2016-07-26 – Nach Neum – Bosnien Herzegowina

Trotz Verkehrslärm und Zikadengeschrei recht gut durch die Nacht gekommen. Wir brechen heute wirklich früh auf. 10:00 Uhr. Das schnelle Internet hat doch zu sehr verlockt, die Seite von gestern fertig zu machen.

Ziel ist Dubrovnik. Dieses wird ein Wunschgedanke bleiben.

Split umfahren wir und staunen über die Skyline. Hatten wir anders in Erinnerung.

Südlich von Split wird die Strecke doch recht anspruchsvoll. Ich staune immer wieder, wie Big Blue mit seinen 20 Jahren auf dem Buckel und seinen nur 140 PS mit den anderen LKW hier vor Ort auch in den Bergen mithalten kann.

Aber erstaunlicher Weise wird hier unten auch nicht mehr so gerast wie früher. Liegt es daran, dass hier von den Ordnungshütern rigoros Verkehrsdelikte teuer verfolgt werden oder liegt es vielleicht daran, dass hier mittlerweile, wie bei uns in den 70-igern fast jede Familie ein bis zwei Verkehrstote zu beklagen hatte? Gefühlt muss es die zweite Option sein, denn wir haben bislang nur zwei PolizistenInnen gesehen. Auch kaum Radarfallen, und wenn, dann so offensichtlich, dass man da wirklich nicht drauf reinfallen konnte. Die Kontrolldichte ist doch sehr undicht.

Bevor Split im Rückspiegel verschwindet tanken wir noch einmal voll. Das ist das dritte Mal auf unserer Tour. Wir liegen irgendwo zwischen 13 und 16 Litern/Kilometer. Das ist für unser Auto wirklich ein guter und akzeptabler Schnitt! Wir Prüfen noch einmal den Luftdruck der Reifen. Vorne 6,75 Bar und hinten auf den Zwillingen je 5,0 Bar. Alles super. Hinten ist scheinbar zu viel drauf. Aber vom Andruckbild wäre eine Verringerung des Luftdrucks nicht angeraten. Das probiere ich mal zuhause aus.

Dann geht es in die Kurven. Ich merke, dass ich zwar immer noch sicher bin, was das Fahren grundsätzlich anbelangt. Aber ich fahre nicht mehr gerne lange Bergab Strecken mit vielen (engen) Kurven. Ich habe da immer Angst, dass die Bremsen heiß werden und keine Wirkung mehr haben. Die Motorbremse (Auspuffklappenbremse) ist da zwar eine Hilfe, aber mit doch geringer Wirkung. Da träume ich dann doch von Retardern und/oder Wirbelstrombremsen. Aber mit so etwas Big Blue nach zu rüsten, würde wohl bedeuten, dass er dann weit über seine 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht käme. Und dann wird es kompliziert. Nun ja, die Bremsen haben gehalten und die Bremswirkung war auch immer voll da. Eigentlich brauche ich mir keine Gedanken machen.

Gleich im ersten größeren Dorf Stobrec ein riesen Stau. Circa 1 ½ Stunden stehen wir auf etwa 1,5 Kilometer rum. Dann taucht ein Polizist auf Motorrad auf. Der zieht sich erst einmal um. Von Motorradklamotten auf schicke Dienstbekleidung. Schnappt sich seine Dienstkelle und tut ganz wichtig. Will er aus dem Stau jetzt Raser herauswinken oder was? Der Sinn, dessen was er macht verschließt sich mir komplett. Aber dann geht es plötzlich weiter: Gut aussehende, ganz in weiß mit Miniröckchen gekleidete Polizistinnen haben auf den nächsten beiden Kreuzungen Position bezogen, pfeifen schüchtern auf ihren Dienstpfeifen und winken dem Verkehr. Und dieser Verkehrsstau löst sich umgehend auf. Toll gemacht.

Heidi schwelgt in den Panoramen der kroatischen Küste. Ich finde diesen Landstrich etwas überbevölkert, vor allem mit Pauschaltouristen und der Infrastruktur, die für diese Sorte Menschen geschaffen werden muss, damit sie nicht verhungern. Auf jedem bebaubaren Platz stehen Hotels, Appartements oder Campingplätze. In der zweiten Reihe dann die Diskos, Supermärkte, Nippes, Furz und Tralla Läden, Autowerkstätten und so weiter.

Wir machen Pause in der Einfahrt eines ehemaligen Campingplatzes bei Podaca. Dieser ist von der Natur schon fast komplett zurück erobert. Aufgegeben wurde er wohl, weil ihm der Zugang zum Meer irgendwann durch Neubauten direkt am Strand verwehrt wurde. Schade, die Anlage war wohl mal sehr schön, kleinteilig, in schöner Umgebung, toller Aussicht und mit Zugang zum Wasser.

Kurz vor der Grenze zu Bosnien Herzegowina verlässt die Küstenstraße eben diese und folgt für eine Zeit dem Fluss Nevreta. Hier stehen Obst- und Gemüsestande aneinander gereiht wie Bücher in der Schrankwand. Die VerkäuferInnen kühlen alle ihr Obst mit Wasserfontänen, die sie mit Pumpen aus dem Fluss speisen. Wir kaufen noch ein bisschen was für das Abendessen ein und wollen Lara ins Wasser lassen. Endlich! Hier ist es wieder. Die Erinnerung an alte Zeiten. Der Uferstreifen ist immer noch mit leeren Flaschen, Ölkanistern, Bauschaum, Styropor und allem sonstigen Dreck den wir so kennen, bündig aufgefüllt. So kennen wir Südeuropa. Das hat die EU noch nicht kaputt machen können (Sarkasmus). Man gut, dass wir nur Zwiebeln gekauft haben. Die wurden mit diesem Wasser nicht gekühlt!

Von oben wie die Reisfelder in Vietnam
Von oben wie die Reisfelder in Vietnam

Aber die Möglichkeit im fruchtbaren Mündungsdelta dieses Flusses eventuell zu übernachten hat sich damit erledigt. So kommen wir nach Bosnien Herzegowina. Wieder eine richtige Grenze mit Grenzpolizisten. Sie sitzen in klimatisierten Glasboxen und machen lässige Handbewegungen. Nicht zu wenig, dass man sie respektlos übersehen könnte, aber auch nicht so viel, dass man sie bei ernsthafter Arbeit uncool erwischen könnte.

Dann sind wir im circa zehn Kilometer langen Küstenstreifen, den sich dieses Land bei, während und nach den Unruhen nach der Auflösung von Jugoslawien gesichert hat. Und wir kommen wirklich nicht aus dem Staunen heraus.

Vorab. Es ist ein schöner Küstenabschnitt!

Auch dieser Küstenstreifen lebt offensichtlich vom Tourismus. Allerdings sind die Bemühungen, diese zuvorkommend zu behandeln, nur eingeschränkt gediehen. Die Küsten sind genauso wie in Kroatien privatisiert und komplett zugebaut wo es nur geht. Hier in Neum ist zum Beispiel öffentlicher Straßenraum ist an die Hotels verpachtet, die für jede Parkmöglichkeit Gebühren kassieren. Auch für Straßen, die auf der dem Hotel gegenüber liegenden Seite der Bucht liegen. Es steht da ein Parkscheinautomat, der nur in der Heimatsprache und teilweise in Englisch beschriftet ist und nur die Währung, nämlich die bosnische Mark KM, akzeptiert. Wer, der hier nur durch das Land (wir vergessen nicht, dass es nur 10 Kilometer sind) durch fahren will, wechselt dafür schon Geld. Überall werden die verschiedensten Währungen, Euro, Dollar Saudische Dollar und so weiter, angenommen. Kartenzahlungen sind absolut selbstverständlich. Aber hier? Ich kann es nicht verstehen. Und noch in der Findungsphase, wie wir die ganze Sachen jetzt abwickeln, haben wir schon ein Ticket kassiert. Nicht von der Polizei, sondern vom Hotel! Mit den übelsten Androhungen von Konsequenzen. Wir unterhalten uns mit einigen Einheimischen und sogar mit der Polizei. Und gerade diese ist erstaunlich kooperativ. Sie verspricht uns, in dem Hotel Bescheid zu sagen, dass diese uns noch einmal den Kontrolletti schicken soll, damit wir die Standgebühr in Euro bezahlen können und damit die Sache aus der Welt schaffen. Aber vom Hotel hat sich keiner bei uns blicken lassen. (Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen. Am nächsten Morgen, als wir aufwachen hängt der zweite Knollen unter dem Scheibenwischer.)

So werden wir morgen einfach dieses unfreundliche Land verlassen. Wohlgemerkt, die Leute, mit denen wir uns hier am Strand unterhalten haben, waren sehr aufgeschlossene und nette Leute. Aber diejenigen, die hier das Business machen, schaffen mit Hilfe der Authorities Situationen, die wir nicht gut heißen. Wir werden dieses Land in Zukunft meiden. Auch für die Rückfahrt werden wir uns anders orientieren.

Der Tunnel
Der Tunnel

Am Ende der Straße ist ein Tunnel. Nicht so ganz klar wofür. So gehen wir einfach mal durch.

Gegen Abend wechseln wir noch einmal unseren Standplatz auf dieser Landzunge und warten, bis die anderen Standgäste sich nach Hause oder in ihrer Ferienunterkünfte gemacht haben. Dann bauen wir am Strand unseren Mu Kata (unser Grill aus Frohse gekauft in 2015) und unsere Sitzgarnitur am Strand auf und grillen uns drei Steaks. In Neum beginnt die Abendbelustigung der Touristen. Karel Gott Schnulzen schallen aus zwei Kneipen über das Wasser zu uns rüber. Das hat schon was. Bis 22:00 Uhr sitzen wir am Strand und lauschen diesem musikalischen Highlight. Zufrieden mit uns und der Welt schleppen wir dann unseren Hausstand wieder zu Big Blue, setzen uns noch eine Zeit hinter das Heck. Dann geht Heidi ins Bett. Und ich schreibe den Quatsch hier noch schnell auf und sortiere die Bilder von heute.

Morgen gehts weiter ->

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