2025-07-18 – Die Eifel (bleibt ein Wunschtraum)

2025-07-19 – Los geht’s. Erst einmal nach Bassum

Heute Morgen noch die letzten Sachen eingepackt, noch ein Blech an der Markise etwas umgebogen, mit Heidi und Linda unsere Hunderunde gedreht und einen Mirabellenbusch leer gepflückt. Wasser aufgefüllt und dann los. Nur 39 Kilometer.

Bei Bassum hatte ich vor einiger Zeit mal den Stellplatz am Naturschwimmbad entdeckt. Der und das machte mir einen ganz vernünftigen Eindruck.

Dem ist dann auch so: Der Platz ist umsonst, das Schwimmbad bezahlbar und heute – trotz Ferienzeit und seit Tagen mal wieder gutes Wetter – nicht einmal überlaufen.

So lag ich einige Stunden auf der Liegewiese und habe das Badegebaren der Deutschen beobachtet. Nicht immer so mein Ding, aber sehr unterhaltsam. Ein ganz guter Ersatz für eine gute Satiresendung in der Glotze.

Das Restaurant in der Anlage wird von DerbeKost betrieben. Dieser Gastronom ist auch bei uns unterwegs, zum Beispiel mit der Beachbar hol(ü)Bar an der Fähre in Schweringen.

So habe ich den heutigen Tag recht entspannt mit einem guten Buch „Die Unersättlichen“ hinter mich gebracht.

2025-07-20 – Delmenhorst

29 Kilometer. Nicht viel. Aber es ist heiß. Und es wird immer heißer. 29°C steht gegen 14:00 Uhr auf dem Thermometer.

Vielleicht wäre es klüger gewesen, in Harpstedt zu bleiben. Im Schatten in einer parkähnlichen Umgebung. Aber ich wollte ja nach Delmenhorst. Eis Essen und auf dem, an dem Stellplatz angrenzenden, Parkplatz die Jungmannen beobachten, wie sie die fehlende Größe ihres Pimmels mit dem Brumm Brumm ihrer Boliden kompensieren.

Das hat dann auch gut funktioniert. Das Eis Essen (Banana Split) und der Brumm Brumm Zirkus.

Als Dreingabe gab es dann noch einen riesigen Mirabellenbaum mit auf den Punkt reifen Früchten. Mit Big Blue rückwärts unter die überhängenden Äste, die Heckleiter rauf und in zehn Minuten vier ein Kilogramm Jogurt Becher voll gepflückt. Das sind dann so viele, dass die mir schlecht würden, wenn ich sie einfach nur in den Kühlschrank stelle. Also konservieren ist angesagt: In vier 400 Gramm Gläser die Früchte mit Kern einfach einkochen und in drei ebenso große Gläser die Früchte zu Mus, oder Europakonform ausgedrückt, zu Fruchtaufstrich gekocht. Das reicht dann erst mal wieder einige Zeit.

Morgen geht’s dann zur Motorradbude. 300 Kilometer Inspektion für meinen Monkey Nachbau machen lassen. Um 10:00 Uhr da sein. Das wird klappen. Handy Wecker stellen. Und wenn der nicht klingeln will, dann werden mich die Bauarbeiter wecken. Denn eigentlich ist der hiesige Stellplatz für den 2025-07-21 von 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr gesperrt. Da soll wohl irgendwas (um-) gebaut werden.

2025-07-21 – Monkey Inspektion

Mein Monkey Nachbau
Mein Monkey Nachbau

Pünktlich von Bauarbeitern geweckt. Vor allem von den fluchenden Wohnmobil Piloten, die immer alles besser wissen und trotzdem auf den gesperrten Flächen übernachtet haben und jetzt recht unsanft geweckt wurden.

Alles zügig verlaufen bei der Inspektion. Trotzdem bin ich erst nach 13:00 Uhr wieder auf dem Stellplatz. Ist mir dann doch zu spät, noch weiterzufahren. So klöne ich noch mit einem „Selbstbauer“ Pärchen, die in ihrem Atego seit 13 Jahren leben.

Irgendwann irre ich dann mit dem Rad noch durch Delmenhorst und suche eine Einkaufsmöglichkeit – mein Käse ist alle. Das Ganze endet dann doch noch erfolgreich.

Spät abends bei meiner Tour um die Wasserparkanlagen hier, entdecke ich sogar noch eine Stelle an einem Teich, an der das Baden möglich wäre. Aber nicht mehr heute Abend.

2025-07-22 – Nach Steinfeld – nee nach Ibbenbüren an den Aasee

Steinfeld ist eine grobe Enttäuschung. Wie man als Gemeinde dort ein Wohnmobil Parkplatzschild aufstellen kann entzieht sich meinem grundsätzlichen Verständnis.

So fahre ich weiter nach Ibbenbüren, an das Aasee Bad. Leider ein Hallenbad. Hier stehe ich nun auf „Golfrasen“ neben (!) Linden. Auf Grund des hier in der letzten Zeit heftigeren Niederschlags gehe ich die Fläche erst einmal ab. Ob der Boden meine 7,49 Tonnen aushält. Er trägt.

Vier € an der Schwimmbadkasse abdrücken und hoffen, dass das Wetter besser wird. Bei den jetzigen Wolken und Nieselregen ist das nicht so das Badewetter. Vielleicht morgen. Heute jedoch regnet es sich noch so richtig ein. Wetter für drinnen.

Irgendwann klopft die Nachbarin. Wir hatten schon mal das Vergnügen: bei Sonja auf der Finca in Canada de Gallego, Spanien, 2018.

Dann kommen noch Nienburger. Die sind gerade auf der Rückfahrt und waren in der Vulkaneifel. Viele Tipps sind rübergewachsen.

2025-07-23 – Nach Wetter, mal wieder.

Es regnet. Daher cancele ich den Schwimmbadbesuch und mache mich auf weiter Richtung Eifel. 120 Kilometer erscheinen mir genug und ich fahre in Wetter ran. Diesen Platz kenne ich noch von vor zwei bis drei Jahren. Immer eine interessante Mischung an Gästen hier. Ich werde auch gleich von so ein paar Rentner-Rockern begrüßt. Ich bin im ersten Moment etwas abgelenkt, da ich unterwegs bemerkt habe, dass eine meiner Positionsleuchten den Geist aufgegeben hat. Und wer mich kennt – ich kann so etwas gar nicht ab – wollte ich als Erstes diesen Mangel beheben. Kurz und schmerzlos und mit Erfolg.

Dann noch einmal eine Begrüßung, dieses Mal von meiner Seite her. Und so bekomme ich auch hier kostbare Tipps für meine Tour durch die Eifel.

Dann wendet mein Blick sich dem hiesigen Bewuchs zu. Brombeerhecken ohne Ende (Später auch auf meiner Radtour an der Ruhr entlang). So mache ich mich erst einmal an die Ernte für den Winter. 1,5 kg zum Einfrieren. Das ist schon mal was. Und einen Rest fürs Müsli morgen früh.

Dann, wie angekündigt, eine Radtour an der Ruhr entlang. Auch dieses Mal für mich immer wieder erstaunenswert, diese grüne Zone – fast mitten im Ruhrpott: Die Ruhr Auen. Und flächendeckend Brombeeren. Alle reif. Und überall „Eingeborene“, die alle fleißig ernten. Zwei Handvoll für auf die Hand, das reicht dann erst einmal für heute. Morgen geht’s weiter.

Und das Wetter hier in Wetter besinnt sich auch eines Besseren. Kein Regen mehr. Auch für die nächsten Tage ist keiner angesagt, und das bei moderaten Temperaturen. Also Top fürs Radfahren. Besser kann es nicht sein.

2025-07-24 – Immer noch in Wetter – Brombeermarmelade kochen

Super geschlafen. Besser als in Ibbenbüren. Dort war die Fernstraße ja recht laut zu hören – die ganze Nacht. Obwohl hier mitten in der Stadt, beziehungsweise am Rande der Ruhr Auen, ist es hier nicht nur tagsüber recht ruhig. Nun gut, gerade jetzt kommt die Straßenmeisterei und fängt mit dem Baumschnitt an. Aber das geht vorüber. Ganz schnell.

Nach dem Frühstück – mein Frischkornbrei mit Aronia Beeren und Brombeeren – schnappe ich mir meinen Up-Ticker und ernte Brombeeren aus einer Höhe, an die die Anderen nicht so recht rankommen. Im Nu habe ich einen ein Kilogramm Eimer voll. Ich hoffe auf ungesüßten Fruchtaufstrich in zwei 400 Gramm Gläsern. Das haut nicht hin. Es wird gerade mal ein Glas. Ich denke, heute Nachmittag werde ich noch einmal mit dem Fahrrad den Ruhrradweg entlang radeln und mir meine vier Eimerchen mitnehmen. Dann werden es noch einmal 1,6 Kilogramm. Also vier Gläser. Das wäre dann ja schon mal was.

Nun kommt die Sonne raus. Das werde ich erst einmal nutzen, draußen mein Buch „Beim nächsten Mann wird alles anders“ weiter zu lesen.

Am Ende des Tages trödele ich dann doch zu lange rum und verpasse den optimalen Moment um noch einmal loszuziehen um Brombeeren zu pflücken. Dann fängt es auch noch an zu Regnen. Damit hat sich das Thema „Ernten und Wintervorräte anlegen hier erledigt.

2025-07-25 – Bergheim bei Troisdorf oder Bonn

Es ist Freitag und in den letzten beiden Bundesländern beginnen die Sommerferien. Ein optimaler Tag um den Standort zu wechseln. Ich will es bis in die Gegend von Bonn schaffen. Das sind so um die 120 Kilometer.

Erst jedoch in Gevelsberg ranfahren um zu Ent- und Versorgen. Dieser Stellplatz ist wirklich spannend angelegt. Drei Stellplätze und die beiden Grauwassereinlässen liegen unter den dort geparkten Wohnmobilen. Glücklicherweise verlässt gerade einer seinen Platz und ich quengele mich auf den Einlass. Eng ist es hier durch die (ordnungsgemäß) geparkten PKW’s. Aber es klappt dann doch irgendwie. Aber die Säule mit dem Frischwasser weigert sich standhaft mir Wasser zu verkaufen. Auch dieser Stellplatz ist scheinbar von einem Praktikanten des Bauamtes geplant worden, der wohl mehr Urlaubserfahrungen auf dem Ballermann als auf Stellplätzen hat. Nun ja.

Eigentlich wollte ich nicht durch das Bergische Land fahren, hatte irgendwie keine Lust auf Berg rauf und runter und viel am Lenkrad drehen. Glücklicherweise höre ich dann aber noch den Verkehrsfunk, der einen mit einer fünfminütigen Stauliste und Verzögerungszeiten beglückt. Meine kurze Rechnung: Zwei Staus und ich wäre nur dort länger unterwegs als wenn ich mich gleich für die Bergtour entscheide. Also doch übers Land. War eine gute Entscheidung. Jetzt kann ich auch verstehen, warum viel Ruhrpottler, Kölner und Bonner so gerne hier ihr Wochenende oder mehr verbringen. Für die kommende Nacht stehen zwei Optionen zurVerfügung: Bergheim bei Troisdorf oder Bonn – Carlo-Schmid-Straße. Die zweite Option triggert mich wegen der dort scheinbar vielen Besucher aus der Selbstbauerscene. Aber, da es auf der Strecke liegt, fahre ich erst einmal in Bergheim ran. Und ich bleibe!

Ein wirkliches Kleinod. „Klein“ weil für mich etwas sehr kurz aber es geht und „Od“ weil wirklich schön im Grünen.

Ein Industriekletterer wohnt hier schon seit einiger Zeit, ansonsten bin ich erst einmal alleine hier. Spät abends kommt noch ein Vanlifer Pärchen. Auf dem Platz wird auch gerade eine kleine Boule Anlage bespielt. Ich kann mich da in eine Mann- und Frauschaft reindrängeln. Die Stunde macht echt Spaß. Lange nicht mehr gespielt, so muss meine Mannschaft damit leben, nicht zu den Gewinnern zu gehören.

Mit dem Fahrrad dann wenige Meter (400) ins Dorfzentrum: Drei Wirtshäuser mit Biergärten, ein Bäcker, ein Metzger, ein Ärztehaus, eine Physiotherapie und ein Laden für alles Mögliche um nur einige zu nennen. Im Gegensatz zu unseren Dörfer zuhause kein Leerstand.

Ich kaufe ein Ciabatta und setze mich zu einem alkoholfreien Weizen in einen der Biergärten. Irgendwie haben die hier zurzeit eine Sonderkarte, Thema Pfifferlinge. Das wäre ja was für morgen Abend. Mal sehen.

Anschließend mit dem Rad kurz durch den Auenwald an der Sieg entlang zum Rhein. Da muss ich schon genau hinschauen um diesen zu erkennen – kaum Wasser drin. Aber Baden kann man hier. Auch das ist dann was für morgen.

2025-07-26 – Bergheim bei Troisdorf

Ich bleibe noch. Mindestens eine Nacht. Mal sehen, was das Ordnungsamt, welches hier wohl, genauso wie in Wetter, täglich patrouilliert, dazu zu melden hat. Denn eigentlich ist der Aufenthalt hier ja auf 24 Stunden begrenzt. Ich denke, sie werden gnädig sein, da ich ja heute Abend Geld in der ortsansässigen Gastronomie lassen will.

Heute Morgen bekomme ich mal wieder großes Kino geboten: Die Agility Truppe des Dorfes gibt Vorstellung. Es ist spannend. 90 % der Hunde sind Labradore oder Golden Retriever. 99 % der HalterInnen sind -Innen. Die Hunde werden hauptsächlich durch Leckerlies gesteuert (das geht bei diesen fressorientierten Rassen ja sehr gut). Und Mittelpunkt der Kommunikation ist der einzige Mann der Gruppe. Immer wenn mehr als eine Frau zusammensteht, dann steht in deren Mitte der umschwärmte Mann. Aber zur Rettung des Ganzen muss ich zugeben, dass von den circa zehn Hunden, zwei wirklich gut gehorchen. Der Rest ist durch die übrigen Menschen hier dann doch sehr abgelenkt und versuchen immer wieder, sich dort fürs Hinlaufen, Hecheln und Schwanzwedeln ein zusätzliches Leckerli zu ergattern. Dann setzt das Geschrei der Halterin ein – der Hund bleibt ungerührt und macht (frisst) sein Ding. Labrador oder Golden Retriever eben. Erinnert mich an die Treibjagden bei uns zuhause – da schreien die Jäger auch ständig hinter ihren wildernden und scheinbar tauben Jagdhunden hinterher, die das völlig kalt lässt. Also, ganz großes Kino hier.

Irgendwann ist die Vorstellung zu Ende und ich muss mir eine neue Beschäftigung suchen. Baden gehen ist eine Option, da sich für Eis essen hier keine Möglichkeit eröffnet. Also ab an die Mündung der Sieg in den Rhein. Ist zwar ein bisschen „farbig“ das Wasser aber erfrischend. Wohlgemerkt erfrischend, nicht kalt.

Die Sonne scheint und ich kann mich am Ufer lesender Weise von ihr trocknen lassen. Nach circa eineinhalb Stunden mache ich mich auf den Rückweg und lungere auf dem Stellplatz, beziehungsweise auf dem angrenzenden „Freizeitgelände“ rum.

So gegen 17:00 Uhr kommt dann so langsam der Wunsch in mir auf, im Ort die Pfifferling Befriedigung zu verschaffen. Vorher schaue ich noch mal auf Google Maps und Magic Earth die Möglichkeiten für morgen an. Dabei entdecke ich, wie es der Zufall will, etwa 1200 Meter entfernt zwei Badestellen an der Siegfähre. Da ich durch das doch recht schwüle Wetter etwas durchgeschwitzt bin, radele dort noch hin, um meine Kadaver für den Restaurantbesuch noch etwas zu Stylen. Das klappt auch wirklich gut. Hier ist das Wasser der Sieg richtig sauber und strömt recht zügig. Ist eine richtig gute Ganzkörperreinigung. Leider quatschen mich dann so zwei heranwachsende Suffskies penetrant voll, so dass ich mich nach meiner Körperreinigung recht schnell wieder verpisse und mich mal richtig schick mache.

Im Biergarten ist alles voll oder reserviert. So setze ich mich zu einem Ehepaar und starte ich mit einem alkoholfreiem Weizen. Nach einer halben Stunde, das Glas ist leer, ordere ich einen Salat mit Pfifferlingen. Echt eine Portion zu satt werden und diese hält auch was sein Name verspricht: Pfifferling (!) Salat. Irgendwann ist auch dieser Teller leer und ich überlege, mir als Nachspeise einen Palatschinken zu bestellen. Ich schließe dann aber doch lieber mit einem zweiten alkoholfreien Weizen ab. Dann mit dem Rad nach Hause. Auf dem Platz ist noch ein roter Sprinter eingetroffen mit zwei Frauen. Sie kommen aus Köln und Bonn und sind so drauf wie Berliner Punkers. So findet der Abend mit den beiden noch einen ruhigen Abend mit interessanten Gesprächen über die Welt insgesamt und so.

Gegen halb elf übermannt und dann doch alle eine allgemeine Müdigkeit und wir ziehen uns in unsere Betten zurück. Ich liege kaum und es fängt draußen an zu regnen – nein, zu schütten. So geht es dann die ganze Nacht. Mein Fahrrad steht noch draußen. Aber damit muss es klarkommen.

2025-07-27 – Bleiben oder weiterfahren nach Dernau?

Einerseits könnte das ganz nett sein, mit den beiden Frauen, hier in Bergheim noch einen Tag zu bleiben. Endlich mal andere Gesprächsthemen als mit den Weißwarecampern. Andererseits pisst es draußen unablässig. Wir müssten also irgendwie drinnen rumlungern. Dazu habe ich keine Lust. Außerdem habe ich gestern mit Erschrecken festgestellt, dass ich kaum noch Wasser habe. Weder im Trinkwasserkanister, noch im Wassertank und ebenso in der Klospülung ist die Ebbe nicht zu übersehen. Also suche ich mir einen Platz mit Ent- und vor allem Versorgung. Das ist mit meinem Wunsch, ins Ahrtal vorzustoßen, gar nicht so einfach zu verbinden. Denn nach der Flutkatastrophe in 2021 ist hier vieles noch nicht wiederhergestellt. Die ehemaligen Plätze sind, ich sage mal, immer noch nur notdürftig geschottert. Weitere Infrastruktur ist Glücksache. So nehme ich einen ehemaligen Campingplatz in Dernau ins Visier, der zurzeit nur eine Zulassung als Stellplatz hat. Auf dem Weg dahin merke ich schon, was ich mir so nicht vorstellen konnte: Das Ahrtal ist zu großen Teilen immer noch eine Großbaustelle. Vor allem was die Bahnlinie, die Straßen, die Stellplätze und die Radwege betrifft. Der Platz in Dernau hat mit dem, was noch in ihrem Internetauftritt teilweise in der Bildergalerie dargestellt wird, nicht mehr viel zu tun – Ein Platz mit unter der Grasnarbe geschotterten Boden mit direktem Blick auf die Ahr und dem Dorf als Hintergrund, einem Wasseranschluss sowie einer Entsorgungsmöglichkeit fürs Klo am Wohnhaus der Betreiber. Und Trinkwasser ist verfügbar. So fülle ich meine Bestände auf und bleibe erst einmal hier. Nicht zuletzt aus Solidarität und lasse gerne die geforderten 10,00 €/Nacht hier.

Mein Spaziergang durch den Ort zeigt mir viel, von dem was hier 2021 losgewesen sein muss. Und eine Eisdiele, nicht mehr in ihrem alten Gebäude, sondern in einem Eisimbisswagen daneben. Südländisches Flair und ihr Eis ist klasse.

Ansonsten besteht der Ort hauptsächlich aus Weingütern, Straußenwirtschaften und Restaurants, deren hauptsächliche Aufgabe es ist, die hiesigen Weine zu bewerben und auszuschenken. Weiter schließen sich daran kleine Hotels und Ferienwohnungsanbieter an. So wie ich das hier beobachten kann, wird dieser Ort trotz des großen Übernachtungsangebotes recht schwach von Touristen frequentiert. Schade, denn die Region benötigt die daraus resultierenden Einnahmen ganz dringend um wieder auf die Beine zu kommen. Ist so ein bisschen zu Corona Zeiten – Während der Katastrophe haben alle Solidarität mit den Betroffenen bekundet und, auch für die Zukunft, versprochen zu helfen und hier weiterhin Urlaub zu machen. Jetzt, wo die Möglichkeit diese Solidarität zu leben, schauen sich die Leute aber doch lieber in der „heilen Tourismuswelt“ um als hier, bei reduziertem Angebot, ihren Urlaub zu verbringen. Und unsere Kollegen in der Weißware orientiert sich auch hier lieber an den Plätzen, die umsonst sind oder wildern auf irgendwelchen Parkplätzen rum. Es ist einfach nur traurig.

2025-07-28 – Dernau, Rundfahrt in der Umgebung

Heute packe ich dann mal meine Monkey aus. Fürs Fahrrad ist es mir hier zu bergig, die Ziele zu weit entfernt und heute auch zu windig. Außerdem ist nicht klar, ob oder wann es anfängt zu regnen.

Erst einmal fahre ich hier zum 24 Stunden Dorfladen. Ist eine Automatenbude. Aber mit sehr genauen Artikelbeschreibungen bis hin zum Erzeuger und Anbauform. Ist schon gut gemacht. Hier Kartoffeln aus der Region und Tomaten von einem Anbauprojekt er Bonner Uni. Dann geht es doch noch nach Ahrweiler zum Edeka. Käse und Gemüse kaufen.

Dann schaue ich mir das ganze auch mal von oben an. Oben in den Weinbergen gehen doch noch öffentliche Straßen und Wege, die noch nicht wegen der Weinreife gesperrt sind.

Es ist unvorstellbar, was hier 2021 abgegangen sein muss. Selbst in den höheren Lagen waren die Häuser bis in das zweite Geschoss überflutet. Und an den bereits sanierten Häusern kann man schon wieder Folgeschäden sehen: Risse, Absenkungen und Auswaschungen in den Wänden durch den neuen Putz hindurch. Überall in den Orten stehen kleine Heizcontainer, viele von den Johannitern, die heute noch die Häuser, vor allem die Keller und Erdgeschosse trocknen. Immer noch ist Nässe in den Wänden.

Mit einer komischen Gefühl komme ich zurück an mein mobiles zuhause. Es wird noch viel Zeit benötigen, bis die immer noch so deutlich sichtbaren Narben verheilt sind.

2025-07-29 – Kurztrip nach Ahrweiler

Heue gibt es das neue „Lustige Taschenbuch“. Wer mich kennt, weiß dass ich das brauche. So fahre ich mit meiner Monkey (in Wirklichkeit ein Nachbau des legendären Kleinmotorrades von Honda in den 70-iger und 80-iger Jahren) nach Ahrweiler. Nachdem ich mein literarische Verlangen gestillt habe, schaue ich mir das Örtchen (es ist wohl doch eine Kleinstadt, die hier regional und auch touristisch eine gewisse Bedeutung hat) ein bisschen genauer an. Dazu verleitet auch die aufgeprägte Fußgängerzone. Es ist nicht zu übersehen – ich befinde mich im Weinanbaugeiet. Wie auch schon in Dernau dominieren hier die Weinlokale und -läden sowie die Straußenwirtschaften. Dazwischen dann für die Touris Nippes, Furz und Trallala. Aber alles fürs Auge sehr schön hergerichtet. Vor allem mit blühendem Pflanzenschmuck. Ich fühle mich an den Elsass während der Weinsaison erinnert.

Da am Himmel es mal wieder dunkel hochzieht, plündere ich auf dem Kirchplatz nach einem Kakao noch schnell den öffentlichen Bücherschrank und mache mich auf nach Dernau. Pünktlich mit meinem Eintreffen dort, beginnt auch schon der Regenguss. Aber der hält entgegen der Ansage in der Wettervorhersage nicht lange an und den Rest des verbummele ich mit Spaziergängen im Dorf und den angrenzenden Weinbergen. Bei letzterem merke ich dann doch deutlich, dass ich mittlerweile 72 Jahre alt und unter anderem zwei künstliche Hüften habe. Bergauf geht ja noch (langsam) aber bergab macht dann doch schon Probleme. Aber ich habe ja Zeit und kann langsam machen. Nur der ständig nach Regen aussehende Himmel drückt dann doch ein bisschen aufs Tempo.

Am späten Nachmittag klöne ich dann noch mit meiner Nachbarin auf Hamburg. Sie ist mit einem minimalistisch umgebauten VW-Bus unterwegs und nimmt sich gerade auch eine Auszeit von „Familie“ und Beruf und ist in der Vergangenheit auch viel in Südosteuropa, dem Baltikum und Skandinavien unterwegs gewesen.

2025-07-30 bis 2025-08-03 – Ahraufwärts nach Schuld

Entgegen der Aussagen der Betreiberin des Dernauer Stellplatzes ist diese heute Morgen nicht zuhause um abzurechnen. So muss ich erst einmal los zum Bankcontainer mir passendes Geld ziehen.

Dann immer der Ahr stromauf entlang. Hier komme ich in Bereiche, in denen die Straßen sehr dem ähneln, was ich aus den albanischen Bergen gewohnt bin: Ende der befestigten Streckenführung und weiter auf notdürftig aufgetragenem Schotter. Daneben die Eisenbahnbaustelle, auf der gerade Schwellen und Schienen verlegt werden. Dabei ist das Hochwasser schon fünf Jahre her.

Da ich dringend Grauwasser entsorgen muss, habe ich mir mal einen Campingplatz rausgesucht. In Schuld.

Hier ist die Ahr nur noch circa drei Meter breit und das enge Tal auf beiden Seiten mit Wald bewachsen. Kein Weinbau mehr und daher die Orientierung Richtung „Weintouristen“ in den Hintergrund gedrängt.

Hier stehe ich nun. Neben den Dauercampern hier, die ungefähr ein Viertel des gesamten Areals beanspruchen, stehe ich recht einsam (glücklicherweise) auf einer Wiesenfläche, die circa 400 Meter an der Ahr entlang liegt. Und bis auf in eine Richtung blicke ich Wald.

Gegen 16:00 Uhr dann Anmeldung. Leider werde ich hier dann mein Grauwasser doch nicht los. Aber alles andere und es gibt heiße Duschen. Ist doch auch schon was.

Was aber bei dem Gespräch darüber so rüberkommt, ist die Unzufriedenheit der Leute, hier die Betreiberin des Campingplatzes, mit dem Katastrophenmanagement. Es geht nicht voran. Überall stehen die Leute in den Startlöchern, ihr Wohnungen und Betriebe wiederherzurichten und gegebenenfalls wieder neu aufzubauen. Aber die Bewilligungen lassen auf sich warten. Dabei geht es aber auf Nachfragen weniger um Baugenehmigungen, sondern um Bewilligungen von Hilfsgeldern. Daraus aber dann eine gewisse Abneigung gegenüber unseren Landes abzuleiten, finde ich dann doch sehr weit hergeholt. Denn es geht nicht darum, Gelder von ihren Versicherungen einzutreiben, denn die meisten haben sich die Kosten dafür gespart, sondern um Gelder, die der Staat aus den Steuergeldern aller zur Verfügung stellt. Und da ist es sicherlich auch trotz des großen Leids, welches die Flut hier verursacht hat, angesagt, dass dieser genau hinschaut, wofür diese Gelder genutzt werden sollen.

Unabhängig davon kann ich den Unmut nachvollziehen, dass die staatlichen Aufgaben zur Wiederherstellung der Infrastruktur wie Eisenbahn, Straßen, Strom- und Wasserversorgung scheinbar nur über Gebühr schleppend vorangehen.

Im Dorf gibt es übrigens einen Tante-M-Laden. Das ist sowas wie Tante-Enso-Laden bei uns. Hier bekomme ich auch meine Zwiebeln, die mir ausgegangen sind. Und ich greife noch auf eine Packung Knäckebrot zurück, da es hier im Laden kein frisches Brot und im Ort keinen Bäcker (auch er hängt noch in der Wiederaufbauphase fest) gibt.

Die 50 Meter entfernt stehenden Nachbarn spielen Wikinger Kegeln. Ich überrede sie, es mal Mölkky zu probieren. Und schon sind die Abendstunden verplant.

Nach meinem Abendessen, heute mal Lahm Lhalou mit Nudeln, noch Duschen. Irgendwie für einen Euro stundenlang. Und heiß, nicht warm.

2025-08-03 – Blankenheim, die Quelle der Ahr

Ich muss endlich mal mein Grauwasser loswerden. Bislang hatte ich damit ja kein Glück hier an der Ahr, eigentlich schon seit meinem Zwischenstopp in Gevelsberg. Hier werde ich endlich erleichtert. Sehr komfortabel.

Blankenheim gibt sich sehr touristisch – nicht zuletzt wegen der Ahrquelle, die nach meiner in Augenscheinnahme aus dem Fundament der ortsansässigen (katholischen) Kirche entspringt.

Darüber hinaus geht es recht rührig in der Ortschaft zu. Aber selbst große Traditionshotels verpackt in hiesiger Baugeschichte stehen leer und sind (dauerhaft?) geschlossen. Scheinbar ist auch hier die Flutwelle 2021 durchgegangen. An einigen Häusern kann ich entsprechende Schadensbilder erkennen. Viele kleine Häuser stehen leer. Selbst das ultramoderne Rathaus ist geräumt und wird zurzeit komplett entkernt.

Nichtsdestotrotz finde ich zwischen architektonischer Freigelände-/Platzgestaltung, angelegten Gärten und buntem Wildwuchs einen öffentlichen Bücherschrank und eine italienische Eisdiele. Die Literatur, die hier zum Tauschen angeboten wird, das ist mir ja schon in Schuld aufgefallen, ist sehr christlich geprägt. Ist halt katholisch hier.

Hier im Ortskern finde ich sogar eine Metzgerei und einen Bäckerladen. Muss ich morgen noch einmal hin – brauche Brot und Speck.

Den Rest des Tages bringe ich am Schwanenweiher (durch diesen künstlich angelegten Teich muss die Ahr hindurch, gerade erst circa 400 Meter alt) und beobachte die restlichen Touris und die kinderreichen Familien auf dem Abenteuerplatz für Skateboarder, Mountainbiker und sonstige lebensmüde Kinder.

2025-08-04 – Kronenburg (-er See) – endlich Baden

Der Schlachter hat zu – es ist Montag. Und die Bäckerei hat gegen 10:30 Uhr kein Baguette und kein Ciabatta mehr. So bleibt mir nur der Gang zu Lidl, dem ortsansässigen Supermarkt.

Dann aber los, mit Anlauf zum Kronenburger See. Leichter gesagt als getan. Die B51 ist irgendwo gesperrt: Grundsanierung. So werden aus 21 Kilometer und 33 Minuten 63 Kilometer und 1:44 Stunden.

Aber der Stellplatz hier ist schön (angelegt). Große Parzellen und Wahlweise in der Sonne oder im Schatten. Und was viel wichtiger ist, nur 200 Meter bis zum Badestrand, beziehungsweise der Badewiese. Also gleich mal die Badehose eingepackt und rein ins Wasser. Aufgrund des Windes aber doch nicht so das Erlebnis. Aber ab morgen soll es ja wärmer werden und der immer zwischenzeitlich herniedergehende Regen der Vergangenheit angehören.

Um mir die Zeit zu vertreiben bin ich dann noch um den (Stau-) See rumgelaufen. Auf der einen Seite sind asphaltierte Wege angelegt, auf der gegenüberliegenden einfache Trampelpfade auf bewaldetem Hang zwischen wucherndem Buschwerk. Und überall Sitzbänke für einen alten Mann wie mich, mit tollem Ausblick. In jungen Jahren hätten wir solche Plätze als Knutschbänke bezeichnet und auch als solche genutzt.

Nach meiner Rückkehr zum Auto, stelle ich fest, dass ich hier immer noch alleine bin. Am späten Nachmittag kommt dann doch noch ein Holländer. Irgendwie gibt es hier nur Holländer. Und die sind nicht mehr nur mit Wohnwagen unterwegs. Nein, auch sie haben mittlerweile Wohnmobile und bevölkern auch die hier in großen Mengen vorhandenen Ferienhaussiedlungen.

Das fällt mir in Kronenburg ganz extrem auf: In den Wäldern hier sind überall standardisierte Ferienhaussiedlungen versteckt. Die meisten stehen aber leer und die, die bewohnt sind, da sind, wie sollte es auch anders sein, von unseren Käseproduzenten und Tulpenzüchtern belegt.

Ach ja. Was man mittlerweile wohl recht selten findet – ich zumindest –, hier ist ein Jungendferienzeltlager des Malteser Hilfswerkes. Auch im Wald versteckt.

2025-08-05 – Was nun? Chaos?

Ich habe wieder die gesamte Nacht Albträume gehabt. Wie fast jede zweite Nacht. Das nervt und geht an die Substanz. Dazu das Wetter. Meist Regen, vor allem der Wind zehrt an den Kräften.

Die deprimierende Stimmung im Ahrtal, die ich in der letzten Woche erleben musste, fügt ihr übriges zu meinem sowieso schon demolierten Seelenheil hinzu.

Jetzt soll sich zwar heute das Wetter zum besseren wandeln und der Platz hier am Kronenburger See ist ja auch richtig schön. Vor allem die Aussicht darauf, heute endlich mal richtig Baden zu können. Aber die besoffen grölenden Holländer aus der benachbarten Ferienhaussiedlung heute Nacht haben auch ihre Spuren in meinem Wohlbefinden hinterlassen.

Der Regen dauert bis heute Morgen an und er gibt sich noch mal richtig Mühe.

So treffe ich meine Entscheidung: Nach dem Frühstück fahre ich Richtung Heimat. Ob bis ganz nach Hause ist mir noch nicht klar. Mal sehen.

Bis Wetter schaffe ich es dann. Hier war ich ja schon auf der Hinreise. Mein bevorzugter Platz ist sogar frei. Also rein in die Parzelle und erst einmal was trinken. Dann Brombeeren fürs morgige Frühstück sammeln (es sind immer noch genug an den Büschen hier auf dem Platz). Da es hier auch recht kräftig windet, bleibt das Fahrrad erst einmal in der Werkstatt von Big Blue. Vielleicht ergibt sich ja heute Abend noch was.

2025-08-06 – Wetter, das fehlte noch zu meinem Glück

Ich lege mich ein bisschen hin. Dann ein nerviges Geräusch einer Bohrmaschine. Ich traue meinen Augen nicht. Wieder hat sich das Arschloch, welches immer, wenn ich auf diesem Platz stehe, neben mich gestellt und fängt an sein Wohnmobil mit einer Akku-Poliermaschine abzuschleifen. Ich glaub ich träume. Und er wird auch wieder morgen früh mit diesem Mist gegen 7:00 Uhr beginnen.

Ich packe und fahre Richtung Heimat. Bleibe aber in Stolzenau hängen.

2025-08-07 – Stolzenau

Ich habe zwar gut geschlafen, aber habe schlechte Laune. Was will ich weiter machen? Heidi ruft an und lacht darüber, dass ich hier – so dicht an zuhause – bin. Ob ich nicht zuhause vorbeikommen will. Oder sie nach Stolzenau. Ich möchte sie aber wirklich nicht mit meiner schlechten Verfassung „behelligen“.

So versuche ich mein Glück im Möwennest am Mittellandkanal bei Getmold.

2025-08-07 – Im Möwennest

Erstaunlicher Weise viel Platz im Nest. Und was viel wichtiger ist, es dauert keine halbe Stunde und ich komme endlich zur Ruhe! Der ganze Mist fällt von mir ab. Die bedrückende Stimmung im Ahrtal hat mir doch mehr zugesetzt als ich wahrhaben wollte. Füße hoch und Schiffe gucken. Es ist viel los auf dem Mittellandkanal!

Dann mal nach meinem Fahrrad schauen. Irgendwie hat es die Regenzeit in der Eifel nicht ganz unbeschadet überstanden. Rost auf der Kette und den Ritzeln. Also Bremsenreiniger, WD 40 und Ölkanne raus. Saubermachen und neu ölen. Dann Probefahrt am Kanal entlang. Das Knirschen ist weg und das Rad läuft wieder gut.

Am Abend sitze ich mit Heinz (dem Stellplatz Betreiber), seiner Frau Antje und Thomas und Birgit, die in ihrem Sattelauflieger im Sommer hier und im Winter auf einem ähnlichen Platz in Spanien leben, unten am Wasser und füttern sein wildes Nutriapärchen und die Fische. Entspannung pur.

Wunderbar geschlafen. Frühstück in der Sonne. Klärendes Telefonat mit Heidi. Alles gut. Hoffentlich.

Das Wetter ist ideal zum Radfahren. Nach Bad Essen sind es circa elf Kilometer immer am Kanal entlang. Aber der Wind. Auf der Hinfahrt käme er direkt von vorne. Die ganze Strecke Und das kräftig. Mal schauen. Erst einmal nach Preußisch Oldendorf und fürs Wochenende einkaufen. Die mir empfohlene Eisdiele spare ich aber höchstwahrscheinlich fürs nächste Mal auf.

An den folgenden Tagen dann doch endlich ausgiebige Fahrten am Kanal entlang. Jeweils am späten Nachmittag lässt der Wind nach und dann macht es auch Spaß.

Ich finde bei der Gelegenheit nahe Bad Essen einen Zwetschgenbaum mit reifen Früchten. Der steht eigentlich auf dem Grund und Boden der Deichanlage und ist daher im Besitz des Wasser- und Schifffahrtsverbandes. Das sieht aber ein Anwohner anders und pflaumt mich (den Früchten entsprechend) an. Ich will keinen Streit und gebe mich mit einer Handvoll für auf den Weg zufrieden.

An einem Abend kommt ein Kumpel von Heinz vorbei und gibt am Abend ein Platzkonzert. Heinz, der in einem seiner früheren Leben mit einer Band „durchs Land zog“ kann sich nicht zurückhalten und so wechseln sich die beiden mit Musizieren ab. Ein schöner Abend. Mir gefallen die Eigentexte von Heinz am besten. Texte, bei denen sich das Zuhören absolut lohnt.

An zwei Tagen schaut auch Bruno, ein Wiederholungstäter und Freund des Platzes, mit seiner Frau vorbei. Sein mobiles Heim ist der LKW, mit dem er früher als Obst- und Gemüsehändler sein Geld verdient hat. Die Postleitzahl auf der Adresse auf der Tür ist noch vierstellig. Ein schöner alter und sehr gut erhaltener Benz mit kubischer Kabine. Einer der letzten (wenigen) mit Klappkabine.

Es ist vor Hitze kaum noch auszuhalten. Dreimal täglich ins Wasser. Und heute (Donnerstag, den 2025-08-15) angefangen, hier auf dem Platz Eiskreationen herzustellen. Heute Schokoladeneis mit Wildkirschen und Apfelkompott. Die beiden Letzteren aus dem eigenen Garten.

Warum in der Ferne suchen, wenn das Gute liegt so nahe? Heute direkt neben der Einfahrt zum Möwennest einen vollen und reifen Pflaumenbaum entdeckt. Gleich abgeerntet. Soweit und -hoch ich gereicht habe. Da mein Tiefkühlfach leider schon mit Brom- und Himbeeren voll ist, habe ich Pflaumenmus gekocht. Die Küche benötigte hinterher eine Grundreinigung.

Täglich Gedrängel auf dem Mittellandkanal: Berufsschifffahrt, Freizeitboote, Kandier, Stand Up Paddel und Schwimmer.

Heute Abend hat Heinz mal wieder zur Gitarre gegriffen. Einige konnten dann irgendwann die Sonne beim Aufgehen beobachten. Schön war es.

Und heute gibt es Birnen, Bohnen und Speck. Alles aus frischen Zutaten. Birnen vom Nachbarbaum (inklusive Geschichten von Helmut, dem Grundstücksbesitzer), Bohnen vom Bauern und Speck vom Schlachter. Lecker wars. Und die Hälfte ist jetzt fertig eingefroren im TK-Fach.

2025-09-05 – Sonja hat Geburtstag – Zur Grillfete eingeladen

Wie immer zu diesen Anlässen (Sonjas alljährlicher Grillfeier) schlage ich mein Lager auf dem recht schönen Stellplatz des Örtchens Ottenstein bei Polle an der Weser auf. Mit Grillhütte, gemauertem Grill, Boule Bahn, Obstbäumen und Ver- und Entsorgung. Letzteres sei nur wegen der Vollständigkeit erwähnt.

Dazu muss ich mich aber leider von Heinz, Antje, Birgit und Thomas verabschieden. Das fällt mir ganz schön schwer. Denn die 29 Tage hier im Möwennest waren für mich in meiner oben beschriebenen Verfassung genau die richtige Entscheidung. Kurzes, schmerzloses und vor allem herzliches reihum Drücken. Dann hat für die Spinnweben an Big Blue die letzte Stunde geschlagen.

In Ottendorf steh ich dann erst einmal vor Sonjas leerem Haus. Ich habe es nicht mitbekommen, dass sie schon vor einiger Zeit umgezogen ist. Sie hat im Dorf sich und ihrem Sohn ein kleines Fachwerkhaus gekauft. Ein Telefonat füllt diese Wissenslücke und ich absolviere meinen Antrittsbesuch. Ist ja auch schon eine Weile her. Denn die beiden letzten Jahre war ich ja zu dieser Zeit anderswo unterwegs. Schön Sonja wieder zu sehen. Sie sieht gesünder aus als früher: Sie hat ihre Diabetes gut im Griff und macht jetzt einen stabileren Eindruck. Und ihre neuen Zähne – das hat sie ja ausführlich bei Facebook berichtet – sehen wirklich klasse aus.

Gegen Abend mache ich mich über die Pflaumen-, Apfel- und Birnenbäume des Stellplatzes her. Daraus werden dann wieder einige Gläser Pflaumen- und Apfelmus.

2025-09-06 – Sonjas Geburtstagsfeier

Ich komme heute etwas schwer in Gang. Aber gegen 15:00 Uhr, also eine Stunde verspätet schlage ich dann am Ort des Geschehens auf. Ihr Sohn grillt mit Hingabe und die beiden großen Tische sind gut besetzt. Allerdings, aus ihrer/unserer Wohnmobilisten Scene (vor allem Spanienüberwinterer, ehemals Ziegenwiesler) ist nur noch ein Pärchen da. Die anderen sind hauptsächlich Sonjas neue Freunde und Freundinnen aus dem Dorf. Daher sind die gemeinsamen Themen nicht sehr üppig. Aber es entwickelt sich. Alles in allem ein schöner Tag. Irgendwann, mit Einbruch der Dämmerung löst sich unser Kreis auf und ich mache mich mit meiner Monkey auf den Heimweg. Mit dem Fahrrad war mir schon am Mittag klar, dass mir der Berg im Ort am Abend zu steil bergan sein wird.

2025-09-07 – Richtung Rinteln nach Großenwieden

Hier oben auf dem Berg von Ottenstein ist es mir heute zu windig, als dass ich hier noch länger verweilen möchte. Ich bringe Sonja noch eine Kette unserer selbst angebauten getrockneten Chilischoten. Anschließend mache ich mich Richtung Rinteln auf den Weg.

Der Stellplatz an der Fähre von Großenwieden (ich und wir sind hier mittlerweile so häufig, dass da unser Namenschild schon angebracht ist) ist dieses Mal gegen 13.00 Uhr noch so voll, dass ich erst einmal keinen Platz bekomme. Mensch, heute ist Sonntag! Müssen die Leute nicht langsam nach Hause und sich für morgen für ihre Arbeit vorbereiten?

Mein Nachfragen bei den fünf Wohnmobilen ergibt, dass mein Lieblingsplatz, ganz rechts, in zwei Stunden frei wird. Es gibt also doch noch die arbeitende Bevölkerung.

So packe ich Tisch und Stuhl – ich habe ja nur noch einen, der andere ist mir ja im Möwennest zerbrochen – aus und lese erst einmal eine Runde. Anschließend radele ich mal Richtung Rinteln. Das haben wir auf dieser Seite der Weser noch nie gemacht. Mal eine neue Stecke ausprobieren. Aber nach circa fünf Kilometern drehe ich dann um. Mich nervt der Wind von vorne und an dieser Stelle hätte ich auf die Autostraße wechseln müssen.

Hier auf dem Plätzchen begutachte ich dann mal die Obstbäume. Die Kirschen sind natürlich durch. Äpfel gibt es hier nicht, aber mehrere leckere Pflaumenbäume. Und die sind genau auf den Punkt reif. Das Pflücken ist dann zumindest an einem der Bäume etwas sportlich, denn im Stamm haben sich Hornissen ein gigantisches Zuhause gebaut. Die Gemeinde hat diesen Baum weiträumig eingezäunt, damit die Kinder vom angrenzenden Spielplatz nicht in Gefahr kommen. Von hinten komme ich trotzdem an diesen Baum ran. So habe ich dann für morgenfrüh für meinen Frischkornbrei ausgesorgt.

Ein grandioser Sonnenuntergang. Die für heute angesagte Mondfinsternis mit „Blutmond“ verkneife ich mir. Ich bin müde.

2025-09-08 bis – 2025-09-11 – Warten auf Heidi in Rinteln zum Bauern- und Holzmarkt

Heidi wünscht sich mit mir den oben genannten Markt am kommenden Wochenende in der Stadt Rinteln, in der sie ihre Kindheit verbracht hat, zu besuchen. Eine ähnliche Nummer wie oben unser Intermezzo auf dem Brockser Heiratsmarkt. Daher warte ich hier die Zeit ab um dann am Donnerstag oder Freitag auf dem Stellplatz in Rinteln noch einen guten Platz vor dem Ansturm der Marktbesucher in ihren Wohnmobilen zu ergattern.

Leider ergibt sich ein ganz anderes aber sehr großes Problem. In der hiesigen Region (und auch in den angrenzenden) hat sich die Staupe ausgebreitet. Für Hunde eine tödliche Gefahr. An dieser Stelle rächt sich, dass wir unseren Hunden immer nur die nötigsten Impfungen verpasst haben. Und Staupe war bislang kein Thema. Und auf die Schnelle ist diese Impfung nicht nachzuholen um wirksam zu werden. So muss Linda wohl zuhause bleiben, was zu Folge hat, dass mein Schatz nur tagsüber hierherkommen und nicht hier übernachten kann. Das ist doof. Aber nicht zu ändern.

Ein Ausflug nach Hessisch Oldendorf mit dem Rad macht echt Spaß. Der Weserradwanderweg verläuft hier vornehmlich direkt am Ufer des Flusses. Die alten Baggerseen, an denen ich vorbeikomme, sind leider im Besitz von Angelvereinen, die mit Todesstrafe drohen, wenn man diese betritt oder in ihnen badet. Immer dasselbe, wenn Deutschen, die sonst nichts zu sagen haben, mal „Macht“ verliehen wird. Dann müssen sie das immer gleich ausnützen um anderen zu sagen was geht und was nicht.

Aber entlang des Weges sind alle Bäume der Obstallee mit gelben Schleifen geschmückt. Auch hier sind die Kirschen schon durch, aber Pflaumen, Äpfel und Birnen sind erntereif. Leider sind die Bereiche der Bäume, an die man ohne Leiter oder sonstige Hilfen rankommt, schon abgegrast. Und mit Big Blue darf ich hier nicht fahren und wie ich meine Leiter die drei Kilometer dort hinbekommen soll weiß ich auch nicht. So bleibt mir nur schmachtenden Blickes weiter zu strampeln.

In Hessisch Oldendorf ist schon beim Überschreiten der Ortsgrenze eines nicht zu übersehen – hier leben nicht nur viele Menschen mit Migrationshintergrund. Nein, sie haben mittlerweile viele Bereiche, für die die Deutschen sich nicht mehr begeistern können oder wollen, ihren Stempel aufgedrückt. So passiere ich zum Beispiel ein Grundstück, auf dem mit Nutzfahrzeugen aller Art gehandelt wird, aufbereitete Wracks saniert und unter freiem Himmel lackiert werden. In der Fußgängerzone dominieren Kebab- und Döner Buden, italienische Restaurants und Eisdielen. Aber auch Metzgereien (ja es gibt sie noch, auch im Stadtkern), Bäckereien, Brillen- und Möbelgeschäfte sowie Handwerksbetriebe bis hin zu den Supermärkten in der Peripherie firmieren unter Namen wie „Istanbul…“, „Halal“, „Türk…“, „Bulgar…“ oder weisen einen nahöstlichen Besitzernamen aus. Und überall herrscht geschäftiges, orientalisch anmutendes, Treiben. Es ist nicht zu übersehen: Es wird gearbeitet. Nur im Biergarten eines „Gastronomie“ Betriebes, ein Sport Café mit Sky TV, drängt sich die stramm deutsche Kundschaft: Betrunken, laut AFD-Parolen grölend und vorbeiziehende Stadtbesucher beleidigend. Alles Männer im besten arbeitsfähigen Alter, die hier während der besten Arbeitszeit ihr Bürgergeld in den „Wirtschafts“ Kreislauf pumpen. Aber vielleicht haben die ja auch keine andere Chance, denn ich kann jeden Unternehmer verstehen, der davon absieht, diese in seinem Betrieb mit durchzuschleppen.           
Im Übrigen ist das für mich nichts Neues. Schon letztes Jahr habe ich bei meiner Tour die B3 entlang Gleiches – vor allem in den Kleinstädten – beobachtet. Mir graut davor, wenn in unserem Land wirklich die Meinung – dass wir die hier lebenden Ausländer ausweisen müssten – sich durchsetzt und auch umgesetzt wird. Mit unserer Bürgergeldtruppe werden wir die Löcher, die wir damit reißen, nicht annähernd auffüllen können!

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