Unsere Coronareise

Vorwort

Ist es die Langeweile, sind es die teilweise obskuren Posts in den sozialen Netzwerken, die mich heute, am 2020-04-13 (Ostermontag) dazu bringen, einen etwas anderen Reisebericht als sonst zu verfassen? Meine Coronareise. Die Langeweile kann es nicht sein. Das werdet ihr aus meinen Texten – teilweise auch zu mittlerweile zurückliegenden Tagen – sicherlich selbst erkennen. Wie geschrieben, aus meinen (!) Texten und nicht aus den „alternativen Medien“.

Sind es dann diese obskuren Einlassungen bei Facebook und Co., mit denen, unter Zuhilfenahme von „Wissenschaftlern“ aus der dritten Reihe, sich einige (viele) Gehör, Aufmerksamkeit und sicherlich auch Klicks erhaschen wollen. Nein, das ist es auch nicht. Denn diese „Veröffentlichungen“ haben bei mir eigentlich nur zu Erheiterung geführt und zu Verwunderung, wie man sich mit solchen „ist ja nur meine Meinung“ an die Öffentlichkeit trauen kann. Aber unbestritten, in langen Nächten, in denen ich für ein paar Stunden keinen Schlaf gefunden habe (Vollmond oder Heidi hat so geschnarcht), kann ich diesen Posts und Kommentaren einen gewissen Unterhaltungscharakter nicht abstreiten. Das hat mir mache teure Eintrittskarte für ein satirischen/sarkastischen Kabarett erspart.

Nein, es ist wohl doch eher der Reisebericht von Fussel Philipp, der zurzeit durch Afrika tourt. Beziehungsweise zurzeit in Togo auch etwas „an die Kette gelegt“ ist. Auch er ist aus seinem „Reisealltag“ herausgerissen. Aber er macht was aus der neuen Situation. Arrangiert sich mit ihr und lebt sein Leben. Solidarisch mit denen, die um ihn rum sind. Und nicht wie die überwiegende Zahl der sogenannten Reisenden, die öffentlichkeitswirksam ihre Botschaften nerven mit Forderungen, sie sollten schnellst möglich ihnen die Rückreise organisieren. Am besten noch auf Kosten der Steuerzahler. Aber dieser hier oben verlinkte Reisebericht von Fussel Philipp hat mich heute Morgen doch sehr daran erinnert, wie ich selbst vor 30 bis 40 Jahren unterwegs war. Und vor allem auch an meine eigenen Vorstellungen, wie Leben funktioniert. Auch wenn es viele Punkte gibt, wo es sich lohnen würde, mit Fussel Philipp zu diskutieren. Aber dazu hatten wir in der kurzen Zeit, die wir uns kennen, noch nicht wirklich die Gelegenheit.

Der nun folgende Bericht meiner Coronareise beginnt zurückrückblickend am 2020-03-04, dem Tag meiner Ankunft hier auf unserem Hof nach einer nicht so berauschenden Winterreise 2019/2020 nach Albanien und Griechenland. Diese habe ich ja vorzeitig abgebrochen. Nicht wegen Corona. Nein, das war zwar schon präsent, aber noch kein in meine Entscheidungen eingreifendes Element. Allerdings konnte ich im Rückspiegel schon die sich schließenden Schlagbäume erahnen.

2020-03-04 – Ankunft zu Hause

Meine Ankunft zu Hause war sicherlich mehr von Unsicherheiten als von Bekanntem begleitet. Denn es war zwischen mir und Heidi nicht so ganz ein verständlich, dass ich mich im Winter solange (eigentlich war ja bis zum Freitag vor Ostern zum Osterfeuer) im Süden rumtreibe. Ein vorsichtiges wieder an einander Herantasten bestimmt so zumindest unseren ersten gemeinsamen Tag.

 

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Der Willkommensgruß hat mich berührt. Dieses „sich wieder kennenlernen“ dauerte sicherlich auch mindestens bis zum folgenden Tag, den …

2020-03-05 – Ich wiedererkunde mein zu Hause

Heidi zeigt mir stolz, was sie alles in meiner Abwesenheit hier auf dem Hof geschafft hat. Vor meiner Abreise haben wir ja noch einige unserer hinfälligen Bäume für unseren Brennholzbedarf gefällt. Die sind jetzt alle von den Weiden weg geschafft zu unseren Holzlagerstätten, entastet und auch schon für den Spalter auf Länge gesägt. Unser Selbstversorger Gemüsegarten ist für die Frühlingsbestellung vorbereitet. Die Obstbäume beschnitten. Und nicht zuletzt – unsere Feriengäste sind optimal versorgt. Es kann Frühling werden! Und ich bin von Ehrfurcht über das Geschaffte erfüllt.

2020-03-10 – Corona macht sich auch hier so langsam bemerkbar

Eigentlich verleben wir zurzeit hier wunderschöne Tage. Wenn nicht, ja wenn nicht ein Thema immer mehr in den Alltag drängen würde. Die Pandemie, die schon in China (das ist ja weit weg) und Italien (das ist schon näher dran) wütet, die jetzt auch über Österreich zu uns vordringt, zwingt uns, Entscheidungen zu treffen. Unter anderem in Bezug auf unsere Feriengäste. Es zeichnet sich ab, dass auch in Deutschland eine wie auch immer geartete Ausgangsbeschränkung greifen wird. In unserem Gastgewerbe dadurch konkretisiert, dass wir in wenigen Tagen keine Beherbergung für touristische Zwecke mehr anbieten dürfen. Die Diskussion mit Heidi darüber führte an den ersten Tagen unter anderem zu einer Nacht der getrennten Betten. Zu unterschiedlich waren unsere Bewertungen der Situation.

2020-03-11 – Entscheidung unter Tränen

Unter Tränen raufen wir uns heute zusammen und treffen dann doch gemeinsame Entscheidungen. Leider wird die Zukunft uns bestätigen, dass wir an dieser Stelle zwar einen rigorosen, aber richtigen (!) Schnitt unternommen haben: Wir bitten alle unsere Gäste, vorzeitig ab zu reisen und wir stornieren sämtliche Buchungen für die nächsten Monate. Außer einem haben alle Verständnis für diese Maßnahme und sind teilweise sogar erleichtert, dass wir diesen Schritt gehen. Denn einige hatten Angst vor den eventuell anfallen Stornogebühren, wenn sie selbst ihre Buchung zurück ziehen. Und derjenige, der es nicht eingesehen hat, hat sich sogar noch damit gebrüstet, dass er keine Angst hätte, da er ja jung und fit sei und er uns auch noch Mittelchen aus seinem Koffer anbieten könne, mit deren Hilfe wir besser „über die Runden“ kämen. Da ist für uns klar, es gibt Menschen, mit denen braucht man nicht zu reden, denen muss man eigentlich nur die rote Linie zeigen.

2020-03-13 – Die Einsamkeit hält Einzug

Langsam, ganz langsam wird uns klar, dass sich was ändern wird in unserem Leben. Oder schon geändert hat. Ob es sich zum „Besseren“ oder „Schlechteren“ entwickeln wird, das muss die Zukunft zeigen.

Auf unserm Hof wird es ruhiger. Unsere Gäste sind abgereist. Die Nachbarn fangen an, genauso wie wir, Abstand zu halten. Glücklicherweise nur körperlich. Die Gespräche miteinander verstummen nicht! Einige unserer älteren Nachbarn ziehen sich in ihre Häuser und ihre Gärten zurück. Die ersten Bemühungen um diese und die gesundheitlich Vorbelasteten setzen ein: „Ich gehe einkaufen, soll ich dir was mitbringen?“. Die Einkaufstaschen werden nach und nach nicht mehr persönlich übergeben, sondern vor die Türen gestellt. Oder sei es der morgendliche Anruf: „Geht es euch gut“. So entwickelt sich diese Einsamkeit so, dass sich eigentlich keiner einsam fühlt oder fühlen muss. Am „schwersten“ wiegt bei uns hier, dass das Osterfeuer abgesagt ist. Leider, aber notwendig. So wird das hier aufgenommen. Und eigentlich wollte ich erst zum Osterfeuer von meiner Winterreise 2019/2020 zurückkommen.

2020-03-14 – Die Tagesabläufe sortieren sich neu

Die Tagesabläufe sortieren sich neu. Immer mehr bereiten sich auf die sich abzeichnenden Kontakteinschränkungen sowie Schul- und Geschäftsschließungen vor:

Wie organisiere ich meinen (Arbeits-) Alltag, wenn meine Kinder nicht mehr zur Schule oder in den Kindergarten gehen können? Wie spielen die Arbeitgeber da mit? Wird die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen des Lebens halten oder zusammenbrechen? Was passiert mit den älteren Angehörigen der Familie? Diese als Kinderbetreuung einzusetzen erweist sich sehr schnell als ein untauglicher Weg. Denn da trifft dann eine Risikogruppe auf eine Gruppe mit geringer Wahrscheinlichkeit schwerer Infektionsverläufe aber mit einem hohem Potential als unerkannte Virenüberträger.

Wir sitzen jetzt viel vor und hinter unserem Haus und genießen auch mal die Ruhe: Kaum bis kein Verkehr mehr auf der K34. Auch das Rauschen von der vier Kilometer entfernten B6 ist nicht mehr zu hören. Und als letztes bemerken wir, dass an unserem Himmel keine, wirklich keine Kondensstreifen mehr zu sehen sind. Und damit auch die Fluggeräusche verschwunden sind.

 

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Wir räumen die letzten Reste unserer Brennholz- und Baumfällaktionen von den Weiden.

 

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2020-03-15 – Ich mache mich an die weiteren Reparaturen an Big Blue

Das große Loch an der rechten Seite ist zu. Dank der Boxmanufaktur und Hajo. Jetzt geht es an den Wiedereinbau der Inneneinrichtung. Bei der Gelegenheit habe ich dann unseren Tischler unseres Vertrauens gebeten, für einige Schränke noch Schubladen zu bauen. Denn man kommt da jetzt besser an. Wird aber dauern. Denn bis zu ihm hat sich der Wirtschaftsrückgang noch nicht durchgefressen. Aber Maß genommen hat er schon.

 

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Das Rücklicht muss noch ab und auch die Unterschürze an der linken hinteren Ecke. Die GFK-Schürze ist nicht so das Problem. Zweimal richtig dran reißen und ab ist sie. Auch der stabilisierende Bügel ist leicht abgeschraubt. Das Rücklicht hingegen wehrt sich. Ich kann die Befestigungsmuttern nur durch ein kleines Loch auf der gegenüberliegenden Seite des Vierkantrohrrahmens mit einer Nuss erreichen. Die im Lampenkörper eingeschweißten Schrauben stehen durch die Muttern jedoch so lang heraus, dass ich mit keiner meiner, auch überlangen, Nüsse an sie ran komme. So bleibt nach einigen vergeblichen Versuchen nur der große Hammer, mit dem ich das Plastikgehäuse zerschlage und die Schrauben anschließend abflexe.

 

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2020-03-16 – Schulschließungen

Mit Schließung der Schulen und Kindergärten kommt jetzt der Bruch. Jetzt müssen endgültig in den Familien grundlegend neue Tagesabläufe organisiert werden. Es scheint, dass dieser Druck notwendig war. Jetzt ist fast jeder betroffen und eine neue Gemeinsamkeit entwickelt sich. Die gegenseitigen Hilfen erreichen ein neues Niveau. Für mich eigentlich etwas überraschend, denn in den „sozialen Netzwerken“ kommt man eigentlich zu anderen Empfindungen. Dort herrscht eigentlich ein gegenseitiges Hauen und Stechen vor, welches vor allem von denjenigen betrieben wird, die massive Probleme zu haben scheinen, solidarisches Zusammenleben zu praktizieren. Besonders pervers treten hier (Wohnmobil-) Reisende auf, die scheinbar ihre „Reisefreiheit“ – das ist nicht die grundgesetzlich garantierte Freiheit – über dem Recht auf ungefährdetes Leben einordnen.

 

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Wir fangen an, das von Heidi geborgene Brennholz zu spalten, damit es dann im nächsten Winter auch in unseren Bullerjan passt.

2020-03-17 – Kontaktreduzierende Maßnahmen

Abstandsregeln, Tipps für Hygienemaßnahmen und auch die Schließung von anfangs einigen Geschäften und später von gesamten Branchen und auch Ausgangsbeschränkungen greifen immer mehr in den Alltag ein.

Es wird Tage dauern bis wir alle einen neuen Rhythmus gefunden haben. Aber es wird. Am Anfang stehen die „Übersprunghandlungen“: Rasen mähen, vertikutieren, noch den einen oder anderen Baum oder Busch nachschneiden, öfters als gewohnt und notwendig Einkaufen gehen, vielleicht auch Geld wertbeständig in Klopapier anlegen. Aber im Großen und Ganzen ruckelt es sich zusammen. Wir merken erste Ansätze von vorsichtigerem und wertschätzenderem Umgang miteinander. Angst oder Panik gehören nicht zum hiesigen Vokabular. Eher Umsicht und Rücksichtnahme.

2020-03-21 – So langsam setzt sich das Frühjahr durch

Unsere Schneeglöckchen und Osterglocken sind fast durch. Nun drängen sich die Tulpen in den Vordergrund. Und die Stiefmütterchen machen sich in den Pflanzkübeln breit.

 

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Die Tomaten, Paprika, Gurken und die ersten Salatpflänzchen aus den Anzuchtkästen in unseren Fensterbänken topft Heidi jetzt um. Viele Nachbarn haben schon nach Pflanzen angefragt. In Zeiten von Corona haben einige Zeit für solche Aktivitäten. Vielleicht wollen sie aber auch nur eventuellen Versorgungsengpässe in der zweiten Hälfte des Jahres vorbeugen. Man weiß es nicht.

 

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2020-04-07 – Es wird richtig warm

Die Tage laden immer mehr zum Radfahren und Spazieren gehen ein. Wäsche trocken geht auch schon draußen.

 

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Was haben wir hier auf dem Land für ein Glück. Wenn wir Abstandsregeln missachten wollen, müssen wir uns schon mächtig anstrengen. Denn bei dem weitläufig besiedelten Gebiet hier ist es nicht so einfach, jemanden zu treffen. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass wir in unserem Landkreis bislang noch keinen Coronatoten zu beklagen haben und auch die Infektionszahlen liegen im ganz untern Bereich.

Und ich nutze diese Wärme, um jetzt ein paar „Lackierarbeiten“ an Big Blue auszuführen. Der Unterfahrschutz unter dem Rücklicht hat es nötig, der Haltebügel für die Verblechung der Schürze an der linken hinteren Ecke sowie zwei kleine Stellen an den beiden Fahrerkabinenfenstern. Ich entroste mit einer rotierenden Drahtbürste die beiden ersten Teile, die Stellen an den Türen mit einem kleinen Schraubenzieher. Dann Owatrol an zwei Tagen in zwei Schichten auftragen und das Ganze bis nach Ostern garen lassen.

2020-04-10 – Die Ostertage

Was uns richtig fehlt, ist, dass unsere Freunde aus Braunschweig seit Jahren das erste Mal nicht mit ihren Kindern zu uns kommen, um Ostereier zu suchen. Aber gerade Mareike und Roman arbeiten in infektionsgefährdeten Berufen. Das Risiko will keiner von uns eingehen. So lassen wir uns bei strahlendem Wetter die Sonne auf den Bauch scheinen. Ein Ausflug an die Weser in unserer Nachbarschaft genießen wir. Aber nach und nach müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass diese Idee mehrere haben und es wird uns schnell zu voll. Aber es war schön, mal wieder der Weser beim Fließen zuzuschauen.

2020-04-12 – (An-) Grillen

Und heute Abend grillen wir das dritte Mal in diesem Jahr. 1) frische Bratwurst von Stöpsels Rindern, 2) Holzfäller Steaks und heute wieder 3) Bratwurst. Für diese Abende entdecken wir den hilfreichen Tisch, eine Spende von Sven Purple und einen Kugelgrill, den wir fälschlicherweise unseren Freunden Patrick und Verena zuordneten. Aber das macht nichts, wir haben uns gerne an die beiden erinnert, die jetzt auf ihrer Finca Zorrera in Spanien leben.

 

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2020-04-13 – Eine Entscheidung fällt mir in den Schoß

Heute Morgen lese ich nach dem Frühstück den Reiseblog von Fussel Philipp. Der Auslöser für meinen „Reisebericht“ in dieser Zeit. Warum habe ich das Bedürfnis, mein, beziehungsweise unser Leben, nämlich das mit Heidi, hier der Öffentlichkeit preis zu geben? Ich möchte aufzeigen, dass die Situation, in der wir alle gerade stecken, nicht nur als negativ anzunehmen ist. Sicher. Es ist so, dass wir uns zurzeit an viele neue Umstände gewöhnen müssen. Unser Weg durch diese Zeiten zu kommen, ist der, die Herausforderung anzunehmen und an dem Ort, an dem unser Leben stattfindet, sich mit den Umständen zu arrangieren.

Nicht die krampfhaft nach Schuldigen zu suchen, Verschwörungstheorien nachzuhängen oder – ganz krass – um seine eigenen ganz individuellen Interessen durchzusetzen, in den sozialen Netzwerken sich mit Hassposts zu profilieren. Und da finde ich die Art, wie sich Fussel Philipp mit den Einschränkungen, die ihn auch in Afrika einholen, auseinandersetzt und vor allem wie er sich in diesem Ambiente verhält, beispielhaft. In diesem Thema beneide ich ihn. Auch wenn mir bei vielen Einlassungen von ihm auf seiner vorangegangen Route mit die Haare zu Berge stehen lassen. An ihm sollten diejenigen, die fordernd vor irgendwelchen Fähr- oder Flughäfen stehen, sich ein Vorbild nehmen: Lebe und engagiere dich dort, wo du bist. Fliehe nicht, sobald es eng wird in das Land, was du dann plötzlich Heimat nennst. Was ihr noch kurz vor Corona verteufelt habt, wird jetzt euer eingefordertes Ziel. Und ihr wollt auch noch die Rückreise über irgendein Rückholprogramm des Staates finanziert bekommen, dem ihr in der Vergangenheit bei jeder Gelegenheit eure Steuerzahlungen vorenthalten habt. Ihr habt nicht mein Mitgefühl. Meine Bewunderung gilt Menschen wie Fussel Philipp oder auch Patrick und Verena Fuchs. Der Widdelfamilie.

2020-04-14 – Kalt ist es geworden

Nicht nur die Diskussion um Corona lässt uns frösteln. Nein, es ist auch wettermäßig frisch geworden. Trotzdem spalten wir weiter unser Brennholz für die nächsten Jahre. In zwei Etappen. Zum Aufwärmen lecker Stulle und gegen 15:30 Uhr Kaffee/Tee mit Heidis selbstgebackenen Kuchen.

Am Abend die Diskussionen im Fernsehen über die teilweisen Rücknahmen der Beschränkungen, mit denen zurzeit leben. Und dabei berufen sich Teile der Politiker und auch der Medien auf wissenschaftliche Organisationen. Die ersten beiden interpretieren die Aussagen der Wissenschaftler so, dass man ab nächster Woche mit den Lockerungen beginnen könnte. Aber alle Wissenschaftler der großen Institute haben allen (!) Öffnungsmaßnahmen vorangestellt, dass die Bedingungen dafür geschaffen werden: Genug Betten in den Krankenhäuser, ebenso ausreichend Personal. Umgestaltung von Schulen und den dortigen Räumen, ebenso in den Läden, im öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Und man sollte es nicht glauben, auch die Beschaffung von ausreichend Schutzmasken und Kitteln für die Kranken- und Pflegeberufe werden zu einem Problem. Und ganz besonders für die normale Bevölkerung, für die diese Schutzbekleidungen zum Beispiel in Busse und Bahnen obligatorisch werden. Bei allen Differenzen, die bei den Instituten in der Interpretationen der Fallzahlen vorherrschen, sind sie sich alle darüber einig: Zuerst die Bedingungen schaffen, dann öffnen. Und das sieht zum Beispiel unser CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in NRW anders. Er hat schon auf Wahlkampfmodus umgestellt und lässt gegebenenfalls Tote zu um angeblich die Wirtschaft zu retten. Und das macht Angst.

2020-04-15 – Die Entsolidarisierung

Es ist beschlossene Sache. Läden und Schulen werden unter Auflagen schrittweise öffnen. Dafür haben sich die „Verantwortlichen“ zum Beispiel metergenaue Bedingungen einfallen lassen. Für die Sicherheit der Risikogruppen ist ihnen nur die Sicherung der Altersheime eingefallen. Das sollen die einzelnen Heimbetreiber selbst was einfallen lassen, wie sie die Sicherheit herstellen wollen. Da trauen sich die Politiker nicht ran. Denn in den Heimen sterben sie jetzt schon – trotz mittlerweile fünfwöchigem totalem Kontaktverbot – wie die Fliegen. Hier ist die Entsolidarisierung der Gesellschaft verordnet worden. Es wird jetzt und in Zukunft unterschieden in Menschen, die zu erhalten sind und um die wird sich gekümmert. Und es gibt Menschen, die werden ihrem Schicksal überlassen.

2020-04-16 – Besseres Wetter als in Spanien

Es ist warm. Zwischen 15C und 20°C. Die Tomaten sprießen in ihren neuen Töpfen. Ebenso die Zucchini, Gurken und Paprika. Die Zwiebeln, Möhren, Radieschen und Zuckererbsen keimen schon im Garten. Heidi zeigt mir jeden Tag stolz ihren Garten. Und den Fortschritt ihrer Pflänzchen. Uns kann dieses Jahr viel passieren. Aber verhungern werden wir sicherlich nicht.

2020-04-17 – Warum drückt die Wirtschaft so auf’s Tempo, die Maßnahmen zurück zu fahren?

Immer mehr Menschen, vor allen die, die auf dem Land leben, merken, dass sie mit ihrer Zeit sinnvolleres anfangen können, als an irgendwelchen unterbezahlten Arbeitsplätzen ihre Zeit zu vergeuden. Sie fangen an, ihren Rasen umzubrechen, Früchte anzupflanzen und sich auf die Ernte zu freuen. Und davor haben die Arbeitgeber Angst: Es darf wieder gearbeitet werden und die Leute sagen „Nee“ oder „Ich will mehr Geld“. Denn ich habe in meinem Garten fast alles, was ich zum Leben brauche. Und den restlichen Bedarf kann ich mir auch mit viel weniger lohnabhängiger Arbeit leisten. Das ist fast so wie unsere alte Parole der Linken: „Stellt euch vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Und früher hatten die Waffenschmieden Angst das wir das wahr machen. Und heute unsere Unternehmer und Konzernmanager insgesamt.

2020-04-18 – Und wieder hervorragendes Wetter – Arbeit im Garten und Big Blue, Brennholz machen

Fast schon Frühstück vor dem Haus. Wie gesagt: Fast! Dann aber raus! Mit den Hunden spazieren gehen. Heidi geht noch einmal nach Blenhorst um Bärlauchknospen zu ernten. So haben wir unseren lokalen Knoblauchersatz. So einfach ist das.

Ich muckel an Big Blue rum. Heidi werkelt in unserem Gemüsegarten.

 

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2020-04-19 – Mal wieder Sonntag

Heidi bereitet unsere Ferienwohnung für unseren langjährigen Gast – den Gasinstallationstechniker – vor. In der Wohnung hat sich ein Vögelchen niedergelassen. Welch eine Überraschung. Ein angefangenes Nest auf der Treppe in den Kinderbereich, und der Rest vollgeschissen. Es steht also unvermutet eine Grundreinigung an. Und zwei Stühle müssen „überholt“ werden. Schrauben nachziehen und teilweise ersetzen.

Am Nachmittag bringen wir unseren kleinen Viehanhänger zu unserem LKW-Schrauber unseres Vertrauens. Er ist TÜV-fällig.

Noch mal bei der Bauernfähre in Schweringen vorbei schauen. Die ist weg. Irgendwie weg. Weder am Ost- noch am Westufer. Wird wohl in der technische Überholung sein.

Neben dem Fähranleger lungern die Motorradfahrer, die uns auf unser K34 täglich nerven, rum. Abstandsregeln und Gruppengrößen scheinen Fremdwörter.

2020-04-25 – Allrader Daniel – der neue Zugereiste

Heute Morgen in unserer lokalen Tagespresse mal etwas, was ich vor den Corona-Infos gelesen habe. In der Nachbarschaft ist Daniel Babilon gezogen. Er hat eine ehemalige Produktionshalle eines hiesigen Aggregate Herstellers gekauft und bringt dort seine überwiegend 4×4 Wohn-LKW unter. Schnell ist uns klar wo wir heute auf unserer Fahrradtour hinfahren.

 

Wir treffen ihn in seinen heiligen Hallen an. Irgendwie springt ein Funke über. Er ist nicht nur ein 4×4 Verrückter wie viele. Nein, er baut auch vieles von dem Obst und Gemüse, was er benötigt selber an. So habe nicht nur ich sondern auch Heidi ein Gesprächsthema. Und schon wird über den günstigsten Zeitpunkt für das Rauspflanzen der Tomatenpflanzen gefachsimpelt.
Morgen wird Daniel von der kleinen Cafediele – die ist fast genau gegenüber von seinem Anwesen – Kuchen mitbringen. Denn wir verabreden uns ganz spontan auf Morgen. Auf einen Sonntagsbesuch.

2020-04-26 – Schwarzwälder Kirsch, Zitronenquark und Frankfurter Kranz

Ich habe mir für heute vorgenommen an Big Blue am hinteren linken Schaden das GFK-Laminat wieder anzukleben. Das ist auch recht schnell gemacht. So kann ich dann morgen die Unterflurschürze wieder anbauen.

 

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Spazieren gehen mit den Hunden steht auch auf dem Plan. Und ich will diesen Bericht heute weiterschreiben und endlich mal die Fotos zuordnen. Und ihn dann auch online stellen.
Das klappt auch ganz gut. Als Daniel mit den Kuchen aufläuft, habe ich fast alles fertig. Nur die letzten Worte und das Onlinestellen muss bis 18:00 Uhr warten.

Es ist ein schöner Tag. Das erste Mal, dass wir seit Corona mal wieder einen Gast auf dem Hof haben. Zum Kaffeetrinken. Nicht nur zum Plausch über den Zaun. Wir haben uns an zwei Tische verteilt, das macht aber der Nähe der Gespräche keinen Abbruch. Im Gegenteil. Dafür das wir uns mal gerade 24 Stunden kennen, erzählen wir alle recht viel aus unseren Leben. So gut wie nichts über Autos, Reisen und so’n Kram. Nein, schon was Tiefergründiges. Etwas, was mit Werten, Zielen und Wünschen zu tun hat.

2020-04-27 – Ein vergessener Baum

Er war in Vergessenheit geraten. Sven hat diese kleine Eiche zu seinem 50-sten Geburtstag im letzten Jahr geschenkt bekommen. Aber auf seinem Land hat er keinen Platz gefunden. So hat er ihn uns zu treuen Händen übergeben. Den Winter hat er im Topf gut überlebt. Jetzt schiebt er schon Knospen. Die Tage werden wir einen Platz für ihn suchen. Heidi mäht schon mal den Rasen um das Umfeld dafür zu bereiten.

 

2020-04-28 – Ab heute Regen und noch mehr

Heute soll es ab 16:00 Uhr regnen. Darauf warten wir schon seit Wochen. Der Garten und auch ein paar unserer neu gepflanzten Bäume brauchen das Nass ganz dringend.

So mache ich mich nach dem Frühstück erst einmal an das linke Heck von Big Blue. Es ist jetzt alles dran. Ich löse die Montagehilfsvorrichtungen und reinige die Klebenähte. Zum Spachteln der Kanten komme ich leider nicht mehr, denn wir wollen noch Blumen für unser „Anwesen“ bei der hiesigen Gärtnerei einkaufen und anschließend uns schon mal für unser neues Projekt umschauen.

Wir haben vor, für unseren Schäferwagen ein kleines Sanitärhäuschen aufzustellen. Die Motivation dazu ist nicht zuletzt durch unsere Probleme mit der Corona-Pandemie gewachsen. Wir möchten unsere Feriengäste nicht mehr in unserer Wohnung beziehungsweise auf unserer Toilette und unserem Badezimmer haben. Leider gibt es in unserer Kreisstadt und Umgebung keinen Laden mehr, der diese kleinen hölzernen Gartenhäuschen aufgebaut zum Ansehen präsentiert. So sammeln wir Kataloge und in mir reift der Entschluss, das Ganze über das Internet abzuwickeln.

 

Auf dem Heimweg schauen wir noch bei der Tanke unseres Vertrauens vorbei. Diesel heute für 0,97 €/Liter. Da muss der Tank vollgemacht werden. Aber eigentlich wollen wir durch die Waschstraße um das Wintersalz von unserem Kangoo los zu werden. Leider funktioniert die Unterbodenwäsche nicht so richtig. Und bis der Mitarbeiter das im Griff hat, ist eine Stunde vergangen.

Zwischenzeitlich habe ich Radio gehört. Auch Nachrichten und Reportagen. Und da lief es mit heiß und kalt den Rücken runter. Führende Fachleute und Institute berichten, dass die Reproduktionsquote, der „R-Wert“ wieder über 1 und die Neuinfektionsrate gestiegen ist. Wenn ich jetzt die Inkubationszeit berücksichtige, sind das die Auswirkungen der Ostertage. Nicht die Einführung der Maskenpflicht ab dem heutigen Tag! Gut, solche Schwankungen können vorkommen. Was mich dann aber endgültig fassungslos macht, ist, dass trotz dieser neuen Entwicklung sich alle möglichen Politiker darin übertreffen wollen, wer die meisten Lockerungen auf dem Zettel hat. Das halte ich für absolut verantwortungslos! Bevor weiter über Lockerungen nachgedacht werden darf, muss diese neue Entwicklung erst einmal über ein paar weitere Tage (zumindest die 14-tägige Inkubationszeit) beobachtet werden. Aber hier haben jetzt wohl einige schon auf Wahlkampfmodus umgestellt. Auch um den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur.

Bevor wir die Tanke verlassen, haben innerhalb einer Stunde mindestens drei Menschen die Tanke ohne vorgeschriebenen Nase-Mundschutz betreten und wurden vom Personal weder auf die Maskenpflicht hingewiesen noch aufgefordert den Ladenbereich zu verlassen. Soviel mal wieder zum Thema: Wir können das alles auf Freiwilligkeit organisieren, denn wir haben es mit mündigen Bürgern zu tun. Mündigen Bürgern, die zurzeit ihre Tätigkeit als Sofatrainer der Bundesliga gegen das Aufgabenfeld von Wissenschaftlern eintauscht haben.

2020-04-29 – Euthanasiegedanken machen die Runde

In den letzten Tagen überbieten sich Politiker verschiedenster Couleur mit der Darlegung ihrer menschenverachtenden Überzeugungen. Darunter auch:

2020-04-26 Wolfgang Schäuble Bundestagspräsident und CDU-Mitglied: Anders als die Menschenwürde sei das Grundrecht auf Leben und Gesundheit kein absoluter Wert, sondern durch andere Grundrechte einschränkbar, findet er.

2020-04-28 Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen und Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, Zitat: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr wegen ihres Alters oder wegen schwerer Vorerkrankungen sowieso tot wären.“

Mir fällt dazu nur eins ein: Die Politik unserer Republik hat sich über Jahrzehnte stramm geweigert, ein Gesetz zu erarbeiten, welches die passive und aktive Sterbehilfe ermöglichen und regeln könnte. Der „absolute und durch das Grundgesetz geschützte Vorrang des Lebens wurde immer in den Vordergrund geschoben. Das Gesetz, welches dann in den letzten Jahren geschaffen wurde erlaubt nur die passive Sterbehilfe. Und das auch nur unter unwahrscheinlich schwierigen Bedingungen.

Erst 2020-02-06 hat das Bundesverfassungsgericht ein weitreichendes Urteil zur Sterbehilfe, ‑ sogar mit geschäftsmäßiger Hilfe ‑ gefällt. Hier wurde dem Gesetzgeber in sein Stammbuch geschrieben, dass er falsch liegt, wenn er es Menschen verbietet, über den Abgang aus ihrem Leben selbstbestimmt zu entscheiden.

Die Politik hat sich also über Jahrzehnte gewehrt, einen Rahmen zu schaffen, in dem es möglich ist selbstbestimmt in Freiheit selbst zu entscheiden, wie man in Würde aus dem Leben scheiden möchte.

Ähnliche Diskussionen gab es auch um die Abtreibung. Auch hier wurde der Schutz des ungeborenen Lebens über alle anderen Rechte der Mutter und der Gesellschaft gestellt.

Seit wenigen Tagen, getrieben von unserer Wirtschaftslobby, möchten diese Politiker jetzt darüber entscheiden, wer fremdbestimmt, würdelos in Unfreiheit zu sterben hat.

Trotz alledem habe ich heute auch wieder was bei uns auf dem Hof geschafft. Die Ecke hinten links an Big Blue ist mit Glasfaserpaste gespachtelt. Morgen wird die Kante rund geschliffen.

Bei unserer Halle habe ich an der Front das dritte Fenster eingesetzt und den Rest der Wand mit der Boden-Deckelschalung geschlossen.

 

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Und die Sitzplatte eines unserer alten Holzstühle repariert. Genauer: Angefangen zu reparieren. Sitzplatte drauf geschraubt. Das Lochmuster rein gebohrt. Zum Schleifen und Steichen bin ich nicht mehr gekommen. Morgen geht es auch auf dieser Baustelle weiter. Der sehnsüchtig erwartete und nun auch angekommene Regen lässt ja glücklicherweise Arbeiten immer wieder in seinen Verschnaufpausen zu.

2020-05-05 – Mal ganz locker lockern

Seit gestern übertreffen sich alle unsere Politiker mit Lockerungsübungen. Einige Länder preschen auch wieder mal vor und können wieder mal nicht bis Mittwoch, dem Treffen der Länderchefs auf Bundesebene, warten, um untereinander ein weiteres Vorgehen abzustimmen. Und vor allem sich auch mal wieder die Zahlen vor Augen zu führen. Bei uns zum Beispiel (zugegeben, wir waren hier bislang vom Glück geküsst: ~90 Infizierte, tagelang keine Neuinfektionen und 1 Tote(r) im „Bestand“). Das hat sich gerade in den letzten Tagen geändert. Jetzt innerhalb von wenigen Tagen 3 zusätzliche Tote! Und Neuinfektionen. Die Inkubationszeit mal eingerechnet – das sind Auswirkungen des guten Wetters zu Ostern und des damit verbundenen laxen Umgang der Kontaktbeschränkungen. Da sollte man doch mal genauer hinsehen und noch etwas innehalten, bis man diese Entwicklung richtiger einschätzen kann.

Und was unser Weltclown Trump zurzeit abzieht. Echt gut – aber von einem seiner Vorgänger kopiert. Das hatten wir schon einmal. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie der U.S. Secretary of State Colin Powell an einer Leinwand mit Strichzeichnungen von mobilen Giftgasfabriken auf LKW verladen der UN klargemacht, dass wir alle jetzt den Irak überfallen und Saddam Hussein killen müssen. Viele sind darauf reingefallen. Ergebnis: Saddam Hussein ist nach einem Überfall der „Koalition der Willigen/Wollenden“ auf das Land nach einem Schauprozess ermordet worden. Die Giftgasfabriken sind nie gefunden worden.

Ähnliches hat jetzt Trump vor: Immer wieder behaupten, die Chinesen hätten den Virus absichtlich entwickelt und in die Welt gesetzt, oder zumindest dieses grobfahrlässig getan. Beweise legt er nicht vor. Ich warte auf die Bleistift Kritzeleien. Lange kann es ja nicht mehr dauern. Denn die Welt will mal wieder „Beweise“ sehen. Egal wie fadenscheinig sie sind. Um mit gutem Gewissen mitmachen zu können oder zumindest ohne schlechtes Gefühl wegschauen zu können.

So, aber jetzt zu unserem eigentlichen Leben. Im Garten können wir schon erkennen, dass wir wohl keinen Hunger leiden werden. Wenn nicht, ja wenn nicht die nächsten Nächte doch noch einmal Frost angesagt wäre. Heidi hat vorgebeugt. Hat im Garten die frostempfindlichen Pflänzchen (Zucchini und Gurken) mit Gaze abgedeckt. Die Tomaten kommen noch dran. Die Farben aus der Werkstatthalle habe ich schon in Sicherheit gebracht.

 

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Und der Flieder blüht (und riecht) so schön.

Und heute Abend gibt es Spargelpizza.

 

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Da haben wir noch ’ne Fußnote zu. Früher gab es bei unserem Edekahändler unseres Vertrauens Hefe in kleinen Würfeln. Dieses Produkt hat jetzt das Klopapiersyndrom eingeholt. Das Regal ist leer. Nun gibt es wieder Hefe als  Block. Nun schneiden und die Mitarbeiterinnen am Käsetresen die gewünschte Menge von einem großen Klotz runter. Denn irgendwie haben die Hersteller zur Zeit nicht die Kapazitäten, die Hefe selber als Kleingebinde zu verpacken. Daraus ergeben sich folgende Vorteile: 1) Diese Hefe macht ihre Arbeit im Teig wesentlich besser und 2) es spart Plastikverpackung. So hat Corona auch an dieser Stelle was Gutes.

2020-05-06 – Noch mehr Lockerungsübungen

Heute hat unsere Bundeskanzlerin, die in unseren Augen bislang eine gute Arbeit in Bezug auf die Corona-Pandemie abgeliefert hat, sich wieder mit unseren Landesfürsten zusammengesetzt, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Da unsere Länderchefs in den letzten Tagen schon mit Öffnungsbeschlüssen ihrer Länder hervorgetan haben, ist nicht mehr viel für eine ernsthafte Beratung übrig.

Und ganz verdrängt wird, dass seit gestern Abend feststeht, das die frühe Schulöffnung in NRW wohl als Schuss nach hinten losgehen wird. An drei Schulen sind schon nach kurzer Zeit Infektionen aufgetreten.

Aber das Spiel wird immer durchschaubarer. Als es um die Verkündung von Einschränkungen ging, wurde von unseren (meist männlichen) Länderchefs und Fachministern der Auftritt vor der Öffentlichkeit gerne Angela überlassen. Denn wer verkündet gerne etwas, was keiner haben will. Nun hat sich das Blatt komplett gewendet.

Nun geht es darum, Leckerlies zu verteilen: Rücknahmen der Einschränkungen. Da drängt sich dann wieder unsere Männerwelt in den Vordergrund. Und jeder versucht der Erste und Freizügigste zu sein. Und ich sage jetzt schon voraus, wenn es schief geht, dann wird sich wieder hinter der Bundeskanzlerin versteckt. (Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin nun wahrlich kein Freund unserer bürgerlichen Parteien „der Mitte“ und auch nicht unserer Kanzlerin. Aber in meinen Augen hat sie bis zum Zeitpunkt, als die Länderfürsten wieder das Zepter in die Hand genommen haben, eine sehr gute Arbeit abgeliefert.) Denn nicht umsonst stehen wir recht gut da.

Und wenn die Wirtschaft, allen voran die großen Konzerne – jetzt am Jammern ist, dann buche ich das unter „Klappern gehört zum Handwerk“ und „Jammern auf ganz hohem Niveau“. Hier wollen die Lobbyisten die Bühne dafür bereiten, in Form von Mitnahmeeffekten sich die Kassen füllen. Und das sind diejenigen, die wenn es gut läuft immer mit dem Argument „Der freie Markt wird es richten“ sehr schnell bei der Hand sind. Und wenn der Ponyhof mal Pause macht, dann soll der Steuerzahler einspringen. Wofür eigentlich? Eigentlich dafür, dass die Konzerne lieber das erwirtschaftete Kapital in Form von Dividenen und Bonies ausschütten, anstatt auch für schlechte Zeiten Vorsorge zu treffen. Das immer wieder kehrende Argument, dass die Wirtschaft „unverschuldet“ in diese Krise „gestolpert“ ist, mag ja richtig sein. Aber haben wir Steuerzahler das verschuldet?

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Evi sagt:

    Moin Stephan. Ein schöner Bericht aus deiner Waldeinsamkeit. Mir war eigentlich klar das sich an eurem Leben nicht viel ändern würde durch Corona. Schön, Reisen kannst du nicht und wirtschaftlich fallen die Einnahmen durch Gäste weg. Aber ansonsten lebst du doch mit Heidi im Paradies. Nicht zu vergleichen mit mir und Anderen die in Klein- und Großstädten leben. Ihr seit zu zweit. Viele sind allein und sitzen seit Wochen in ihren Wohnungen. Du machst morgens die Tür auf und siehst die Sonne und den Frühling und kannst draußen frühstücken und abends am Lagerfeuer sitzen. Ich und viele Andere müssen fahren um Sonne und Frühlingsgrün zu sehen und draußen zu sein. Auch um eure Ernährung brauchst du dir als Selbstversorger keine Sorgen machen und im Winter frieren wirst du auch nicht müssen. Sieht bei mir anders aus. Ich muss alles kaufen. Gemüse und Obst ist kaum bezahlbar (jetzt schon) und das Geld wird bei Allen knapper. Wenn im Winter durch die wirtschaftliche Lage die Heizungen und der Strom ausfallen (die wenigsten Wohnungen haben Öfen) werden viele gerade Menschen der Risikogruppe erfrieren. Am schlimmsten ist nicht die Einsamkeit, auf meinen Reisen bin ich auch meistens allein, am schlimmsten ist die Angst vor der Zukunft nicht nur für mich sondern besonders für die Kinder und Enkel. Diese Angst ist größer als die vor dem Virus. Vor dem Virus kann man sich schützen (Abstand, Hygiene) vor einer Zukunft in Hunger und Not als Städter nur sehr schwer. Ihr hab ein Paradies und werdet da auch alles unbeschadet überstehen. Lg

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    1. Hallo Evi!
      Schön das du dich entschieden hast, auch mal was ohne „Verschwörungstheorien“ zu lesen. Und wir freuen uns darüber, dass du scheinbar unser Heim, welches du ja auch schon besucht hast, in so guter Erinnerung behalten hast.
      Aber was ich nicht verstehe ist, dass du so eine Panik schiebst. Sicher ist es so, dass der Politiker, der uns die Sicherheit unserer Renten versprochen hat, nun vor ein paar Tagen verstorben ist. Aber das ist in unseren Augen kein Grund, Panik zu schieben. Denn nur deswegen werden unsere – auch deine – Renten nicht unsicherer.
      Du schreibst, dass wir mit unserer Selbstversorger Landwirtschaft jetzt doch so toll da stehen. Und das du als „reisende Städterin“ jetzt unter anderem von steigenden Preisen in deiner (vorher sorglosen) Existenz bedroht fühlst. Da kann ich nur sagen: Wir beide haben unser Leben uns selbst ausgesucht und gestaltet. Wir haben lange Zeit unseres Lebens auch auf Dinge verzichtet, die der andere auf Grund seiner Wahl genießen konnte. Wir zum Beispiel auf das Reisen, du auf die Organisation eines zu Hause an einem festen Ort. Das hat alles gut funktioniert, das Leben auf der Basis seiner Auswahl zu genießen. Solange alles gut lief. Solange nicht zuletzt die Gemeinschaft für die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sorgte und diese auch sicherstellen konnte. Nun haben wir mal (wieder) einen Bruch in dieser Wohlfühlgesellschaft. Nicht alles ist (vorrübergehend) mehr möglich. Da müssen wir alle einen Schritt zurücktreten und mal eine Zeit lang die Füße stillhalten. Nicht zuletzt um dieser oben erwähnten Gemeinschaft die Möglichkeit zu schaffen, nach Ablauf dieser notwendigen Einschränkungen wieder einen Zustand herbeizuführen, der unserer früheren Wohlfühlblase nahe kommt. Und nicht, wie viele – scheinbar auch du – zur Rosinenpickerei übergehen und aus allen Lebensmodellen sich das Beste für sich herausziehen wollen, indem sie sich unter anderem darüber beklagen, dass ihre Rosinen für sie jetzt erst einmal unerreichbar geworden sind. Und gleichzeitig anderen Lebensmodellen, die jetzt scheinbar in der Krise besser zurechtkommen, dieses neiden.
      In diesem Sinn, bleib gesund und überwinde deine Panik
      Stephan

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  2. bretterhexe sagt:

    Wieder ein spannender Bericht. Manche Leute müssen nicht erst raus, in die weite Welt, damit sie was erzählen können…
    Liebe Grüße aus Berlin…
    Passt auf Euch auf!

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    1. Schön mal wieder ein Lebenszeichen von dir zu lesen. Mach was Schönes. Das Leben geht weiter und wir werden uns sicherlich bald wieder irgendwo treffen. Ich freu mich schon drauf.
      Übrigens, sei froh, dass es diesen Winter nicht mit uns beiden geklappt hat zusammen zu verreisen. Du hätteest an mir keine große Freude gehabt.

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  3. Harm Diesner sagt:

    Hallo Stephan,
    habe mir mal Deinen Text über die Coronareise durchgelesen.
    Schreiben kannst Du ja, das muss ich Dir lassen.

    Gruß Harm

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    1. Hallo Harm!
      Irgendwas muss man ja können. Danke für die Lorbeeren. Aber ich hoffe, dass ich noch mehr kann als nur zu schreiben.

      Gefällt 1 Person

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