Warmlaufen oder auch Vorspiel genannt
Dieses Jahr habe ich mir zwei Monate reserviert um meinem (verbliebenen) Reisetrieb nachzugehen. Wie es immer so ist, kommt dann doch was dazwischen. In diesem Fall mein Fußpflegetermin bei meiner lieben Podologin Tiana. Sie hat sich in ihrem Griechenlandaufenthalt Corona eingefangen und muss daher meinen Termin so – für mich -ungünstig verschieben. So ist meine im Folgenden beschriebene Reise zweiteilig: Vorab ein Wochenende in Ventschau bei einer Wohltätigkeitskonzertveranstaltung und anschließend nach einem kurzen Zwischenaufenthalt zu Hause auf unserem Hof dann die „große“ Tour. Meinen ursprünglichen Plan, die Oder auf der östlichen Seite von der Mündung bis zur Quelle zu bereisen, habe ich gegen die B3 vom Norden bis zum Süden, dann die Donau bis zum Main-Donau-Kanal, den Main Richtung Westen, den Rhein Richtung Ruhrpott und dann am Mittellandkanal nach Hause. Mal sehen, wie weit ich kommen werde? Und in wieweit ich anfangs von der „Hauptsaison“ ausgebremst werde?
2024-08-01 – Start nach Ventschau
Heute geht es los – die letzten Tage war ich noch mit Ernten, Reparaturen in Haus und Hof und dem Beladen von Big Blue beschäftigt. Und – wie sollte aus auch anders sein – auf den letzten Drücker muss ich noch an Big Blue schrauben. Der Auspuff zwischen Turbolader und Auspuffklappenbremse ist mal wieder durchgerostet. Andreas, mein Lieblings-LKW-Schrauber hat ein Einsehen und hilft mir bei der Reparatur, obwohl er eigentlich gar keine Zeit hat. So habe ich deswegen keine Verspätung meines Reisebeginns zu befürchten.
Ach so ja: Fussel Philipp ist nicht gekommen, seinen Kram für sein PermaTogo abzuholen. Wenn das schon früher klar gewesen wäre, dann hätte ich schon früher starten können. Naja!



Ventschau als Start für meine diesjährige „Großbewegungsfahrt“ ist mir vor circa drei Wochen untergekommen. Die Leute hier veranstalten hier ein Benefizkonzert – eigentlich mehrere Konzerte – für die Kinder von Tschernobyl und Fukushima. Neben der Musik sind auch die Antiatombewegung und der Kampf gegen rechts ein Thema der Veranstaltung. So kann ich meinen diesjährigen Verlust der Kulturellen Landpartie – wegen meines Getriebeschadens bei der Anreise – versuchen etwas auszugleichen.
Nach entspannter Fahrt muss ich mich an der Einfahrt zum Anwesen hinter der LKW-Kolonne des Bühnenequipment Unternehmens einreihen. Aber schnell bekomme ich einen Stellplatz – eigentlich ist er für die Bewohner, die Künstler und Helfer vorgesehen – zugewiesen. Noch – heute ist ja Donnerstag und damit ein Tag vor Veranstaltungsbeginn – ist nicht viel los. Aufbau eben. Und viele Menschen, die Lebensmittel vorbereiten für die verschiedenen Essstände vorbereiten. Dort finde ich, nachdem ich mir das ganze Anwesen angeschaut habe und (erfolglos) versucht habe mit dem Fahrrad nach Dahlenburg zu fahren um dort meinen ganzen vergessenen Kram – Apfelsaft, Tee und Balsamico – einzukaufen, meine Beschäftigung für die nächsten Stunden: Zucchini, Mohrrüben, Zwiebeln, Knoblauch, Gurken und Kohl für ein großes Kichererbsen Curry schneiden.
Von den Unmengen Knobi kleben mir die ganzen Finger zusammen. Aber so erfahre ich aus den Gesprächen mit meinen Mitputzern, vor allem -Putzerinnen, sehr viel über die Region – das hier gehört genau genommen nicht mehr zum Wendland –, die Leute hier und das Projekt E-Ventschau. Besser konnte ich es nicht treffen.






Irgendwann bietet dann eine Gemüsemitstreiterin an, mir, sie muss noch mal was Einkaufen, mir Tee und Saft mitzubringen. So ist dann auch mein Saft für mein Müsli und mein Hauptgetränk „Grüner Tee“ gerettet.
So gehe ich dann auch irgendwann gegen 22:30 Uhr ins Bett und schlafe wie ein Toter bis 10:00 Uhr durch.
2024-08-02 – E-Ventschau, zwischen Gemüse putzen und drei Konzerten
Nach meinem Frühstück gehe ich so gegen 12:00 Uhr auf den Festplatz. So lande ich wieder bei den GemüseputzernInnen. Die Küchenverantwortlichen haben über Nacht entschieden, dass das gestern vorbereitete Gemüse wohl nicht ausreichend für die zwei Tage ist. Heute wird die Arbeit schon mal auch mit Probeessen versüßt.

Ab 19:00 Uhr beginnt dann das Musikprogramm. Mir gefällt von der Musikrichtung her Amy Montgomery am besten. Auch wenn ich nicht verstehe, warum bei gemischten Bands die Mädchen immer halb nackt auf der Bühne stehen müssen, während man bei den Jungs höchstens mal ein nacktes Handgelenk sieht.


Funkindustrie höre ich mir nicht bis zum Ende an. Funk ist nun mal nicht mein Ding.
2024-08-03 – E-Ventschau, der zweite Tag
Auch heute lange geschlafen. Frühstück gegen 11:00 Uhr. Dann erste Runde über den Platz. Da auch heute das Programm erst gegen 15:00 Uhr losgeht, mal die ganzen Essstände angeguckt: Kichererbsen Curry, Pizza, Kuchen, Verschiedenes vom Weiderind und last but not least Eis und Crêpes, hergestellt aus hofeigenen Früchten und Zutaten. Dieser Stand findet meine besondere Beachtung. Wegen des absolut leckeren Eises! Und das Kichererbsen Curry.


Das Musikprogramm ist heute leider nicht so meins. So passt es ganz gut, dass die anfängliche Hitze von heute Morgen nachlässt und ich so eine Wanderung durch die angrenzenden Wälder unternehmen kann. Zum Radfahren ist es mir hier zu hügelig.
Aber so komme ich dazu, mir die Info-Stände, die hier präsent sind, genauer anzuschauen. Es ist eben immer wieder was anderes bei solchen Veranstaltungen, ob man sich nur der „Unterhaltung“ hingibt oder auch die oft nur im Hintergrund wahrgenommenen Infos zum „eigentlichen“ Thema aufnimmt. So erfahre ich sehr viel über die Standortsuche nach einem geeigneten Endlager für unseren Atommüll. Am beeindruckendsten für mich ist, dass die verschiedensten Protagonisten auf diesem Gebiet sich wohl einig darüber sind, dass das gesamte Verfahren eigentlich nur dazu geeignet ist, die Bevölkerung über das, was dort passiert und was eigentlich nötig wäre, im Unklaren zu lassen. Eine Beruhigungs- und Ablenkungspille fürs Volk.

2024-08-04 und 2024-08-05
Rückfahrt nach Hause und Fußpflegetermin. Und auf dem Hof noch die letzten Vorbereitungen treffen, die Heidi dann das zweimonatige Leben ohne mich erleichtern sollen. Denn es steht ja noch die Ernte von Bohnen, Äpfeln (für unsere 200 Liter Saft), Birnen, Zucchini und Kürbissen aus. Darüber hinaus noch einmal alle Flächen, vor allem die für unsere Wohnmobil Gäste, mulchen und Heidi eine Einweisung in unseren Trecker geben.
2024-08-06 – Rücken sie vor auf START (… der B3 bei Neu Wulmstorf)
So, heute ist es soweit. Es sagt sich ein heißer Sommertag an – 27° bis 31° C. Gegen 11:00 Uhr komme ich los. Von Anfang an ist eines klar: Ich reise in der Hauptsaison. Die Strecke über Hoya, Verden, Rothenburg (Wümme) nach Neu Wulmstorf ist heute mächtig befahren, was nicht nur daran liegt, dass viele diesen Weg über die Bundesstraßen als Ausweiche von der A27, A1 und A7 nutzen. Es sind einfach noch viele Urlauber und damit auch Wohnmobile unterwegs.
Der Start der B3 ist recht unspektakulär. Egal ob man die B3 oder die B3n dafür hernimmt. Es geht einfach auf einer Kreuzung los. Ich suche mir für heute erst einmal ein Quartier für die Nacht. Ich klappere einige Möglichkeiten, angefangen von östlich des Airbuswerkes bis hin zum Stellplatz „Neuenschleuse“, ab. Entweder völlig unattraktiv oder mit PKW komplett zugeparkt. So bleibe ich an der „Neuenschleuse“ hängen. Auch nicht so der Traum so hinterm Deich und damit kein direkter Blick auf die Elbe. Aber oben auf dem Deich stehen zwei Bänke, die sich noch sehr passend erweisen werden zum Beobachten des Treibens in der Marine und der großen Pötte. Und nicht zuletzt fürs Frühstück. Und in wenigen 100 Metern Entfernung finde ich auch ein paar Badestände. Nicht zu unterschätzen bei den heutigen Temperaturen. Denn nach meiner Radtour bin ich sowas von durchgeschwitzt, dass ein kühlendes Bad genau das Richtige ist, um sich für den Abend noch einmal frisch zu machen.




Und am Nachmittag läuft hier noch ein Kurzhauber auf. Die beiden Reisenden sind auch schon älteren Baujahrs und schon viel rumgekommen. Die wollen mit ihrem Auto morgen nach Hamburg rein. Da kann ich mir was schöneres vorstellen.
2024-08-07 – Jetzt geht’s auf der B3 durch die Lüneburger Heide bis Soltau
Nach meinem Frühstück, einer weiteren Radtour – dieses Mal Stromauf – und einem Schweißabwaschbad komme ich dann gegen Mittag los. Der Startpunkt der B3n ist dort, wo für die A26 im Kreuzungsbereich gerade noch eine Brücke eingesetzt wird. Irgendwie sieht mir die Straßenführung, vor allem die Straßenbenennung nicht so ganz zu Ende gedacht aus. Es soll wohl mit diesem Straßengewirr hier vor allem Airbus an das Fernstraßennetz angeschlossen werden. Nun ja. Nach circa sechs Kilometern ist diese B3n auch schon wieder Geschichte. 1,5 Kilometer geht es jetzt über die B73 zur eigentlichen B3 Richtung Süden. Bei der Abfahrt Rade kreuze ich die A1. Diese ist wie immer in den Ferien völlig überfüllt. Und der Ausweichverkehr nervt dann auch auf meiner Piste.
Seit einigen Kilometern stehen am Straßenrand auch wieder die Wohnwagen, die hier bis südlich von Celle ihre „Verkehrsentspannungsübungen“ anbieten.
Bis Heber nimmt die Landschaft dann auch immer mehr Heidecharakter an. Die Erika blüht schon und einige Heidschnucken Herden drängen sich in mein Sichtfeld. In Heber schwenkt die B3 dann Richtung Osten zur A7. Vernünftiger wäre eine Geradeausführung bis Soltau. Denn dort treffen sich diese beiden Trassenführungen wieder zusammen, nachdem die B3 von der Abfahrt Schneverdingen bis Soltau über die Autobahn geführt wird. Keiner weiß, warum.

Auf der Strecke ab Sprötze habe ich mir Übernachtungsmöglichkeiten angeschaut. Aber alles nicht für mich nutzbar. In der Regel alles einfache (Wander-) Parkplätze ohne Übernachtungserlaubnis. Und da die gesamte Lüneburger Heide Landschafts- und Naturschutzgebiet ist, ist das Übernachten hier grundsätzlich nicht erlaubt. Außerdem liegen die Plätze mir zu dicht an der Straße und sind daher nicht unbedingt leise.
So klemme ich mich an den bewaldeten Rand auf den Parkplatz der Therme in Soltau. Hier bin ich zwar nicht alleine, aber auf dem Platz verläuft es sich doch ganz schön.
Vor dem avisierten Starkregen – den ich bei der heutigen Schwüle sehsüchtig erwarte – noch schnell mit dem Rad in die Fußgängerzone und ein leckeres Eis essen. Der Regen kommt dann auch in der Eisdiele über mich. Aber unter der Markise bleibt es trocken und ich kann meiner Lust, Menschen zu beobachten, weiter frönen.
Es ist nur ein Schauer. So komme ich dann trocken wieder zu meinem rollenden Heim. Ich friere noch die auf dem Parkplatz „Am Wacholderpark“ frisch gepflückten Brombeeren ein. Nur zur Sicherheit um eventuellen Kontaminationen mit dem kleinen Fuchsbandwurm vorzubeugen.

Einige der von zuhause mitgenommenen eigenen Tomaten müssen aufgebraucht werden. So gibt es heute Abend Tomatensalat und zwei Spiegeleier. Und ich fange ein neues Buch an: Prada, Pumps und Babypuder von Sophie Kinsella. Zurzeit liebe ich Beziehungsschmonzetten.
2024-08-08 – Heutiges Ziel soll Wasser im Allgemeinen sein
Heute ist es zwar nicht ganz so schwül wie die letzten Tage. Aber trotzdem möchte ich die kommende Nacht an einem Gewässer verbringen.
Etwas abseits der B3 finde ich in Hambühren an der Schleuse einen kleinen Parkplatz. Der Parkplatz ist nicht so ganz mein Traum. Aber gerade groß genug um auch Big Blue ausreichend Platz zu bieten. Die Selbstbedienungsschleusenanlage ist aber vom dortigen Heimatverein in ein kleines Schmuckstück verwandelt worden. Ein richtiger Hingucker. Und ich packe auch noch mein Rad aus und toure hier ein bisschen rum. Schön ist es hier. Und Baden und Kanufahren kann man hier auch.








Trotzdem möchte ich dann doch noch etwas weiter. So schaue ich mir den Kirchhorster und den Altwarmbüchener See an. Beide haben schöne Badestrände deren Nutzung nichts kostet. In Kirchhorst ist es nur sehr laut, da die Autobahn direkt vorbeiläuft. Aber im Gegensatz zum Altwarmbüchener See könnte ich hier übernachten ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass ich wegen irgendwelcher Gesetzesverstöße des Nachts geweckt werde. Trotzdem entscheide ich mich für den Altwarmbüchener See. Das Parkplatzzusatzschild, welches darauf hinweist, dass der Parkplatz nur für PKW gedacht ist, ignoriere ich mal. Mit dem Rad einmal um den See, das sind circa neun Kilometer, eine Runde Schwimmen und es ist schon wieder zeit fürs Abendessen. Geschmorte Zucchini, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, rote Beete und ein bis zwei Eier. Das soll dann den heutigen Abend beschließen. Nun gut, noch mein Buch weiterlesen.



2024-08-09 – An die Badestellen in Hemmingen oder Gronau
Meine Befürchtungen, dass ich heute Nacht gestört werde – entweder durch posende PS-Protze oder Behördenmitarbeiter – sind nicht in Erfüllung gegangen. Habe geschlafen wie ein Stein. Dabei habe ich nicht einmal mitbekommen, dass sich gestern Abend noch drei andere Wohnmobile auf dem Platz ihr Nachtquartier gefunden haben. Haben sich gut hinter den hohen Hecken verteilt. Nur einer meinte, Kuscheln zu müssen. Die sterben scheinbar nicht aus.
Frühstück, Radeln und eine Runde Schwimmen, dann geht’s wieder los. Mal schauen, wie die Badestelle in Hemmingen aussieht. Der Parkplatz sieht ganz gut aus. Ein großer, etwas vernachlässigter Platz mit großen Hecken rundherum, an die ich mich so anlehnen könnte, das mir keiner auf den Pelz rücken kann. Aber die hiesige Badestelle ist ein Naturschwimmbad mit Zaun drum herum und Eintritt. Außerdem hat es geschlossen. Nur am Nachmittag darf man hier schwimmen. Und die kleinen Zugänge auf der anderen Seite des Sees sind nicht wirklich ansprechend. So mache ich mich aus den Weg weiter Richtung Süden. Nach Gronau.
Auch hier ein großer Parkplatz am (kostenpflichtigen) Freibad. Hier ist aber der Zugang zum Ortszentrum schöner. Über kleine Brücken komme ich mit dem Rad schnell zum Zentrum. Hier ist Markt. Die Chance, mir eingelegte Oliven zu kaufen. Und die Eisdiele zu plündern. Der großen Brombeerhecke am Wegesrand muss ich wohl heute Abend noch einmal einen Besuch abstatten.
2024-08-10 – Platzwechsel nach Bühren
Die Nacht war nicht besonders lang. Wie so häufig, wenn man an Sportstätten oder (Frei-) Bäder(n) steht, herrscht bis spät abends und ab früh morgens doch ein recht lauter Verkehr. Und auf gechlortes Freibad habe ich auch nicht so einen richtigen Bock. Da ich mich für Dienstag mit Michel und Kerstin in Großalmerode verabredet habe und vorher noch in Espenau bei Belluna vorbeischauen möchte, fahre ich schon mal weiter zu dem mir bekannten und geliebten Stellplatz „Alter Festplatz“ in Bühren.
Auf dem Weg dorthin tanke ich noch einmal Trinkwasser und entsorge mein Grauwasser auf dem Stellplatz in Freden. Ein etwas vernachlässigter Platz wiederum in der Nähe der Sportanlagen. Nachdem ich dort meine oben genannten Geschäfte erledigt habe, fällt mir ein Hinweisschild auf, auf dem dieser Platz vom Bürgermeister als kostenlos gepriesen wird. Nur Strom und Trinkwasser kosten am Automaten ein paar Münzen. Im letzten Absatz kommst dann: Trotz zwei vorhandener Ablassschächte ist hier die Entsorgung von Abwasser nicht möglich. Naja, muss ich mir fürs nächste Mal merken.
Zurück zur B3 ist wörtlich zu nehmen, denn die jetzt günstigere Auffahrt auf die Bundesstraße ist aufgrund einer Brückensperrung nicht möglich. Daher zurück nach Alfeld und dann weiter Richtung Süden. Es wird bergiger.
Nachdem ich die B3 verlassen habe, treffe ich in den Dörfern am Straßenrand auf auffällig viele Handwerker, die vor ihrer Baustelle gerade „Brotzeit“ machen. Schöne Bilder. Ich überlege ob ich beim nächsten Mal anhalten werde. Aber wie es immer so ist. Irgendwie für Big Blue kein richtiger Platz vorhanden. So bleibt es nur bei „Smalltalks“ durchs Seitenfenster. Macht aber auch Laune.
Der „Alter Festplatz“ ist heute zur Abwechslung (kenne ihn eigentlich immer nur leer) mit sieben Autos belegt. Auch UPS aus Berlin ist schon da.
Nach meiner obligatorischen Fahrradrundfahrt und einen kleinen Happen zu Essen, klöne ich mit den Berlinern. Sie haben eine ganz tolle dreibeinige Hündin dabei. Die legt sich immer ganz entspannt zu mir ans Auto, wenn die beiden mit dem Rad unterwegs sind. Sie kommt aus Bühren und Freunde leben hier immer noch.
Die kommen dann auch am Abend mit Fisch hier aufgelaufen. So wird dann Lagerfeuer und Grillen zur Pflicht. Irgendwann gegen 23:00 Uhr bin ich dann bettreif.
2024-08-11 – Pause in Bühren
Da das Wetter immer heißer wird – die nächsten Tage sollen wieder mal alle Rekorde gebrochen werden, 34°C und mehr – will ich heute mal hierbleiben. Nicht zuletzt, weil es mit den beiden UPS-lerInnen aus Berlin hier viel Spaß macht. So vertändeln wir den Tag im Schatten, auf dem Rad und in den Brombeerhecken. Die ersten reifen Äpfel sind auch dabei.




Aber morgen werde ich auf alle Fälle zu Belluna fahren. Sind ja nur circa 40 Kilometer. Mir Ersatz für meine kaputte Eisfachklappe holen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal wird heute Abend wieder ein Lagerfeuer entzündet. Dieses Mal ohne Grillen. Einfach so.
2024-08-12 – Nach Espenau und Calden
Wie oben schon angekündigt geht es heute nach Espenau zu Belluna um eine neue Klappe für mein Frostfach im Kühlschrank zu holen. Wie immer ist der Besuch bei dieser Firma ein Erlebnis. Es wird kurzerhand von einem anderen Kühlschrank die entsprechende Klappe abgebaut und mir gegeben. Die eine Schraube um sie zu montieren kann ich selber raus und rein drehen.
Nach dieser unkomplizierten Schadensregulierung kommt jetzt aber das Wetter voll durch. 34°C ist kein Spaß mehr und so schleppe ich mich noch die zweieinhalb Kilometer zum Waldschwimmbad nach Calden. Hier war ich schon einmal und ich weiß was mich hier erwartet: Ein schattiger Stellplatz und ein Besuchens wertes Naturfreibad – mit Restaurant. Was oder wen ich hier aber nicht erwartet habe: Die beiden UPS-lerInnen aus Berlin. Denn die wollten ja nach Bad Wildungen. Haben aber erkannt, dass bei diesen Temperaturen ein Stadtbummel nicht so das pralle vom Leben ist. So schwimmen wir gemeinsam unsere Runden und anschließend trinken wir noch ein abendliches (Weizen-) Bier und essen Jägerschnitzel, Pommes, Salat und Currywurst.

Dabei spreche ich den Restaurantbetreiber auf seinen Sperrschrott hinter seinem Haus an: Ich kann gerne alles mitnehmen ist seine Antwort – eine Waschmaschinentrommel (als Lagerfeuertopf) und Heliumgasflaschen (als kleine Feuertöpfe – mit einem Plasmaschneider schöne Motive reinschneiden). So macht meine Werkstatt in Big Blue jetzt den Eindruck einer Bombenbastlerbude.
2024-08-13 – Großalmerode – Michel und Kerstin besuchen
Es sind schon wieder 30°C mit steigender Tendenz. Also frühstücken, eine Runde schwimmen (gegen die Schweißablagerungen), mich von den BerlinerInnen verabschieden – die beiden meinen, dass wir uns jetzt wohl nicht mehr treffen werden, denn sie werden nicht mehr nach Bad Wildungen fahren, sondern an den Bodensee. Wer’s glaubt. Denn das ist die gleiche Richtung in die ich mich bewegen werde – und los geht’s.
Nach wenigen Kilometern, also kurz vor Kassel zeigt das Thermometer schon um die 34°C an. Der Zustand des durchgeschwitzt seins ist also erreicht.
Ich muss noch mal in einen Lebensmittelladen. Bisschen einkaufen. Als ich wieder rauskomme staune ich nicht schlecht: 40°C auf dem Parkplatz. Also bloß schnell weiter.
Der Stellplatz in Großalmerode ist eine recht geräumige Wiese direkt an dem kleinen Bächlein. Leider kommt man da aber nicht ran. Ver- und Entsorgung sind auch vorhanden. Und ein bisschen Schatten ist auch zu finden. Aber hier ist der Boden doch noch feucht und weich.
Ich habe gerade meine Plünnen rausgestellt, da höre ich aus der hinteren Ecke immer einen „Hallo“ rufen. Irgendwann ändert der Rufer seinen Text und schreit um „Hilfe“. Das ist dann ja eine eindeutige Aussage und ich gehe dort mal hin. Er liegt vor seinem Wohnmobil und ist wohl rausgefallen und hat sich das Knie so verletzt, dass er nicht mehr aufstehen kann. Seine Golden Retriever Hündin bellt mich erst an, legt sich dann aber beleidigt an die Seite. Wohl weil ich sie nicht streicheln will.
Der „Patient“ hat schon den Rettungsdienst gerufen, die dann auch recht zügig kommen. Anschließend läuft dann sogar noch der Notarztwagen hier auf. Ich sage dem Verletzten zu, dass ich mich um seine Hündin und sein Auto kümmern werde bis sein Kumpel kommt und das Auto abschließt und die Hündin mitnimmt. So kann er sich unbekümmert in die Hände der schönen Rettungsassistentin geben und sich Richtung Krankenhaus transportieren lassen.
Mittlerweile sind auch Michel und Kerstin eingetroffen. Kerstin hat mir eine Zucchini und einen Kohlrabi aus ihrem Garten mitgebracht. Ganz viel Danke dafür.
Wir sitzen den ganzen Nachmittag zusammen und klönen. Die Beiden haben Interesse an meinem Besuch in Ventschau (siehe ganz oben in diesem Reisebericht) und wir tauschen uns auch über unsere Empfindungen unseres Besuchs in Silkerode aus.

Am Abend möchte Kerstin dann nach Hause, da sie zurzeit gesundheitlich etwas angeschlagen ist. Also gemeinsames Grillen fällt leider aus. Ist aber trotzdem eine wunderschöner Nachmittag gewesen.
Der Kumpel unseres Verletzten ist auch schon dagewesen und hat die Hündin abgeholt und räumt jetzt den Wohnkastenwagen aus.
Mittlerweile hat sich auch der Himmel zugezogen, es ist ein bisschen kühler geworden aber immer noch schwül. Für Nordhessen sind ja Gewitter, Starkregen und sonstige Unwetter angekündigt. Mal sehen was draus wird.
2024-08-14 – Zurück zur B3 – Fritzlar oder Bad Zwesten
Die angesagten Gewitter, Starkregen und sonstigen Unwetter sind ausgeblieben. Ein bisschen Geniesel und zwei Blitze und Donner, und das war es auch schon.
So mache ich mich auf den Weg.
Es geht mächtig Bergauf und -runter. Kurz vor Fritzlar passiere ich dann einen Luftwaffenstützpunkt, auf dem gerade mit Kampfhubschraubern Alarmstars geübt werden. Sind wir schon wieder soweit mit unseren Kriegsvorbereitungen? Wird ab morgen „zurückgeschossen“? Obwohl noch niemand her geschossen hat. Und das auch nicht tun wird, wenn wir ihm nicht noch weiter auf die Pelle rücken.
Der Stellplatz in Fritzlar ist ein riesiger Festplatz. Mit völlig ohne Schatten. Das ist nichts für mich. Aber die Entsorgung passt mir ganz gut in den Kram.
So fahre ich – jetzt wieder auf der B3 weiter nach Bad Zwesten, genauer nach Oberuff. Dort an den kleinen Waldsee. Auf dem Wanderparkplatz ist genug Platz, auch für den nicht gerade kleinen Big Blue.


Mit dem Fahrrad erkunde ich dann rund um das Gewässer die Umgebung. Ist hier recht unspektakulär. Mittelgebirge eben. So verziehe ich mich dann an die kleine Badestelle am See, schwimme meine Runden – irgendwie komme ich ständig mit den Füßen auf Grund, der See ist nicht besonders tief – und stürze mich dann wieder auf mein neues Buch von Fiona Walker, Zur Vorspeise einen Mann, zum Dessert die große Liebe!


Später versuche ich mit meinen Schwimmkünsten noch einmal auf der anderen Seite des Sees. Dort wo auch die Einheimischen schwimmen und sich sonnen. Hier ist der Einstieg einfacher und das Wasser ist gleich so tief, dass ich ohne Grundberührung lospaddeln kann. Anschließend auf der Wiese darauf gewartet, dass die Sonne meinen Kadaver trocknet. Und das tut sie sehr zuverlässig, selbst noch während der Dämmerung.
Auf dem Rückweg pflücke ich dann noch zwei 500g Joghurtbecher voll mit wilden Brombeeren, die ich dann noch einfriere.
Nach Einbruch der Dunkelheit spreche ich noch einen jungen Mann an, der auf „meiner Seeseite“ am Angeln ist. Er erzählt mir sehr viel über diesen See und wie die Eingeborenen hier mit Wohnmobilisten umgehen, die hier übernachten. Und erklärt mir, wozu die beiden Gebäude hier gedacht sind und wer sie gebaut hat: Als Festbühne und -platz fürs Dorf und gebaut von der freiwilligen Feuerwehr. Nebenbei erwähnt er noch, dass er ursprünglich aus Ungarn stammt und zuhause noch ein paar Bremer rumstehen hat, die er auch ausgebaut hat.
So, das ist dann genug für heute. Jetzt geht’s ins Bett.
2024-08-15 – Marburg
Bevor es heute losgeht, noch eine Runde schwimmen. Denn wenn ich mir so die weitere Route auf Google Maps anschaue, wird es mit Plätzen, an denen ich dann weiterhin dem kühlen Nass frönen kann, recht mau werden. Und so kommt es dann auch.
Der Campingplatz, den ich mir in Marburg auf der Lahn Aue rausgesucht habe, liegt so versteckt, dass ich den Weg dorthin nicht finde.
So fahre ich durch bis an den Weimarer See und klemme mich dort auf dem riesigen Parkplatz an den Rand an die Büsche. Trotzdem stehe ich in der knallen Sonne. Mein Rundgang, um zu erkunden wie der See so ist, ist ebenfalls ernüchternd: Ein Touri Hotspot genannt Seepark mit Aquaglide, Luftkissenkatapult, Wasserski, Standup Paddel und sonstigem Kram, den ich nicht brauche. Und laut ist es. Hier in Hessen sind noch Schulferien. Ich arbeite mich dann noch bis zum FKK Bereich vor. Der hatte mich ja hierhergelockt. Aber da hängen irgendwie auch gerade die Typen und -Innen rum, auf die ich gut verzichten kann.
Zurück am Auto quäle ich dann noch einmal Google Maps und finde in vier Kilometer Entfernung einen Bauernhof, der Stellplätze anbietet. Mit einem Standard im Kopf, wie wir ihn auf unserem Hof selbst anbieten bin ich guten Mutes. Aber leider nicht lange. Hier stehe ich auf einer Wiese gerade dreimal so groß wie Big Blue (auf diesen drei Stellplätzen glücklicher weise aber alleine), die zwischen Landesstraße und B3 eingeklemmt ist und wiederum keinen Schatten bietet. Aber zum nochmaligen Stellungswechsel ist es mir schon zu spät und ich habe dazu auch keine Lust.
So statte ich einem kleinen „Künstler Café“ einen Besuch ab. Hurra, sie haben auch Eis, bieten dieses aber nur (!) im Eiscafé, Eis Kakao oder als Beilage auf Waffeln an. Aber nicht als Eisbecher. Der Himmel weiß, was dahinter der Plan ist.
Aber ich habe zwei Damen in meinem Alter als Tischgenossinnen. Die eine hat in ihrer Familie selbst ein Wohnmobil, die andere schmeißt sich immer mal wieder eine Matratze in ihren Kombi und geht damit auf (Nah-) Reisen. Aber seitdem ihr Hund gestorben ist, nicht mehr. Da sie ohne ihren Golden Retriever Angst hat. Und sie träumt von der Kulturellen Landpartie im Wendland, traut sich aber nicht.
Irgendwann zahle ich meine 12,50 € für eine Waffel und zwei Eis Kakao. Das habe ich mir teurer vorgestellt.
Zurück am Auto suche ich verzweifelt nach einer Möglichkeit in der Nähe in die Lahn einzusteigen. Ich hoffte ja, dass es so etwas hier gibt, da der Hof selbst damit wirbt, dass es hier die Möglichkeit gibt, Paddelboote ins Wasser zu lassen beziehungsweise wieder rauszuholen. Aber auch hier Fehlanzeige. So muss ich mir im Auto meinen Schweiß des Tages abwaschen und komme zu dem Schluss, dass 10,00 € für Nichts auf diesem Platz zu viel ist.
2024-08-16 – Nach Frankfurt oder doch zum Riedsee.
Bei meinem Telefonat mit Heidi heute Morgen, tue ich kund, dass es in Zukunft schwieriger werden wird, so schöne Plätze, wie die meiste Zeit bis hierher, zu finden: Landschaftlich- und
Ferienbedingt. So überlege ich mir von der groben Route B3 abzuweichen und vielleicht den Main oder den Neckar entlang zu fahren.
Aber im Ergebnis wird davon nichts. So möchte ich in Frankfurt am Main auf einen der beiden Campingplätze. Zur Sicherheit rufe ich dort an, ob noch was frei ist. Kurze Rede, langer Sinn: Am Wochenende ist in Frankfurt eine Veranstaltung – Iron Man. Und alles ist ausgebucht.
So versuche ich es am Riedsee – auf der Höhe zwischen Darmstadt und Oppenheim auf der anderen Seite des Rheins.
Auch dieser Platz ist voll, aber die haben noch eine Wiese für „Durchreisende“. Da müsste ich sowie drauf, auch wenn direkt am See noch was frei wäre. Denn mein Auto ist zu groß.
Bei Ankunft stehe ich dort fast alleine. Bis zum Abend wird es aber voller. Und die zwei Jungs mit ihren Segways machen hier machen hier den Einweiser. Der heimliche Chef der Beiden traut sich dann auch, mich zu fragen, ob er mal aufs Dach von Big Blue darf. Natürlich.
Und diese kleine Freundlichkeit zahlt sich dann auch gleich mit folgender vertraulichen Info aus. Der Badebetrieb ist hier offiziell um 18:30 Uhr vorbei. Und bis 19:00 Uhr wird das auch kontrolliert. Bis dahin müssen alle raus. Aber wir Camper haben ja eine Zugangskarte. Und ab 19:30 Uhr ist dann auch niemand mehr da, der das „Schwimmverbot“ noch kontrolliert. Und er weißt mich auf den unvergleichlichen Sonnenuntergang hin den ich hier genießen kann. Naja.

Der See ist schön zum Baden. Auch wenn er wegen Ferien in Hessen und der anhaltenden Hitze.


Ich bin am Überlegen, ob ich doch zwei Tage hierbleibe. Denn das kommende Wochenende wird sicherlich überall noch überlaufen sein. Und dann wieder irgendwo rumzustehen wo alles voll ist, das brauche ich nicht so dringend. Und ab Montag sind die Hessen dann von der Straße. Dann wird es entspannter. Mal sehen.
2024-08-17 – Einen Tag Pause am Riedsee
Schon direkt nach dem Frühstück bin ich reif für eine Badepause. Laut Wetterbericht liegt eine Nacht mit tropischen Temperaturen hinter mir: Beim ersten Aufwachen heute Morgen sind es schon – oder noch – 22°C. Und das Wetter schlägt wohl um. Westlich über dem Rhein hängen dunkle Wolken, östlich ist blauer Himmel mit kleinen Wölkchen zu sehen. Und ich mal wieder direkt an der Wetterscheide.

So mache ich mich mit dem Rad auf zum Rhein. Es sind nur circa vier Kilometer über befestigte Feldwege. Am Fluss angekommen kann ich vom Deich aus auf der anderen Seite einen (Bade-) Strand mit einem kleinen Campingplatz erkennen. Ich habe ihn ja gestern schon bei Oppenheim auf der Karte gesehen. Ein Wechsel darüber wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Aber die nächste Rheinquerung – Brücke oder Fähre – ist doch recht weit entfernt, so dass ich diesen Plan erst einmal verschiebe.
Heute Abend ist „spanische Nacht“ im Strandbad angesagt. Open End ist angekündigt. Mal sehen, ob und wieviel Betrunkene hier dann rumtorkeln.
2024-08-18 – Und noch ein Tag, jetzt Zwangspause, am Riedsee
Von der „spanischen Nacht“ habe ich fast nichts gehört. Und Betrunkene sind hier auch nicht grölend über den Platz getorkelt. Nur hysterisch quietschende Mädchen und (Jung-) Frauen haben sich deutlich bemerkbar gemacht. Irgendwie hat sich da was verändert. Ich kenne das von früher noch so, dass bei solchen „Besäufnissen“ vor allem die Männer in den akustischen Vordergrund gedrängt haben.
Eigentlich will heute ich weiter. Aber wie der Teufel es so will, sitzt dieser im Detail. Mein Datenvolumen ist aufgebraucht und die Nachbuchung lässt auf sich warten. So komme ich nicht an meine Routenpläne ran. Scheiß moderne Welt. Und auf Kartenmaterial sind ja heute bei weitem nicht die Informationen, die man im Netz findet oder hinterlegen kann.
So muss ich hier ausharren.
Ich nutze die Zeit, mit dem Rad die Nachbardörfer abzuklappern. In Leeheim ist Dorf- und Feuerwehrfest. Die haben ein neues Auto bekommen. Aber die Musik ist wie bei uns. Auch hier haben sie scheinbar keine eigenen Lieder. Nur solchen bayrischen Kram. Zum Beispiel „An der schönen blauen Donau“. Könnten doch auch „Warum ist es am Rhein so schön“ grölen. Naja. Ich habe sowieso kein Geld in der Tasche und kann mir daher auch kein Bier oder eine Wurst gönnen. So klaube ich mir auf der Rückfahrt am Straßenrand ein paar reife Äpfel von den Straßenbäumen. Dann war die Fahrt nicht ganz umsonst.



Anschließend eine Runde im See schwimmen. Das ist heute echt gewöhnungsbedürftig. Schön frisch. Und der Wind nimmt zu. Die ganzen letzten Tage als es so heiß war, dass man wie Butter auf der Straße zerlaufen ist, da wehte kein Lüftchen. Jetzt wo es sowieso kühl bis kalt ist, da fängt es an zu winden bis zu stürmen. Was soll das, du alter, weißbärtiger und -haariger Mann da oben im Himmel? Das hattest du schon mal besser drauf!
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Meine Gedanken schweifen ab: Natürlich ist dieser See mit seinem Badestrand ein touristischer Hotspot. Für Dauercamper, Reisende und natürlich für die Einheimischen. Bei gutem Wetter ist es hier randvoll. Die Kioske, Fress- und Getränkebuden sind voll bis überfüllt. Unterhaltungsangebote ziehen große Mengen an Menschen an und es pulsiert das Leben und es ist laut. Ich stehe diesem Treiben grundsätzlich voreingenommen gegen über. Aber wie ich hier so sitze und mir das Treiben so anschaue, erinnert es mich auch stark an das Kemp Jezero in Podebrady CZ. Dort standen wir oft bei unseren Fahrten nach Süd-Ost-Europa immer wieder. Auch dort ein Naturschwimmbad an einem Baggersee mit allen möglichen Touristenbelustigungen, die Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte auf den Leigewiesen, Kioske, Restaurants, Badezubehörstände, Surf- und Wasserskischulen. Und dort liebten wir das Treiben. Wo kommen die „Aversionen“ gegen das eigentlich Vergleichbare in unserem Land? Vielleicht liegt es ja daran, dass die Menschen dort anders drauf sind als hier bei uns? Oder liegt es nur daran, dass wir hier ihre Sprache und damit das was sie sagen auch verstehen und dort eben nicht?
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Gegen 15:00 Uhr habe ich wieder Netz und kann für morgen meine Weiterfahrt planen. Mal schauen. Ich gehe mal von circa 80 Kilometer aus, die ich weiterkommen möchte. Badeseen oder Rheinufer bevorzugt.
2024-08-19 – Richtung Süden nach Forst an den Heidesee
Da ich wieder auf meine Routenplanung zugreifen kann, baue ich nach meinem Frühstück und meiner Schwimmrunde ab, entsorge Klo und Grauwasser, bunkere Trink- und Toilettenspülwasser und mache mich auf den Weg. Ich will so um die 100 Kilometer schaffen um dann wieder an einem See oder am Rhein direkt zu stehen. Eigentlich das letztere, um mal wieder Schiffchen zu gucken. Leider sind die ganzen alten Nato Rampen mittlerweile entweder durch Beschilderung oder aber durch Höhenbegrenzungen für eine ruhige Nacht vermiest. So lande ich am Heidesee in Forst. Oberflächlich betrachtet etwas Ähnliches wie der Riedsee der letzten Tage. Aber er ist in öffentlicher Hand, und die hat – wie mir die Frau am Eingang erklärt – kein Geld mehr, das Personal zu bezahlen und hat daher das Schwimmbad zur einfachen Badestelle umgewidmet. Das hat den Vorteil für uns Gäste, dass die Nutzung des Stellplatzes, des Badestrandes und der Duschen kostenfrei ist. Der Nachteil ist aber auch klar: Dieses Angebot wird es nicht mehr lange geben, da es dem Verfall preisgegeben ist und daher dann in wenigen Jahren – wie es in Deutschland üblich ist – aus versicherungstechnischen Gründen komplett geschlossen werden muss.


Nichtsdestotrotz, ich fahre erst einmal mit dem Rad ins Dorf und suche den öffentlichen Bücherschrank auf. Denn meine Lektüre geht dem Ende entgegen. Zu meinem Erstaunen finde ich Perry Rhodan Bücher in rauen Mengen. Diese Sciencefiction (Groschen-) Heftchen habe ich früher verschlungen. Aber das war eine andere Zeit. Weiterhin muss ich feststellen, dass die hiesigen Badenser scheinbar einer anderen Lektüre frönen als ich es als Niedersachse gewohnt bin und bevorzuge. Trotzdem finde ich einiges Lesenswertes, was jetzt mein Bücherregal ziert.

Auf dem Rückweg möchte ich noch auf dem Marktplatz, auf dem gerade der Wochenmarkt abgebaut wird, in der Eisdiele einkehren. An der Tür wird mir per Anschlag mitgeteilt, dass die italienische Betreiberfamilie Urlaub macht und daher geschlossen ist. Meine Güte, das ist ja mal wieder eine Planung – im Winter geöffnet und im Sommer geschlossen. Wohlgemerkt, wir reden hier von einer Eisdiele und nicht von einer Lebkuchenbäckerei oder einem Glühweinstand! Unbegreiflich.
Eine Runde Schwimmen und anschließendes Sonnen auf der Liegewiese rundet den Tag ab.
Jetzt hat sich noch eine Feuerwehr neben mich gestellt. Aber die beiden gehen nur eine Runde schwimmen und rasen dann weiter Richtung Bodensee. Als Segeberger möchten sie mal Süßwasser sehen und haben wenig Zeit, da noch keine Rentner.

Beim Abendessen schmeiße ich leider eines meiner Kozel-Gläser vom Tisch und es zerspringt in kleine Scherben. Das ist kein gutes Ende des heutigen Tages. Aber leider nicht mehr zu ändern. Der Glasmüllcontainer steht ja in Sichtweite.
2024-08-20 – Offenburg – Mal ein bisschen Kilometer machen
Heute Morgen kommt dann ein Ordnungsamtsbeamter in Polizeiuniform vorbei uns klärt uns auf, dass das Campen hier nicht erlaubt ist: Ich frühstücke draußen, andere haben die Leiter ausgefahren, den Fußabtreter draußen liegen, stehen teilweise auf Keilen oder haben die Markise ausgefahren. Er empfiehlt uns an den benachbarten See zu fahren, dort wäre ein Campingplatz.
Das hat aber niemand von uns vor. Alle bauen ab und setzen ihre Touren fort. Ich gehe noch einmal Schwimmen – ich weiß nach nicht was heute Abend auf mich zukommt – und mache mich dann auch vom Acker.
Die heutige Routenplanung ist ein bisschen schwierig, da ich hier kein Netz habe und daher nicht mein Google Maps quälen kann. Im nächsten Ort hat mich die digitale Zivilisation wieder und ich plane bis Offenburg. Circa 120 Kilometer. Ich will mal etwas hin machen, denn bis Basel sind es noch insgesamt 240 Kilometer.
Ich war ja von der Oberrheinischen Tiefebene bislang landschaftlich enttäuscht. Flach wie Polen und weder in Richtung Westen noch Osten die angrenzenden Berge zu sehen. Jetzt aber ändert sich die Landschaft.




In Offenburg finde ich nur einen halbwegs angenehmen Platz – den am Gifiz See am Badestrand.


Und hier merke ich, dass unsere Badenser (sind es vielleicht sogar Schwaben) ganz schön geschäftstüchtig sind. Den Stellplatz kann ich nur per APP buchen und bezahlen. Und es wird EasyPark empfohlen. Später merke ich, dass unter anderem auch Parkster geht. Und im Gegensatz zu erstgenannter verlangen die keine Bearbeitungsgebühr. Weiterhin wird hier nur auf die Bademöglichkeiten im kostenpflichtigen Strandbad hingewiesen. Nun, 4,00 € sind ja nicht die Welt, aber wenn man auf dem Rundweg um den See fährt, findet man unzählige kleine freie Strände. Mir geht es da ja nicht so ums Geld, aber an den freien Stränden ist es nicht so tourimäßig. Da es heute wieder über 30°C sind, sind Abkühlungen im Wasser wieder angesagt. Mit Einsetzen der Dämmerung zieht es sich jetzt etwas zu. Aber es fehlt der Wind, damit die Schwüle mal weggeweht wird. Glücklicherweise stehe ich so, dass ich morgen früh im Schatten stehen werde. Das lässt dann ja hoffen.
2024-08-21 – Nach Emmendingen, genauer nach Wasser
Bevor ich heute weiterfahre, schaue ich noch mal nach Offenburg rein. Dazu muss ich erst einmal durch das gesamte Uni-Gebiet durch. Lässt sich aber sehr gut mit dem Rad an der – leider kanalisierten – Kinzig entlang machen. Dann geht es zwischen kleinen Wohnhäusern durch. Und plötzlich stehe ich in der Innenstadt. In der wahnsinnig langen Fußgängerzone dominiert die angeblich (Weil sie wieder 19% Mehrwertsteuer berechnen müssen) kränkelnde Gastronomie. Kaum zu glauben. Kaum ein Platz frei. So verzichte ich auch auf mein obligatorisches Eis. Ich suche noch einen Lebensmittelladen. Auch da werde ich erst sehr spät fündig. Es gibt Massen an Drogeriemärkten, MäcGeiz, Kosmetikbuden und sonstigen unnützen Kram. In einer sehr modern und aufwändig gestalteten Nebenstraße finde ich dann endlich was ich suche. Ein Alnatura Laden. Nach meinem Einkauf in diesem Bio-Supermarkt muss ich jedoch feststellen, dass die Läden dieser Kette bei uns in Niedersachsen erheblich besser bestückt sind. Selbst aktuell saisonales Gemüse ist nur sehr wenig und teilweise überreif im Angebot. Und dabei soll Baden-Württemberg doch ein Bundesland sein, in dem die Kaufkraft erheblich höher ist als bei uns im Norden. Was sich ja auch im Bio-Konsum niederschlägt.





Nach meiner Sightseeing-Tour gehe ich noch im Gifiz See eine Runde schwimmen. Heute aber an einem der freien Strände.


Ich habe mir heute circa 50 Kilometer vorgenommen. In die Gegend von Emmendingen. Genauer in den kleinen Ort Wasser. Zu einer Familie, die auf ihrem Grundstück Zelter, Wohnwagen und Wohnmobile unterbringt. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.



Dort angekommen treffe ich auf die beiden BetreiberInnen. Wir philosophieren lange darüber, ob ich überhaupt durch die zugegebener Maßen enge und niedrige Einfahrt durch passe. Da hinten auf dem Grundstück schon ein Atego mit ähnlichen Ausmaßen wie Big Blue steht, bin ich zuversichtlich. Und es passt auch.



Die Beiden in dem Atego aus Friesland – dieser Platz wird, wie ich später realisiere, sowieso von Norddeutschen majorisiert – haben hinten in ihrem Auto eine Garage für Formel V Rennwagen. Heute sind sie aber „urlaubsmäßig“ unterwegs und haben ihren Einkaufswagen dabei, ein Goggomobil Coupé 250! Sagenhaft restauriert! Ich darf auch mal drin probesitzen. Ein Schuhlöffel wäre beim Einsteigen hilfreich. Aber der Vorteil an diesem Auto ist natürlich, dass die befahrende Freundin nicht so weit weg sitzt. Ein typisches Auto für die Nachkriegsgeneration. Abgemagert vom letzten Weltkrieg und sich noch keine Wampe wieder angefressen war das ein optimales Fahrzeug, welches auch noch keine extrabreiten Parklücken beim Einkaufsladen benötigte.
In der Nähe soll es einen ehemaligen Baggersee geben. Das ist doch mal eine Ansage. An der Elz entlang komme ich nach circa einem Kilometer an einen schönen renaturierten See an dem rundherum kleine begrünte Badestellen sind. Und hier wird auch nackt gebadet. Das ist doch was für den Mann meiner Frau. Leider ist es nach dem heißen gestrigen Tag doch recht kühl. So halte ich es dort nicht zu lange aus.
Auf der Rückfahrt suche ich noch, ob es hier so etwas wie einen Bäcker oder Metzger gibt. Ein Stück Fleisch könnte ich mal wieder. Aber ich habe nichts derart gefunden.
Der Betreiber des kleinen Platzes sagt mir aber, dass ich einfach an der Elz in die andere Richtung – also stromab – hätte fahren sollen. Dort ist an der zweiten Brücke ein Lebensmittelladen. Na, so kommt dann für morgen schon mal keine Langeweile auf.
2024-08-22 – Hier bleibe ich erst einmal – in Wasser, am Wasser
Die beiden Gogo-Enthusiasten sind heute Morgen abgereist. Die Verladung des Gogo-Coupé war schon spannend.
Anschließend habe ich dann ihren Platz okkupiert. Denn der bietet auch in den Morgenstunden mehr Schatten. Und da ich mich entschlossen habe, bis mindestens Sonntag hierzubleiben, ist mir das schon wichtig bei angekündigten Tagestemperaturen von bis zu 34°C. Was jedoch auffällt, nachts soll es schon wieder mächtig frisch werden. So wie gestern Abend.

Um meinem Wunsch, heute den ganzen Tag am Kollmarsreuter Baggersee rumzulungern, nachzukommen, habe ich natürlich wieder die Zeit vertrödelt. Es ist mir schon am späten Vormittag viel zu warm, um mich aufs Fahrrad zu setzen – über 30°C. So warte ich im Schatten der Markise von Big Blue auf den späten Nachmittag. Denn einen leichten Sonnenbrand habe ich schon auf den Schultern. Da ist es dann wohl auch gar nicht so doof, den Tag im Schatten zu verbringen.
Gegen 17:00 Uhr ist es dann doch soweit. Dieses Mal radle ich auf die Nordseite des Sees.

Was Wunder. Da grüßt doch ein entgegenkommender Radfahrer. Der erste(!), der sich dazu herablässt seit ich Nordhessen südwärts durchquert habe. Die hier stieren immer stur geradeaus und lassen sich nicht einmal zu einem erwidernden Kopfnicken herab. Dabei dachte ich, dass wir Niedersachsen so stieselig sind. Scheinbar sind wir Norddeutschen doch die kontaktfreudigeren und offeneren Menschen.
Hier auf der Nordseite ist kein durchgehender „Strand“, sondern viele kleine. Auf dieser Seite ist das Nacktbaden auch Standard. Hier fühle ich mich wohl. Immer schön an der Grenze zwischen Sonne und Schatten liegen, zwischendrin wieder eine Runde Schwimmen um dann in der Sonne zu trocknen. Dazu „Der Wolf von John Katzenbach“ lesen. So gefällt das mir.


Um halb acht meldet sich dann der Hunger und begebe mich ganz langsam in Richtung meiner mobilen Küche. Ich habe noch von gestern Penne Semola mit grünen Bohnen, Tomaten, grünen Paprika und Zwiebeln übrig. Einfach wieder aufgewärmt ist das noch lange kein Fastfood.
Beim Essen in meiner Ecke fällt mir auf, dass die Holländer scheinbar Ausgang bekommen haben. Die häufen sich jetzt hier. Und sie rollen nicht mehr auf ihren Käselaiben durchs Land, sind auch nicht mehr hauptsächlich mit Wohnwagen unterwegs, auch nicht im Wohnmobil, nein sie bevorzugen jetzt scheinbar das Dachzelt. Da komme ich nicht aus dem Staunen heraus.
2024-08-23 – Das Leben kann so einfach sein
Das Übliche: Tagsüber lesen, Reisebericht schreiben, Fotos sortieren und dem Schatten hinterher rutschen (34°C). 17:00 Uhr bis 20:30 Uhr Schwimmen und dann noch eine Runde Radfahren!
2024-08-24 – Das Leben kann von Wiederholungen geprägt sein
Das Übliche: Gleich nach Sonnenaufgang schnell zum Einkaufen an der Elz entlang radeln. Den Einkauf in der Stadt schminke ich mir ganz schnell ab. Irgendwie sind die hier alle im Kaufrausch. Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, mich durch solche Menschenmassen hin durchzudrängeln. So flüchte ich in einen Supermarkt. Da ist es aber auch nicht besser. Daher schnell rein und noch schneller wieder raus. Den Rest des Tags lesen, Reisebericht schreiben, Fotos sortieren und dem Schatten hinterher rutschen (34°C). 17:00 Uhr bis 20:30 Uhr Schwimmen und dann noch eine Runde Radfahren! Irgendwie kenne ich das schon!
2024-08-25 – Die Glocken läuten am Sonntag noch katholischer
Auch der Sonntag unterscheidet sich nicht großartig von den letzten beiden Tagen. Außer, dass die Kälte von gestern Abend sich zu Morgenfrische gemausert hat. Ich muss mir tatsächlich Socken zum Frühstück anziehen. Auch wird es heute nicht so wichtig sein, irgendwelchen Schatten hinterher zu rutschen. So habe ich ausgiebige Gespräche mit zwei Jungpolizisten, die hier einen Tag und eine Nacht verbringen. Die Beiden kennen sich aus der Ausbildung. Und es ist interessant ihnen zuzuhören, mit was sie heute im Dienst alles konfrontiert werden. Was mittlerweile alles zu ihrem Aufgabengebiet gehört. Ich wollte den Job nicht machen. Erinnert mich irgendwie ein bisschen an das, was Heidi mir in den letzten zehn Jahren von dem Niedergang ihres Berufes als Lehrerin erzählt hat.
Gegen Abend habe ich noch ein langes Gespräch mit den beiden Platzbetreibern. Die Beiden gehen das Leben auch recht locker an. Und der Platz, gepflegt (vor allem die Sanitäranlagen), ein bisschen zugewachsen und verwildert, ein bisschen organisiert und daneben das Gegenteil. Und Obstbäume mit zurzeit reifen Früchten. Ein Platz für diejenigen, die diese Art zu Leben zu schätzen wissen.

2024-08-26 – Ans südliche Ende der B3
Heute beende ich meine erste Etappe dieser Bewegungsfahrt. Mit etwas mulmigem Gefühl erreiche ich Weil am Rhein. Schon bei meinen Recherchen habe ich ja herausgefunden, dass es dort mit Stellmöglichkeiten – ich will gar nicht von Stellplätzen reden, nicht so rosig aussieht. Die erste Möglichkeit ist dann auch schon ein Flop. Was letztes Jahr noch eine Übernachtung ermöglichte ist jetzt umzäunt und bildet direkt am Rhein im Industriehafenbereich (eigentlich wirklich interessant) einen Parkplatz für die LKW einer Spedition. Ein Reisender aus der Schweiz mit einer Brasilianerin im Auto empfiehlt mir unter anderem in Weil am Rhein unter der Autobahnbrücke zu stehen. Das scheue ich mir an. Ist aber Mist – reservierte Plätze für Anlieger und auch total zugemüllt. So fahre ich auf den mir schon früher ausgesuchten Platz zwischen Bahnlinie und dem Schwimmbad Laguna. Diese „Anlage“ ist wohl noch ein Relikt einer Landes- oder Bundesgartenschau, die hier mal stattgefunden hat. Und dieser Parkplatz wird heute auch als Festplatz genutzt. Jetzt ist er frei. Es stehen hier eine Ansammlung von spanischen Reisefreaks und eine Gruppe Sinti haben hier eine Wagenburg aufgebaut. Das hält die Weißware mächtig auf Abstand. Die fahren lieber weiter auf den Parkplatz direkt an der Laguna.



Am Rand habe ich die freie Auswahl. Hier wird am Morgen lange Schatten sein. Bei den wieder zu erwartenden Temperaturen schon mal günstig.
Ich schnappe mir also mein Fahrrad und gondele über die 200 Meter entfernte Grenze in die Schweiz nach Basel rein.
Ich bin erstaunt. Irgendwie komme ich durch Uni-Viertel dann zum Rhein und auf der gegenüberliegenden Seite finde ich die Altstadt.
Mit dem Fahrrad, dem Velo, das merke ich schnell, habe ich hier Narrenfreiheit. Zum einen gibt es so viel Fahrradspuren, dass man den Überblick verlieren kann. Weiterhin reagieren die Autofahrer, egal ob Klein- oder Großwagen, ob Deutscher, Schweizer oder mit Migrationshintergrund, nahezu ängstlich auf jede deiner Bewegungen oder Zeichen die du gibst. So hast du absolute Vorfahrt, egal in welcher Verkehrssituation.
Ich versuche das Stadtbild etwas mit dem Fotohandy einzufangen. Das stellt sich als nicht so einfach heraus, denn die hier umsonst verkehrende Straßenbahn ist so umfangreich vorhanden und fährt in einer so engen Taktzahl, dass ich kaum eine Chance habe, Fotos zu machen. Ständig steht eine Tramm im Weg.





Auch hier ist die Gastronomie, Frisöre, Handyshops, kleine Lebensmittelgeschäfte, wie bei uns, fest in der Hand von Familien mit Migrationshintergrund. Sollten alle diese Ausländer abgeschoben werden, wie es viele Idioten in unserem Land verlangen, dann würden wir unfrisiert, hungrig und ohne Handys auskommen müssen. Selbst in Handwerkerfahrzeugen sitzen nur noch Menschen, die muttersprachlich nicht aus Deutschland oder der Schweiz kommen. Und das führt dazu, und das kann ich in Basel genauso wie in Weil am Rhein beobachteten: Die, ich nenne sie mal die „Hiesigen“, sitzen, wenn sie es sich leisten können, in den Cafés, Biergärten und Restaurants. Und diejemigen, die es sich nicht leisten können sitzen als Arbeits-, Obdachlose, Junkies oder Alkoholiker in den abgelegenen Ecken der Parks oder Freigelände und saufen, kiffen oder drücken. Arbeiten tun scheinbar nur noch unsere ausländischen Mitmenschen. Diese füllen die Lücken, die von denen geschaffen werden, die sich „für Arbeit zu schade“ sind.
Trotzdem sind Basel, genauso wie Weil am Rhein, sehr schöne Städte beziehungsweise Städtchen.
Am späten Nachmittag gehe ich in der Verkehrsberuhigten Zone von Weil am Rhein noch ein Eis essen um meine Körpertemperatur etwas runter zu bekommen.
2024-08-27 – Ein zweiter Tag am südlichen Ende der B3
Da heute Morgen lange der Schatten auf Big Blue fällt, schlafe ich bei angenehmen 14°C bis 10:30 Uhr. Das tut mal richtig gut.
Nach einem entspannten Frühstück radle ich noch einmal nach Basel. Mir noch einmal dort den Rhein anschauen. Es ist schon interessant: Basel, als eine sehr reiche Stadt in einem sehr reichen Land, fördert durch die Aufstellung von öffentlichen Duschen an der Rheinpromenade, dass man dort im Fluss Baden oder Schwimmen kann.
Auf der Rückfahrt fahre ich an einem Barbier vorbei. Dieser hat in der Tür und im Schaufenster die albanische Nationalflagge hängen. Ich bin versucht, mir den Bart stutzen und meine Nasenlöcher und Ohren endlich mal enthaaren zu lassen. Aber entweder halten sie gerade Siesta oder haben heute schon genug Geld verdient. Sie haben geschlossen.

Anschließend mache ich noch ein paar Fotos vom südlichen Beginn oder Ende – das kommt auf den Blickwinkel an – der B3.




Wieder in Weil am Rhein gehe ich mit Tim, meinem Stellplatznachbarn, bei Temperaturen bei schon wieder 34°C nach oben in die Eisdiele und kühlen uns mit je einer großen Portion Bananen Split. Dabei fällt mir auf, dass mit 7,50 € der Preis nicht, wie wir es ja mittlerweile in der Gastronomie kennen, exorbitant gestiegen, sondern sich auf dem Niveau bewegt, wie ich es noch von vor drei bis vier Jahren gewohnt bin. Da staune ich. Wo doch die Gastronomie so jammert und ständig mit Bankrott droht. Kann ja so schlimm alles nicht sein.
Die letzten Stunden des Tages sind dann wieder ein „hinter dem Schatten her Rutschen“. Glücklicherweise geht ein bisschen Wind, der auf der Schattenseite von Big Blue vorbeistreicht und Kühlung verschafft.
2024-08-28 – Richtung Ulm, heute bis Beuron
Ich fahre heute erst am Rhein Richtung Reinfall Schaffhausen. Am Anfang finde ich mich am Anfang in Gewerbegebieten und größtenteils vierspurig ausgebauten Bundesstraßen. Aber dann wird die Landschaft sehenswert. Ich spare mir aber bei 32°C ein Besuch am Rheinfall. Lieber überquere ich ein paar Berge (ist das die Schwäbische Alb?) und wechsele in das Donautal. Bei Beuron stoße ich auf diesen Fluss. Hier ist der Fluss, der die meisten Länder durchquert und ins Schwarzes Meer mündet, also auch Deutschlands einziger Fluss der in Richtung Osten fließt, noch in ein sehr enges Tal eingebunden. Teilweise von bewaldeten Hängen oder steilen Felswänden flankiert. Eine wunderschöne Landschaft, die ich hier heute durchquere. Der kommunale Stellplatz in Beuron ist schon recht voll und die schattigen Plätze restlos belegt. Außerdem liegt er an einer Bundesstraßenkreuzung und in eine Richtung geht es mächtig bergauf. Also verspricht dieser Platz auch nicht gerade eine ruhige Nacht.
So fahre ich noch ein paar Kilometer stromab und packe mich dann auf einen wunderschön gelegenen Wiesenplatz auf dem Talhof. Ich stehe hier zwischen den Zuläufen einer alten Wassermühle. Und der Hof wird auch noch bewirtschaftet. Neben den Stellplätzen vermieten sie auch noch E-Bikes und Kanadier und Kajaks und betreuen die Gäste auf ihren Routen. Echt ein schönes Plätzchen, auch wenn es 18,00 € die Nacht kostet. Allerdings ist Ver- und Entsorgung im Preis enthalten. Nur kann ich leider in der vorbeifließenden Donau und den Mühlengräben nicht baden. Es ist kein Reinkommen vom Ufer möglich. So klemme ich mich mangels schattenspendender Bäume mich an eine Hecke und genieße den Abend.




Dann: Es passt ja wie Arsch auf Eimer! Ich habe ja schon viel erlebt auf Höfen, die Wohnmobil Stellplätze anbieten. Aber dass dann im laufenden Campingbetrieb Gülle auf zum Stellplatz gehörenden Flächen bei Temperaturen um die 30°C ausgebracht wird, das hat selbst für mich eine neue Qualität. Und immer schön die Deppenlampen (gelbe Rundumleuchte, besonders beliebt bei den Bauern, die gerne, mit, von meinen Steuern, subventionieren Diesel, nach Berlin fahren und dort rumrandalieren) an. Dann wundert sich diese Bevölkerungs- und Berufsgruppe darüber, dass sie kaum noch jemand leiden kann!

Der andere Wehrmutstropfen zeigt sich darin, dass in circa stündlichen Taktzeiten zehn Meter entfernt der öffentliche Nahverkehr, in Form eines Dieseltriebzuges der DB, hier vorbeizieht. Der letzte gegen 22:00 Uhr, der erste gegen 5:30 Uhr. Ich begrüße es ausdrücklich, wenn es in der jeweiligen Region noch ein funktionierendes Nahverkehrskonzept und -angebot gibt. Aber trotzdem sind – zumindest nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang – Züge im Schlafzimmer nicht gerade stimmungsförderlich.
2024-08-29 – Weiter nach Blaustein zum Arnegger Wohnbusse Treffen.
Trotzdem habe ich total gut geschlafen. Und bevor ich heute weiterfahre, radle ich noch auf der anderen (Süd-) Seite der Donau stromauf Richtung Beuron. Ist mir dann aber doch zu weit und die Temperaturen wieder schon über 30°C und ich breche das vor Erreichen des Ortes ab.
Heute stelle ich mir dann doch mal eine Literflasche mit runtergekühltem Wasser in die Fahrerkabine.
Auf den ersten Kilometern komme ich mir teilweise vor wie in Montenegro: Die Straße eng, teilweise mit Ausweichbuchten. Und mit unverkleideten Tunneln und Felsüberhängen. Auch wenn ich davon ausgehe, dass ich mich hier in Deutschland darauf verlassen kann, dass vor Durchfahrten unter 4,00 Meter mit entsprechenden Schildern gewarnt wird, ist immer ein leicht bedrückendes Gefühl.
Auf meiner Route durch eine wunderschöne Landschaft komme ich durch Heiligkreuztal. Der Ortsname sagt mir was. Und ja, hier wohnen Ulli (Käfer) und Eva. Und ein ausreichend großer Parkplatz fordert mich förmlich auf, anzuhalten und nachzuschauen, ob die Beiden hier noch wohnen. Ist ja schon 20 (?) Jahre her. Und tatsächlich. Die beiden Namen stehen noch am Briefkasten und auf dem Klingelschild. Ich klingele – mit wenig Hoffnung. Denn erstens liegt ein angeliefertes Paket auf der Treppenstufe und natürlich gehen anständige Menschen um diese Zeit einer Beschäftigung nach. Und richtig. Keiner macht auf. So stecke ich eine Nachricht in den Briefkasten, dass ich das gesamte Wochenende in der Nähe in Blaustein Ortsteil Arnegg sein werde und mich freuen würde, wenn sie einfach mal vorbeischauten.
Auf der weiteren Strecke komme ich durch Ehingen. Dort werden die Liebherr Krane gebaut. Immer wieder ein faszinierendes Bild, wie diese irre hohen Masten auf dem Betriebsgelände das gesamte Kleinstädtchen überragen und das Panorama majorisieren.
In Blaustein (an der Blau) komme ich gerade noch rechtzeitig (eigentlich beginnt das Treffen erst morgen am Freitag) an, um den letzten Schattenplatz zu okkupieren.


Das größte hier auf dem Gelände ist für mich nicht ein Monster DAF Truck aus der Schweiz, sondern ein aufblasbares Schwimmbecken. Da muss ich erst einmal rein, bevor ich irgendetwas anderes unternehme. Diese Erfrischung tut echt Not. Die Temperaturen bewegen sich schon wieder bei 34°C und die nächsten beiden Tage soll das noch getoppt werden. Na dann.
Uli, der hier lebt und das Treffen hier organisiert, zwei Mini Motorräder dabei. So im Stil Honda Monkey. Das sind Nachbauten aus China. Die finde ich total geil. Und kosten neu so um die 1400,00 €. Da muss ich zuhause bei Heidi mal mächtig Überzeugungsarbeit leisten. Denn mein Taiwanroller weigert sich ja seit Anfang des Jahres konsequent anzuspringen. Dafür, dass ich ihn vor Jahren im Wald gefunden hatte, ist das aber nicht so der Beinbruch.
Uli bietet mir an, dass, wenn ich morgen Einkaufen will, ich das eine Bike mir dafür ausleihen und Probefahren kann.
Während ich hier so schreibe, ist der Platz echt schon mächtig voll geworden. Dabei soll es doch erst morgen losgehen. Aber wie es immer so ist.
Es geht schon wieder auf 20:00 Uhr zu. Ich werde jetzt mal die Runde drehen und dann mir etwas zum Essen brutzeln.
2024-09-01 – Weiterreise Richtung Kohlenpott nach Maulbronn / Heidesee in Forst
Heute gibt sich der Weißbärtige da oben wieder mächtig Mühe. Schon am Morgen geht’s auf die 30°C zu. So ist der Tiefe See in Maulbronn sicherlich keine schlechte Idee. Bis dorthin sind jedoch, wie es sich herausstellt einige Hindernisse zu bewältigen. Esslingen und Stuttgart sind grüne Umweltzone. Selbst auf den vierspurigen Bundesstraßen die am Stadtgebiet entlang oder hindurch gehen. Und hier sind für KFZ über 3,5 Tonnen nur 60 km/h erlaubt. So trödele ich gefühlt hunderte von Kilometern größtenteils am Neckar entlang. Und, irgendwie habe ich es total verdrängt, Bayern oder Baden-Württemberg haben Ferienende. Und so sieht es auf der Straße aus. Voll, voller am Vollsten. Und an den Tankstellen (Diesel teilweise nur 1,48 €) Schlangen ohne Ende. Glücklicherweise verbraucht Big Blue ja kaum was. Irgendwie bin ich immer noch mit der ersten Füllung unterwegs und es ist noch für mindestens 300 Kilometer genug im Tank. So erspare ich mir das Braten in den schattenlosen Wartebereichen unserer Treibstoffdealer.
Meine Ankunft in Maulbronn ist dann die nächste Enttäuschung. Der Parkplatz direkt am Tiefen See, auf dem früher Wohnmobil-Stellplätze ausgewiesen waren, ist heute ein reiner PKW-Parkplatz. Zumindest tagsüber. Dementsprechend voll ist er mit Familienkutschen, deren InhaberInnen heute noch einmal nutzen, ihre Brut im Wasser einzuweichen. Von 20:00 Uhr bis 7:00 Uhr ist der Parkplatz dann für KFZ über 3,5 Tonnen geöffnet. Da wäre eine Übernachtung dann möglich. Das Naturschwimmbad aber geschlossen. So versuche ich es erst einmal auf dem offiziellen Stellplatz am Kloster. Ist aber auch nicht so die Erfüllung. Nach einigen Bemühungen meiner grauen Zellen und meiner Routenplanung bei Google Maps erinnere ich mich an den Platz am Heidesee in Forst. Sind ja nur noch 35 Kilometer. Dessen Vorteil: Ausgewiesener Bereich für Wohnmobile, Badestrand ohne Eintritt. Voller Hoffnung mache ich mich auf den Weg und werde vom Schlag getroffen. Der gesamte Parkplatz (über-) voll und der Wohnmobil-Bereich von PKW okkupiert.

So stelle ich mich in die zweite Reihe vor diese Frevler und habe dann nach circa zwei Stunden auch meinen Platz. Und dann ab in den See! Auch hier ein Plätzchen nur schwer zu bekommen. Ich muss schon fast Gewalt androhen. Mit Fortschreiten des Tages entleert sich das Bad dann zusehends – und auch der Parkplatz. Bald ist es hier gemütlich unter den schattenspendenden Bäumen (es sind immer noch über 30°C), dass ich auf eine ganz verrückte Idee komme. Direkt nebenan betreibt eine kroatische Familie die ehemalige Vereinsgaststätte als Kroatisch-Deutsches Restaurant mit gemütlichem Biergarten. So trinke ich heute meinen ersten Alkohol auf dieser Reise: Zwei Hefeweizen (sehr kalt) und dazu Calamares kroatische Art: kleine gekochte Tintenfische mit Spinat und untergemengten Salzkartoffeln. Echt lecker! Hat sich echt gelohnt. Und wieder die Erfahrung gemacht – wenn wir nicht unsere MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund hätten, dann gäbe es in Deutschland überhaupt keine Gastronomie mehr, in der man als willkommener Gast, und nicht als unerwünschte Unterbrechung der Zigarettenpause der Mitarbeiter, behandelt wird.
Die zweite Schwimmrunde heute Abend entfällt, wegen zu lange beim Kroaten gesessen.
2024-09-02 – Ab in den Rheingau – Ockenheim
Bevor ihr erfahrenen Weltreisenden mich drauf hinweist, dass Ockenheim nicht im Rheingau sondern in Rheinland-Pfalz liegt – ich weis das. Es war nur anders geplant.
Ein kleiner Platz mit großartigem Panorama über die hiesigen Weinberge. Und wenn ich ganz nach oben gehe, dann kann ich sogar bis ins Rheintal bei Bingen hineinblicken. Und das für ´nen Neuner ist das in Ordnung. Inklusive Ent- und Versorgung und WLAN. Duschen und Waschmaschine gibt’s am Münzautomaten. Das Kiosk-Restaurant neben an dagegen ist von seinem Angebot nicht so der Brüller. Aber auch hier ein wunderbarer Blick in das Binger Loch.
Nur sah der Platz im Netz nicht so eng belegt aus. Nun, aber für eine Nacht ist das schon in Ordnung.
Und die Welt ist ja so klein. Meine Nachbarn kennen unseren Nachbarn Thomas – wegen der Shetland Ponys, die auf unseren Flächen neben den Wohnmobilisten grasen.
So genieße ich, soweit es geht – es werden schon wieder über 30°C – die Aussicht im Schatten von Big Blue. Gegen 21:00 Uhr, es fängt an sich etwas abzukühlen, mache ich mir mein letztes Glas Lham Lhalou mit Penne Semola. Irgendwie bleibt die Hälfte übrig. Die friere ich ein – für schlechte Zeiten.
2024-09-03 – Richtung Koblenz oder Köln – Wunschdenken: in St. Goar hängen geblieben
Bis Köln, oder mindestens bis Koblenz will ich es heute schaffen. Denn wäre ich Donnerstag beim HaKaWe-Treffen ohne so große Strecken am Tag fahren zu müssen. Aber, wie schon oben geschrieben, reines Wunschdenken. Vor Bingen komme ich an die Nahe. Diese mündet bei Bingen in den Rhein. Der Mäuseturm steht immer noch im Binger Loch – am Beginn der Flussenge und Stromschnellen. Später passiere ich bei Kaub (andere Seite des Rheins) die im Fluss stehende Pfalz. Oh, wie ich das noch alles aus meiner Kindheit kenne: Einmal im Jahr sind meine Eltern mit mir mit den Köln-Düsseldorfer Ausflugsdampfern (und es gibt sie immer noch – nicht meine Eltern, aber die K-D-Schiffe) von Wiesbaden nach Koblenz und zurückgefahren.
Aber es hat sich viel geändert, hier auf dem Fluss. Die Freizeit-, Ausflugs- und Hotelschiffe sind mittlerweile klar in der Übermacht. Auf ein Frachtschiff kommen circa zwei bis drei Aussichtsschiffe.





Ab Bacharach ist die Straße nass, es hat hier stark geregnet. Endlich sind die Temperaturen erträglich. So mache ich dann – das hatte ich schon früher mal in Betracht gezogen – in St. Goar gegenüber der Loreley für heute Schluss. Ich gönne mir auf einem Campingplatz einen Platz in der ersten Reihe, ganz am Ende. Von hieraus habe ich alles im Blick: die Flussschifffahrt, Die Eisenbahn auf beiden Seiten des Rheins, die Veranstaltungsarena auf der Loreley, St. Goarshausen und die Burg Katz.




Gegen 17:00 Uhr überkommt uns ein neues Gewitter. Macht schon was her, hier im engen Rheintal mit den hohen Bergen drum herum und dann Blitz und Donner und Wasser satt (von oben!). Leider fällt damit aber mein Besuch in der Eisdiele im Ort flach. Ich werde es überleben.
Und bei bei Dämmerung und Dunkelheit sieht es dann alles ganz anders aus.




2024-09-04 – Remagen–Rolandswerth, Siebengebirgsblick
Es regnet seit 4:00 Uhr. Und es sind heute Morgen Temperaturen so um die 16°C. Endlich mal Luftholen!


Ich beobachte die vielen Hotelschiffe, die gaaaaanz langsam um die Loreley kurven. Ob die hoffen, dieser singenden und schifferbetörenden Frau ins Netz zu gehen? Auf alle Fälle halten sie die Frachtschifffahrt auf. Die Jungs klemmen mit ihren Frachtern hinter den schwimmenden Hotels und zappeln mit den Füßen, weil es nicht voran geht.

Und die Touristen stehen alle mit Regenschirm und Popeline-Regenmantel auf dem Oberdeck und fotografieren was das Zeug hält. Dabei ist wirklich nicht viel zu sehen. Das meiste hängt in einer dichten Wolkendecke.

Radfahren ist bei dem Wetter auch nicht angesagt. Und die Eisdiele in St. Goar ist für heute auch nicht die erste Wahl. So entscheide ich mich bis Remagen, als kurz vor Bonn weiter zu fahren. In der Hoffnung dann noch einen Tag Schiffe gucken zu können und schon mal ein bisschen dichter an das HaKaWe-Treffen herangerückt zu sein.
Klappt auch alles ganz gut. Sogar etwas Einkaufen habe ich noch hinbekommen.
Und ich konnte sogar noch ein paar Burgen sehen.


Und den wohl letzten Raddampfer der K-D-Rheinschifffahrt.


Auf meinem neuen Stellplatz in Remagen ist es mit Schiffe gucken nicht allzu weit her. Denn zwischen meinem „Domizil“ und der Fahrrinne des Rhein liegt die Insel Nonnenwerth. Diese hat eine ähnliche Geschichte wie unser Kurhaus in unserem Nachbarortsteil Blenhorst. Sollte hier auf Kosten der Allgemeinheit sich Immobilienbesitz angeeignet worden sein? Das Model funktioniert scheinbar nicht nur in den Ländern der dritten Welt oder Süd- (-Ost-) -Europas. Es funktioniert auch in unserer Bananen Republik Deutschland.
Nach meiner hiesigen Radtour bis in unser ehemaliges Machtzentrum Bonn und Bad Godesberg kann ich es mir nicht verkneifen, unseren Platzwart zu fragen, ob er in seinem Biergarten heute nicht mal Glühwein ausschenken wird. Bei 22°C bekomme ich schon langsam eine Gänsehaut. Mal sehen, was aus dieser Anfrage wird.
2024-09-05 bis 2024-09-08 – Ab zum HaKaWe-Treffen
Als Steffi (Bretterhexe) mich noch vor zwei bis drei Wochen fragte, ob sie mich am kommenden Wochenende hier, auf dem Gelände von HaKaWe treffen würde, habe ich dieses noch verneint. Aber unverhofft kommt oft! Da ich, wie ihr aufmerksamen LeserInnen sicherlich bemerkt habt, habe ich den kilometerintensiven Schlenker über den Main-Donau-Kanal und den Main mir erspart und bin eine wesentlich kürzere Strecke bislang gefahren als ich es geplant hatte.
So habe ich mir die Zeit „rausgearbeitet“ für ein ganz langes Wochenende in Hagen bei Nico und Karin in der LKW und Expeditionsmobil Werkstatt HaKaWe gönnen zu können.
Wie letztes Jahr schlage ich schon am Donnerstag hier auf.

Und an dieser Stelle muss ich kurz unterbrechen für eine ganz wichtige Ansage: Bei meinem Eintreffen ist gerade das Eis Auto da und wird von der gesamten Schrauber Belegschaft umlagert! Hurra, für mich ein Bananen Split! 6,50 € und das Leben hat wieder einen Sinn.



So jetzt geht’s weiter.
Im Gegensatz zum letzten Jahr ist heute, am Donnerstag, aber noch nix los. Ist ja auch klar. Letztes Jahr haben die Beiden diese(s) Treffen/Party dazu genutzt, mit Freuden unter Freunden zu heiraten (Siehe hier).

Das fällt dieses Jahr in der Form zwar flach. Aber am Sonntag haben sie trotzdem Hochzeitstag – den ersten. Und wieder auf dem falschen Fuß erwischt: Kein angemessenes Geschenk dabei. Nun ja. Shit happens.
Der Aufbau liegt in den letzten Zügen: Der Biertresen steht, die „Warme Küche“ ist vor Ort, das Pendant zur Fressbude, der Toilettenwagen ist angeschlossen, die Sauna in einer Mercedes Feuerwehr steht in ihrer Parklücke und einige (viele) Ausstellungsstücke glänzen auf dem Platz vor sich hin. Nur Schatten gibt es hier wieder einmal kaum. Es ist schon wieder so schweinewarm.






Eine ruhige Nacht steht mir bevor, denn ich übernachte fürs erste hier fast alleine. Aber ruhig ist halt auch relativ. Wer, wie ich, die Geräuschkulisse es einsamen Landlebens gewohnt ist, findet natürlich in Hörweite von Eisenbahn, Autobahn und Durchgangsstraßen im Gewerbegebiet nicht so richtig Ruhe. Aber es ist halt so ein Grundrauschen, und damit kann ich leben beziehungsweise schlafen.
Ab Freitagmorgen trudeln dann so die ersten Gäste ein. Viele von ihnen sind hier in der LKW-Werkstatt (Stamm-) Kunden. Schnell füllt sich der Platz. Und es wird eng. Hat aber auch einen Vorteil – die Fahrzeuge bieten sich gegenseitig Schatten. Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt in diesem Sommer bei wieder über 30°C.




Den ganzen Tag über beherrschen Begrüßungsszenen den Platz. Auch ich freue mich über das Zusammentreffen mit Steffi. Ist lange her.






Dann eine Unterbrechung: um 16:00 Uhr ist wieder das Eis Auto da. Da verlagert sich das Geschehen räumlich und thematisch etwas.
Die Bratwurstbude und der Biertresen wird jetzt auch so langsam für einige zum Lebensmittelpunkt.



Ich bemerke einen großen Unterschied zum Wohnbusse-Treffen vor einer Woche (siehe oben in dieser Reise). Dort klumpten kleine (intime) Gruppen an ihren Bussen. Hier trifft sich die Mehrheit im – ich nenne es mal – gemeinsamen Biergarten. So ist es auch für Neulinge einfacher mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Hier ist der Umgang miteinander irgendwie offener und nicht so ein kleinteiliger Insiderklüngel.
So vergeht das Wochenende mit dem Austausch von Erfahrungen – nicht nur technischer Art, nein auch mit Schilderungen von Reiseerlebnissen und -erfahrungen. Im technischen Bereich ist Nicos Reifenspezialist wieder vor Ort und führt Reifenreparaturen unter erschwerten Bedingungen vor: Nicht den ADAC rufen, sondern mit eingeschränkten Hilfsmitteln selber machen.


Natürlich ist der Tankspezialist vor Ort und zeigt seine neusten Kreationen. Und irgendwie baut er einem Gast auch vor Ort noch auf die Schnelle einen Tank zusammen – wenn ich das richtig mitbekommen habe.

Phillip, der Mann von der Dekra, führt, wie jedes Jahr, dann hier noch die technischen Hauptuntersuchungen durch. Einige sind ja nur deswegen hier.

Die Johanniter geben wieder Tipps zur Ersten Hilfe bei Verletzungen vor Ort und das Bestücken der Reiseapotheke. Mir unverständlich, aber hier herrschte gähnende Leere am Stand. Wenig bis kein Interesse. Liegt es daran, dass unsere Offroad-Männer es sich nicht vorstellen können, dass auch ihnen mal unterwegs was passiert? Ich weiß es nicht. Aber schade, dass dieses ehrenamtliche Engagement so unbeachtet bleibt.
Für das Thema Reisen würde ich mich auch freuen, wenn über die privaten/persönlichen Gespräche hinaus, sich der eine oder die andere dazu aufraffen könnte, mal, zum Beispiel mit einer PowerPoint-Präsentation, über seine/ihre Touren zu erzählen. Ohne kommerziellen Hintergrund (!), wie ich es leider auf den großen Reisenden Treffen immer wieder erlebt habe.
Am Samstag gegen 16:00 Uhr wird das Rätsel aufgelöst, bei dem ein Satz LED-Scheinwerfer gewonnen werden kann. Ralle baut hier zurzeit sein neues Expeditionsmobil und hat gerade seinen Zwischenrahmen fertig. Hier soll das Gewicht geschätzt werden. Wer am dichtesten dran ist, hat die Scheinwerfer. Für die Wiegeaktion reist extra der Hausabschleppdienst von HaKaWe an. Mit einer Kranwaage ermittelt Nico 117 kg. (Ich lag bei 215 kg) Und der Gewinner heißt Phillip – der Dekra-Mann.




Jetzt aber genug mit dem Gemecker.
Übrigens: Das Copyright der Bilder vom HaKaWe-Treffen liegt teilweise bei mir und teilweise bei Steffi Pilz, auch als Bretterhexe unterwegs.
2024-09-08 – Das Wochenende ist vorbei. Mal was anderes: Die Walnuss-Manufaktur
Heute, am Sonntag ist Abreisetag. Und der erste Hochzeitstag von Nico und Karin. Letzterer kommt leider gar nicht mehr so richtig zur Geltung. Mehr verabschieden ist angesagt als Gratulieren. Schade eigentlich. In Ermangelung eines angemessenen Geschenkes – denn ich habe im Vorfeld auch nicht dran gedacht – drücke ich den Beiden ein Glas unserer pikant eingelegten Zucchinis in die Hand. Ich hoffe, die Beiden können damit was anfangen.
Danach mache ich mich auf den Weg zu meinem neuen temporären Domizil. Ich möchte den Dortmund-Ems-Kanal hoch zur Ems und an dieser dann weiter bis zum Dollart.
In Dortmund werde ich dann noch aufgehalten, da die Polizei hochmotiviert eine Motorrad Demonstration durch die Stadt führt.
Am Ende meiner heutigen Strecke lande ich seit langem mal wieder bei einer Landvergnügen Gastgeberin: Die Walnuss Manufaktur bei Ascheberg.



Ich treffe hier auf ein Sehns- und Besuchens wertes Kleinod an. Hier wird aus Walnüssen Öl gepresst, aber auch vieles andere hergestellt. Nicht zuletzt Bikinis.


Die beiden, schon vor mir eingetroffenen, Gäste und mich führt Carmen durch ein kleines, sehr informatives Nussseminar. Eingebettet in eine wirklich leckere Verkostung. Walnüsse mit Schokoladenüberzug und eine Tapenade aus grünen Walnüssen, das ist das, was Heidis Mann begeistert.

Dieses Erlebnis entschädigt mich dann für einen vorherigen, leider enttäuschenden, Besuch der deutschen Eisdiele in Ascheberg – nur Eiskugeln, keine Früchtebecher und nicht einmal Schlagsahne. So etwas nennt sich Eisdiele? Wenn es das Wetter zulässt, denn es hat sich stark abgekühlt und neigt zu leichtem Regen, werde ich morgen die italienische Eisdiele nebenan testen.
Bei der Gelegenheit bemerke ich auf der Hin- und Rückfahrt mit dem Rad, dass hier wieder gegrüßt wird. Ganz im Gegenteil zu den Radlern im Süden!
2024-09-09 – Ich bleibe einen Tag länger
Ich habe geschlafen wie ein Stein. Nicht weil ich besonders abgearbeitet war. Nein, weil es hier irrsinnig ruhig war. Mir ist hier bewusst geworden, dass ich auf meiner Tour meist, gerade auch ab dem Binger Loch an sehr geräuschintensiven Orten übernachtet habe: Der Rheingau mit Bundesstraßen und Haupteisenbahntrassen auf beiden Seiten und Hagen mitten in einem sehr belebten Gewerbegebiet. Und hier sagen sich Hase und Fuchs „Gute Nacht“.





Da ich mit meinem Reisetagebuch auch mächtig in Verzug bin, habe ich mich entschlossen, hier in nahezu freier Natur, umgeben von Streuobstwiesen, das versäumte nachzuholen und noch einen fahrtenfreien Tag einzulegen. Hier kann ich in Ruhe auch die vielen Bilder von Steffi aufarbeiten.
Aber vorerst wechsele ich hier noch meine Stellung. Carmen findet es, genauso wie ich, sinnvoll mich dort hinzustellen, wo ich dann morgen ohne groß zu rangieren geradeaus auf den befestigten Weg fahren kann. Denn, wie ich es ja selber von zuhause kenne, kann das Gras schon bei leichtem Regen – und davon ist viel angesagt – glitschig werden wie Schmierseife.
So sind wir alle zufrieden und glücklich und ich mache eine ganz entspannte Runde durch die Walnussbäume und Streuobstwiese und sammle so ganz nebenbei ein bisschen Fallobst. So kann ich auch meine Obstschublade für mein morgendliches Müsli wieder auffüllen. Äpfel und Birnen (oder ist das die birnenförmige Apfelsorte?) stehen auf dem Programm. Das reicht dann erst einmal wieder ein paar Tage.


Ich schaue mir auch die Schwalbensammlung der hiesigen Gastgeber an. Auch ein schönes Hobby. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann man die hier auch kleine Rundfahrten mieten.
2024-09-10 – Zu Anna und Sebastian alias die Bomberos auf dem Hof Balagan
Anna hat auf meinen FB-Post bei der Walnuss-Manufaktur geantwortet und mich dabei daran erinnert, dass die Beiden mal gerade 20 Kilometer von hier wohnen. Da muss ich die Gelegenheit doch nutzen, ihnen einen Besuch abzustatten.
Natürlich sind sie nicht zuhause. Denn sie müssen noch arbeiten. Nicht jeder kann in dem seligen Stand des Rentendaseins vor sich hinleben. Aber ihre Tante ist mir behilflich Anna zu kontaktieren. So kommen wir dann doch zusammen und ich entscheide mich, hier einen Tag und eine Nacht zu bleiben.
Die Wartezeit bis Anna nach Hause kommt überbrücke ich mit Brombeeren sammeln. Die Hecken hier sind tatsächlich voll mit reifen Beeren. Das kommt für mich doch überraschend, denn seit circa 1 ½ Wochen habe ich auf meiner Tour keine mehr gefunden. Das war ja im August noch anders.

Nachdem ich mir ein Plätzchen für die Nacht gesucht habe, unterhalten wir uns in der Küche bei Tee, Kaffee und Sushi – letzteres aber ohne mich, ist nicht so mein Ding – über alles Mögliche, was wir so in der letzten Zeit so gemacht haben. Und über den Schandfleck in Appelhülsen, dem Ort gleich nebenan.

Anna holt dann ihren Sohn ab und ich nutze die Zeit, mir mit dem Rad den Schandfleck anzuschauen und noch ein paar Lebensmittel einzukaufen.
Anschließend ziehe ich mich erst einmal in Big Blue zurück, denn draußen ist es mir heute definitiv zu windig, lese ein bisschen und schreibe an diesem Text.
Am Abend sitzen wir vier – Sohn Ole will noch nicht ins Bett – in ihrer fast fertigen wunderschönen Wohnung zum Abendessen zusammen und klönen über das Leben im Allgemeinen und Besonderen. Wir sehen uns ja selten genug. Da gibt es dann einiges an Gesprächsstoff.
Irgendwann, es muss so gegen 22:00 Uhr sein, bin ich dann im Bett.
2024-09-11 – Weiter Emsabwärts nach Emsbüren
Sebastian ist schon zur Arbeit. Gegen 10:00 Uhr hat Anna ihren Yoga Kurs beendet und ich treffe sie auf dem Weg zum Duschen. Anschließend räume ich mein Auto reisefertig. Abschiedsdrücken und Winken und los geht’s an Münster vorbei nach Emsdetten. Von hier möglichst dicht an der Ems oder dem – teilweise in der Ems verlaufenden – Dortmund-Ems-Kanal entlang Richtung Norden. Bei Emsbüren habe ich mir zwei Campingplätze direkt am Ufer rausgesucht. Nicht zuletzt, weil ich auch mal wieder Entsorgen muss. Der erste Platz, an der scheinbar geschlossenen Gastronomie „Zum alten Fährhaus“ ist hauptsächlich auf Dauercamper ausgerichtet und direkt neben einer Autobrücke, dass ich, obwohl ich hier direkt an der Wasserlinie auf der Wiese stehen könnte, lieber weiterfahre. Auch ist die Entsorgung aller Wässer hier nicht über einen Bodeneinlass möglich. Es muss mit Kanistern zu den Toiletten getragen werden. Also für meine derzeitige Situation nicht die erste Wahl.
Der nächste Platz an der „Elberger Schlipse“ ist dagegen wieder mal ein Kleinod. Fast direkt am Wasser (40 Meter) auf einer großzügig parzellierter Wiese (neun Stellplätze) in absoluter Ruhe – nur das Rauschen des Stauwehrs (und des bundesweiten Probealarms am Donnerstag) ist zu hören – eröffnet sich der Blick auf die Ems und auch hier auf den gerade abzweigenden Dortmund-Ems-Kanal.




Die Familie Lehmann hat das zurzeit leerstehende Restaurant inklusive acht Hektar (land- und forstwirtschaftlich genutztes) Land gerade erst vor wenigen Monaten gekauft und sind mit Volldampf dabei dieses Anwesen, welches auch vorher als Restaurant und Stellplatz und Campingplatz genutzt wurde, nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Schon jetzt ist erkennbar, wo es hingehen soll: Eigene Geflügelhaltung (von verschiedenen Hühnerrassen über Enten und Gänsen bis hin zu Nandus in großzügigen Freigehegen.



Seltene Rinderassen ergänzen das Ambiente auf den Weideflächen.In naher Zukunft eigene Obst- und Gemüsegärten, deren Produkte, wie jetzt schon die Eier, den Gästen zur Verfügung stehen sollen.


Dazu wenige großzügig angelegte Stellplätze. Ver- und Entsorgung, Toiletten und Duschen. Die Infrastruktur ist größtenteils jetzt schon verfügbar.
Zufrieden über diese Platzwahl, auch wenn vom anderen Ufer die Kühltürme des Kernkraftwerkes Lingen glücklicherweise abgeschaltet (!) grüßen, nutze ich die heute doch langen Regenpausen, mit dem Rad die Umgebung zu erkunden. Etwas an der Ems und dann am Kanal lang. Leider ist auf der anderen Seite ein recht ausuferndes Gewerbegebiet, von dem man hier auf dem Platz nichts mitbekommt. Auch das Hotel und der große Campingplatz (größtenteils Dauercamper und wenige auf geschotterter Fläche ausgerichtete Wohnmobile) nehme ich von hier aus nicht wahr da er in einer, mit Deichen umgebenen, Senke verborgen liegt.
Gegen Abend bringt mir Frau Lehmann noch Brot vorbei, da ich so ganz nebenbei bei der „Hofführung“ ihrem Mann gegenüber erwähnt hatte, dass ich eventuell noch nach Lingen radeln will um noch Brot zu kaufen. Das habe ich heute vergessen auf der Fahrt zu erledigen.
2024-09-12 – Ich bleibe noch einen Tag länger
Gegen 10:00 Uhr ist es draußen so warm, dass ich neben Big Blue bei Sonnenschein und 20°C frühstücken kann.
Anschließend mache ich mit meinem Fahrrad auf den Weg nach Lingen. Hauptziel ist es ein paar Zitronen für meinen Tee zu besorgen. Habe ich gerade Bock drauf. Leider finde ich keinen (Wochen-) Markt im Ort. Auch keine Eisdiele. Aber das mit den Südfrüchten klappt. Trotzdem bin ich von dem Ort enttäuscht. Selbst in der sogenannten Stadtmitte ist es trostlos. Irgendwie kein gewachsener Ortskern mit Flair. Wie Balge zuhause, ein Wohn- und Schlafstädtchen für Berufspendler.
Die verschiedenen zur Auswahl stehenden Routen an Ems und Kanal entlang entschädigen aber für diesen Reinfall. Am interessantesten finde ich die „Hafenkanäle“ in denen auch einige Hausboote liegen, die auch scheinbar regulär bewohnt sind. Die geben diesen Liegeplätzen eine ganz besondere Note.




Den restlichen Tag nutze ich bei wechselndem Sonnen- und Regenwetter meine Reisetagebuch zu vervollständigen, Bilder zu sortieren und bearbeiten und immer wenn der Akku leer ist, zu lesen. Ich habe immer noch Lesestoff aus dem Bücherschrank in Forst (siehe weiter oben).
2024-09-13 – Weiter geht’s nach Haren (Ems)
Heute scheint mal wieder die Sonne etwas kräftiger. Schon am Morgen! Nach meinem Frühstück räume ich Big Blue reisefertig und entsorge noch Müll und Kassette. Noch ein Pluspunkt für das Plätzchen hier – Getrennte Müllentsorgung.
Dabei treffe ich noch Thomas (den Besitzer) und klöne mich mit ihm fest. Er hat schon auf unserer Homepage gestöbert und möchte ganz viel über Schafhaltung – insbesondere mit Heidschnucken – wissen. Irgendwann gesellt sich seine Frau dazu. Als dann noch die Bauarbeiter, die hier zurzeit Strom und Glasfaser in die Erde bringen und ein Nachbar an der geselligen Gesprächsrunde teilnehmen, mache ich mich auf den Weg.
Da die Brücke direkt hier nach Lingen rüber ja für KFZ gesperrt ist und in die andere Richtung eine Brücke mit nur 3,20 Meter Durchfahrtshöhe im Weg steht, muss ich mich wieder über Waldwege aus dieser „Wildnis“ befreien.

Nachdem ich dann um Lingen rum bin, geht’s für fast zehn Kilometer schnurgerade aus am Dortmund-Ems-Kanal entlang. Da fallen einem ja schon am hellen Tag die Augen zu. Wie mag das hier wohl nachts sein?
Da ich nur NDR 2 hören kann (immerhin nicht die NDR Nachtmusik – in Memoriam an Gunter Gabriel) und auch nicht die Möglichkeit habe auf AFN zu wechseln, höre ich wieder mal, wie schon die ganze Zeit in der ich unterwegs bin, die Staunachrichten. Die sagen nur noch Staus über drei Kilometer Länge an. Und brauchen dafür circa fünf Minuten. Und getoppt wird dieser Nachrichtenberg dann mit der Meldung: „Wartezeit an der Fähre Wischhafen-Glückstadt vier (!) Stunden!“ Ich hatte bislang, außer in Bonn am Bahnübergang im Wohngebiet, nicht einen einzigen Stau. Selbst heute nicht, am Freitag den 13-ten.
In Haren (den LehrerInnen unter meinen Lesern kommt da natürlich sofort das Ferien-KZ-Dankern in den Sinn – ein Ziel für Klassenfahrten, an welches sich viele mit Grausen erinnern) habe ich die Wahl zwischen einem kleinen Stellplatz in der Marina, einer großen Knaus Käfighaltung oder dem kommunalen Stellplatz am ehemaligen Anleger der Amisia. Da ich nach den letzten kostenpflichtigen Wochen mal etwas weniger Geld ausgeben möchte, entscheide ich mich für den Letzteren – nicht nur weil er nichts kostet, sondern auch der schönste von den Dreien ist und direkt an der Ems liegt. Hier deckt sich der Verlauf des Flusses mal wieder mit dem des Kanals. So ist mal wieder Schiffe gucken angesagt.



Meine Erkundung des Ortes mit dem Rad ist auch vielversprechend. Im Gegensatz zu Lingen finde ich hier eine recht ansprechende Innenstadt mit ausgeprägter Fußgängerzone vor. Auch hier dominieren Gastronomie und (Lebensmittel-) Läden von Betreibern mit Migrationshintergrund. Dazu gehören auch italienische Eisdielen (Ohne diese Mitbürger würde es hier ganz schön verlassen aussehen). Die am Kirchplatz habe ich dann schon mal für morgen vorgemerkt.

Der Wochenmarkt ist leider schon vorbei und der übriggebliebene Fischwagen ist sehr niederländisch geprägt und so sieht auch sein Sortiment aus. Da ist nichts dabei, was mich lockt.
In dieser, eher als klein zu bezeichnenden, Fußgängerzone vier – in Zahlen „4“ – TEDi-Läden. Diese werden zu großen Teilen von Holländern frequentiert. Kleiner Grenzverkehr. Und diese Grabbelläden, genauso wie die großen Lebensmittelmärkte im Stadtrandgebiet sind auf diese Kundschaft echt eingeschossen. Beschriftungen und Werbeslogans zu großen Teilen in Holländisch.
Am Haren-Rütenbrock-Kanal finde ich noch ein (kleines) Schifffahrtsmuseum. Ich begnüge mich mit den Außenexponaten.



2024-09-14 – Radtour in die Umgebung von Haren (Ems)
Neben den Radwegen entlang der Ems beziehungsweise des dazugehörigen Kanals treibt mich die Neugier, mir die anderen Stellplätze hier anzuschauen. An der Marina steht man auf einem befestigten Parkplatz mit Blick auf den Hafen. 15,00 € für das Angebot von Müllentsorgung und Toiletten rechtfertigt meiner Meinung nach nicht den Preisunterschied zum kommunalen Platz. Bei der Knaus-Käfighaltung habe ich mich ja gestern schon mit Grausen abgewendet. Meine Nachfrage, ob ich als Durchreisender ohne Übernachtung hier entsorgen könne wurde mit einem Lächeln verneint.
Etwas stromab finde ich noch den Biolandhof Bockholter Beete, der neben seinen Schafswiesen tatsächlich schöne Plätze anbietet. Leider ist der Boden zurzeit für mich zu weich. Und der recht gut bestückte Hofladen hat leider auch nichts in den Regalen, was mich zurzeit reizt. Ist aber ein schöner Platz, allerdings ohne Schiffe Gucken. Aber ist ja nicht jeder so gestrickt wie ich.
Es gibt hier in Haren (Ems) tatsächlich in den mehreren Häfen – zum Teil in den Altarmen – noch Werften, in denen die Flussschiffe gewartet, vielleicht auch noch gebaut, werden. Drumherum habt sich dann noch das Zuliefergewerbe – Aluminiumbauer, Schiffsausrüster und so weiter angesiedelt. War mir nicht mehr so bewusst, dass es diese Gewerbe in Deutschland noch gibt.





Die Radwege entlang der Ems sind schön angelegt und führen durch sehenswerte Landschaft. Sie sind mit feinem Splitt gedeckt. Das macht das Treten ein bisschen anstrengend. Da die Ems hier mächtig kurvenreich ist, entfernen sich die Radwege leider häufig vom Flusslauf. Das ist schade. Denn durch Felder – mit viel Maisanbau – kann ich auch woanders radeln, wenn ich immer nur auf grüne Mauern schauen will.
Etwas weiter entfernt blickt stromauf ein riesiger Kühlturm über den Horizont. Er ist mit einer Weltkarte bemalt. Und ja es ist ein ehemaliges Gaskraftwerk, welches nach 26 Betriebsjahren stillgelegt wurde und jetzt den Funpark Meppen-Hüntel beherbergt.

So geht Schiffe gucken!
2024-09-15 – Haren (Ems) am Sonntag
Wieder lange geschlafen, weil ich gestern Abend noch lange mit meinem Nachbarn zusammengesessen habe. Erstaunlich lange ist es so mild gewesen, dass uns die Kälte erst nach 22:00 Uhr reingetrieben hat.
Heute starte ich den Tag mit der Erkundung der anderen Ems Seite – natürlich per Rad. Ein sehr schöner (Rad-) Wanderweg verläuft nahezu ständig am Flussufer entlang. Auch hier befindet sich noch ein alter Ems Arm in dem eine Marina und eine Werft für die Berufsschifffahrt angesiedelt.




Und wieder mache ich die Erfahrung, dass die Welt doch recht klein ist. Auf der Ems kommt mir die „Weserbergland“ entgegen.

Am Radweg haben die ansässigen Heimatvereine Rast- und Ruheplätze eingerichtet. Teilweise thematisch mit einigem Witz versehen. Und sogar etwas Gastronomie findet ich auch.





Zurück in Haren (Ems) treffe ich am Feuerwehrgelände auf das 50-Jahrjubileum der hiesigen Feuerwehr. Das übliche Programm: Technik, Bier und Bratwurst.

Bei der Technik fallen mir zwei Fahrzeuge der BW-Feuerwehr aus Meppen für die Moorbrandbekämpfung besonders auf: Ein zweiteiliges Kettenfahrzeug, hergestellt größtenteils in Singapur (!) und ein Tatra (!)-Großlöschfahrzeug. Soviel zur Unterstützung des heimischen Gewerbes durch unsere öffentlichen Einrichtungen und politischen Verantwortungsträger.




Aber wie auch bei uns – wenn die Feuerwehr feiert, kommen alle und der Platz ist voll. Sicherlich auch, weil die Sonne jetzt mit Macht durch den Hochnebel stößt und es angenehm warm ist.
Später geselle ich mich dann noch zu ein paar Österreichern in der der Eisdiele und verzehre meinen üblichen Bananen Split.
Der Tag klingt aus am Ufer der Ems.

2024-09-16 – Heeder See
Ich wache auf und sehe, wie mein Nachbar seinen Joghurtbecher vom Morgentau befreit. Ob ihm klar ist, dass er damit feinste Kratzer, denn im Tau sind auch Staubpartikel, in seinen Lack massiert? Ich sage mal nichts dazu und wende mich mit Schaudern ab.
Nach meinem Frühstück fahre ich noch an der Kläranlage vorbei und entsorge meine Kassette und lasse mein Grauwasser ab. Alles ganz problemlos und umsonst. Ich lasse den Mitarbeitern einen kleinen Obolus für die Kaffeekasse da.
Da ich mir irgendwie nicht sicher bin, wo ich meine nächste(n) Nacht/Nächte verbringen möchte, werde ich mehrere Plätze der Reihe nach abklappern. Der erste, bei Sustrum, liegt sehr schön, aber die Leute dort bewerten lieber die sanitären Anlagen, als dass sie die Natur um sich rum wahrnehmen.
Aber schon der zweite Platz, der Heeder See ist ein Volltreffer.


Bevor ich mich endgültig entscheide, schwimme ich erst einmal eine Runde. Die Sonne scheint und das total klare Wasser ist mit 20°C noch echt warm. Nur wenn die Sonne sich mal hinter die Wolken verkriecht, fröstelt es mich ein bisschen. Aber hier werde ich bleiben. Es gibt unzählige und unterschiedlichste Stellmöglichkeiten auf den, von der Gemeinde für PKW, Krad und Wohnmobile (Auszug aus den Regeln für das hiesige Freizeitgelände) zur Verfügung gestellten, kostenpflichtigen (4,00 € Tageskarte) Parkplätzen. Ich entscheide mich für das Plätzchen unter Eichen am Kiosk und Toiletten.



Ich versuche in Heede noch etwas einzukaufen. Leider erfolglos, da der Bäcker mit anhängendem Lebensmittelgeschäft noch bis zum 19-ten Betriebsferien macht.
Dafür finde ich eine 1000-jährige Linde von monumentalem Ausmaß. Daneben komme ich mir sehr klein und mit meinen 71 Jahren sehr jung vor. Irre dieser Baum.




Den Rest des Tages vertrödele ich mit dem Camorra-Thriller „Viper“ von Michael Morley am Strand. Allerdings werde ich schon sehr schnell von einer polnischen „Mutti“ in ein unterhaltsames Gespräch verstrickt. Irgendwie entwickelt sich den Nachmittag über dieser Biergarten hier sowieso zu einem Treffpunkt von mehrheitlich polnischen Frauen. Und lustig geht’s zu.
2024-09-17 – Wie gestern und Ausflug nach Dörpen
Eigentlich wie gestern. Mit drei Unterschieden: 1) Die Sonne scheint konstant und warm ab 10:30 Uhr und 2) Ich radle nach Dörpen zum Einkaufen und Eis essen. Letzteres scheitert an nicht vorhandener ansprechender Eisdiele und 3) Ich lasse heute mal Kochen: Pizza Salami am Strandkiosk. Erstaunlich gute Pizza.
Übrigens: Auf der Rückfahrt von Dörpen schaue ich mir noch den dortigen Campingplatz an. Direkt an der Ems, aber in der Nähe der Autobrücke und überwiegend Dauercamper. Also nichts für mich im Rahmen der weiteren Planung.
2024-09-18 – Wie gestern
Wetter wie gestern. Meinen Ausflug zur Vesting Bourtange verschiebe ich auf morgen. Dafür gehe ich mehrmals Schwimmen, denn das Wetter lädt dazu zwingend ein.
Und am Abend fallen hier dann die Aliens ein.
2024-09-19 – Wie gestern
2024-09-20 – Einkaufen, Baden, Lesen, Klönen
Heute kommt die Sonne sofort mit ihrem Aufgang auch durch den Hochnebel durch und so drehe ich meine erste Schwimmrunde gleich nach dem Frühstück so gegen 10:00 Uhr. Anschließend werfe ich eine Münze, ob ich in Heede oder Dörpen einkaufen gehen (mit dem Fahrrad fahren) werde. Dörpen gewinnt.
So nutze ich noch die Möglichkeit, mich dort nach dem neuen Stellplatz umzuschauen. Er ist am Ortsrand auf dem Schützen- beziehungsweise Festplatz angesiedelt. Eine befestigte große Grünfläche, die dem Heimat- oder Schützenverein gehört. An einem Tag in der Woche ist er nur teilweise nutzbar, weil auf dem großen Teil dann die Bogenschützen unterwegs sind. Zurzeit kann man dort auch entsorgen. Das ist genauso wie der Platz ansich, noch (!) kostenfrei. Ab nächstem Jahr soll dann auch die Versorgung mit Trinkwasser und Strom fertig sein. Dann wird kassiert werden. Mein Fazit: Der Platz ist nicht schlecht, der Heeder See ist um Längen besser!

Auf dem Weg zum Lebensmittelladen schaffe ich es nicht, an der Eisdiele, ohne diese zu nutzen, vorbei zu kommen. Also wieder mal ein Früchtebecher in Ruhe genießen.
Dann noch ein paar Lebensmittel einkaufen und zurück zum See. Ich es ist schon mächtig warm und ich muss ins Wasser.
Es sind wieder genug Menschen – hiesige und Urlauber – da um ausgiebig zu klönen. Der Kiosk macht heute auch etwas früher auf.

Ich nutze die Zeit des Trockenwerdens zwischen den Badegängen mal in Weener im Hafen 55, anzurufen, ob sie für mich als Landvergnügen Mitglied morgen ein Plätzchen frei hätten. Sie haben. Also werde ich morgen einen Platzwechsel vornehmen.
Aber vorher genieße ich noch den Abend hier – mit Sonnenuntergang!
2024-09-21 – Weener Hafen 55
Heute Morgen bin ich doch etwas überrascht. Die Klos sind um 10:00 noch abgeschlossen. Das ist neu. Naja. Ich werde es überleben.
Noch ein letztes Mal auf der Terrasse frühstücken, Abwaschen und reisefertig räumen. Zum Abschluss noch eine Runde schwimmen. Mit den ersten – schon bekannten – Badegästen kurz klönen. Dann los. Schnell noch auf dem neuen Stellplatz in Dörpen entsorgen und weiter geht’s nach Papenburg. Ich habe mir die Werfthallen der Meyer Werft echt noch größer vorgestellt. Meine Bewunderung hält sich in Grenzen. Vor allem die über die Wohnmobil Stellplätze dort. Schon mal den Spruch mit dem „tot über den Zaun hängen“ gehört. Wie gesagt, ich dort nicht.
Die Ankunft in Weener ist schon sehr „informativ“. Denn wegen einer Baustelle und einer Veranstaltung im Ort werde ich durch die kleinen innerörtlichen Sträßchen zum Alten Hafen gelotst. Trotzdem finde ich den Landvergnügen Platz hinter dem Hafen 55 sofort.



Und auf dem direkt daneben am Wasser gelegenen kostenpflichtigen Stellplatz auch sofort die Trinkwasserversorgung.

Da fülle ich erst einmal auf und begebe mich anschließend ins Landvergnügen. Bei der Anmeldung am Essenbestelltresen mache ich erstmalig die Erfahrung, dass auch LV mittlerweile IT-Zeitalter angekommen ist. Hier brauche ich keine Anmeldung mehr ausfüllen. Nein, meine Mitgliedskarte wird einfach eingescannt. Mal was Neues. Werden wir auf unserem Hof aber nicht einführen. Denn das Ausfüllen der Anmeldung ist ja die erste Gelegenheit, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.
Anschließend mache ich mich mit dem Fahrrad auf ins Dorf.


Die oben erwähnte Veranstaltung ist ein Markt auf den Straßen mit dem typischen Angeboten: Rummel, Essen, Trödel. Hinzu kommt, und das ist nicht alltäglich ein Mittelaltermarkt (allerdings nicht mit dem in Hoya zu vergleichen) und eine Oldtimershow.









Was ist nur los heute? Denn bei der Fahrt von Heede nach Dörpen war ich schon einmal heute in eine Schlage von – in diesem Fall LKW – Oldtimern eingereiht. Und die meisten, dort wir hier, mit niederländischem Kennzeichen.
Anschließend mache ich noch die Runde durch die (alten) Häfen des Ortes und treffe dann sogar noch auf die Baustelle an der Friesenbrücke, die ein (betrunkener?) Kapitän am 2015-12-03 umgefahren hat. Was das dauert. Bislang sind nur an den Ufern die, jetzt erhöhten, Rampen angeschüttet. Aber noch keine Gleise drauf und auch noch keine Brückenendauflager fertig. Nur ein Teil der Stahlkonstruktion liegt halbfertig am gegenüberliegenden Ufer.





Nach Begrüßung der Deichschafe setze ich mich dann beim LV-Gastgeber Hafen 55 auf den Kai des alten Hafens und schlecke erst einmal mein obligatorisches (fast tägliches) Eis. Echt ein ganz toll angerichtetes Früchteeis: Eis gut, Früchte gut, Sahne gut. Mit Blick auf die Boote im Hafen, die meisten sind Oldtimer, oder wie man maritim sagt, Traditionsschiffe, bemerke ich nach einiger Zeit, dass die Eiskugel sich in meinem Bauch nicht auflösen will. Daher schiebe ich einen Kakao nach. Der war allerdings eine Enttäuschung: Nicht richtig heiß und mit Wasser zubereitet. Schade eigentlich.
Wie ich anschließend im Auto sitze und diese Zeilen tippe, fährt auf den Stellplatz (siehe Foto) ein weiteres – viertes – Wohnmobil. Durch bis zum Anschlag. Dann rangiert er solange, bis er andersherum steht und will den Platz wieder verlassen und touchiert dann Big Blue vorne links an der Stoßstange. Er steigt aus, begutachtet sein Auto, steigt ein und will weiterfahren. Als ich ihn stoppe und zur Rede stelle, sagt er doch zu mir, er hätte ja Angst gehabt, bei sich einen Schaden zu haben. Da er dort – bei sich – aber nichts erkennen konnte, ist er davon ausgegangen, dass er ohne 1) bei mir gucken und 2) ohne mich ansprechen zu müssen einfach davonfahren könnte. Da kann man nur fassungslos staunen. 1) Warum ist er den Platz nicht zu Fuß abgegangen und 2) warum versucht er dann Fahrerflucht zu begehen? Ich denke mal, er würde, wenn er bei uns auf den Platz käme, sich in der Reihe derjenigen einreihen, die am helllichten Tag vorwärts auf unserem sechs Meter breiten Weg in den Graben fahren würden. Und darüber hinaus nicht wüste, wo an seinem Auto die Abschleppöse ist. Warum dürfen solche Leute Auto fahren?
So genug gemeckert. Noch ein bisschen Bilder bearbeiten und dann den ganzen Kram hochladen. Dann ist Feierabend.

Doch nicht ganz. Irgendwie habe ich Bock auf Fisch. Ich versuche noch mir ein Fischgericht zu bestellen. Leider wird mir eine Wartezeit von mindestens einer Stunde avisiert. Da es, jetzt wo die Sonne schon untergegangen ist, schnell kalt wird, verzichte ich dankend. Und habe dann am Kai noch ein nettes Gespräch mit einem Pärchen, welches mit einem VW-Bus T3 unterwegs ist. Da werden Erinnerungen wach.
Aber jetzt ist wirklich Feierabend.
2024-09-22 – Esterwegen, Zum Erika See
Ich entscheide mich nach dem Frühstück, mich nicht noch einen Tag und eine Nacht an den kostenpflichtigen Stellplatz am Alten Hafen direkt an den Kai zu stellen, sondern ich fahre weiter – oder auch in Richtung nach Hause – nach Esterwegen an den Erika See. Sind ja nur circa 40 Kilometer. Die Orte, durch die ich komme sehen für mich immer noch so niederländisch aus: Flach, kein historischer Ortskern und viel flächenraubendes Gewerbe.
Bei meiner Ankunft am See ist der kleine Stellplatz noch gut ausgelastet. So warte ich auf die Abreise einiger und ergattere so einen Randplatz mit Blick über eine ungemähte Wiese.

Der See ist keine 50 Meter entfernt über einen Wall zu erreichen. Was ich auch gleich mache, denn auch heute Morgen habe ich mal wieder nicht geduscht. Das war mir in Weener zu umständlich.
Ich merke sofort, dass ich durch meine knappe Woche am Heeder See verwöhnt bin. So ein klares Wasser wie dort finde ich hier nicht vor. Auch keine lustige Tikki Bar mit Terrasse und Biergarten. Hier ist am Badestrand ein Döner Grill, der auch ein gutes Eis anbietet. So wandern wieder drei Kugeln in meinen Bauch.


Am anderen Ende des Sees finde ich dann noch einen wirklich schön angelegten Minigolfplatz und Tretboot- und Stand-Up-Paddel Verleih, ebenfalls mit Biergarten und einer kleinen Speisekarte. Im weiteren Umfeld des Sees hat die Gemeinde dann noch Jugendzeltmöglichkeiten, einen Skatbord-Park, einen Spielplatz und zwei Grillplätze mit Hütten angelegt. Also, es kann einem hier nicht langweilig werden.Da heute, am Sonntag, noch die Sonne warm vom Himmel scheint, lungere ich natürlich viel auf den Liegewiesen rum.




Heute Abend allerdings, ich sitze noch draußen, treiben mich dann die Mücken recht schnell ins Auto. Haben mir ja schon viele auf dieser Tour erzählt, dass sie von Mücken geplagt wurden. Mich nur in den ersten Tagen – Anfang August -, da allerdings heftig. Dann bis heute eigentlich gar nicht mehr. Aber was solls.
2024-09-23 – Rad Tour nach Esterwegen
Wie ich schon gestern beschrieb, sind die Ortschaften hier nicht so interessant.
Auch Esterwegen ist eigentlich nur deswegen interessant, weil es dort mehrere Lebensmittelläden – sprich Supermärkte – und zwei Zahnärzte gibt. Denn ich habe seit Tagen an der Stelle, wo mir vor circa drei Monaten ein Backenzahn rausoperiert wurde, Schmerzen. Aber einen Arztbesuch vertage ich.
Irgendwie gibt es hier dann auch noch eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Diese erinnert stellvertretend an 15 Konzentrationslager, die die Faschisten im Emsland betrieben haben. Erklärungsbedarf besteht nach meinem Empfinden dafür, warum diese Gedenkstätte vor Jahren von Papenburg hierher verlegt wurde. Sollten da die Papenburger Honoratioren aktiv geworden sein um eine eventuelle inhaltliche und historische Nähe zu ihren Unternehmen zu verschleiern? Ist ja mal eine Google-Recherche wert.
Interessanter finde ich dann doch die Esterweger Dose. Als das größte mitteleuropäische Hochmoorgebiet steht es unter strengem Schutz und beherbergt eine Unmenge an Tieren und Pflanzen, die nirgendwo anders noch gefunden werden.
Da heute das Wetter etwas durchwachsener ist, treibe ich mich nicht so ausgiebig, wie an meinen anderen Tagen an irgendwelchen Seen, am Wasser herum. Ich nutze die Zeit kurz in den Ort zu fahren um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Zur Gedenkstätte ist es mir dann aber doch zu weit. Ebenso in die Esterweger Dose. So radele ich hier zwischen den Wiesen und Feldern herum – die Maisernte hat begonnen. Fast hätte ich einen Mais Zug umkippen sehen. Die „Maschinistenfachkraft“ am Steuer des Traktors hat sich sehenden Auges schon mit dem Zugfahrzeug einseitig dermaßen eingewühlt und nur durch Zufall dabei den voll beladenen Anhänger nicht umgeworfen. Hat mich doch sehr an die „Spezialistenarbeit“ unseres hochgeschätzten Nachbarn Gü. He. vom Stührb. in Ba. erinnert.
Bei kurzen Schauern immer mal wieder drinnen sitzen, dann wieder raus.
Morgen, am Dienstag, soll es ja noch einmal regenfrei sein. Dann Dauerregen bis zum Wochenende. Mal sehen was das dann für mich bedeutet.
2024-09-24 und 2024-09-25 – Immer noch Erika See
Es ist nicht zu übersehen: Es ist Nachsaison. Nichts mehr los. Das meiste hat zu. Aber der See ist noch warm und offen. Schwimmen in den Regenpausen macht immer noch Spaß. Und der Dönerfritze am einen Ende vom See freut sich darüber, dass ich täglich bei ihm in seiner kurzen Öffnungszeit mir mein Eis hole. Er will es vor dem Winter auch los werden. Daher sind die Kugeln jetzt so groß wie Äpfel und kosten nur noch einen Euro.
Am letzten Tag hier am Erika See falle ich dann doch noch über den Biergarten am Minigolf ein und gönne mir zwei Bier bei einem Klönschnack mit der Betreiberin.
2024-09-26 – Nach Großenkneten – wird dann aber Hoya
Die ganze Nacht hat es geschüttet. So fällt es mir nicht so schwer, heute hier meine Zelte abzubrechen um mich meinem Zuhause zu nähern. Klo entsorgen und spülen, Grauwasser ablassen und los geht’s.
In Saterland finde ich eine echt preisgünstige Tankstelle: 1,419 €/Liter Diesel. Ich weiß gar nicht, worüber unsere ganzen Ampelgegner so rummeckern und -schwurbeln?

Großenkneten habe ich mir anders vorgestellt. Hier am Wendeplatz des Kindergartens für die Helikopter Mütter mit ihren SUV’s ist es mir doch zu „lebhaft“. Außerdem stehe ich hier unter Eichen, die sich entschieden haben bei dem heutigen Wind mächtig mit ihren Eicheln um sich zu werfen. Das knallt auf meinem Dach, dass ich mir keine ruhige Nacht vorstellen kann. So suche ich ein Ausweichquartier. Sulingen oder Hoya. Letzteres hat den Vorteil, Schiffe gucken zu können und wenn der Platz schon voll sein sollte, ich nach Schweringen an die Fähre ausweichen kann.
Aber auch hier sind die Nachsaison und das Wetter nicht zu übersehen. Wir sind hier zu dritt. Ein Gast hier hat Kistenweise Walnüsse gesammelt und ist sie jetzt in mehreren Kisten am Trocknen. Da hat er dann für den Winter genug. Das reicht dann auch noch für unterm Weihnachtsbaum – „Apfel, Nuss und Mandelkern mögen alle Enkel gern.“
Im öffentlichen Bücherschrank von Hoya habe ich endlich meine verbrauchte Literatur gegen (von mir) ungelesene eintauschen können. Auch wenn die hier diesen Schrank echt mit viel Mühen versteckt haben.

Und das hier soll denn das letzte Bild von dieser zweimonatigen Bewegungsfahrt sein.

































