommt es so vor, als wenn wir den letzten Monat immer nur im Flachland unterwegs gewesen wären. So ist das eine willkommene Abwechslung.

Der Stausee im Bett der Pšovka bei Harasov ist schön. Mit Badestelle und Restaurant. Der Ort besteht auch nur aus diesen beiden Elementen. Und einem gebührenpflichtigen (!) Parkplatz. Und sonst ist überall Halteverbot. Und für einen Tag wollen die tatsächlich 130,00 CK. Und das Übernachten auf dem Platz ist verboten. Und der Sohn vom Betreiber des neuen, aber noch nicht fertigen, Restaurants ist auch fleißig dabei zu kontrollieren, ob die abgestellten Fahrzeuge auch den Parkschein aus dem Automaten in der Windschutzscheibe liegen haben. So fahren wir die 3000 Meter weiter zu dem Autokemp Kokořín. Wir finden wieder mal einen typisch tschechischen Autokemp vor. Er liegt am Ende einer Sackgasse in ein Nebental. Es dominieren die Miethütten neben denen man sein Auto parken kann. Deswegen Autokemp. Das ist so bei den tschechischen Campingplätzen. Wohnwagen und – mobile sind hier eine Randerscheinung. Zelte. Ja, die findet man auch noch zwischen den Autos. Die Stellplätze auf dem Rasen am Anfang und am Ende der Schlucht sind nur mäßig besucht. Ein Kontrapunkt zu den Wochenenden im Schwimmbad von Poděbrady.

Nur zum Wasser müssen wir ein paar Schritte machen. Was wir auch gleich tun. Ein mit Seerosen total zugewachsener See ist was für die Hunde. Uns schreckt die grüne Bealgung zwischen Seerosenblättern ab. Aber so ist das nun mal in Naturschutzgebieten. Da werden andere Prioritäten gesetzt.

Bei dem Rundgang um den See – ein weiterer Stausee im Verlauf der Pšovka – bewundern wir die Felsformationen – für diese ist dieser Naturpark bekannt. In einigen Felswänden sollen sogar noch bewohnte Wohnhöhlen sein. Die haben wir heute aber nicht gefunden. Morgen mal mit dem Fahrrad los.

Aber wir finden auch Relikte aus vergangenen Zeiten: Hotels, Naturschwimmbäder und Feriensiedlungen, dem Verfall preis gegeben.

Und dann die Ankündigung, hier was ganz großes entstehen lassen zu wollen.

Zurück an Big Blue übe ich mal wieder mit unserer Drohne. Ich werde besser. Aber für Filmaufnahmen bin ich noch zu grobmotorisch. Außerdem bricht sie die Bildübertragung bei einer Entfernung von mehr als 50 Meter ab, mit der Begründung, das Signal sei zu schwach und mit dem Tipp ich sollte die Antennen neu justieren. Da muss ich erst einmal die Bedienungsanweisung lesen. Und dazu muss ich sie erst einmal finden. Also, wer da einen Tipp hat: Immer zu – her damit!

Ab 18:00 Uhr kommen auch die anderen Gäste zurück. Auch her meist tschechische Familien mit ihren Kindern. Diese beleben dann auch gleich die vielen vorhanden Lagerfeuerstellen mit ihrer Essenzubereitung. Und die haben auch fast alle Hunde. So können sich unsere auch endlich mal mit anderen austoben. Vor allem Linda finden daran Gefallen. Lara wird langsam alt. Omaverhalten. Immer aus dem Hintergrund das Geschehen beobachten und ihren Senf per Bellen und Fletschen dazugeben. Dann verfällt sie wieder in den Schlafmodus. Ein kurzer und ganz seichter Regenschauer sorgt für eine ganz kurze Unterbrechung. Dann ist wieder alles normal. Bis 22:00 Uhr. Dann wird hier wie in den meisten ehemaligen sozialistischen Ländern auch auf diesem Platz der Bürgersteig hochgeklappt. Und wir klappen nach einem letzten Bier im Platzrestaurant die Augen zu.

2018-08-09 – Baden in der Pšovka

Es ist erstaunlich kühl heute Morgen: 18°C. Ich habe weniger erwartet. Durch die Tallage. Die Sonne hat um 8:30 Uhr noch einen weiten Weg vor sich, um uns zu erreichen. So können wir endlich mal bei erträglichen Temperaturen frühstücken.

Heidi wiederholt mit den Hunden die gestrige Runde um den See. Ich kümmere mich um diverse Buchungsanfragen für unsere Ferienwohnung und den Schäferwagen. Dann auf die Räder und ab runter nach Harasov. Baden. Das wird wohl für diese Sommertour das letzte Mal sein. Dementsprechend versuchen wir diesen Teil des heutigen Tages zu genießen. Das klappt auch ganz gut.

Auf einer kleinen Wanderung finden wir noch Einstiege in Höhlen, die irgendwann wohl auch mal bewohnt waren. Heidi kann es sich auch nicht verkneifen dort hinauf zu klettern.

Dann entdecken wir auch noch „Gravuren“ in den Felswänden. Und Tore.

Auf unserer Rückfahrt zum Kemp sind die Temperaturen noch erträglich. Aber dann schlägt die Sonne noch einmal richtig zu: 35°C, und schwül.

Ich spiele noch ein bisschen mit der Drohne. Und wie es so kommen muss, sie landet ohne mein Zutun in einem Baumwipfel und ward nicht mehr gesehen. Die Funktion „Wo ist meine Drohne“ ist zu ungenau. Auf unserer Suche können wir uns glücklicherweise in dem Bild der immer noch sendenden Kamera erkennen und die Suche eingrenzen. Heidi klettert in einen Baum, in dem wir das Teil vermuten. Und sie schüttelt auch intuitiv gleich den richtigen Ast und das gute Stück kommt runter gefallen. So muss ich Heidi in zweierlei dankbar sein: 1) Weil mein Spielzeug wieder da ist und 2) weil es wieder da ist, ich mir einen Ar…voll erspart habe.

2018-08-10 – Die Stunde der Wahrheit: Heute geht es zurück in die BRD

Wir haben uns für diesen schweren Schritt eine Route über kleine bis kleinste Straßen ausgesucht. So finden wir keine vier Kilometer die Pšovka weiter stromauf ein kleines (Auto-) Kemp. Ein wirklich sehr kleines. Hinter Bäumen eine Wiese am unteren Ende eines kleinen Sees. Zwei kleine Plumpsklo Häuschen und eine Schwengelpumpe für das (Ab-) Waschwasser. Und eine kleine Badestelle. Ein Traum. Wenn wir das gewusst hätten. Aber dieser Platz ist auf Google und den sonstigen einschlägige Portalen nicht zu finden. Das ist vielleicht auch gut so.

Das Tal weiter stromauf mit seinen Dörfern. Eine wunderschöne Landschaft umgibt uns. Aber es ist eines nicht zu übersehen: Es herbstelt! Dabei ist es erst August!

Dann geht es gegen 14:00 Uhr bei Petrovice über die Grenze. Die letzten paar Kilometer nach Otterndorf. Sven ist schon zu Hause und macht uns das Tor auf. Auf dem neuen „Parkplatz“ von ihm und Christina neben Hilde den Motor ausmachen. Floki, sein neues Projekt, ist leider beim Karosserieschneider.

Ein Bier, dann ein langer Spaziergang durch die Umgebung und dann intensives Warten auf den Feierabend. Christinas und Svens Garten und Küche geben wieder absolut leckeres her. Die beiden sollten ein Restaurant aufmachen!

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2018-08-11 und 12 – Wunderbare Tage bei Christina und Sven

Wir sitzen die beiden Tage zusammen und unterhalten uns viel – auch mit den Freunden dieses Hauses – über unsere doch sehr unterschiedlichen Lebensläufe und -erfahrungen. Ossi/Wessi. Und darüber, wo wir heute angekommen sind. Gehen viel in der wunderschönen Umgebung spazieren und abends kocht Sven lecker Essen. Schöne Tage bei lieben Freunden.

2018-08-13 – Weimar

Unser ehemaliger Heilpraktiker unseres Vertrauens aus unserer Nachbarschaft lebt jetzt schon seit elf Jahren in Weimar. Seitdem haben wir ihn nicht mehr gesehen. Das werden wir heute ändern. Nach seinem Feierabend zeigt er uns ein bisschen die Stadt. Wir sind erstaunt darüber, wie sich dieses Städtchen entwickelt hat und wie sich die Kultur- und Kunstszene hier ihren Raum geschaffen hat. In einem der vielen Straßenrestaurants essen wir dann „böhmisch“ zu Abend.

Aber eines muss ich doch noch dran hängen. Der Wohnmobil Stellplatz in Weimar ist schon etwas besonderes. Ein großer gepflasterter Platz. Wenig Schatten. Auf der einen Seite für PKW und auf der anderen für Wohnmobile. E-Mobile und auch PKW (warum auch immer) parken hier umsonst. Wohnmobile müssen 10,00 € abdrücken. Wofür auch immer. Nur weil sie über Nacht dort stehen? Tut ein großer Teil der PKW auch! Strom, Wasser und Entsorgung extra. Und dann ist der Platz auch noch so angelegt, dass der ruhige, von der Hauptstraße abgewandte Teil, für die PKW reserviert ist und der für die Wohnmobile direkt an eben dieser Hauptstraße liegt. Wer plant nur so etwas? Und mit welcher Intension wird ein solches Preismodel manifestiert?

2018-08-14 – Zum Stausee bei Bachra

Am Morgen gehen wir mit unserem Freund in den Grünzonen an der Ilm spazieren. Dann Mittagessen in einem Bio-Restaurant. Weimar ist wirklich ein schönes Städtchen. Aber dann ist es auch genug mit Stadt. Mit den Hunden ist es doch recht anstrengend.

Heidi hat eine Route Richtung Norden rausgesucht. Die Bier- und Burgenstraße. Drei Stauseen liegen auf der Strecke. Bei Vippachedelhausen, bei Vogelsberg und bei Bachra. Die ersten beiden sehen zwar sehr schön aus, aber es ist – zumindest für uns – kein Rankommen.

Mittagspause machen wir im Bobitschtal. Neben einer ehemaligen Vieh LPG, die jetzt als Pferderannch daherkommt.

Der am Ortsrand von Bachra bietet uns gute Standmöglichkeiten auf Gras und sauberes Wasser. Hier bleiben wir. Direkt am Finnebahn Radweg. Dieser ist auf der alten Eisenbahnlinie gebaut worden. Dementsprechend wenig Gefälle und Steigungen hat er und lädt zum entspannten Radfahren ein.

Diese Einladung nehmen wir dann auch gleich an und radeln über Rothenberga nach Rastenberg. Hier gibt es ein wunderschönes Waldschwimmbad. Leider schon zu. Und der Rückweg geht steil bergan.

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Am Abend setzte ich mich noch bei der kleinen Rostbratwurstbude vom Holzmichel auf ein Bier hin. Die Leute, die hier schon sitzen, sind sehr kontaktfreudig und so erfahre ich eine ganze Menge aus dem Örtchen hier. Von vor und nach der Grenzöffnung. Es fällt immer wieder der Satz: „Es gab auch viel Gutes in der DDR.“ Und wie sich die Leute mit der neuen Situation jetzt arrangiert haben.

Vor dem Schlafengehen schwimme ich noch eine Runde in dem kleinen Stausee.

2018-08-15 bis 2018-08-16 – Stausee Bachra

Wieder bei Rekordtemperaturen liegen wir auf der Luftmatratze im Wasser, trinken kühle Getränke. Aber morgens erkunden wir den Finnebahn Radweg und die mannigfachen Wanderwege. Beide sind sehr gut ausgebaut und beschildert.

Und diese Wege sind zu der jetzigen Jahreszeit auch und vor allem Vegetariern, Veganern und Rohköstlern zu empfehlen. An diesen Wegen und eigentlich im gesamten Umland stehen die Mirabellen und die Pflaumen zur Ernte bereit. Und keiner tut es. Man kann pflücken, bis man Bauchweh hat. Die Kirschen sind schon durch, die Birnen und Äpfel stehen kurz vor der Reife. Wir haben Einheimische und Anwohner gefragt. Es ist völlig in Ordnung, diese Früchte abzupflücken und aufzuessen oder mitzunehmen. Wir haben uns die Tage mit Ausnahme des Abendessens beim Holzmichel nur noch von dem Obst ernährt.

Irgendwann in den drei Tagen nehme ich mir mal die Zeit und umwandere den kleinen See. Er ist eigentlich an allen Seiten schön und lädt zum Baden ein. Und nach Auskunft der Einheimischen (abends beim Bier beim Holzmichel) ist es wirklich kein Problem, sich dort mal ein paar Tage h-inzustellen. Und man kommt eigentlich auch überall gut hin. Wenn es nicht regnet!

2018-08-17 – Zum Bindersee bei Rollsdorf

Wir liegen gerade am Vormittag nackig am See, da kommt das Polizeiauto vom Kontaktbereichsbeamten an den Strand. Ein überaus zuvorkommender und höflicher Polizist stellt sich vor und erklärt uns, dass der Bürgermeister gerne wissen möchte, wie lange wir noch zu bleiben gedenken. Wir teilen ihm mit, dass wir heute weiterfahren möchten. Vielleicht aber auch noch bis morgen bleiben möchten, um dann nach Rastebergen wechseln wollen und am Samstag dort an der großen Openair Beatparty teilzunehmen. Da sei alles kein Problem. Er erklärt uns sogar noch, wo wir dort am besten parken und übernachten können. So ist alles gut.

Wir entscheiden uns aber doch heute weiter zu fahren. An den Süßen See nahe der Lutherstadt Eisleben. Hier angekommen sind wir schnell ernüchtert. Völlig überlaufen und die einzige Stellmöglichkeit ist der Campingplatz. Und dort auf einer Asphaltfläche mit Parkplatzambiente. Der Versuch am restlichen Nordufer was zu finden scheitert schnell an den Verbotsschildern. So entscheiden wir uns für die Weiterfahrt. Die dann aber ganz schnell, nämlich am Bindersee bei Rollsdorf, beendet ist.

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Wir treffen hier einen seit 60 Jahren hier lebenden Einwohner beim Schwimmen an. Er erzählt uns von der Geschichte dieses Sees. Dort wo wir jetzt auf der Wiese stehen, standen früher die Umkleidekabinen des Schwimmbades. Davon ist heute absolut nichts mehr zu sehen. Denn vor etlichen Jahren – noch zu DDR-Zeiten – ist auf der gegenüberliegenden Seite ein tiefes Loch im See eingebrochen und das ganze Wasser war weg. Gleichzeitig fing sich der Boden in Tal Salza an zu senken und viele Häuser mussten aufgegeben werden. So auch das Schwimmbad, weil es zu riskant war, hier weiter einen Badebetrieb aufrecht zu erhalten. Das Ganze Problem hat übrigens seine Ursache im Salzabbau aus der Hallenser Gegend aus. So haben wir hier einen schönen Badesee mit klarem Wasser, Schwänen mit ihren Jungen, Blesshühnern und Enten.

Und irgendwann kommen die örtlichen Jugendlichen zum Baden. Und scheinbar wird auch schon das eine oder andere Grillfeuer für heute Abend vorbereitet. Wir sind also wieder mal im Zentrum des hiesigen Lebens aufgeschlagen. So wie wir es lieben. Vielleicht auch die Beiden aus Oberfranken, die sich mit ihrem Mitsubishi Diamante Wohnmobil dazugestellt haben.

Über die Tage stoßen noch en DüDo aus Paderborn, ein Bus mit einer weltreisenden Frau aus der Schweiz und ein polnischer VW T2 mit Leuten aus Polen, Paris und Thailand dazu. Und übers Wochenende immer mehr Einheimische. Es bilden sich immer wieder illustere Runden. Auch bei den Hunden. Unsere Lara ist wieder mal läufig. Und schart die ganzen Rüden um sich herum. Glücklicherweise alle kastriert.

Am Sonntag gehen wir mit den Hunden nach Seeburg. Ein angekündigter Bauernmarkt auf der Uferpromenade ist unser Ziel. Nun ja. Bauernmarkt? Ein Stand mit Honig, angeboten vom Imker direkt, eine Steinofenbäcker, eine Frau, die die Früchte ihres Gemüsegartens anbietet und ein Gemüsehändler. Der Imker erklärt sich das so: Es ist einfach zu heiß um Lebensmittel hier anzubieten. Ansonsten Klamotten, Nippes, Furz und Trallala. Aber das Eis hinterher in der Eisdiele entschädigt für diese Enttäuschung.

Das Wetter wird leider unerträglich (heiß). Dieses Mal bekommt Heidi einen Hitzekoller und baut ab. Durchfall. Sonst ist das ja meine Rolle, mit der Hitze nicht klar zu kommen. So versorge ich meinen Schatz mit leicht gesalzenen Getränken und gesalzenen Broten mit Käse. Zum Abend gibt es geräucherte Forelle vom Nachbarn. Bei vielem muss ich Heidi zwingen zu essen und zu trinken. Denn sie gehört zu den Wenigessern. Aber bei dem Flüssigkeitsverlust muss was rein. Und als Ergänzung der Therapie: Lange Schlafen. Wird schon werden. Und jetzt – am Montag – gehen die Temperaturen rapide zurück. Wind kommt auf. Heute Mittag sollen Windgeschwindigkeiten bis 45 km/h werden. Eventuell die Markise einholen.

2018-08-20 – Auf nach Frohse

Heute, am Montag, geht es Heidi etwas besser. Sie möchte weg hier, aber nicht nach Hause. Unser Platz in Frohse bei Magdeburg, seit Jahren unser Start und Ende unserer Fahrten, soll es dann doch noch sein. Also baue ich ab und gehe noch eine Runde schwimmen. Heidi will aber doch vorne mitfahren. Nicht im Bett bleiben. Das geht auch gut. Die halbe Strecke. Dann meldet sich ihr Magen zurück und will seinen Inhalt los werden.

Auf dem Campingplatz an der Marina angekommen ist es bewölkt und nicht mehr so heiß. Heidi nutzt als erstes die Duschen. Dann wird das Bett neu bezogen. Denn mein Schatz will auch das ausschließen, dass die unzähligen Mückenstiche, die sie sich in den letzten Nächten eingefangen hat, gar keine sind sondern vor irgendwelchem Viehzeug stammen, die uns die Hunde eingeschleppt haben.

Wir haben den Anreisetag schlecht gewählt. Am Montag hat der Bibergrill zu. Beziehungsweise es gibt nur flüssige Nahrung. Frei nach dem alten Motto: „Heute bleibt die Küche kalt, heute gehen wir in den Wienerwald.“ Da wir jedoch beabsichtigen bis Mittwoch zu bleiben, konzentrieren wir uns grillmäßig auf Dienstagabend. So bleibt uns genug Zeit, die Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden.

Dabei: Wir waren schon öfters im Süden von Schönebeck in dem „Stadtpark“. Aber dieses Mal fällt uns eine Ruine auf, die teuer mit EU-Kohle saniert wurde. Aber nie fertig. Daher verwundert und doch ein Schild, welches auf die erfolgreiche Vollendung des Projektes hinweist. Wir wissen ja nicht was Sachsen-Anhaltiner unter erfolgreich verstehen. Wir verstehen darunter was anderes.

Von diesem Objekt inspiriert gehe ich mal wieder los, hier rumstehende Industriebrachen mir anzuschauen. Sie haben was. Ganz nach dem Motto unseres Wiedervereinigungskanzlers Helmut Kohl: „Wir werden blühende Landschaften schaffen!“. Ja, sie blühen!

2018-08-22 – Ab nach Hause

Dieses Mal über die Land- und Bundesstraßen an Helmstedt vorbei, über Wolfsburg und Celle nach Hause.

Verena und Patrick, unsere afrikareisenden Haus- und Hofhüter überraschen wir unangemeldet. Sie sind kräftig dabei ihren Hanomag fertig zu sanieren. Schon mein erster Blick zeigt mir, sie werden uns noch eine geraume Zeit als Gäste erhalten bleiben. Das ist gut so. So werden wir in den nächsten Tagen ausgiebig Zeit haben, uns über unsere Erlebnisse auszutauschen. Aber das ist dann eine andere Geschichte. Mal sehen, wer die veröffentlicht.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Heike sagt:

    Hallo Heidi und Stefan, toll euer Reisen!! Ich habe eben ein oder zwei Stunden ganz gefesselt gelesen… bin aber noch lange nicht durch. (ich bin auch schon mit dem Rad in Tschechien unterwegs gewesen) Ich war mal mit dem ADFC bei euch, sicher schon 10 Jahre her. Wir überlegen gerade ein Haus in Blenhorst zu kaufen und sind heute bei euch vorbei gewandert und da fiel mir euer Reiseaufbruch wieder ein…. Liebe Grüße Heike Boße

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    1. Schön mal wieder was von dir gehört zu haben. Und viel Spaß beim weiteren Durchstöbern.
      Und seid gegrüßt als neue Nachbarn!

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