Von der tschechischen Grenze bis zur Quelle 2015-07-31 bis 2015-08-29

Fehlstart nach Albanien

Wappen Albaniens
Albanien
07-28; Technischer Dienst; ZDF 03
Noch einmal nachschauen
07-25; Technischer Dienst 02
Der Motor
07-28; Die Meinung des Fachmanns
Der Fachmann sagt, es ist der Synchronring gewesen

Die Planung für diesem Sommer sind eigentlich      fünf Wochen Albanien. Eine Woche vor Fahrtantritt haben wir noch einen Generalcheck gemacht: Unter anderem Ölwechsel von Motor, Getriebe und Differential. Beim Getriebe kamen uns dann viele, viele Metallteile in der Größe von einem kleinen Finger entgegen. Nach dem ersten

Schock rufen wir bei Mercedes an. 3700,00 € zuzüglich Öl und Mehrwertsteuer wollen die haben und sieben bis zehn Tage für den Einbau. Naja, wir haben ja keine Erben und das letzte Hemd hat ja bekanntlich keine Taschen. Also vergeben wir den Reparaturauftrag. Aber für Albanien wird die Zeit zu knapp. Daher machen wir jetzt die Elbe weiter.

2015-07-31             Vorbereitung

08-01; Elbe Tschechien; Abfahrt; Stephan
Stephan
08-01; Elbe Tschechien; Abfahrt; Heidi
Heidi
07-25; Vorbereitung Tschechien 05
Mal auf die Karte schauen
07-31; Bett machen
Betten machen
07-31; Peter 03
Abschied von Peter. Wir werden unseren Nachbarn nicht wieder sehen. Unser Freund verstirbt am 2016-08-12. Er wird uns sehr fehlen!

Abschied von Peter. Wir werden unseren Nachbarn nicht wieder s

Bis 11:00 Uhr zittern wir, ob Big Blue fertig wird. Um 12:30 Uhr

kommt Barbara mit ihrem Fernsehteam. Wir werden verkabelt und dann gehts ab zu Benz. Big Blue steht auf dem Platz, der Meister ist bereit zur (fliegenden) Übergabe. Noch kurz fachsimpeln über die Metallbrocken im Getriebe. Es ist wohl der Synchronring zwischen dem fünften und sechsten Gang gewesen. Nicht lebenswichtig, denn wir Beide haben unseren LKW-Führerschein auf unsynkronisierten Getrieben gemach. Aber die Brocken können schon ein Chaos verursachen.

Auf dem Rückweg fahren wir noch schnell bei Heidis Autoschrauber vorbei und bringen ihren 123 Benz Oldtimer in die Ferienpflege und zur Reparatur.

Dann nach Hause und vor der Kamera packen, dem Filmteam Fragen beantworten und für sie posen.

Und wir hoffen, dass wir nichts vergessen.

2015-08-01      Buchholz -> Schönebeck/Frohse

08-01; Elbe Tschechien; Erster Stau bei KönigslutterAm frühen Morgen schnell noch Fotos für das Filmteam machen und dann gehts los.

Noch nicht auf der B6, schon was vergessen: Küchenmesser.

Macht nix. Bloß nicht umdrehen. Zu großer Aufwand, vor allem mit dem Filmteam im Nacken. B6 bis Hannover, dann die A2 Richtung Magdeburg. Big Blue läuft wie ein Uhrwerk. Das neue Getriebe lässt sich super schalten. So fließen wir mit den LKWs mit, nur ein bisschen schneller.

Die Radarfallen machen Fotos von uns, da diese nicht erkennen können, dass wir kein LKW sind und daher schneller als die LKW (80 kmh) fahren dürfen.

Dann, wie sollte es anders sein, Stau von Königslutter bis Helmstedt. Die erste Bewährungsprobe über die Landstraßen. Hat hervorragend geklappt. Heidi hat eine tolle Nebenstrecke rausgesucht, auf der kein Um­lei­tungsver­kehr war. Dann in Helmstedt wieder auf die Autobahn. Stockender Verkehr bis Marienborn ‑ wie früher zur Transitabfertigung ‑, dann geht’s aber locker durch bis Schönebeck/Frohse.

Wappen der Stadt Schönebeck (Elbe)
Schönebeck/Frohse

2015-08-01

08-01; Frohse; Biberimbiss08-01; Elbe Tschechien; Schoenebeck 0608-01; Elbe Tschechien; Schoenebeck 05Ein herzlicher Empfang erwartet uns auf dem Platz. Auch wenn im Biber Imbiss das Bier vom Sohn zurzeit alle ist – das „Ersatz-“ Bier ist auch klasse. Damit können wir uns schon einmal auf das tschechische Bier einstellen.

Wir fahren ersteinmal mit dem Fahrrad Eis essen in Schönebeck. Das Eis ist klasse, die Bedienung hat noch was von der sozialistischen Hängematte.

08-01; Elbe Tschechien; Schoenebeck; Vergessene Sachen 02Anschließend noch in den Repo Markt, vergessene Tassen, Küchenmesser und Scheuerschwämme kaufen.

Dann unser erster „Fehler“: Wir essen bei Mutti am Biberimbiss. Lecker selbstgemachter Kartoffelsalat mit Schnitzel beziehungsweise mit Bockwurst (DDR-Knacker). War total lecker, aber wir wurden anschließend von der Betreiberfamilie zu deren privaten Grillabend an einem thailändischen Grill (Muh Kata) eingeladen. War noch leckerer, vor allem eine völlig neue Erfahrung.

Auf die Oberfläche des Grills kommt ganz (!) fetter Speck. In den Rand um die Kuppel ein Fonts. Während der Speck ausbrät, werden in den Fonts verschiedene Gemüse zur Garung gelegt. Ergänzt wird das Ganze durch das Auflegen von verschiedenen kleinen marinierten Fleischstückchen. In kleinen Schalen stehen dann noch Glasnudeln, Saucen, Reis und Ähnliches. Für uns was ganz Neues. Und total lecker.

So kaufen wir uns gleich einen von diesen Grilltöpfen unseren Gastgebern ab. Keine Fehlentscheidung!

2015-08-02        Schönebeck/Frohse -> Bad Schandau

Ausschlafen. Die Anspannung der Abfahrt (alles einpacken und einiges vergessen) ist weg. In Ruhe wieder auf die Autobahn über Halle nach Dresden und von dort über die Bundesstraße nach Bad Schandau: Der fast letzte Ort vor der tschechischen Grenze. Dort telefonieren mit dem Filmteam wegen des Treffpunktes. Die werden sich verspäten, so dass wir ohne sie auf den Campingplatz im Kirnitzschtal fahren.

Wappen der Stadt Bad Schandau
Bad Schandau

2015-08-02

08-03; Elbe Tschechien; Bad Schandau 01Der Campingplatz Ostrauer Mühle liegt wunderbar, die Kirnitzschtalbahn fährt einem fast über die Füße, also recht eingeengt im Tal, aber eine einmalige Landschaft. Auch hervorragend für meine täglichen Radtouren.

08-03; Bad Schandau; GitterturmWir fahren noch mit dem Fahrrad in den Ort um uns ein bisschen zu Essen zu kaufen, denn wir möchten grillen.

Die Uferpromenade ist mächtig raus geputzt. Aber viele Gebäude, auch die prunkvolleren, stehen leer. Eingeborene erzählen uns, dass seit dem letzten Hochwasser sich sehr viele ehemaligen ortsansässigen Unternehmen sich schwer tun, sich hier weiter zu engagieren.

So stehen auch viele Hotels und Pensionen leer.

Aber viele, teilweise überraschende Gebäude zeugen von einer glorreicheren Vergangenheit.

Zwischen Boulderwand und Schwimmbad essen wir noch ein Eis und werden von Wespen fast aufgefressen. Diese werden uns auf der ganzen Tour penetrant begleiten. Aber das wissen wir jetzt noch nicht.

2015-08-03  Bad Schandau -> Hrensko

08-03; Elbe Tschechien; Bad Schandau; Filmteam 03
Unser Filmteam

Pünktlich trifft das Filmteam nach dem Frühstück ein.

08-03; Bad Schandau; RaddampferBei der Tagesplanung setzt sich Heidis Faible für Schiffchen fahren durch: Mit der Kirnitzschtalbahn runter nach Bad Schandau. Dann mit dem Raddampfer über die Grenze nach Hrensko.

Dann ein Schreck in Bad Schandau – wegen Niedrigwasser fährt das Schiff nicht. Bislang waren wir immer bei Hochwasser an der Elbe. So haben wir dann auch mal eine Abwechslung.

Nach etwas Suche erfahren wir, dass kleinere Schiffe die Strecke fahren. Also rauf auf’s nächste (der Hund hat immer noch Panik vor den Landungsbrücken) und los geht’s.

Hier im Naturschutzpark Sächsische Schweiz bietet sich an den Ufern ein Panorama, welches man anderswo lange suchen muss.

Wie zu Vorwendezeiten gibt es neben Bier auch hier immer noch die leckeren DDR-Knacker: Die kurzen, dicken Bockwürste mit viel Senf.


Wappen von Hřensko
Hřensko

2015-08-03

Dann Ankunft in Hrensko. Das kann man nur als kalte Dusche bezeichnen: Wie Klein Vietnam. Der ganze voll Ort mit Ständen für Ramsch und Co. Man kann die Wohn- und Geschäftshäuser fast nicht erkennen.

Die Wechselstube ist unfreundlich bis zum geht nicht mehr. Und an der Tankstelle stehen Preise für das Diesel, das wir uns doch sehr wundern: 1,30 €/L. Bei unserer Abfahrt lag zuhause der Preis bei 1,08 €/L. Aber noch ist der Tank fast voll. Und die Hoffnung nach preiswerterem Sprit stirb zuletzt.

08-03; Elbe; Kirnitschtal 0108-03; Elbe; Kirnitschtal 05Da unser Schiff schon wieder weg ist, suchen wir uns ein Gartenlokal, essen etwas und warten auf‘s Rückschiff. Fleisch und Knödel satt, gut und preiswert. Aber trotzdem: schnell weg hier.

Am Abend fahre ich noch einmal im Kirnitzschtal zum Lichtenhainer Wasserfall hoch. Ist nicht so spektakulär. Aber es überrascht mich doch ein altes Hinweisschild auf dem die Preise für das Herumtragen in Sesseln stehen.

2015-08-04        Bad Schandau -> Usti nad Labem

Das Filmteam begleitet uns immer noch. Aber es zeigt sich recht schnell, dass die beiderseitigen Erwartungen recht unterschied­lich sind. Und gleich in Bad Schandau bin ich durch die Dreharbeiten so abgelenkt, dass ich durch eine Radarfalle rausche: Für circa 50 m ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 kmh festgelegt. Und damit man sich auch dran hält, genau dort ein Starenkasten aufgestellt. So erwarten wir schon jetzt bei unserer Ankunft zuhause interessante Post.

Für Barbara ist die Fahrt recht eintönig, denn sie hat mehr Aktion erwartet. So faken wir was zusammen: Einkaufen an einem Straßenstand. Diese fühlen sich scheinbar durch die Kameras bedroht und sie rufen die Chefin herbei. Die fotografiert unser Kennzeichen und notiert sich irgendwelche Sachen. Ein Gespräch war irgendwie nicht möglich. Nun ja.

Wappen von Ústí nad Labem
Ústí nad Labem

2015-08-04

08-04; Elbe Tschechien; Usti Stellplatz 04 08-04; Elbe Tschechien; Usti Stellplatz 02In Usti nad Labem (die Elbe heißt jetzt Labe) gehen wir Eis essen. Nicht zuletzt deswegen, weil das Filmteam was zum Drehen haben möchte.

Wir stellen Big Blue auf einer Brache direkt vor der Brücke zur Innenstadt ab.

Irgendwie muss diese Stadt früher einmal ein Drehkreuz für Fracht- und Personenverkehr gewesen sein. Auf kürzester Strecke vier oder fünf Eisenbahn- und Straßenbrücken über die Labe ‑ so heißt jetzt die Elbe ‑ und die hier einmündende Bilina.

Die Stadt selber ist von ihrer sozialistischen Vergangenheit geprägt. Aber in der Innenstadt nicht schlecht. An der repräsentativen Hauptstraße finden wir dann auch eine Eisdiele die unseren Anforderungen entspricht: Draußen sitzen und richtiges Eis genießen. Kein Softeis. Das ist hier gar nicht so einfach.

2015-08-04           Usti nad Labem -> Litomerice

08-04; Höhenbegrenzung

Usti nad Labem; zu hoch 01
2,60 m aber die Hoffnung stirbt zuletzt
08-04; Usti nad Labem; ZDF 08
Hier stirbt auch die letzte Hoffnung

Nach dieser Stärkung geht es auf der Ostseite der Labe weiter Richtung Süden. Aber das soll dann nur beim Versuch bleiben, denn das Schild Durchfahrtshöhe ist doch kein Witz. Big Blue passt einfach nicht unter der Bahnbrücke hindurch.

Die Westseite der Labe scheidet aus weil sie mautpflichtig ist. Das wollen wir einfach nicht.

So fahren wir wieder circa 20 Kilometer zurück nach Malé Březno nad Labem, und dann durch die Berge.

So kommt das Filmteam doch noch zu einigen „spektakulären“ Bildern: Big Blue auf „bergigen“ Straßen ‑ von innen und außen.

Wir fahren hier durch ein wirklich schönes Mittelgebirge. Schöne Panoramen über die Berge wechseln sich ab mit kleinen Dörfern und Tälern.

Es nervt nur, dass der Kameramann, er ist das erste Mal bei uns, es wirklich sehr genau nimmt. Jedes Mal, wenn er die Position wechselt, baut er vorher die Gopros ab beziehungsweise um. Und das hält auf.  Wir ertragen das, da auch wir ein Interesse daran haben, dass wir dann auch gut rüber kommen in dem Film.

So werden wir zu unserem eigentlich geplanten Ziel Lovosice wesentlich länger brauchen. Da wir auf diesen Umweg erst durch Litomerice kommen, beschließen wir, uns dort eine Bleibe zu suchen. Die Stadt sieht sehr einladend aus und der Autokemp Slavoj liegt in einer Parkanlage direkt an der Labe. Allerdings irren wir recht lange erfolglos von Umleitung zu Umleitung ohne ihn zu finden.

Auf einem Parkplatz von Lidl (ja, die gibt es hier an jeder Ecke) gestrandet, mache ich von hier aus per Fahrrad den Indianer und finde so auch recht zügig den Platz.

Für das Filmteam gibt es hier angemessene Hotelzimmer. So haben wir dann den Abend für uns. Auch schön.

Wappen von Litoměřice
Litoměřice

2015-08-04

08-06; Litomerice; Big Blue auf Standplatz 08-04; Elbe Tschechien; Litomerice 0308-04; Elbe Tschechien; Litomerice 02Der Campingplatz liegt direkt an der Labe heißt, ist aber ein Zaun dazwischen. Aber hier werden solche Blödheiten auf dem kurzen Dienstweg geklärt. Irgend ein abgeschlossenes Tor wird von befugten (?) Leuten einfach aufgemacht.

08-05; Litomerice; Lara lernt Schwimmen 02Wir können hier bis zu einem Meter auf den Grund der Elbe sehen. Allerdings muss man den Farbfilter ignorieren. Rein und tief Luft holen und anhalten. Bei einer Lufttemperatur von 34°C ist das Wasser aber schon so warm, dass man ruhig wieder ausatmen kann.

08-04; Elbe Tschechien; Litomerice01Auch Lara können nach einiger Überwindung auf den Bootssteg locken und sie erstmalig zum freien Schwimmen überreden.

Schön eine Runde schwimmen, dann kurz unter die Dusche und dann in die Platzbar.

Ein bisschen Unsicherheit für die Nacht: Der Platz ist scheinbar ein Geheimtipp für Dänen. Die sitzen hier schon am Nachmittag laut trinkend unter den Sonnensegeln.

Ich wusste gar nicht, das kaltes Bier in Dänemark so teuer ist, dass sie bis hier fahren müssen, um es sich leisten zu können, auch mal einen über den Durst zu trinken.

Aber der sozialistischen Vergangenheit dieses Landes sei Dank: Um 22:00 Uhr wird nicht nur der Zapfhahn versiegelt, nein auch alle aus dem Biergarten freundlich aber bestimmt nach Hause geschickt.

Eine himmlische Ruhe, mal vom nahegelegenen Bahnhof abgesehen.

znak obce Píšťany
Píšťany
Wappen von Lovosice
Lovosice

2015-08-05

08-05; Lovosice; Campingplatz 03

Wir fahren mit dem Fahrrad nach Pistany, auf unserer Seite der Labe, gegenüber von Lovosice.

08-05; Lovosice; Campingplatz 04Da liegt ein See direkt im Knick der Labe. Dort wollten wir eigentlich schon gestern auf der Herfahrt hin. Aber durch die Umfahrung der zu niedrigen Eisenbahnbrücke sind wir ja von der anderen Seite (Osten) hergekommen und daher erst in Litomerice gelandet. Der See ist wunderschön.

08-05; Lovosice; Campingplatz 0208-05; Lovosice; Campingplatz 05Natürlich ist am Horizont eine Betonfabrik sichtbar.

Es zeigt sich schon hier, dass die Labe in Tschechien noch ein wichtiger Logistikweg ist an dem sich verschiedenste Industrie und Gewerbe ansiedelt.

In dem See liegen mehrere kleine Halbinseln. Und, man staune, wir finden einen Campingplatz mit großem Sandstrand. Ein Flair vergangener Zeiten umweht uns: Hier stehen Wohnanhänger, die wohl seit der Grenzöffnung nicht mehr bewegt wurden ‑ noch mit altem russischen Kennzeichen. Einfach geil. Und die Gäste: alles Eingeborene, keine Westtouristen! So stellt dieser Platz das ganze Gegenteil zu dem Platz dar, auf dem wir zurzeit in Litomerice lagern.

08-05; Lovosice; FähreLeider ist der Strand sehr stark mit Algen belastet. Das liegt zum einen am Wind, der das Wasser gerade in diese Bucht drückt, an der der Strand liegt. Und zum zweiten liegt es daran ‑ und das wird uns auf unserer ganzen Tour begleiten ‑ das durch die lang anhaltende Hitze die stehenden Gewässer stark ausgetrocknet und aufgeheizt sind und damit die Algenbildung fördern.

08-06; Litomerice; Mirabellen pflückenDaher werden wir den Platz nicht wechseln, trotz der schöneren Lage.

Der See liegt in einem Labeknick. Sie wechselt hier ihre westliche Fließrichtung in Richtung Norden.

An dieser Stelle finden wir noch eine kleine Personenfähre, die auf uns den Eindruck macht, als ob sich dort ein Rentner ein bisschen Geld zu seiner Rente dazu verdient. Mit ihr könnten wir nach Lovosice übersetzen. Wir entscheiden uns dagegen.

Auf dem Labe Radwanderweg Nr. 2 standen auf der Hinfahrt Unmengen an Mirabellen- und Pflaumenbäumen. Haben wir aber auf der Rückfahrt vergessen zu pflücken. Kismet.

2015-08-04                Litomerice Abends

08-05; Litomerice; Campingplatz Grillfete 0308-05; Litomerice; Campingplatz Grillfete 02Am Abend organisiert der Betreiber unseres Campingplatzes eine Grillparty, mit Lifemusik: Eine herausstaffierte Sängerin und ein Gitarrist! Mit dabei eine Rhythmusmaschine. Der Gitarrist ist gut. Die Sängerin, wenn sie sich denn von ihrem Smartphone losreißen kann, eigentlich auch.

Trotzdem wirft das unsere Planung für heute Abend über den Haufen. Denn eigentlich wollen wir selbst kochen. Aber dann sitzen wir mit den einzigen Deutschen vom Platz am Tisch.

08-05; Litomerice; Campingplatz Grillfete 0108-05; Litomerice; Campingplatz Grillfete 04Sie kommen aus Leipzig. Schon seit Jahren machen sie ihren Sommerurlaub hier. Das Budweiser schmeckt wirklich saugut. Und wir müssen nicht einmal nachts dauernd pinkeln.

Die Dänen halten sich etwas zurück und es ist eine schöne Party. Heidi fragt mich irgendwann mal, ob ich mir noch vor kurzem hätte vorstellen können, an so etwas teilzunehmen.

Naja, die Feten vor 30 Jahren in Griechenland waren ja im Prinzip nichts anderes: Trinken und Essen und Singen (Grölen??). Nur die Männer und Frauen waren attraktiver.

Wappen von Litoměřice
Litoměřice

2015-08-06

08-06; Litomerice 02 08-06; Litomerice 03 08-06; Litomerice 0408-06; Litomerice 05 08-06; Litomerice 06Heute am Vormittag fahren wir mit dem Fahrrad in die Stadt. Dort gibt es eine Openair Modelleisenbahn mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit sehr viel Liebe gestaltet, aber doch ge­wöhnungsbe­dürftig: Die herausragenden Bauwerke der Stadt in einer Phantasielandschaft angeordnet.

Wir brauchen noch eine Bürste für den Hund. Wir kaufen die in einem Laden in der dritten Reihe. Dort gibt es alles, vom Küchenmesser (haben wir gestern gekauft) bis zum Badeofen (hat sich Heidi heute angesehen, aber er war aus Emaille. Wir möchten für zuhause wieder einen aus Kupfer). Und der Preis war auch nicht so, dass es hätte unbedingt sein müssen.

Das haben wir sowieso schon gemerkt: Tschechien nicht unbedingt ein Billigland. Aber das haben wir auch nicht erwartet.

Auch Diesel ist locker 10 bis 15 Cent teurer als bei uns. Und langsam wird der Tank leer. Hätten mal doch noch zuhause voll tanken sollen. Aber Güter des täglichen Bedarfs: zum Beispiel Lebensmittel aber auch Gastronomie und nicht zuletzt Bier sind konkurrenzlos billig.

Bei 28°C steht jetzt noch Eis essen auf dem Plan. Dann ab zum Campingplatz und rein in die Labe. Lara schwimmt jetzt schon ohne Zuruf mit.

Ein Landsmann mit tschechischen Wurzeln hat uns erklärt, dass das schwarz Campen auch im Wohnmobil in diesem Land strengstens verboten ist. Nicht nur dass die Nachtruhe hin ist, es kostet auch ganz viele Euros. Das ist natürlich heftig. Wir können es eigentlich nicht glauben, schon alleine weil es hier keinen Zentimeter Elbufer gibt, an dem nicht Angler mit Wohnwagen, Zelten, Kind und Kegel hausen, und das über Tage hin.

Aber Heidi als sparsame Hausfrau hat jetzt entschieden, dass wir auch weiterhin auf Wohnmobilstellplätze oder Campingplätze fahren.

Das bringt natürlich etwas Unruhe in die ganze Reiseplanung, denn auf der Strecke von hier bis an die Quelle gibt es laut Straßenkarte, ADAC, Google Maps und http://www.meinwomo.net nur noch vier Stellplätze. Das haben wir uns anders vorgestellt!

08-06; Litomerice 01Am Abend doch noch einmal Richtung Lovosice mit dem Rad gefahren und Mirabellen gepflückt. Kommen total gut im Morgenmüsli.

Wir haben dieses auffällige Dach am Marktplatz gesehen und können uns überhaupt nicht erklären, welche Funktion dieser Aufbau hat.

2015-08-07      Litomerice -> Roudnice -> Melnik

Heute Morgen vor dem Duschen habe ich nochmal den „Eingeborenen“ getroffen und ihn gefragt, ob es hier in Tschechien vielleicht eine Straßenkarte mit Campingplätzen gibt: Ja, natürlich, oben auf dem Marktplatz in Litomerice ist ein gut sortierter Buchladen. Ich habe mich also bei Heidi abgemeldet und bin noch einmal mit dem Fahrrad los. Eine deutsche Zeitung/Illustrierte soll ich noch mitbringen. In der Buchhandlung treffe ich eine deutsch sprechende Frau an. Die schaute mich ganz überrascht an, dass ich so eine „blöde“ Frage stelle. Natürlich gibt es solche Straßenkarten. Ich habe also meine Brille gezückt und mir das Machwerk angesehen. Ja, formidable. Schon auf den ersten Blick habe ich auch an der Labe zig Plätze entdeckt. Also kaufen! Auf dem Rückweg fällt mir ein: Mist die Zeitung vergessen. Aber noch einmal den Berg hoch bei der Hitze, nein danke.

08-06; Treboutice; Wassersportplatz mit Womostellplatz 01Zurück auf dem Campingplatz mit Heidi zusammen die Karte noch einmal ausführlich studiert. Ja, das Angebot, auch dann später im Riesengebirge, ist groß. Das entspannt dann ja nun doch ungemein.

Heidi geht noch duschen, dann zusammenpacken, Wasser auffüllen und natürlich das Scheißhaus leeren. Dann geht’s los. Richtung Osten an er Labe stromauf. Mächtig trocken die Felder hier, selbst die Flächen direkt am Wasser staubtrocken.

08-06; Nucnice, Standplatz an kleiner Fähre 01Und dann schon auf den ersten Kilometern zwei prägende Erlebnisse: Zuerst überholt ein Irrer den Gegenverkehr so knapp, dass er uns fast frontal trifft. Beim Einscheren in der letzten Sekunde rammt er seinen Vordermann.

Und wenige Kilometer weiter sehen wir auch schon den ersten Campingplatz, der weder auf den ADAC-Karten noch in den einschlägigen Internetportalen aufgeführt ist. Aber auf der Karte aus Litomerice.

Es ist ein Platz an einem maritimen Sportcenter der direkt an der Labe liegt.

Und an den vielen Fähren über die Labe stehen viele Freaks mit ihren Bussen.

Wappen von Roudnice nad Labem
Roudnice

2015-08-07

08-07; Roudnice; Brücke 01Roudnice ist schön bei der Anfahrt anzusehen. Die Einfahrt über eine stolze Brücke aus dem vorvorigen Jahrhundert als Stahlgitterkonstruktion. Aber wir merken, upps, wir sind jetzt auf der anderen Labeseite. Da wollten wir nicht hin.

Trotzdem lockt uns das Ambiente zum Aussteigen um sich hier mal umzusehen. Leider ist in der gesamten Stadt das Parken mit LKW, Treckern und Wohnmobilen verboten. Also drehen wir und fahren zurück über die Brücke und noch einmal kurz ans gegenüberliegende Ufer. Hund ins Wasser. Und wir beobachten eine französische Wildwasser Jungendgruppe. Die machen gerade Pause. Bei 36°C eine sicherlich sinnvolle Entscheidung. Außerdem ist die Wildwasserstrecke am Ufer (absolut wettkampftauglich) gerade abgeschaltet.

Wir fahren weiter in Richtung Melnik.

Wappen von Mělník
Mělník

2015-08-07

08-07; Melinek; Elbe 0308-07; Melinek; elbe 0208-07; Melinek; Stadt 0208-07; Melinek; Stadt 01Auch hier haben wir bei der Anreise einen wunderschönen Blick auf die Altstadt, die auf einem Berg neben der Labe thront.

Camp Melnik ist ein Relikt der sozialistischen Vergangenheit: Ein Lager für die Jungen Pioniere, die sich um die sozialistische Idee verdient gemacht haben. Direkt daneben liegt ein Klasse Freibad, bei den heutigen Temperaturen natürlich völlig überlaufen. Das Ganze im Gewerbegebiet.

Ein kleiner Bach fließt hinter dem Zaun, das ist gut für Lara. Und die Altstadt ist nur circa 1200 m entfernt. Die ist wunderschön. Klein aber oho.

Der Blick von dem hoch gelegenen Kirchplatz gib einen einmalig schönen Blick auf den Zusammenfluss der Labe und der Vltava/Moldau frei.

Und auch hier wieder die typischen Schleusen und Aufstauungen, die wir jetzt immer wieder sehen. Scheinbar wird die ganze Labe aufgestaut. An diesen Standorten wird dort Strom erzeugt und der Fluss auch für etwas größere Schiffe mit Schleusen schiffbar gemacht.

08-07; Melnik; Eis essen08-07; Melnik; Heidi beim Bier 01Auf dem Dorfplatz wird gerade für ein Weinfest am Samstag und Sonntag aufgebaut. Wir müssen irgendwann heute Abend entscheiden, ob wir uns den zwar komfortablen aber eben nicht am Wasser liegenden Platz noch einen weiteren Tag reintun um das Fest mitzuerleben. Aber höchstwahrscheinlich ist es uns dafür sowieso zu heiß.

Abends trinken wir noch ein sehr gutes Bier in lauschiger Umgebung im Restaurant des Platzes. War gut.

2015-08-08          Melnik -> Kostelec

Das erste Mal habe ich in diesem Urlaub sauschlecht geschlafen. Auf zwei Seiten war je eine große Straße und auf der dritten noch zusätzlich ein Verschiebebahnhof. So litten wir zwar nicht unter Entzug, denn auch in Litomerice war der Bahnhof nur einen Steinwurf entfernt, aber das hier ist schon eine heftigere Nummer.

Dann sind am Morgen die sanitären Anlagen entweder defekt, verschmutzt oder das Klopapier war flächendeckend alle. Das war aber wohl nur bei uns Männern. Heidi fand die feminine Seite ok.

Trotzdem, hier wollen wir keine weitere Nacht verbringen.

Eigentlich möchten wir heute mindestens bis Brandys nad Labem weiter. Aber wir verfahren uns wegen einer Umleitung etwas und überqueren ungewollt die Labe bei Kostelec nad Labem.

znak obce Kostelec nad Labem
Kostelec nad Labem

2015-08-08

08-09; Kostelec, Strand 0908-09; Kostelec, Standplatz 0308-08; Kostelec, Strand 07Direkt neben der Brücke finden wir einen tollen Kiesstrand und ein Parkplatz unter Bäumen. Und scheinbar sind hier die alle Einwohner der Umgebung inklusive wochenendurlaubender Prager am Baden.

08-08; Kostelec, Strand 01Wir stellen Big Blue also unter die letzten freien Bäume und dann rein ins Wasser. Auch heute haben wir schon am frühen Mittag wieder Temperaturen um und über 36°C. Und Lara hinterher – sie schwimmt jetzt auch schon ohne Aufforderung mit.

Ich fahre dann noch mit dem Fahrrad auf dem Labe Radwanderweg stromauf, um mal zu sehen wie es da weitergeht.

Dabei bin ich etwas vom Weg abgekommen und auf einem Campingplatz bei Stara Boleslav gelandet. Irre, wie eng man Zelte und Wohnwagen packen kann. Da fehlt nur noch die zweite Ebene. Ansonsten ist der Platz aber recht schön am Probostsky Rybnik See mit Zugang zur Labe gelegen. Und die Überfüllung mag den tschechischen Sommerferien, der Nähe zu Prag und der Hitze geschuldet sein.

Noch ein Wasser kaufen und schnell zurück an unseren Strand. Und kurz vor dem Hitzeschock schnell wieder ins Wasser.

08-09; Kostelec, Fahrrad platt 02Als ich mich entspannt zum Trocknen hinlege, sehe ich das mein Fahrrad ein plattes Hinterrad hat. Irgend ein Dorn auf einem Acker über den ich geirrt war. So ein Mist. Und kein Flickzeug im riesigen Big Blue zu finden. Aber so habe ich einen Grund, die Frau mit dem einzigen Wohnmobil außer uns auf dem Platz anzusprechen. Sie findet auch kein Flickzeug, meint aber, dass eventuell ihr Mann noch etwas dabei hat. Der ist auf einer 60 km Radtour. Wenig später bringt er ein Flickenset rüber. Seit mindestens 20 Jahren flicke ich das erste Mal wieder einen Fahrradreifen: Lecksuche in der Labe, den Schlauch aufrauen, Klebstoff drauf, eine Minute ablüften lassen, Flicken drauf und den Achttonnen Wagenheber über die Nacht drauf stellen.

Dann trinken wir mit den beiden Rettern noch ein schönes Bier in den Abend hinein. Dabei bekommen wir wieder eine neue Version erzählt, wie das in diesem Land mit dem wild Campen ist. Es ist wohl nicht so richtig erlaubt, aber es wird wohl in der Regel, wenn man sich nicht daneben benimmt, nicht bestraft. Nur in den meisten Ortschaften ist es richtig untersagt. Vor den Orteinfahrten steht auch eine entsprechende Beschilderung. Und auf diesem Platz hier wird es ganz explizit toleriert. Na, das ist ja schön zu hören!

znak obce Kostelec nad Labem
Kostelec nad Labem

2015-08-09

08-09; Kostelec, Balkon 0208-09; Kostelec, WasserzapfstationIch habe trotz der Nähe zur Straßenbrücke gut geschlafen, Heidi nicht so. Heidi möchte eigentlich weiter, weil sie auch befürchtet, dass der Platz heute (Sonntag) noch voller wird als gestern. Und weil in circa 30 Meter Entfernung ein paar ortsansässige Alkoholvernichter und Alkohol­ver­nich­ter­innen ein kleines Zeltlager aufgeschlagen haben. Heidi befürchtet, dass diese Leute nachts laut werden könnten. Aber Pustekuchen. Sonntags machen die Tschechen wohl mehr in Familie zu Hause. Und unsere Alkies sind äußerst zurückhaltende ihrer Art.

08-09; Krenec Grill 0108-09; Krenec Grill 0208-09; Krenec Grill 03So machen wir erst einmal eine Radtour, die ersten zwei Versuche immer auf der falschen Labeseite. Ende irgendwo in der Pampa.

Naja, dann erst einmal nach Kostelec. Ein kleines Dorf an der Hauptstraße. Und obwohl es Sonntag ist, haben die Läden für die Grundversorgung mit Lebensmitteln offen. Wir staunen und decken uns mit etwas Gemüse und Käse ein. Und noch etwas fällt uns auf, auch dieser Laden wird von Vietnamesen betrieben. Ist das hier so, dass sich die Vietnamesen den ganzen Einzelhandel angeeignet haben? Mal drauf achten in der Zukunft.

Und dann finden wir hier einen Automaten, der einfach am Straßenrand steht, und aus dem man gegen Bargeld Trinkwasser sich in Flaschen abfüllen kann. So etwas haben wir beide noch nie gesehen.

Wir unternehmen noch einen Versuch an der Labe entlang zu fahren. Klappt auch und wir landen an einem kleinen See mit einem Kiosk, der wohl in der Gegend für seine Grillküche bekannt ist.

Das Ganze hat ganz entfernt was von einer Laubenpieperkolonie. Es ist schön hier, aber auf unsere Frage, ob man hier sich auch mit Big Blue hinstellen darf oder kann, war die Antwort: Nein.

So trinken wir etwas und fahren zurück zu unserem Strand. Übrigens, auch in diesem See das Problem mit den Algen im See.

08-10; Kostolec, Standplatz auf Terasse 03Wir treffen die Entscheidung doch noch in Kostelec am Strand eine Nacht zu verbringen. Aber wir wollen uns abends, wenn die Einheimischen weg sind, an das andere Ende des Strandes zu stellen. Da ist eine kleine höher gelegene Terrasse, die habe ich von Anfang an in der Nase, aber tagsüber belegt ist. Und gestern haben wir nicht mehr wechseln wollen, da Heidi ja eigentlich weiter wollte.

2015-08-10  Kostelec -> Podebrady 08-10; Elberadweg Koslotec nach Brandy 02 08-10; Brandy; Wildwasserstecke 01

Ich sitze seit 6:00 Uhr vor Big Blue und genieße den Sonnenaufgang. Es war eine gute Entscheidung hier zu bleiben.

Super gut geschlafen und wir haben einen tollen Platz fürs Frühstück mit Blick über den gesamten Strand. Heute, am Montag, kommen hier ganz andere Leute zum Baden: Mütter mit ihren kleinen Kindern oder mit ihren Kinderersatzminihunden.

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Rad nach Brandys (circa 8 km). Endlich habe ich den richtigen Labe Radwanderweg gefunden.

Super gut ausgebaut – so wie bei uns die landwirtschaftlichen Wirtschaftswege die mit EU-Geldern über die Flurbereinigung gebaut wurden, aber eben ohne Bauern mit ihren Monstermaschinen drauf, die die Wege kaputt fahren.

08-10; Elberadweg Koslotec nach Brandy 03Und schöne Rasthütten mit toll eingerichteten Spielplätzen für die Kinder.

08-10; Brandy SchlossIn Brandys drehe ich am Schloss um und bin darüber erstaunt, dass auch hier ein Wildwassertrainingsplatz eingerichtet ist. Das hatten wir schon einmal auf unserer Tour in Roudnice.

Dann Aufbruch zum Stellungswechsel weiter die Labe aufwärts.

08-10; Camingplatz hinter Kolezec 03Jetzt fahren wir mit Big Blue durch Brandys und Stara Boleslav auf der Nordseite der Labe und sehen wir sehr schöne Gebäude und es gibt hier noch Läden, in denen der Schlachter noch selbst hinter dem Tresen steht oder die Betreiberfamilie noch selbst ihren kleinen Gemischtwarenladen betreibt.

Wir schauen uns den Campingplatz Wostrow Kemp in Osti bei Lysa nad Labem an. Er liegt sehr schön an einem See. Aber die schattigen Plätze sind von Dauercampern belegt und Hunde sind ein Problem. Wir pflücken noch ein paar wilde Mirabellen und fahren weiter.

In Nymburk kämpfen wir uns durch eine schlecht ausgeschilderte Umleitung durch nach Podebrady.

Podebrady

2015-08-10

08-10; Podebrady; Einfahrt zum Campingplatz 01 08-10; Podebrady; Einfahrt zum Campingplatz 02 08-12; Podebrady; Schleuse 08-10; Podebrady; Wassertreten 0108-11; Podebrady; Stellplatz 01 08-11; Podebrady; Stellplatz 03 Die Campingplätze auf unserer Karte sind recht schwer zu finden. Wir müssen auf Schildern das Übermahlte erkennen und uns über Verbotsschilder hinweg setzten.

Wir erkunden dann den See Jezero, an dem der Platz liegen soll, zu Fuß. So werden wir im Naturschwimmbad am See fündig. Der Campingplatz liegt direkt auf dem Grundstück des dort ansässigen Naturfreibades. Wir glauben, dass dieses Schwimmbad eigentlich als Campingplatz gar keine Zulassung mehr hat. Aber wir haben dort einen sehr schönen Stellplatz unter großen Bäumen gefunden. Nur Lara muss beaufsichtigt oder angeleint werden, da sie nicht an den Strand darf. Aber mit ihr können wir außerhalb des Bades an den See gehen.

Das Freibad liegt genau Podebrady gegenüber. Wir können entweder über die Straßenbrücke oder aber über die Schleusenwege in die Innenstadt gehen. Das sind keine 1000 m.

Podebrady entpuppt sich als Kurort mit einem ebenso riesigen wie schönen Kurpark direkt in der Innenstadt. Es gibt kleine Springbrunnen die direkt aus dem Boden kommen, auf denen ganze Familien mit ihren Kindern rumturnen und sich bei den immer noch vorherrschenden 36°C Abkühlung verschaffen.

Eine mindestens 100 Meter lange Kneippstrecke (aber auch diese heute leider etwas zu warm) hilft Heidi ihre Hitze in den Griff zu bekommen. Sie hat heute etwas einen Durchhänger. Zu niedrigen Blutdruck bei einem zu hohen Puls. Aber es wird schon gehen.

Dann das ewige Thema, was und wo essen wir am Abend. Eigentlich wollte Heidi heute Abend essen gehen, aber das ist hier nicht so ganz einfach. Vieles ist nicht unserem Stil und unseren Wünschen entsprechend. Die Restaurants sind hier doch sehr auf Kurgäste eingerichtet. Und wir möchten doch lieber etwas Bodenständigeres. Also kocht Heidi wieder selbst was (auch in unserem Urlaub besteht Heidi auf die Küchenhoheit) mit den Sachen, die wir in Kostelec eingekauft haben.

Ein wunderschöner Abend im Schwimm­bad. Die kleinen Ess- und Trinkkioske haben bis 23:00 Uhr offen.

Wenn der Schwimmbetrieb gegen Abend „eingestellt“ wird, werden einfach die Kassenhäuschen abgeschlossen aber die Ein- und Ausgänge bleiben offen. Um 23:00 Uhr kommt dann eine Securityfrau, leuchtet noch einmal den Strand nach Wasserleichen ab, schließt die Tore und verschwindet wieder. Und wir unterstützen mal wieder die hiesige Bevölkerung durch unseren Bierkonsum: ½ Liter für 25,00 Kronen (circa 1,00 €).

Ein total nettes Mädchen an der Bierausgabe. Sie hat Deutsch in der Schule gelernt und konnte mir auch erklären, was das für Würste im Glas sind:

08-10; Podebrady; Eingelegte Wurst 01Grobe Fleischwurst (oder auch Lyoner) aufgeschnitten, mit scharfen Paprikamus gefüllt und mit Zwiebeln und Peperoni sauer eingelegt. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Und die kosten auch nicht mehr als ein Bier.

Seit circa 15 Jahren habe ich keine Sternschnuppen gesehen. Aber hier habe ich mich nach dem Zapfenstreich noch eine Stunde an den still ruhenden See gelegt. Und dann kamen sie. Und ein paar Satelliten waren auch dabei.

2015-08-11                Podebrady

08-11; Podebrady; Regionalgrenze Elbaufwaerts 0108-10; Podebrady; Campingplatz am Golfplatz 0108-10; Podebrady; Campingplatz am Golfplatz 02Bei meiner morgendlichen Radtour finde ich dann auch den Campingplatz am Golfplatz (wo auch immer der sein mag), der wohl als einziger hier noch eine Zulassung hat. Aber grausam: Großer Platz ohne schattenspendende Bäume und nur Dänen und Engländer, die schon zur frühen Morgenstunde damit beschäftigt sind, rauchend und biertrinkend ihre Wohnanhänger zu polieren. Und es gibt keinen Zugang zum Wasser, nur einige Restaurants, die zu der Marina gehören und man dort mit abgespreiztem kleinem Finger essen muss. Ne, da ist uns unser Platz viel lieber, und wir werden zumindest heute noch dort bleiben.

Wappen von Libice nad Cidlinou
Libice nad Cidlinou

2015-08-11

08-11; Litice; historische Wallanlagen 0308-11; Litice; historische Wallanlagen 02Mit Heidi fahre ich noch einmal die Strecke von heute Morgen. Und noch weiter stromauf.

Libice liegt an der Flussmündung der Cidlina in die Elbe

Im Ort finden wir neben einer hier tpyischen Kirche einen Schlachter, Gemischtwaren- und Kolonialwarenladen. So wie wir es noch von vor 30 Jahren auf unseren Fahrten nach Griechenland, in die Türkei oder nach Afrika kennengelernt haben. In den Läden herrscht Dunkelheit und die daraus resultierende Kühle. So erfahren wir schon bei Betreten des Ladens eine Erfrischung an sich. Aber ich kann Heidi leider nicht davon überzeugen, hier etwas für unsere tägliche Verpflegung einzukaufen. Heidi möchte heute Abend essen gehen.

Aber dieser Ort birgt eine weitere Überraschung für uns. Hier ist von irgendwelchen Herrschern schon im siebten Jahrhundert von den Slaven eine Wallanlage gebaut worden, die mich an den Limes erinnert hat.

Die Grundmauern der dazugehörigen Kirche und die Reste eines Schloßes kann man erahnen. Außer den Grundmauern der Kirche und der Wallanlage gibt es noch eine sehr aufwendig in Mosaiktechnik hergestellte Infotafel.

2015-08-11                Podebrady am Abend

Wir gehen heute abend mal so richtig Essen. Das Restaurant aus dem Zentralplatz will uns nur Bier verkaufen – die haben nur Mittags was zu beißen. Die anderen an dem Platz haben uns nicht gefallen, und das im Burggraben ist uns zu trendy. So gehen wir in das Hotel Bila Ruze direkt an der Brücke über die Labe. Wir sitzen circa 15 Meter von der Labe entfernt, etwas unter dem Fahrbahnniveau und von dieser nur durch eine kleine Hecke getrennt. Das hat was südländisches. Die LKW fahren einem fast über die Hand wenn man diese über die Stuhllehne hängen lässt.

08-11; Podebrady; EssenHier gibt es endlich böhmische Spezialitäten: Krautsalat mit Meerrettich, Kartoffelpuffer gefüllt mit Rauchfleisch und Sauerkraut sowie Schaschlik. Und dazu Pilsener aus ½ Liter Krügen. Das ist was für mich. Heidi ißt heute wieder Fisch. Ist ein gelungener Abend.

Dann wieder im Schwimmbad trinken wir noch bei dem netten Mädchen im ein vorletztes Abschlussbier.

Das wird dann zum Letzten, denn unsere Nachbarn laden uns ein, mit ihnen noch Sekt zu trinken, denn sie, Eliška, feiert heute ihren 62-ten Geburtstag. Sie, Tschechin, hat vor langer Zeit Friedel in Hannover kennengelernt. Er hat dort bei der Üstra als Busfahrerausbilder gearbeitet. Er ist mit 62 in Rente gegangen. Und nun leben die Beiden hier circa 20 km entfernt in ihrem Haus, welches sie sich selbst restauriert haben. Im Sommer jedoch wechseln sie für circa fünf Monate mit ihrem Wohnwagen auf diesen Campingplatz. Tja, Rentner in öffentlichen Dienst eben. Schön wenn man so seinen Weg gefunden hat.

Podebrady

2015-08-12

Meine morgendliche Fahrradtour führt mich heute stromab ins circa zwölf Kilometer entfernte Nymburk. Das Ganze schaffe in einer Stunde. Ich werde immer besser, und die Radwege auch. Es ist aber schon etwas grenzwertig, da ich noch nicht gefrühstückt habe und unterwegs Hunger bekomme und kein Geld dabei habe.

08-12; Nymburk; Ortschild am RadwegNymburk ist sehenswert mit seiner beeidruckender Labebrücke und seiner Stadtmauer.

Die Stadt wurde um das Jahr 1275 vom böhmischen König Přemysl Otakar II. als Königsstadt gegründet: Schöne Plätze, Stadtmauer- und Burganlagen.

Dann, ich bin kaum auf dem Platz zurück und frühstücke gerade. Heidi schwimmt eine Runde. Da kommt ein Anruf von unserer Nachbarin Margrit, der unsere Urlaubsstimmung gravierend beeinflusst : Peter, unser Nachbar und sehr guter Freund ist gestern an seinem Squaredance Abend gestorben. Es trifft immer die Falschen, und die viel zu früh. Was nun? Big Blue hier stehen lassen, von Prag mit dem Flieger nach Hause und nach der Beerdigung wieder hier her? Das geht nicht mit Lara. So bleibt uns erst einmal nur ein Telefonat mit Brigitte, Peters Liebe und Lebensgefährtin.

Der Rest des Tages ist bedrückt.

Am Abend gehen wir essen, da uns zum Kochen die Lust fehlt. Wieder im Hotel an der Labe. Und wieder Kartoffelpuffer mit verschiedenen Füllungen. Und Krautsalat mit Meerrettich und mit Mohrrüben. Heute keine Versuche. Und damit wir einschlafen können im Schwimmbad ‑ mittlerweile alte Sitte ‑ noch ein paar 1/2  Liter hinterher. Dann trotz der bedrückenden Nachricht von heute Morgen einigermaßen gut geschlafen.

2015-08-13  Podebrady -> Kolin -> Tynec nad Labem

Heute sind wir etwas später in die Gänge gekommen. 15 Kilometer Radfahren. Dann ins Wasser und anschließend frühstücken. Dann noch einmal zu unseren Nachbarn Eliška und Friedel. Uns von Beiden verabschieden. Das hat dann doch bis nach 12:00 Uhr gedauert. Beim Bademeister bezahlen und dann in der größten Hitze los.

Wappen von Kolin
Kolin

2015-08-13

08-13; Kolin 02Kolin gehört nun mal wieder zu den Städten, in denen ganztägig, also nicht nur nachts das Abstellen von Wohnmobilen und LKW untersagt ist. Also stellen wir Big Blue am Bahnhof auf einer Brache ab. Und dann laufen wir schnell weg. Nur nicht angesprochen werden von irgendwelchen Leuten, die uns das Parken hier verbieten können. Und zum Abschleppen ist Big Blue einfach zu groß. Und ich habe ihn auch so hingestellt, das niemand an die Abschleppöse ankommt.

Auch Kolin hat, wie die meisten Städte, die wir bislang in Tschechien besucht haben, einen relativ öden Außenbezirk mit Plattenbauten, aber auch eine wirklich sehenswerte alte Innenstadt. Und das nicht nur um den Marktplatz mit seinen interessanten Repräsentationsbauten, sondern auch mit Wohnhäusern aus den früheren Epochen. Bei uns sind solche Häuser in der Nachkriegszeit meist platt gemacht worden. In Tschechien beginnt jetzt eine Sanierungsarbeit wodurch ein reizvoller Kontrast zwischen alt und schon saniert entsteht. Überall gibt es kleine Cafes oder kleinste Restaurants, die immer gut für eine kleine Erfrischung sind, die wir zurzeit wirklich nötig haben. Es sind schon wieder 36°C gegen 13:00 Uhr.

Im Bioladen (das Sortiment ist wirklich spannend: Bio und regional – das findet man hier selten) kaufen wir noch ein bisschen Wurst und Käse sowie beim Bäcker Brot.

Dann fahren wir weiter nach Tynec nad Labem. Big Blue steht auch noch unverändert dort, wo wir ihn abgestellt haben.

Wappen von Týnec nad Labem
Týnec nad Labem

2015-08-13

08-13; Tynec 0308-13; Tynec 0208-13; TynecNatürlich fahren wir erst einmal wieder am Campingplatz ‑ in diesem Fall eine Marina ‑ vorbei. Aber als wir die Labe auf den naheliegenden Brücke überqueren sehen wir den Platz hinter uns. Also umdrehen und zurück. Ersteres ist hier nicht so einfach. Die enge Straße mit Kurven und wenig Sichtweite zwingt uns dazu recht weit zu fahren, bis wir eine Wendestelle finden. Jetzt wird uns erstmalig richtig klar, dass jetzt plötzlich die Berge bis an die Labe ran reichen. Das hatten wir ja nur ganz am Anfang im Elbsandsteingebirge.

Und natürlich, von dieser Seite her steht jetzt auch ein Wegweiser zum Campingplatz. Die Nebenstraße dorthin ist recht schmal geraten. Big Blue hätte auch nicht viel größer sein dürfen. Auch dieser Platz liegt wieder in direkter Nachbarschaft zu einem Stauwehr und der Straßenbrücke.

Die Stauwehre bestehen hier, ebenso, wie wir es bislang immer kennengelernt haben zum Einen aus einer Staumauer mit Turbinenhaus zur Stromerzeugung und eine Schleuse für die Schifffahrt. Welche hier eigentlich nur noch aus Freizeitschifferei besteht. An diesen Stellen haben sich dann in der Vergangenheit die Handelsplätze entwickelt.

Und dann fährt ‑ wir wollen es nicht glauben ‑ ein richtiger, wenn auch kleiner, Frachtschubverband vorbei.

Heidi geht gegen 18:30 Uhr mit Lara und dem Fahrrad los. Lara hat heute aber keinen Bock mehr zu laufen. Das passt, denn die Gegend hier läd auch nicht so richtig zum Radfahren ein: bergig und landschaftlich nicht so prickelnd. Darüber hinaus wird hier der Elberadweg streckenweise über die stark befahrene Straße geleitet.

Auf dem Platz sind nur ein paar Tschechen, dieses Mal sogar mit Wohnmobilen und nicht mit Wohnwagen. Das ist ungewöhnlich.

Die Labe ist nur einen halben Steinwurf weit entfernt. Wir können hier schwimmen und den Freizeitskippern zuwinken. Ersteres ist nach wie vor richtig wichtig. Denn es sind immer noch 36°C und mehr.

Ich hole das erste Paar eiskalte Biere, wir werfen den Grill an und die Bratwürste aus dem Bioladen drauf.

Ein schöner und ruhiger Abend. Mal von der Eisenbahn abgesehen, die irgendwo auf der anderen Flussseite lang klappert. Aber nicht so oft.

2015-08-14 Tynec nad Labem -> Hradec Kralove -> Josefov -> Serec

Heidi hat wieder wegen des Todes von Peter schlecht geschlafen. Heute Morgen ist nicht nur der Strom weg, sondern auch sämtliche Sanitäranlagen ohne Wasser. Das ist zwar später behoben, da aber radfahrtechnisch die Umgebung nicht so berauschend ist, entschließen wir uns gleich heute weiter zu fahren. Nach meiner morgendlichen Fahrradtour, Frühstück und einer Runde Schwimmen packen wir zusammen.

Eigentlich über Pardubice nach Hradec Kralove. Aber dann haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, heute Großstadtausflüge zu meiden.

Daher möchten wir bei Hradec Kralove einen der beiden Campingplätze bei Svinary ansteuern und dann den Rest des Tages im See verbringen. Aber der Platz ist nichts für uns. Standplätze nur in der prallen Sonne und wegen der Großstadtnähe auch völlig überlaufen.

Und die Stadt macht auf den ersten Blick beim umrunden auf den vielen Schnellstraßen einen sehr industriellen Eindruck.

Die nächste Möglichkeit die wir ins Auge fassen ist Josefov. Als wir hier ankommen sind wir platt ‑ vor Hitze, aber auch wegen des Ortes. Späteres Googlen bei Wikipedia machte uns dann schlauer. Dieser Ort, früher Josephstadt, ist schon 1866 in der der K.u.K. Monarchie als Festung errichtet worden als die Österreicher, die Ungarn, die Polen, die Preußen und noch einige Andere versuchten die Welt unter sich aufzuteilen oder zumindest die Schönsten der anderen Kaiser- und Königstöchter abzugreifen.

Aber nichts desto trotz. Wir finden den Campingplatz nicht. Später erfahren wir, dass er wohl auf dem Flugplatz gelegen sein soll. Macht also nichts, dass wir ihn nicht gefunden haben. Da hätten wir sowieso nicht bleiben wollen.

So fahren wir weiter nach Ceska Skalice. Ein großer See in der Region, der zwar nicht mehr an der Labe liegt, aber er scheint interessant zu sein.

Ein Campingplatz mit Surfcenter ist nicht so unser Traum. Dann in Rozkos liegt ein Platz mit 6000 Stellplätzen. Hier sollen in der Vorwendzeit die Ossis teilweise bis zu sechs Tage auf dem Parkplatz gewartet haben, bis ein Platz drinnen frei geworden ist. Das ist jetzt nicht mehr so. Trotzdem kein Ding für uns.

Also ab an die Ostküste des Vodni nadrz Rozkos und dort über eine kleine Straße nach Serec.

Provodov-Šonov znak.jpg
Provodov-Šonov Serec

2015-08-14

08-15; Serec; Big Blue08-16; Serec; See von gegenüber 0108-16; Serec; Campingplatz 0308-16; Serec; Campingplatz; Heidi mit Schweinchen 0108-16; Serec; Campingplatz; Schafe einfangen08-16; Seric; Kneipe 0208-17; Serec; Heidi am LaptopIn Serec, ein Ortsteil von Provodov, finden wir einen kleinen Platz – Pohoda a Hanusu – quasi im Garten eines kleinen ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes. Der See ist auf der anderen Seite der kleinen Straße.

Sein Ufer ist zurzeit bis zu 30 Meter Breite ausgetrocknet. Wochenlang Temperaturen über 36°C gehen eben nicht spurlos an einer Region vorbei.

Das Betreiberehepaar, Richard und Rachel, ist englischsprachig mit eindeutigem USA Dialekt: Weil sie aus Minnesota stammt und er hat es mal dort mit der Greencard versucht. So haben die Beiden kennengelernt.

Für uns sind die Beiden eine willkommende Abwechslung. Wir können uns endlich mit Einheimischen über ihr Land unterhalten. Sehr interessant.

Die Beiden halten zwei Schafe und zwei Schweinchen. Das ist natürlich für Heidi wie im Paradies. Vor allem wegen der Ferkelchen.

Ansonsten das gewohnte Programm: Wir pendeln zwischen Schatten und Wasser hin und her. Dabei warten wir auf den Abend.

Dann gehen wir zum circa 200 Meter Kneipenkiosk und versuchen, uns mit dem hiesigen absolut leckeren Bier einen anzutrinken. Aber das funktioniert einfach nicht, trotz der doppelten Menge, als die, die wir zuhause trinken.

Wir lassen uns bei dieser Gelegenheit erklären, wie das hier mit den Prozentangaben auf den Bierflaschen ist: 10% bis 12%. Diese Angabe hat nichts mit der Angabe der Volumenprozente, die wir kennen, zu tun. Diese Prozentangabe beschreibt die Gär- beziehungsweise Reifungsdauer des Bieres. Und das am längsten gereifte Bier hat dann, wenn es hoch kommt, circa vier Volumenprozente. Das erklärt unsere „Trinkfestigkeit“.

Im Übrigen haben wir bemerkt, dass man hier nur 50 Kilometer fahren muss, und schon gibt es eine neue regionale Sorte Bier. Und alle schmecken irgendwie super.

Nach dem Biertrinken komme ich endlich mal wieder zwischen 23:00 Uhr und 24:00 Uhr zum Schreiben und Heidi zum Lesen ihres Buches. Sie hat ja in Podebrady bei Irina und Friedel eines ihrer deutschen Bücher gegen ein Buch von und über Karel Gott eingetauscht. Naja, wer’s braucht! Ich bleibe da bei meinen Micky Mäusen. Und Heidi checkt mal ihre E-Mails.

Provodov-Šonov znak.jpg
Provodov-Šonov Serec

2015-08-15

08-16; Serec; See von gegenüber 0208-16; Seric; Stellplatz 0108-17; Seric; Feuerwehrhaus08-17; Seric; Feuerwehrhaus InschriftTrotz unseres Trauerfalles haben wir endlich mal wieder gut geschlafen. Heute Abend möchten wir endlich mal auf unserem Grill, den wir in Schönebeck von den dortigen Platzbetreibern gekauft haben, grillen. Also nutzen wir das etwas moderatere Wetter von heute. Zügig frühstücken und dann auf’s Rad ins nächste Dorf – Provodov. Der erste Laden hat zu. Scheinbar als Dauerzustand. Aber im nächsten Dorf Provodov-Sonov haben wir Glück. Kein Lidl oder sonstiger Schwund, sondern ein kleiner Laden im Dorf, wie wir ihn uns wünschen. Er macht heute am Samstag zwar schon um 10:30 Uhr zu, und es ist schon 10:15 Uhr. Daher ist die Auswahl nicht mehr die größte, aber wir bekommen genug. Wegen des frischen Fleisches will Heidi dann schnell zurück und den ganzen Kram in den Kühlschrank legen. Mittlerweile haben wir auch raus, den auf gute Temperaturen zu bringen – nicht mehr über 7°C aber auch nicht mehr unter 0°C.

Danach gehen wir mit Lara an den See. Dort ist es wie gestern, fast so wie am Aralsee – ein breiter Strand wegen Austrocknung.

Ich gehe noch einmal zu dem Feuerwehrhaus am Weg zum Strand.

Anfangs denke ich, das steht leer. Aber nein, da steht noch ein kleiner Jeep der Feuerwehr drin, der bei uns sicherlich schon mit H-Kennzeichen fahren darf. Aber noch interessanter ist das Schild, welche sicherlich schon vor sehr langer Zeit am Giebel angebracht wurde.

Dann geben wir Lara bei unseren Platzbetreibern zum Streicheln ab und fahren dann mit dem Rad nach Ratiborice.

2015-08-15                Ratiborice

08-15; Ceska Skalice; Kriegserinnerungen08-15; Ceska Skalice; Ratiborice; Schlossanlage08-15; Ceska Skalice; Andreas seine Rinder 0108-15; Ceska Skalice; Andreas seine Rinder 0308-15; Ceska Skalice; Ratiborice RadwegAuf dem Weg nach Ratiborice lesen wir auf kulturellen Infotafeln, dass auch unsere Nachbarn, die Schaumburg-Lipper, schon 1866 hier waren und gegen alle möglichen, vor allem gegen die Einheimischen, Krieg geführt haben. Tja, so klein ist die Welt. Vor allem wenn sich unsere Vorfahren im Ausland so daneben benommen haben.

Das 1388 erstmalig erwähnte Schloss hat sich irgendwann ein Hohenzoller oder Schaumburg Lipper zu einem Lustschloss umgenutzt, um sich mit den Dorfschönen zu vergnügen. So oder so ähnlich.

In dem Schloss heiratet gerade eine wunderschöne Frau in Weiß einen Offizier in Uniform. Nun ja, wer’s Militär mag. Eine riesige Festgesellschaft füllt den Park. Ist schon beeindruckend.

Wir trinken dann in einem wunderschön hergerichteten Nebengebäude einen kühlen, interessanten Obstsaft und machen uns dann auf den Rückweg.

Auf dem zurück Weg treffen wir die vier Black Spotted Rinder von Andras Wagner, unserem Hoftierarzt. Eigentlich sind diese Rinder recht selten. Aber hier stehen auch welche rum.

Auf unserem Platz zurück unterhalten wir uns recht lange mit Richard und Rachel. Es ist interessant von ihm über seine Zeit in USA, aber auch in Polen und Deutschland zu hören. Und von ihr, wie es ihr hier in einem für Ausländer gewöhnungsbedürftigen Umfeld geht. Was diese Leute alles auf sich genommen haben und auch heute noch auf sich nehmen, um ein bisschen von dem Wohlstand, der für uns selbstverständlich ist, ab zu bekommen. Da merke ich mal wieder, wie privilegiert ich aufgewachsen bin und wie viel Glück ich in meinem Leben gehabt habe, um dort angekommen zu sein, wo ich heute stehe.

08-15; Serec; Grillen08-17; Serec; KneipeIrgend wann am Nachmittag zieht ein ganz dunkles Wetter mit Gewitter auf. Alle Einheimischen hier beten, dass endlich mal Regen runter kommt. Es sind dann doch nur ein paar Tropfen. Wir brauchen nicht einmal unsere Sitzpolster in Sicherheit bringen. Also, das Darben in der Trockenheit geht für die Einheimischen weiter. Und man kann es förmlich mit den Händen greifen, was hier wegen der Trockenheit für Schäden, vor allem für die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe und für die privaten Gärten, entstehen.

Am Abend gehen wir mit Richard noch zum Barbecue beim Nachbarn, der Kiosk Kneipe. Zwei große Schweineschinken auf dem Smoker. Er, Richard, trinkt keinen Alkohol. Selten in dieser Gegend. Aber Fleisch mag er. Und das schmeckt auch wirklich richtig gut. Mit einfachen Mitteln und viel Liebe zubereitet. Es ist ein schöner Abend.

Provodov-Šonov znak.jpg
Provodov-Šonov Serec

2015-08-16

08-16; Serec; Damm 03 08-16; Serec; Damm 0108-15; Ceska Skalice; Obst am Strassenrand08-16; Serec; See von gegenüber; Friedhof08-16; Serec; See von gegenüber; KircheHeute haben wir ganz schön vertändelt. Es ist immer noch heiß ohne Ende. Am Horizont sind zwar immer wieder dunkle Wolken zu sehen, aber sie kommen nicht so richtig hier her.

So nehmen wir heute mal den Damm in Angriff. Der See wird nämlich 1/3 zu 2/3 durch einen Damm getrennt, über den man gehen kann. Das Ganze ist wohl mal dazu angelegt worden, dass man mit diesem Wasserreservoir den abfließenden Fluss besser regulieren kann.

Der begehbare Damm geht nicht ganz rüber, am anderen Ende ist ein Überlaufriegel und davor eine kleine Halbinsel, die unter Naturschutz steht. Dort beobachten wir eine recht große Wasservogelkolonie. Leider auch sehr viele durch die extreme Hitze und damit verbundenen Futterknappheit verendete Vögel.

Am Nachmittag radle ich noch einmal um die Ostseite des Sees. Auch hier wieder sind die Straßen von Mirabellenbäumen gesäumt. Und die Dörfer sind klein und kuschelig.

Dabei treffe ich auf eine schöne Friedhof inklusive Kirche.

Heute Abend probieren wir endlich, wie Richard und Rachel versprochen, unseren Muh Kata. Unsere Gemüsereste, gesammelter Mais und vier Koteletts sind ein gute Grundlage. Nur der fette Speck, der eigentlich ganz oben drauf muss, fehlt uns. Dafür bringt Richard dann noch kleine Bratwürstchen an. Ein schöner Abend, bei dem wir wieder viel über Land und Leute hier erfahren haben.

Wappen von Náchod
Náchod

2015-08-17

08-17; Nachod 03 08-17; Nachod 07 08-17; Nachod 09 08-17; Nachod 10 Heute endlich mal morgens Temperaturen unter 20°C und bedeckt. So fahren wir mit dem Fahrrad nach Nachod.

Nachod ist Grenzstadt nach Polen. Eine alte Handelsstadt auf dem Weg vom Morgen- zum Abendland. Entsprechend viel ist auch auf der dahin Straße los.

Daher meiden wir die große Durchgangsstraße dort hin und fahren über die Dörfer. Es ist zwar nicht sehr weit, aber es geht mächtig bergauf und -runter. Es nieselt ein bisschen, aber nichts Dolles. Richard und Rachel haben uns Material über die Stadt mitgegeben: Auch diese Stadt ist, wie vieles hier, geprägt von irrsinnig vielen Epochen, in denen nicht nur, aber auch, kriegerisch irgendwelche Interessen von irgendwelchen Fürsten- und sonstigen Herrschaftshäusern vertreten wurden. Man kann die Handelsbedeutung dieser Stadt über viele vergangene Epochen an jeder Ecke spüren.

Über der Stadt thront die Burg, die sehenswert und in großen Teilen restauriert ist.

Aber die Treppe vom Marktplatz hoch zum Schloss fordert einem doch schon eine fortgeschrittene Kondition ab.

Als Besonderheit sind im riesigen Burggraben zwei Bären angesiedelt worden, die man von oben beobachten kann. Heute haben sie wegen der Hitze versteckt.

Mich beeindruckt die Stadt- oder Regionalverwaltung in seiner Pracht erheblich mehr. Schon von außen ein herausragendes Gebäude am Marktplatz.

Aber von innen kann es mit dem Schloss Bellevue unseres Bundespräsidenten mithalten. Bis hin zu den Kristalldeckenleuchtern in den Amtsstuben. Und Toiletten wie im Sternerestaurant. Ich gehe hier eigentlich nur pinkeln, laufe dann aber doch in dem ganzen Gebäude rum. Tja, da können die Tschechen sehen, wo ihre Steuern bleiben.

Um 18:00 Uhr geschlagen wird Heidi unruhig, ab in die Kiosk Kneipe, damit wir bis zum Abendessen durch sind mit Biertrinken.

Heute Abend essen wir was von unseren eigenen Sachen am Lagerfeuer. Ist ja heute nicht so heiß wie die anderen Tage.

Wir verabschieden uns schon einmal von Richard und Rachel, da die beiden morgen früh schon auf Arbeit sein werden, wenn wir losfahren.

2015-08-18 Serec -> Josefov -> Dvur Karlove -> Mostek -> Hostinne -> Prosecne

Heute Morgen sind es nur 16°C und es regnet. Nicht doll. Ein guter Tag zum Fahren. Richard und Rachel sind schon arbeiten. Wir frühstücken und packen in aller Ruhe. Dieses Mal fahren wir südlich um den Vodni nadrz Rozkos rum, um die Mautstraße zu umgehen.

Jaroměř
Jaroměř Josefov

2015-08-18

Ich habe über Josefov in der Zwischenzeit einiges gelesen, weil es bei der Hinfahrt nach Serec einen sehr starken Eindruck in uns hinterlassen hat.

Bei der Ankunft werden wir von großen griffigen Hunden begrüßt. Kleine Gypsy’s (so heißen Sinti und Roma in Tschechien) haben diese Hunde an der Leine. Aber es ist nicht klar, ob sie diese Hunde auch im Griff haben. Die Jungs mit Lippenstiftmündchen am Hals und die Mädchen könnten auch bei uns auf dem Kinderstrich stehen, so sind sie herausgeputzt und quatschen uns entsprechend an.

Die riesige Festung entstand nach dem Verlust der Festung Glatz, die nach dem Hubertusburger Frieden 1763 an Preußen gefallen war. Sie wurde durch Kaiser Josef II. zum Schutz Böhmens vor einem Einmarsch der preußischen Armee errichtet.

Heute wird sie unter Anderem als Wohnquartier, Gewerbeansiedlung, Knast und so weiter genutzt. Der Ort, Kirche, Polizeistation und einige Restaurants, sind restauriert, andere Teile sind am Verfallen. Aber scheinbar nutzt der tschechische Staat diesen teilweise kasernenartigen Ort zur konzentrierten Unterbringung von Gypsy’s, Obdachlosen und sonstigen Armen.

Ein riesiger Knast ist in einem Zustand, das man hier sehr gut nachvollziehen kann, warum Menschen aus diesen Ländern mit Gefängnisstrafen in Deutschland nicht wirklich schrecken kann.

Mit EU-Kohle wird die Sanierung vorangetrieben, andererseits findet eine Gettoisierung statt, die den Sinn der Aufwertung nicht nur in Frage stellt, sondern konterkariert. Eine gesunde Durchmischung von verschiedenen Bevölkerungs- und Volksgruppen wäre sicherlich förderlich für eine positive Entwicklung dieser Ortschaft. Aber das hier geht doch meilenweit an einem sinnvollen und nachhaltigen Ansatz vorbei.

Wir sind von der Gesamtanlage absolut beindruckt, aber auch von der Realität enttäuscht!

Also fahren wir doch schneller weiter Richtung Mostek als wir es eigentlich geplant haben. Wir fahren jetzt wieder an der Labe entlang. Dort soll ein Campingplatz in einem Skigebiet liegen. Mal was anderes. Wenn wir nichts anderes finden, dann wollen wir dort auflaufen.

Wappen von Dvůr Králové nad Labem
Dvůr Králové nad Labem

2015-08-18

An der Ausfahrt der Stadt ist so etwas wie ein Serengetipark mit Freizeitresort und Campingplatz. Dort finden wir den Wohnmobil Stellplatz. Aber das Gesamtensemble ist genau das „Richtige“ für uns – also schnell weiter!

Wir kommen dann auf der falschen Seite aus der Stadt Labe heraus. Den vielen Umleitungen sei Dank. Aber vielleicht sind Umleitungen in diesem Land auch ein Hinweis auf Fortschritt und Wohlstand. Frei nach dem Motto: Wir können uns das leisten. Die EU-Kohle machts möglich.

Mit den Querungen über die Labe ist es hier nicht so weit her. Aber dann plötzlich geht rechts eine kleine Straße ab. Diese ist zwar begrenzt auf neun Tonnen. Also rein, da sind ja noch Reserven.

2015-08-18          Přehrada Les Království

08-18; Tesnov; Elbstausee 0508-18; Tesnov; Elbstausee 0108-18; Tesnov; Elbstausee 0208-18; Tesnov; Elbstausee 0408-18; Tesnov; Elbstausee 0608-18; Tesnov; Elbstausee 07Eine kleine Straße, ein bisschen breiter als unser Stührberg. Dann blickt über die Bäume eine mit Zinnen bewehrte Turmspitze hervor. Eine scharfe Linkskurve, etwas bergab, links ein kleines Restaurant am Hang und rechts ein 1910 bis 1920 erbauter Staudamm: der Přehrada Les Království.

Diese Staumauer ist als Folge des Elbhochwassers vom Juli 1897 gebaut worden und dient der Wasserstandregulierung und der Stromgewinnung. Sie wurde 2010 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Hier können wir die technischen Einrichtungen uns sehr gut ansehen. Mit monumentalen Bauwerken, hinter denen aber einfache technische Lösungen stecken um einen halbautomatischen Ablauf sicherstellen. Vor allem wenn es um technische Lösungen für die Betriebssicherheit geht – zum Beispiel das Überlaufmanagement bei Hochwasser.

Für uns stellen die neogotischen Tore und Türme auf der Staumauer eine Herausforderung dar, die für uns hier in Tschechien nicht ganz neu ist: Staumauer ist auf neun Tonnen begrenzt. Aber das ist für uns das geringere Problem. Die Tore sind mit einer Höhe von 3,80 Meter ausgeschildert. Und es sieht verdammt knapp aus. Ich bin mir sicher, dass Big Blue 3,70 m. hoch ist – inklusive Fernsehschüssel. 20 Zentimeter Sicherheit ist bei Bauwerken dieser Art in der EU vorgeschrieben. Es müsste eigentlich passen. Aber die Tore mit ihrem Rundbogen sehen einfach niedriger aus.

Erst einmal Pause, die Staumauer begehen, alles angucken, die Infotafeln studieren und ein Brötchen essen und Tee/Kaffee trinken. Dann hole ich noch einmal den Zollstock raus und messe nach. Es müsste passen.

Nun fängt es aber richtig an zu regnen. Wir kennen hier einige, die sich über diesen Regen ein Loch in den Bauch freuen. Es sei ihnen gegönnt.

Wir ziehen uns in Big Blue zurück und warten den Schauer ab. Denn wenn wir schon über diesen Damm fahren, dann wollen wir auch ein Foto davon. Und im Regen ist so ein Foto Mist. Außerdem will Heidi nicht nass werden.

Ich schreibe Tagebuch, Heidi liest einen Bastei-Berg-Roman „Die Erbinnen vom Kaiserhof“. Das einzige deutschsprachige Buch, welches Heidi hier in Tschechien ergattern konnte. In einem Antiquariat.

Der Regen hat aufgehört und wir versuchen es mit der Damm Überquerung. Heidi geht vor, guckt und fotografiert. Es passt.

Dann fängt der Regen wieder an.

Also weiter nach Mostek.

Wappen von Mostek
Mostek

2015-08-18

Schon bei der mit vielen Umleitungen verbauten Anfahrt stellen wir fest: der Ort liegt wirklich sehr weit oben. Nun, oben in Mostek angekommen, sehen wir uns in eine Zeit wie vor 40 Jahren versetzt: In die Anfänge der Gletscherskigebiete in den französischen Alpen. Nur ohne Schnee und ohne Gletscher. Der Campingplatz ist bunt und gut ausgeschildert, aber eine Eisenbahnbrücke verstellt uns nun schon zum zweiten Mal den Weg zu unserem Ziel.08-18; HöhenbegrenzungNun ist sie zwar nicht ganz so niedrig wie in Usti nad Labem, aber auch das hier reicht nun mal nicht. So gehen wir die letzten Meter zu Fuß. Ein fließend englisch sprechender Student, der hier wohl den Platzwart gibt, beschreibt uns dann eine Umleitung. Was auch sonst? Es sind zwar nur circa zehn Kilometer Umweg, aber ein Rundgang auf dem Platz reißt uns dann doch nicht so vom Hocker, dass wir unbedingt hier bleiben wollen. Also wieder weiter.

2015-08-18                  Hostinne

Wappen von Hostinné
Hostinné

08-22; Hostinne; abenteuerliche BrückeVor Hostinne wieder ein Verwirrspiel mit Umleitungen. LKW dürfen nicht nach Hostinne, aber Busse. Also kann das alles nicht so schlimm sein. Augen zu und durch. Tja, im Ort weitere Umleitung über den alten Güterbahnhof ‑ so etwas kennen wir schon ‑ und dann über eine abenteuerlich verstärkte Brücke.

Aber die angegebenen Tonnagen passen so ungefähr, jedenfalls so wie ich sie interpretiere. Die Brücke hat uns überlebt! Und wir die Brücke!

Coat of arms of Prosečné
Prosečné

2015-08-18

08-20; Dolni Lanov; Ruebezahl 08-19; Prosence; Hof Holman; Wegweiser 01 08-19; Prosence; Hof Holman; 01 08-19; Prosence; Hof Holman; 02 08-19; Prosence; Hof Holman; 03So erreichen den kleinen Hof der Familie Holman in Prosecne am Male Labe Lauf (Nebenelbe) an. Wir sind neugierig wie hier in Tschechien das Wohnmobil Übernachten auf Bauernhöfen ist.

Prosecne ist eigentlich ein kleines Straßendorf, aber lang. Dann endlich, fast am anderen Ende ein Hinweisschild: Links über eine kleine Brücke die für LKW und Trecker gesperrt ist und auch nicht den stärksten Eindruck vermittelt. Aber auch hier Augen zu und drüber. Es schließt sich ein enger Waldweg mit beträchtlicher Steigung und tief hängenden Äste an. Und links steil runter fließt die Male Labe.

Auf einem Wegweiser steht auch 250 Meter. Soll das etwa heißen, wir hätten auf der Straße noch weiter fahren müssen? Also zurück über die Brücke und weiter fahren. Aber nach circa einem Kilometer erscheint uns das auch nicht richtig. Nun fahren wir zum dritten Mal über die schwache Brücke und den Waldweg zu Fuß hoch.

Tja, und oben tatsächlich ein kleiner Hof mit ausgeprägten Apfelbaumgärten und einer alten Bäuerin, die fließend Deutsch in dem Slang der Schlesier spricht. Ja, wir können uns einfach in die Gärten stellen. Dort finden wir auch ganz professionelle Stromkästen, wie sie eben auf Campingplätzen Standard sind. Es gibt auch eine geräumige Küche, gute und saubere Wasch- und Duschräume sowie Toiletten und eine Waschmaschine. Aber kein Wlan.

Macht ja nichts, mal die restliche Welt außen vor zu lassen. Also wir wieder runter und Big Blue nachgeholt. Und jetzt auf dem steilen unbefestigten Weg bloß nicht ins Rutschen kommen. Die Labe ist tief unter uns.

Aber alles geht gut. Im Obstgarten ein habe ich ein bisschen Zweifel, ob wir hier wirklich gut stehen, denn wenn es weiter so regnet, dann könnte das Rauskommen schwierig werden. Ein bisschen hin und her rangiert, Keile drunter zum Niveauausgleich, Strom anschließen und rein ins Warme und raus aus dem Regen. Ein Brötchen mit blauem Schnittkäse, den wir gestern in Nachod gekauft haben, einen Mangosaft, den wir schon von zuhause mitschleppen und die Welt sieht schon wieder ganz gut aus.

Nach dem Abendessen liest Heidi aus ihrem Bastei Heftchen einen Liebesroman vor. Hat ja auch mal was.

2015-08-19       Prosecne -> Dolni Lanov

Die ganze Nacht hat es ununterbrochen geregnet. Für die Leute hier wunderbar. Ich habe gut, Heidi nicht so gut geschlafen. Die Tropfen auf dem Dach sind für mich ein gutes Schlafmittel. Big Blue steht aber trotz Unterlegkeile recht schräg und wir rutschten immer ans Fußende.

Der Morgen ist bewölkt. Das erste Mal auf unserer Tour. Aber es regnet nicht mehr. Ich mache meine Radtour und finde eine Zufahrt zu unserem Stellplatz, die über eine Brücke geht, die zumindest vom Verkehrszeichen her die Tonnage für uns her gibt.

Beim Gang zu den Sanitärräumen wird uns der Verfall dieses Hofes klar. Das hat schon was deprimierendes, zu wissen, dass hier eine alte, nicht mehr gesunde Bäuerin wohnt und den Platz nach ihren Möglichkeiten wirklich gut in Schuss hält, aber es auf nahe Zukunft nicht mehr schaffen wird. Sieht unsere Zukunft auch mal so aus? Große Frage.

Wappen von Dolní Lánov
Dolní Lánov

2015-08-19

08-19; Dolni Lanov; Papillon 01 08-20; Dolni Lanov; Papillon 01 08-22; Dolni Lanov; traditionelles HolzhausWir entscheiden uns, trotz einer Portion Mitleid mit der alten Frau, den Platz zu wechseln. Denn beim Radfahren habe ich nur wenige Kilometer stromauf in Dolni Lanov einen weiteren Campingplatz entdeckt.

Papillon, ein von einem holländischen Ehepaar, Akkelien und Jan, betriebener Platz, der direkt zwischen der Male Labe (Nebenelbe) und der Straße liegt. Er wird sicherlich nicht so traumhaft ruhig sein wie der Hof Holman, aber er drückt nicht so auf die Stimmung.

Jetzt brechen die Wolken wieder auf. Hier sehen wir erstmalig in diesem Land eine Herde rotbunter Rinder auf der Weide. Das hatten wir noch nicht. Denn hier werden Nutztiere nach wie vor in den Massentierställen der ehemaligen Kolchosen oder LPG’s gehalten: Ganztägige und -jährige Stallhaltung ohne Auslauf. Da freuen sich Aldi, Penny, Kaufland und Konsorten, weil diese Produktionsform so schön billig ist, uns dreht sich der Magen um.

Jan vom Campingplatz empfiehlt uns ein Restaurant einen Kilometer vom Platz entfernt. Heidi ist das zu weit. Daher noch was einkaufen gehen.

Dazu fahren wir noch „mal eben“ mit dem Fahrrad nach Vrchlabi.

Wappen von Vrchlabí
Vrchlabí

2015-08-19

08-22; Dolni Lanov; Getreidelagerung 01
Getreidesilo der besonderen Art

08-19; Vrchlabi 0108-21; Vrchlabi ; Kirche von aussen 01Vrchlabi erinnert mich an die Orte, durch die in den Alpen früher oft die Einfallstraße in die Ski- oder Bergwandergebiete führte.

Eine Hauptstraße mit einer Vielfalt an Läden ‑ mit Nützlichem aber auch Nippes, Furz und Trallalala.

Durch diese drängt sich der Verkehr, i  n Richtung Schneekoppe.

Und genau hier macht es Spaß sich mit einem Eis auf der Hand hinzusetzen und den Trubel zu beobachten. Und genauso machen wir es auch.

Anschließend noch im Schlachterladen Klobasy (das ist eine leckere Wurst hier) einkaufen. Gemüse beim Vietnamesen und Brot beim wirklich gut sortierten Bäcker.

Auf der Rückfahrt zu unserem Platz sehen wir dann auch einmal, wie hier Getreide gelagert wird: Im ersten Stock eines eigentlich abbruchreifen Industriegebäudes.

Im Erdgeschoß ist ein Landmaschinenschlosser untergebracht und der Platz davor großzügig mit Altöl verschmutzt. Dort kippen die Bauern ihre Getreide ab und irgendwelche Hilfskräfte schaufeln die Körner in eine Förderschnecke. Das Ganze ein Hinweis darauf, wie zum Beispiel Dioxine in Backwaren kommen.

Wappen von Dolní Lánov
Dolní Lánov

2015-08-20

08-19; Dolni Lanov; Seilbahn für Steinbruch 08-20; Dolni Lanov; Landschaft nach hinten raus 03 08-19; Dolni Lanov; Kostel sv. Jakuba 08-20; Dolni Lanov; Seilbahnrevision 08-20; Dolni Lanov; Papillon 0308-19; Dolni Lanov; Henne mit Kücken 08-19; Prosence; Wegweiser Ziegenkäse 08-20; Prosence; Ziegenkäse 08-20; Dolni Lanov; Feierabend 02Heute versuchen wir zu erkunden, wo die Industrieseilbahn, die neben unserem Campingplatz die Straße überquert, anfängt oder endet. Sie soll ja zehn Kilometer lang sein.

Also quer zum Bergrückenverlauf rauf auf den ersten. Sogar schieben ist angesagt. Dann runter ins Tal. Wieder rauf, wieder runter. Dreimal. Und immer noch kein Ende absehbar.

Hier wird uns erstmalig so richtig klar, dass sich die Landschaft in den letzten Tagen sehr stark verändert hat. Aus dem doch recht flachen Land, durch das die Labe bislang geflossen ist, vielleicht mit Ausnahme der Strecke von Bad Schandau bis Usti nad Labem, ist es seit Tynec nad Labem bergig geworden. Wir sind in den Ausläufern des Riesengebirges angekommen!

Auf der Seilbahn ist heute wohl Revisionstag. Das ist schon sehenswert. Es sind zwei Loren am jeweils gegenüberliegenden Ende der Bahn gegen Arbeitskörbe ausgetauscht worden, in denen je zwei Männer sitzen.

Einer ganz oben auf einem Sitz mit dem Tragkabel vor der Nase und der andere mit Funkgerät, Laptop und Schreibblock im Korb unter ihm. Und Letzter muss wohl auch allen Radfahren zuwinken. Mit einer rasenden Geschwindigkeit von vielleicht einem Meter pro fünf Sekunden werden dann zehn Kilometer ganz schön lang. Das ist wohl schon ein Job, den man lieben muss. Aber die Aussicht ist sicherlich gut.

Wir brechen unseren Versuch, die Endpunkte der Seilbahn zu finden, ab ‑ die Berge machen uns fertig ‑ und wir fahren zum Papillon zurück.

Auf dem Rückweg sehen eine kleine Hühnerschar, eine Henne mit Küken. Das hat bei uns zuhause ja schon seit Jahren nicht mehr geklappt hat.

Anschließend gehen wir mit Lara auf den Bergrücken rechtsseitig der Male Labe spazieren. Dort finden wir endlich die Landwirtschaft, wie wir sie uns eigentlich in diesem Land vorgestellt hatten. Bergig wie im Harz oder anderen Mittelgebirgen, Gehöfte in überschaubarer Größe und mit rotbunten Kühen. Es fehlt nur noch der Xaver, der bei der Zenzi fensterlt.

Am späten Nachmittag radeln wir noch zu einem kleinen Ziegenhof um uns Käse zu kaufen. Wir haben einmal versucht diesen Hof zu finden, aber am falschen Haus geklopft und das noch zur falschen Zeit.

Jetzt klopfen wir wieder ist am falschen Haus aber es ist jemand zuhause, der uns erklären kann, wo wir eigentlich hin müssen. Da waren wir schon einmal und haben es aber nicht gefunden.

Dieses Mal entdecken wir ein Schild, das dort steht, wo es eigentlich nicht mehr stehen braucht, nämlich 150 Meter hinter der Kreuzung. Also folgen wir dem steilen unbefestigten Weg runter und dann sind stehen auf einem kleinen Hof. Aber wir sehen keine Ziegen. Die sind unterwegs. Aber viele Gänse. So hätte es bei uns auch aussehen können. Eine junge und hochschwangere Frau bietet uns, nachdem wir die sprachlichen Barrieren überwunden haben, Ziegenweichkäse zum Probieren an: Naturbelassen und mit Cranberries.

Es fällt auf, dass der Käse für unsere Verhältnisse sehr schwach gesalzen ist. Der Naturbelassene ist besonders lecker und schmeckt angenehm nach Ziege. Die beiden Laibe wollen wir haben. Dann bietet die Frau uns noch Milch und Eier an. Eier sind eine gute Idee. Milch brauchen wir nicht.

Als wir vom Hof runter sind, haben wir erst einmal die Tüte mit den Eiern mit Blättern ausgestopft, denn schon auf den paar Metern hat Heidi recht behalten: ein Ei war schon angedetscht.

Jetzt haben wir alles für unser Abendessen zusammen und können entspannt dem Abend entgegensehen.

Nach dem Abendessen kommt Akkelien, die Platzbetreiberin, zu uns um die Formalitäten zu klären. Damit ist es hier in Tschechien sehr unterschiedlich. Die einen sagen einem einfach nur, was man bezahlen muss. Die anderen brauchen Personalausweis oder Reisepass und füllen ellenlange Formulare aus. So auch hier.

Dann erzählt sie uns, dass sie gegen 21:30 Uhr noch am Lagerfeuer für die Kinder Geschichten vorließt. Das ist heute für uns dann aber doch zu spät. Vielleicht morgen.

Wappen von Vrchlabí
Vrchlabi

2015-08-21

08-19; Vrchlabi 02 08-21; Vrchlabi; Kirche von innen 01 08-21; Labe in Vrchlabi 03 08-21; Vrchlabi; Schloss mit Amtsitz 08-21; Labe in Vrchlabi; Kulturfest 01

 

 

Heute fahren wir noch einmal mit dem Fahrrad nach Vrchlabi. Noch einmal in Ruhe den Ort ansehen. Bei der Einfahrt auch endlich mal einen Baumarkt gefunden, um Grillkohlen zu kaufen. Im Ort ist wieder mächtig viel Verkehr.

Wir knoten unsere Fahrräder bei der Apotheke an. Knoten deswegen, weil wir den Schlüssel für das diebstahlsichere und sündhaft teure Fahrradschloss bei unserer Abreise aus Versehen unseren Nachbarn mit unseren sonstigen Schlüsseln zum Aufbewahren gegeben haben. Aber trotz des nur angetäuschten Anschließens unserer Fahrräder, sind sie uns bislang nicht geklaut worden. Auch schließen wir Big Blue meist nicht ab. Das ganze Gerede von den Leuten zuhause, dass man hier ständig beklaut wird, hat sich mal wieder als (ausländerfeindliche) Panikmache entlarvt.

Heute fällt uns auf, dass es auf den sieben Kilometern bis Vrchlabi in den drei Orten auf der Strecke drei Schulen gibt. Und in Vrchlabi finden wir mindestens eine Grundschule und zwei weiterführende Schulen. Dafür gibt es hier scheinbar keine Schulbusse. Aber die braucht die Kids hier ja auch nicht, wenn die nächste Schule maximal 2,5 Kilometer entfernt ist. Also es geht doch mit kleinen Dorfschulen.

Die Kirche von Vrchlabi von außen beachtenswert, von innen einfach, aber nicht schmucklos. Hier sind die Beichtstühle so gebaut, dass die ganze Kirche mit ansehen kann, wer gerade beichtet. Die „Kundenseite“ ist offen, so wie die modernen Telefonzellen.

Heute ist scheinbar auf dem Marktplatz was los. Nach kurzer Suche erklärt uns ein Plakat, dass hier heute ab 15:00 Uhr Bühnenprogramm geplant ist. Solange wollen wir eigentlich nicht bleiben. Aber wir sind einfach zu neugierig. Also gehen wir erst einmal etwas spazieren.

Um die weitere Wartezeit zu überbrücken setzten wir uns auf den Platz und beobachten die meist jugendlichen Akteure beim Aufbau der Bühne und einiger Info- und Verkaufsstände.

Dabei blamiere ich mich vor einigen Jungs, die gerade ein Outdoor Schach aufbauen. Ich verwechsele die Dame mit dem König und behaupte daher, die Grundstellung sei falsch aufgebaut. Glücklicherweise können die Jungs fließend Englisch und ich komme recht glimpflich aus der Sache raus.

Hinter dem Dorfplatz ist noch recht versteckt ein wunderschöner Park, an dessen Eingang ein kleines Schlösschen steht in dem jetzt die Regionalverwaltung residiert. Und noch hängen alle Flaggen der EU auf dem Balkon.

Jetzt noch je ein Eis auf Blaubeeren (echte Blaubeeren und nicht die geschmacklosen Bickbeeren) und die Wartezeit ist um. Übrigens, Eis auf Frucht ist hier schwer zu bekommen.

Dann der erste Auftritt: Eine Folkloretruppe meist älterer Tänzer und Tänzerinnen sowie Quetschkommoden‑ und Geigenspielerinnen. Ist schön anzusehen. Erinnert an die Darbietungen von der Traditionsvereine zuhause.

Länger wollen wir dann doch nicht mehr bleiben, denn Lara haben wir ja alleine auf dem Campingplatz gelassen. Und sie grämt sich ja immer so, wenn wir sie alleine lassen. Doch mit ihr mit dem Fahrrad auf der Straße, das geht hier einfach nicht.

Auf dem Rückweg kaufen wir noch was für den Salat und das Lagerfeuer ein.

Einer der Holländer, nein einer der Niederländer ‑ eigentlich aber Friese ­‑ hier auf dem Platz geht mit seinem friesischen Wasserhund an mir vorbei, und wir kommen ins Gespräch. Der Hund hat ein Fell wie ein Schaf und er fasst sich auch wie ein Lamm an. Mit diesem Hund macht er Jagd auf Bisamratten da diese in den Niederlanden die Deiche gefährden. Nebenbei kommen wir darauf, dass wir dieses Jahr eigentlich nach Albanien wollten. Tja, er war schon vor uns dort: 1978. Mit dem Motorrad. Und dann noch besser, er sagt uns, dass der Sohn von Jan und Akkelien in Albanien lebt. Er betreibt dort ein Reisebüro. Das muss ich heute mit den Beiden noch einmal genauer ausdiskutieren und eventuell mal Adressen austauschen. Tja, so klein kann die Welt sein.

Da wir gestern von Akkelien zurecht gewiesen wurden, dass wir auf Grund der Trockenheit kein eigenes Feuer machen dürfen, werden wir heute Abend am Gemeinschaftlagerfeuer teilnehmen. Dafür brauchen wir natürlich die passende Wurst. Aber das ist hier kein Problem. In den Schlachtereien ist eine große Vielfalt vorhanden, und die Fleisch und Wurst ist hier lecker und preiswert.

2015-08-22                  Hostinne

08-22; Hostinne; Elbe und Male Elbe 02
Zusammenfluss der Labe und Male Labe
Wappen von Hostinné
Hostinné

08-22; Hostinne; Elberadweg 08-22; Hostinne; GymnasiumHeute Morgen fahren wir mit dem Rad mal Labe abwärts nach Hostinne. Wir möchten die Stelle finden, an der die Male Labe (Nebenelbe) wieder und die Labe wieder zusammen treffen. Auf der Herfahrt haben wir diese Stelle nicht gefunden, beziehungsweise nicht gesucht, da wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wussten, dass es hier einen Haupt- und Nebenarm gibt.

Schwacher Wind von vorne verspricht eine leichte Rückfahrt flussaufwärts. Ein Höhenunterschied von circa 100 Metern auf circa acht Kilometern ist hier erfahrungsgemäß bei Rückenwind leicht zu bewältigen.

Direkt am nördlichen Ortseingang finden wir die Wiedereinmündung der Male Labe in die Labe. Sehr unspektakulär neben einer Straßenbrücke.

Ab hier fahren wir dann wieder auf dem Radweg 2, dem Labe Radweg in ganz Tschechien. Er verläuft zwischen der Labe und einer Reihe von Fischteichen ähnlich einer Promenade Richtung Zentrum und ist wie fast immer sehr gut und breit ausgebaut.

Aber auch hier machen wir die Erfahrung, die wir vom Weserradweg kennen. Der Radweg wird teilweise an den sehenswerten Ortskernen vorbei geführt. Höchstwahrscheinlich haben die Bürgermeister die Betreiber des Radweges nicht genug geschmiert.

Wir kriegen aber die Kurve und landen nach der Durchquerung des ehemaligen Industriegürtels doch im Dorfkern auf einem sehr schönen Platz, der vielleicht auch Marktplatz ist. Wobei wir uns nicht sicher sind, ob Hostinne ein Dorf oder eine Kleinstadt ist.

Es sind zwar noch nicht alle Häuser renoviert beziehungsweise saniert, aber das hat schon was, dieser Kontrast.

08-22; Hostinne; LochbildAber das Kloster ist herausgeputzt. Auch in diesem Land hat die Kirche dafür Geld. Der Innenhof ist offen und wir schauen uns darin um. Die alten Gebäude sind größtenteils so glatt saniert, dass man den Ursprung nicht mehr erkennen kann. Das erinnert an das Sanierungsprogramm der Westberliner Innenstadt nach dem Krieg: Stuck ab, Erker und Balkone weg, alles glatt und Farbe drüber.

Im Innenhof finden wir dann aber noch was, was wir eigentlich nur von der Kirmis aus unserer Jugend kennen: Eine Motivwand mit Loch.

Auch hier finden wir wieder eine sehr starke Präsenz von Schulen vor. Heute auch mal ein Gymnasium dabei, und das in einem Ort kleiner als Liebenau.

08-22; Hostinne; Joseph IIKaiser Josef II war auch schon dreimal hier.

Es ist Samstag, und die Läden machen um 12:00 Uhr zu. Nur COOP hat bis 13:00 Uhr offen. Am Laden vorbei durch eine mit Torbögen abgestützte enge Gasse kommen wir wieder zurück auf den Marktplatz.

08-22; Hostinne; Marktplatz 02Als wir im Biergarten des ortsansässigen Hotels auf dem Zentralplatz etwas trinken, sticht mich eine Wespe in die Armbeuge. Das ist bei den Unmengen an Wespen, die es dieses Jahr gibt, eigentlich nur eine Frage der Zeit gewesen bis das mal passiert. Man gut, dass COOP noch offen hat. Schnell eine Zwiebel gekauft und drauf damit auf den Stich. Eine Stunde später ist schon alles wieder vergessen.

Das Leben hier im Ort ist um vieles ruhiger und entspannter als gestern in Vrchlabi. Tja, 14 Kilometer dichter am Skigebiet der Sněžka/Schneekoppe und circa 100 Meter höher, das macht schon was aus. Die Touristen ballen sich immer am Honigtopf, und das wunderschöne Umland wird dabei oft übersehen.

Auf der Rückfahrt genießen wir den Rückenwind, der uns bergauf trägt.

Es zieht sich etwas zu und es wird gleich bedeutend kühler als wir es bis Tynec nad Labem gewohnt waren.

Liegt das am einem Wetterumschwung oder daran, dass wir uns seit einiger Zeit in den Ausläufern des Riesengebirges befinden? Unsere Wetterstation in Big Blue zeigt sich da völlig ungerührt. Sie zeigt Regen und Gewitter bei Sonnenschein und Badewetter an wenn es regnet.

Heute Abend essen wir mal wieder zuhause.

2015-08-23                Dolni Dvur

Wappen von Dolní Dvůr
Dolní Dvůr

Heute Morgen mache ich meine Radtour nach Dolni Dvur. Es ist erstaunlich, die bergauf laufenden Straßen sind mit dem Rad unwahrscheinlich einfach zu fahren. Ich merke die Steigungen so gut wie gar nicht. Selbst Heidi kommt mit ihrem Altfrauenrad da ganz prächtig klar.

08-23; Hosni Lanov; Schule zum Verkauf 0108-23; Hosni Lanov; Schule zum Verkauf 02Auf dem Weg nach Dolni Dvur finde ich eine alte Schule, die wohl jemand gekauft hat und sich mit der Sanierung und dem Umbau zu einer kleinen Pension übernommen hat.

Auf einem Schild davor sucht er Leute, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen ‑ mit Geld oder guten Ratschlägen zu Fördermitteln und so weiter. Das finde ich schon bemerkenswert, sich so zu outen und diesen Weg zu gehen. Ich kann ihm nur Glück wünschen.

Auf dem Rückweg zum Papillon kaufe ich noch ein bisschen Brot und Quark. Heidi hat das Frühstück schon fertig. Auf dem Platz ist Aufbruchsstimmung. Von den am Anfang fast 15 Familien sind mit uns wohl nur noch drei da. Das hat was von Saisonende.

Jan und Akkelien nutzen diese Zeit, sich auch mal zu auszuklinken. Ein netter Spruch auf der Kreidetafel informiert eventuelle Neuankömmlinge, dass es genug Platz gibt und sie am Abend wieder da sind.

Nach dem Frühstück packen auch wir. Wie geplant fahren wir heute nach Spindleruv Mlyn/Spindlermühle.

2015-08-23      Dolni Lanov -> Spindleruv Mlyn

08-23; Labska Stausee 01 08-23; Labska Stausee 02 08-23; Labska Stausee 05 08-23; Labska Stausee 06Es sind nur circa 25 Kilometer. Durch Vrchlabi geht alles gut, trotz der vielen Umleitungen und dem eigentlichen Transitverbot für LKW durch den Ort. Die erwarteten steilen Berge zum Ski Eldorado Spindleruv Mlyn bleiben aus. Auch diese Strecke wäre mit dem Fahrrad ohne große Mühen zu meistern.

Kurz vor Spindleruv Mlyn halten wir noch an dem Stausee Labska an.

Die Labe hat sich mittlerweile grundlegend verändert. Sie ist nun ein großer Gebirgsbach. Vor und hinter dem Stausee teilweise nicht zu erkennen, da das Wasser sich zwischen den Felsen und den Steinen im Bachbett versteckt.

Wie überall hier in Tschechien werden solche Orte zum Geschäftemachen genutzt. Hier nicht nur mit Restaurants. Nippes Furz und Trallala.

Hier haben Leute mehrere Seile über die Schlucht gespannt. Dort kann man sich professionell abseilen lassen. Wir schauen uns das von der Staumauer aus an. Das ist das Hobby für Heidi mit ihrer Höhenangst.

Dann in Spindleruv Mlyn sind wir in einer ganz anderen Welt. Hier ist Ski Eldorado angesagt. Durch neue Sportarten wie Mountainbiking ist hier auch im Sommer was los. Wir fahren ganz durch das Dorf hindurch und finden am oberen Ende den Campingplatz.

2015-08-23           Spindleriv Mlyn

Wappen von Špindlerův Mlýn
Špindlerův Mlýn

Hier sind erstmals die Deutschen in klarer Überzahl, vor allem mit ihren rollenden Joghurtbechern. Die Farbe grau/weiß ist dominant. Ob das ein Vorteil ist muss sich noch erweisen.

Die Rezeption hat nur zu bestimmten Zeiten offen. Natürlich nicht jetzt. Wir stellen ein Gitter auf die Seite und wir suchen uns einen Platz. Heidi besteht darauf, dieses Mal keinen schattigen Platz zu okkupieren, sondern mitten in die knallen Sonne. Hier ist es mit 10°C erheblich kälter als wir es gewohnt sind.

08-23; Spindleruv 02Wir gehen mit Lara in den Ort. Heidis Hunger treibt uns in ein Restaurant. Die Preise hier circa 50% höher als auf unserem Weg an der Labe hierher. Aber das Bier schmeckt trotzdem und Heidi genießt ihre Bananentorte. Den zusätzlich bestellten Windbeutel hat der Kellner wohl selbst aufgegessen. Fairer Weise auch nicht berechnet.

Wir glauben, dass der Ort sich stromab noch weiter erstreckt. So versuchen es zu Fuß. Mit Lara immer so ein Problem, da sie nicht so richtig an die Leine gewöhnt ist und auch so viel schnüffeln muss.

08-23; Spindleruv 01Zwei Kurven nachdem wir den Ort verlassen haben, ist absehbar, dass wir uns mit der Länge des Ortes mächtig vertan haben. Er war zu Ende, und da kam auch nichts mehr. Leere bis zur Staumauer, an der wir bei der Herfahrt Pause gemacht haben.

Frustriert haben wir uns an eine Bushaltestelle gesetzt und drei tschechische Polizisten bei Verkehrskontrollen beobachtet. Das faszinierende dabei war, das überhaupt kein System zu erkennen war, nach dem diese Ordnungshüter arbeiteten. Nein das stimmt nicht ganz. Pünktlich um 15:00 Uhr ist Feierabend.

Wir gehen zum Platz zurück, in der Hoffnung, eventuell mit dem Fahrrad erfolgreicher zu sein, den weiter unten vermuteten Ort zu finden. Aber auch das ist ein Schuss in den Ofen.

Also wieder zurück zum Platz und dann wir sehen uns die Seilbahn an, mit der wir morgen einen Teil der Strecke zur Labequelle bewältigen möchten. Es ist ein offener Sessellift. Für mich ist das mit Lara undenkbar. Ich versuche das Heidi klar zu machen, aber da ist ja noch ein ganz anderes Problem. Heidi hat auf solchen Gefährten Höhenangst. Also, das Ziel unseres Trips ‑ die Labequelle ‑ läuft Gefahr, in unerreichbare Ferne zu rücken.

08-23; Spindleruv; SeilbahnAuf unserem Campingplatz plaudere ich mit einem Lüneburger Pärchen. Die sind mit dem Bus ins Karkonoski Park Narodowy (Naturreservat) gefahren. Und dann von der Endhaltestelle an Spindleruv Bouda/Spindlermühle Hütte oben auf dem Grat zur Quelle gewandert. Diese Route soll vom Schwierigkeitsgrad auch nicht so anspruchsvoll sein wie die von der Seilbahnbergstation aus. Soll trotzdem hin und zurück locker vier Stunden dauern. Das werden wir morgen machen.

Und weil es so schön war, gehen wir noch ein drittes Mal ins Dorf. Zum Abendessen: Ich esse Dillsuppe mit Pilzen, pochiertes Ei und Dörrobst vorweg, Labe Forelle als Hauptgang (beides hiesige Spezialitäten) und Heidi Rippchen mit Kraut und Meerrettich. Ist alles lecker und für unsere deutschen Verhältnisse immer noch sau preiswert.

2015-08-24       Pramen Labe (Elbquelle)

Die Labe teilt sich nördlich von Spindleruv Mlyn auf, in die Labe und die Bile Labe. Wir entscheiden uns für die Labequelle. Schon beim Aufwachen beschleicht uns ein doofes Gefühl. Es ist stark bewölkt und diese Wolken hängen unverschämter Weise auch noch extrem tief. Trotzdem, ich glaube, in diesem Urlaub ist das heute der früheste Aufstehtermin: 8:00 Uhr. Müsli für mich und Kaffee für Heidi. Dann schnell zum Bus. Dort steht schon eine Familie mit Hund, der einen Maulkorb trägt. Ist das in tschechischen Bussen Vorschrift? Das wäre ja ganz schöner Mist. Aber es war kein Problem. Der Bus war knallvoll. Eine schöne Fahrt im Stehen ganz vorne. Schwer in den Kurven Halt zu finden und gleichzeitig Lara von den Kleinkindern fern zu halten. Die Tschechen sind eigentlich recht offen und aufgeschlossen Hunden gegenüber, aber in Bezug auf ihre kleinen Kinder sind sie doch etwas zurückhaltender. Macht ja nichts.

Oben auf der Spindleruv Bouda mitten im Krkonosski Nationalpark kommen wir bei stürmischem Wetter an. Es ist kein Nebel der uns kalt werden lässt, nein es sind die Wolken, die uns umhüllen.

08-23; Spindleruv; Scheisswetter 0108-23; Spindleruv; tote und lebende BäumeDa die Quelle von hier noch nicht ausgeschildert ist, müssen wir auf die Karte sehen und das mit den Wegweisern zu irgendwelchen Hütten abgleichen. Der Sturm zerzaust unsere geliehene Wanderkarte (wir werden wohl den Lüneburgern eine neue kaufen müssen). Wir finden trotzdem den richtigen Weg.

Die Bäume sind hier mächtig geschädigt. So etwas habe ich vor circa 35 Jahren gesehen, als ich noch mit unseren Reisebussen (in einem früheren Leben von mir) unterwegs war. Und da auf dem Weg nach Prag über Dresden.

08-23; Spindleruv; ErsatzquelleAber nach noch nicht einmal zwei Kilometern ist für Heidi klar, dass das nicht ihre Welt ist. Nicht bei diesem Wetter. Da kann ich mich nur anschließen. Wir gehen noch bis zur nächsten Hütte Vatra Bouda und essen dort eine warme Kohlsuppe mit pochiertem Ei und Kassler. Das ist genau das richtige jetzt. Die Wolken draußen werden immer dichter. Uns wir immer klarer: Die Labequelle werden wir nicht erreichen. Das ist es uns bei dem Wetter nicht wert. Also zurück zum Bus?

Wir entscheiden uns für den Abstieg zu Fuß direkt nach Spindleruv Mlyn. Sieben Kilometer bergab. Auf Wegen die für Mountainbiking ausgeschildert sind. Für uns ist es unvorstellbar dort mit einem Fahrrad runter zu fahren. Aber unser Abstieg ist schön.

08-23; Spindleruv; Blaubeeren 02Wir finden eine andere Quelle. Wir wissen nicht wie sie heißt, aber sie besticht durch ihre Unscheinbarkeit. Das Wasser kommt einfach aus dem Boden. Eine Steinplatte, damit man nicht drüber stolpert.

08-23; Spindleruv; Blaubeeren 01Mit jedem Meter tiefer wird die Luft wärmer und der Wind lässt nach.

08-23; Labezusammenfluss bei Spinderuv08-23; Labe bei Spindleruv 04Wir finden noch echte Blaubeeren, keine Bickbeeren.

Später laufen wir parallel zur Labe bergab.

Erstaunlicher Weise treffen wir hier Naturschutzreservat, in das man eigentlich nicht mit dem Auto einfahren darf, einige, nein, viele Hotels, Pensionen und Appartementhäuser für Touristen. Tja, scheinbar kann man auch hier mit Geld Gesetze umgehen.

Auch die Stelle, an der sich Labe in Haupt- und Nebenfluss aufteilen finden wir.

Als wir auf dem Campingplatz ankommen reißt natürlich die Wolkendecke auf. Vielleicht hätten wir oben in der Hütte zwei Stunden abwettern sollen um danach weiter zur Quelle zu gehen. Aber bloß nicht zurück schauen und zweifeln.

Kurze Verschnaufpause und dann fahren wir mit dem Fahrrad ins Dorf. Unsere bevorzugte Eisdiele hat den Eistresen heute geschlossen. Die Alternative ist bei der Konkurrenz Mövenpick Eis. Das ist hier vor allem teuer aber nicht so gut wie das Eis, welches die hier Tschechen hier selbst herstellen. Man sollte es nicht glauben!

Hier treffen wir die Gruppe von vier jungen Frauen wieder, die wir schon oben auf der Hütte getroffen haben. Diese fielen uns schon dort durch ihre Naturkleidung, großen Rucksäcke, keine Schlafsäcke sondern Schaffelle und ihre Musikinstrumente auf. Sie tragen neben ihren Röcken und Blusen ein einheitliches Halstuch, aber keine blauen von den Pfandfindern. Egal, sie sind, wie auch immer, ein Hingucker. Und hier haben sie sich an zentraler Stelle aufgebaut. Sie machen Musik: alte schlesische und böhmische Volksweisen. Ich glaube, dass die vier auf Wanderschaft sind und sich zum Ziel gesetzt haben, diese Wanderung durch solche Auftritte zu finanzieren.

Heute essen wir mal wieder Selbstgekochtes: Bratkartoffeln mit Klobasy, Zwiebeln, Knoblauch, dem letzten scharfen Paprika mit Tomatensalat und dem letzten Ziegenkäse. Heidi friert und hat den Tisch drinnen gedeckt.

2015-08-25          Spindleruv Mlyn

Wappen von Špindlerův Mlýn
Špindlerův Mlýn

Ich gehe mit Lara Gassi. Heidi bereitet das Frühstück vor. Wie immer Müsli für mich und Kaffee für Heidi.

Beim Gassi gehen spricht mich mal wieder eine Frau mit unverkennbaren sächsischem Dialekt: „Haben sie denn ihren Hof jetzt verkauft?“ Hä?? „Na, sie sind doch die aus dem Fernsehen.“

Naja, es sind eben in der Mehrheit Deutsche auf dem Platz, meist Rentner, und die gucken eben Sonntags 14:00 Uhr ZDF. Ich beruhige die Frau. Nein wir bleiben auf unserem Hof wohnen und ab Januar 2016 werden wir auch wieder im Fernsehen zu sehen sein. Mit wie wenig man doch die Leute glücklich machen kann. „Siehst du Männe. Habe ich dir gestern doch gesagt: Das sind die aus der Büffelranch!“ „Was du immer sagst.“

08-24; Spindleruv; Steine in der LabeHeidi möchte mit dem Fahrrad mit mir ins Nachbardorf, nach Horni Misecky, fahren. Das ganze scheitert daran, dass es nur eine Straße dorthin gibt, wir zu der aber fast bis Vrchlabi runter fahren müssten. Und der Radweg, den wir als Abkürzung auf der Karte gesehen haben, der ist mehr eine Route für Mountainbiker, und dann auch nur den Berg runter.

08-23; Und sie fahren noch immerAlso disponieren wir kurzfristig um und umrunden den Labska Stausee, den wir ja schon bei unserer Ankunft an seiner Staumauer besichtigt haben. Natürlich fahren wir falsch rum. Die bequeme Straße bergab und den steilen geschotterten Weg bergauf. Am Ende der Route finden wir dann ein Restaurant, in dem Heidi endlich ihre Knoblauchsuppe bekommt.

In Spindleruv Mlyn kaufen wir dann noch für unsere Nachbarn kleine Mitbringsel ein: Utopenci, die eingelegten Lyoner, die wir im Freibad in Podebrady kennen gelernt haben.

Ich staune bei der Gelegenheit, wie haltbar und ausdauernd russische LKW sind: Mit diesem sind die russischen Soldaten aus Sibirien im zweiten Weltkrieg an die Front gekarrt worden. Und er läuft immer noch. In diesem Fall transportiert er Teile für eine Sesselliftanlage. Mächtig eng da oben und steil.

08-25; Spindleruv mit Andi 03Jetzt ruft Andi an. Eigentlich wollte er heute Mittag uns besuchen kommen.

Aber wie immer: Oh, das ist ja doch weiter als ich dachte, ich brauche noch zweieinhalb Stunden. Nun ja, wir kennen ihn ja. Gegen 16:00 Uhr kommt er dann doch auf den Platz. Lecker essen gehen: Heidi Germknödel ‑ auch diese mit richtigen Blaubeeren, Andi Goulasch mit Knödel (viele Knödel, wenig Goulasch) und ich Suppe und einen großen Salat mit Blauschimmelkäse und zum Abschluss einen Palatschinken.

Anschließend sitzen wir noch lange vor Big Blue und erzählen uns aus unseren Leben. Wir haben uns schon lange ‑ seit den Osterferien ‑ nicht gesehen und es ist viel passiert in der Zwischenzeit.

2015-08-26  Beginn der Heimfahrt

Heute ist es soweit. Unsere Rückreise beginnt. Es ist schon komisch. Unser erster Urlaub seit fast 22 Jahren geht jetzt zu Ende. Da wir überhaupt nicht einschätzen können, wie die Straßen hier im Riesengebirge Richtung Polen aussehen, stehen wir schon um acht Uhr auf. Es ist schweinekalt, trotzt das die Sonne scheint. Aber nach einer Nacht mit klarem Himmel kann man hier im Riesengebirge zu dieser Jahreszeit nicht draußen Frühstücken.

Dann recht zügig Aufbruch. Andi fährt schon los. Er ist sowieso mit seinem Krankenwagen schneller als wir mit Big Blue.

Allerdings hat er uns die Strecke, die ich ausgesucht habe insofern vermiest, dass er, weil er die Stecke auf der Herfahrt selbst gefahren ist, meinte, die ist für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Technisch, meint Andy, wäre es wohl möglich ‑ keine zu kleinen beziehungsweise schwachen Brücken und keine zu engen Serpentinen ‑ aber die Route sei doch sehr anspruchsvoll.

Nun, ich will das darauf ankommen lassen.

Denn die Alternative über Liberec lässt Probleme mit mautpflichtigen Strecken erwarten. Und das im Stadt- und Stadtrandgebiet. Nun ja, am Scheideweg auf der bis dahin wirklich landschaftlich wunderschönen Strecke, entscheidet Heidi, dass wir nicht über den für uns gesperrten Pass fahren sondern über Liberec. Und wenn ich was im Zusammenleben mit Frauen gelernt habe ist das, in solchen Momenten nicht zu widersprechen.

Schon auf den Straßen in den Städten vor Liberec übertrumpfte eine Umleitung die nächste. Und in Liberec gipfelte das Ganze in Umleitungen in Umleitungen. Mindestens ein Stunde in der Stadt herumgeirrt. Und immer irgendwann auf einer Ausfallstraße haben wir gemerkt, dass das so wohl nicht richtig ist. Aber jede Odyssee hat auch mal ihr Ende und die Welt ist wieder schön. Das Wetter sowieso.

2015-08-26  Frydlant

08-26; Frydlant 01
Rathaus
Wappen von Frýdlant
Frýdlant

In Frydlant, dem letzten Ort vor der polnischen Grenze machen wir noch mal Pause. Von der Hauptstraße aus im Außenbezirk erscheint der Ort recht unscheinbar. Aber der Platz in der Ortsmitte kann sich sehen lassen.

Und wieder, so wie wir es immer wieder auf unserer Reise erlebt haben, ist die Stadt- oder Regionalverwaltung in einem sehr repräsentativen Gebäude untergebracht, welches die Zeiten überlebt hat und aufwendig saniert worden ist. Wirklich sehenswert.

Wir essen einen kleinen Happen und fahren dann weiter nach Görlitz.

2015-08-26   Görlitz

Wappen der Stadt Görlitz
Görlitz

08-27; Görlitz an der Stadthalle 01 08-27; Görlitz an der Stadthalle 02Andi hat uns gesagt, dass die Stadtbrücke, gleichzeitig Grenzübergang, nur noch für 3,5 Tonnen freigegeben ist, und auf der deutschen Seite die deutschen und polnischen Zöllner zusammen stehen und nicht nur aus der gleichen Wodkaflasche trinken, sondern auch mächtig gerne einen raus winken und kassieren.

So fahren wir schon einen Übergang ‑ Radomierzyce, ‑ früher über die Neiße. Hier fangen dann die Probleme erst richtig an. Die eigentliche Straße nach Görlitz rein ist wegen Schwächung der Brücke auf eine Fahrzeugbreite von 2,10 Meter eingeschränkt. Die Umleitung unter dem Bahnhof ist aber nur 2,60 Meter hoch. Also wieder ein riesiger Umweg durch die Vorstadtgebiete. Aber wir erreichen dann doch irgendwann den Reisebusplatz neben der Polizeipräfektur ‑ dort standen wir schon in den Osterferien mit spezieller Erlaubnis der grünen Jungs. Aber dieses Mal haben wir ein anderes Ziel.

An der Neiße an der alten Stadthalle neben dem Merkurhotel. Ein Parkplatz, geradezu geschaffen für uns. Direkt an der Promenade, 15 Minuten zu unserem Lieblingsgastronomen, Jakob, auf der polnischen Seite, ruhig und unter großen Bäumen.

Heute stehen hier aber Schilder, die ab morgen früh acht Uhr das Parken und Halten untersagen. Wegen des Stadtfestes. Hier sollen die Schausteller ihre Fahrzeuge abstellen.

Nun ja, also Wecker stellen auf 7:45 Uhr.

Der Abend bei Jakob ist wieder super. Andi stellt uns seine neue Flamme vor. Sie sieht freakig aus und ist nett.

Heidi hat natürlich wieder Piroggen und ich Bigosch. Beides wieder exzellent, aber die Portionen sind kleiner geworden.

2015-08-27          Milchschafshof in Leippe

Wappen von Leippe-Torno
Leippe-Torno

08-27; Leippe, Schäferei; Eingang mit Heidi 08-27; Leippe, Schäferei 02 08-27; Leippe, Schäferei; Melkstand 08-27; Leippe, Schäferei; Schafskopf 02 08-27; Leippe; Ziegenhof 01 08-27; Leippe, Schäferei 01 08-27; Leippe; Milchschafhof 02Pünktliches Aufstehen nach dem Piepen des Handy. Dann aber trotzdem noch ausreichend Zeit zum Gassi gehen und Frühstücken am Neißeufer. Es hat sich ein LKW-Gespann über Nacht zu uns gesellt, die auf dem Stadtfest mittelalterliche Backwaren anbieten. Aber er hat nichts zum Frühstück beigesteuert.

Bevor uns die vom Ordnungsamt wegen des Halteverbots nerven sind wir weg.

Wir wollen uns die alten DDR Braunkohlegruben ansehen. Es ist recht schwer diese zu finden. Denn sie sind großflächig eingezäunt, teilweise geflutet und renaturiert. Und das Ganze hinter Wäldern versteckt. Überall sind Schilder aufgestellt, dass das Betreten verboten und wegen Einsturzgefahren lebensgefährlich ist.

So finden wir bei Niesky einen Stausee mit großem Freizeitambiente. Lara besteht auf einem ausgiebigen Spaziergang über die Staumauer.

Als nächstes besuchen wir noch den kleinen Ort Elsterheide Ortsteil Klein Partwitz am Blunoer See, in dem Quatfahren angeboten wird.

In der Hoffnung, dass das in einer alten Grube stattfindet und daher mit unseren Zielvorstellungen übereinstimmt. Da liegen wir falsch. Aber wir kommen dort an eine geflutete Grube heran. Ist nicht so spektakulär wie erwartet. Wir haben uns mehr versprochen.

Dann geben wir unserem Hunger nach uns setzen uns in den Biergarten des Gasthauses Zum Anker, in dem man die Quats für Touren mieten kann. Die machen ein total gutes Kesselgoulasch. Wir entdecken die Auszeichnungen vom Kochlöffel. Diese sind wirklich gerechtfertigt.

Anschließend irren wir noch etwas weiter durch das alte Braunkohlerevier. Verfahren uns, ziehen Schleifen aber finden dann doch zu unserem angepeilten Bio Milchschafhof in Leippe.

Dessen Name Wiesenhof ist für uns etwas gewöhnungsbedürftig durch die Nachbarschaft zu Hause mit dem Wiesenhof mit dem geschützten Warenzeichen und den Billighühnern und -eiern.

Als Mitglied bei Landvergnügen dürfen wir hier eine Nacht umsonst stehen.

Wir haben uns heute Morgen vorsichthalber telefonisch angemeldet. Wir finden eine Schäferei vor, so wie wir uns einen Familienbetrieb vorstellen. Überschaubar mit 60 Milchschafen, betrieben von einem Pärchen mit vier Kindern und den Großeltern auf dem Hof.

Er kümmert sich um die Schafe bis hin zum Melken, sie ist für die Käserei zuständig. Die klassische Aufteilung.

Weiterhin stehen vier Pferde, Enten, Hühner und zwei Rinder um uns herum. Obst- und Gemüseanbau für die Selbstversorgung runden diesen kleinen Betrieb ab.

Wir werden sehr freundlich empfangen, können unseren Stellplatz selbst aussuchen und entscheiden uns für den Waldrand auf einer Weide.

Wir erkunden per Fahrrad die Umgebung. Auch hier soll es viele Seen und Teiche geben. Aber auch die sind nur sehr schwer zu finden. Es macht sich bei uns der Verdacht breit, dass die Einheimischen ihre landschaftlichen Highlights vor den Besuchern verstecken, damit sie diese für sich genießen können.

Im Wald finden wir einen kleinen Ort, der fast vollständig entvölkert ist. Nahezu alle Häuser sind am verfallen. Nur die alte Kneipe wird saniert. Unsere Gastfamilie klärt uns auf, dass das ein Puff werden soll. Tja, das geht halt immer.

Für unser Abendessen decken wir uns bei unseren Gastgebern noch mit klasse Schafskäse ein.

Der ist so gut, dass wir uns am nächsten Morgen noch vor unserer Weiterreise noch Vorräte für zuhause kaufen.

2015-08-28                    Frohse

Wappen der Stadt Schönebeck (Elbe)
Schönebeck/Frohse

Hier anzukommen ist schon fast wie zuhause. Der Code am Eingangstor ist immer noch der selbe. So können wir einfach reinfahren. Dieses Mal wollen wir noch dichter an der Elbe stehen als auf der Hinfahrt. Aber da stehen schon welche. Eine ganz typische Gruppe für die ehemalige DDR: Familien, die früher in einem Dorf zusammen gewohnt haben, durch die Grenzöffnung sich über Wessi- und Ossiland verteilt haben, sich aber immer wieder treffen und feiern. Und Camping gehörte ja im Osten schon immer zu einer sinnvollen Wochenendbeschäftigung dazu. Aber auch hier sind die alten Sitten immer noch zu beobachten: Morgens recht früh aufstehen, sich den ganzen Tag nicht außer Sichtweite der Bierkiste und es Grills aufhalten und abends nicht länger als 22:00 Uhr machen.

Lara kann so auch am letzten Tag unserer Tour wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Sich Streicheln lassen bis das Fell ausgeht.

Wir gehen noch einmal mit dem Fahrrad auf Tour. Wurst und Käse vom ortsansässigen Schlachter einkaufen.

Und abends noch einmal schön am Imbisswagen der Platzbetreiberin sitzen und sich von den zu Ende gehenden Ferien beziehungsweise von der zu endenden Saison erzählen.

Ein letzter Abend im Urlaubsmodus.

2015-08-29      Zuhause

Auf dem Stührberg angekommen erst einmal bei Peter Hartmann anhalten und unsere obligatorische Eierschecke abgeben. Und uns ausfragen lassen, wie es denn so gewesen ist: Toll. Dieser Peter hat glücklicherweise seine schwere Krankheit bei unserer Abfahrt mittlerweile recht gut überstanden.

Dann zu Brigitte; die Lebensgefährtin unseres verstorbenen Nachbarn Peter Wojtkowiak. Hier wurde der Verlust endgültig klar, Peter ist nicht mehr mit uns! Viele Tränen.

Tja, und dann endgültig bei uns zuhause. Natürlich der Briefkasten voll mit Post: Rechnungen, unser Strafmandat für zu schnelles Fahren in Bad Schandau. Aber auch viel schöne Post. Erst einmal ankommen!

 

Advertisements

Schreibs uns

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s