2024-06-20: Northeim
Gegen Mittag komme ich los und hangele mich auf der B6 und B3 durch bis Northeim. Der Stellplatz auf dem Lidl, Aldi und Kik-Parkplatz ist zwar schön gerade und asphaltiert. Aber nicht mein Ding. Der Platz – fast in Sichtweite – an der alten Brauerei ist da schon ein anderes Kaliber: Unter Bäumen (kein Fernsehempfang), schief und krumm. Das filtert das Klientel, was hier übernachtet, doch sehr stark aus. Und in der Altstadt, zu Fuß circa 10 Minuten finde ich einen öffentlichen Bücherschrank und eine wirklich gute Eisdiele. Damit geht der Tag einem guten Ende entgegen.
Was fällt mir hier in Northeim besonders auf? Ich sehe hier eine schier unübersehbare Menge an Frisörläden. Genauer gesagt Barbieren. Und nahezu jeder dieser Läden wird auf der einen Seite mit einem Café und auf der anderen mit einem Imbiss verschiedenster Nationalitäten flankiert. Und hier „promenieren“ die Jungs mit ihren frisch gestutzten Bärten und aufwendigen Kopfputzen. Immer wieder lustig anzusehen.
2024-06-21: Weiter nach Silkerode
Nach einem späten Frühstück unter schattenspendenden Bäumen geht es heute in den Südharz. Zu Freunden von Fussel Philipp aus seiner früheren Zeit. Ich treffe auf eine Gruppe von Menschen, die kommuneähnlich dort zusammenleben – in einer alten Schule, die gerade eine sehr aufwendige Sanierung erfährt, mit eigenen Teich und großem Gemüse- und Obstgarten. So wie wir aus der Hippe- und Alternativbewegung im Westen uns das (Zusammen-) Leben vor 40 bis 50 Jahren vorgestellt haben.
Es regnet Bindfäden – trotzdem räumen wir das Gelände auf, bauen auf dem firmeneigenen LKW (ein MB LN 2/814 LK, aber leider mit 5-Gang-Getriebe – kann ich nicht gebrauchen) die Bühne auf und bereiten Tische und Bänke am Lagerfeuer vor. Irgendwann hat Petrus ein Einsehen und belohnt unser Tun mit einer Wetterbesserung. Die Gruppe Tolleranz, sie setzt sich aus Bewohnern und deren Freunden zusammen, probt schon einmal für ihren morgigen Auftritt. Es ist schon so etwas wie eine Vorprämiere. Die Gäste, die zu den „Reisenden“ gehören treffen mit ihren Wohn-LKW ein. Das Fahrzeug mit weitesten Anfahrt hat ein Kennzeichen aus Guinea.
Von nicht ganz so fern tauchen auch meine Freunde Sven und Christina aus Ottendorf bei Pirna auf. Die beiden hier zu treffen ist für mich eine besondere Freude!
2024-06-22: Feuerfest
Wir gehen den Tag ruhig an. Letzte Vorbereitungen gehen über in das Sorgen für das leibliche Wohl: Essen und Trinken.
Das Ganze umrahmt von einer Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Gastgeber die sicherlich ihresgleichen sucht.
Fussel Philipp hält einen ausführlichen Vortrag über sein Permakultur Projekt in Togo – PermaTogo. Auch hier sucht er dafür MitstreiterInnen. Nicht nur wie im letzten Monat bei „Bauer sucht Frau international“ auf RTL.
Irgendwann am Abend dann Live-Mucke und Lagerfeuer bis Mitternacht: Eigene und Cover, Wohlfühl- und Politsongs.
Wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass Heidi letztes Wochenende in Braunschweig war um sich mal wieder „Sweety Glitter and the Sweetharts“ reinzuziehen, bin ich froh, dass das hier klein und überschaubar – fast familiär ist. Auch wenn ich Sweety Glitter and the Sweetharts selbst auch für phänomenal halte, merke ich immer wieder, große Menschenmassen sind nicht mehr so mein wirkliches Ding. Ob das am Alter liegt? Ich glaube nicht. Es ist mehr das Ergebnis von 71 Jahren (Lebens-) Erfahrung.
2024-06-23: After Party-Day
Ich entscheide mich, den Sonntag noch hier zu bleiben. Gemütlich zusammensitzen, aufräumen, Lagerfeuer schon tagsüber anschüren, Reste aufessen, Spazieren gehen und (Reise-) Erlebnisse austauschen. Ein gemütlicher Tag. Auch wenn die meisten schon abreisen müssen, denn nur wenige sind schon Rentner oder zumindest nicht einer regulären Lohnarbeit verpflichtet. Alles in allem ein schöner Tag zum Ausklang dieses Wochenendes.
Ja, wenn nicht dieses unangenehme Grundrauschen wäre. Sprüche einiger Gäste wie „Außengrenzen dicht machen“, „Die Asylanten klauen hier wie die Raben“, „Letzte Woche haben sie wieder welche, die (angeblich) geklaut haben, durchs Dorf getrieben“ und „In unser Thüringen trauen sich diese Kanaken glücklicherweise kaum mehr – und nach Sachsen auch nicht“! Dazu immer wieder die stereotypen Beteuerungen: „Wir sind doch im Recht aber doch nicht rechts!“ Das ist die andere Seite dieses Wochenendes. Leider!
2024-06-24: In Richtung Zuhause – ersteimal nur bis Bühren
Dem Tipp von Kerstin Pearl Behnke und Michel Ontour folgend wechsle ich zu einem kleinen privaten Stellplatz in Bühren. Bei meiner Ankunft dort bin ich auf das Angenehmste überrascht. Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Zwischen dem Dorf und dem Wald hat eine (Künstler-) Familie (Bettina und Enno) auf einer Wiese einen wirklich schönen Stellplatz eingerichtet. Hierzu lasse ich am Besten nur die Bilder sprechen.





Und am Hang gegenüber grast eine braune Ammenkuhherde mit Kälbern. Hätten diese Kühe Hörner, könnten es welche der aussterbenden Rasse „Harze Rote“ sein. So wie früher unsere Erna.
Wunderschöne Radwege verführen mich noch zwei Radtouren zu unternehmen. Dabei entdecke ich den Kulturpfad Bühren – auch den hat die Betreiberin des Stellplatzes angelegt – mit phantasievollen Kleinkunst Installationen am Wegesrand. Inklusive der Gestaltung der Schedequelle. Es macht wirklich Spaß diesen circa 2,8 Kilometer langen Weg abzuwandern. Mit dem Fahrrad übersieht man doch einiges.
Gegen Abend kommt die Bettina, schaut nach dem Rechten und möchte kassieren. 5,00 €/Nacht/Fahrzeug. Das kann ich mir gerade noch leisten.
Im längeren Gespräch über alles Mögliche und Gott und die Welt miteinander stellen wir fest, dass die Beiden 2016 oder 2017 schon bei uns auf unserem Hof Schwarzes Moor mit ihrem Wohnmobil zu Gast waren. Das zum Thema „So klein ist die Welt“.
2024-06-25: Es geht nicht weiter
Nach meinem Frühstück entschließe ich mich, noch einen Tag hier zu bleiben. Die Ruhe genießen (die Schweizer, die hier gestern noch aufgeschlagen waren, sind schon wieder abgereist), in den schattigen Wäldern Radtouren unternehmen und einfach noch etwas die Seele baumeln lassen.
Bei meiner längeren Radtour finde ich Grill- und Rasthütten in einer Menge vor, wie ich es noch nirgendwo so erlebt habe. Dann treffe ich auf den Danzeküppel (ein alter Hexentanzplatz), mittelalterliche Grabstätten / -friedhöfe und immer wieder auf Kunstinstallationen. Alles sehr umfassend mit Informationstafeln versehen. Hier könnte ich so richtig einen auf Kultur machen. Ein bisschen davon ja, aber ich genieße dann doch lieber den Blick über die hiesige, bergige Naturlandschaft. Das ist mehr so mein Ding.






2024-06-26: Nach Hause
Wieder ein sonniger Morgen. Noch vor dem Frühstück eine Runde mit dem Rad. Dann beim Frischkornbrei mit Kirschen kommt Bettinas Vater vorbei. Er warnt mich vor Regenwetter. Starkregen! Es könnte sein, dass ich dann auf der Grünfläche versinke. Ich kann ihn beruhigen, denn ich will ja in Kürze los.
Querfeldein durch den Naturpark Münden Richtung B3. Auf der komme ich recht ungestört bis Hannover. Die Umweltzone ist dort ja aufgehoben. So kann ich auch die Friedrich-Ebert-Straße nutzen, die offiziell für mich jahrelang tabu war. Es erspart mir einiges an Lenkradkurbelei durch das Industriegebiet.
Dann weiter auf der B6, das fühlt sich schon an wie zu Hause. Und das von Bettinas Vater apostrophierte Unwetter bleibt auch aus!
Hinweis: Die Copyrights der Bilder liegen beim Hof Schwarzes Moor, bei Sven Purple und Michel Ontour.








































































