Tour „Septembertreffen“
So, dieses Jahr habe ich mir so um den September für ein bisschen Rumfahren vorgenommen. Ist dann nicht ganz so geworden wie geplant, aber hat mir doch recht viel Spaß gemacht.
Neu bei unseren Tourenberichten findet ihr unsere Tipps für „Selbstversorger. Also Tipps für diejenigen unter uns, die unterwegs versuchen selbst Obst, Gemüse und Wildfrüchte saisonal frisch zu ernten. Natürlich das nur an Stellen, an denen es erlaubt ist und ihr nicht einem armen Mütterchen die Früchte aus ihrem Garten wegnehmt.
2023-09-01 – Start nach Ottenstein (Sonjas Geburtstag)
Es ist mal wieder soweit: Sonja hat Geburtstag. Seit sie ihr Leben in Spanien auf der Ziegenwiese und in ihrer eigenen Finca beendet hat und hier in Ottenstein bei Polle an der Weser lebt, ist es mir immer wieder ein Bedürfnis, sie zumindest (denn meist komme ich ja darüber hinaus nicht dazu, bei ihr vorbei zu schauen) zu ihrem Jubeltag zu besuchen. Auch dieses Mal ist es wunderschön, das Wochenende in ihrem Garten mit ihr und ihren hiesigen FreundInnen zu verbringen. Bei bestem Wetter verbinden wir das gemütliche Zusammensein mit Grillen und Arbeiten im Gemüsegarten. Und es gibt einiges zu erzählen.



Nicht unbedingt mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass von den langjährigen Wohnmobil FreundInnen es keine(r) mehr geschafft hat, zu diesem Anlass vorbei zu schauen. Tja, in dieser Scene ist das Leben – ich sage mal – sehr schnelllebig.
Tipps für unsere Selbstversorger: Auf dem hiesigen kommunalen Stellplatz findet ihr Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Mirabellenbäume. In den angrenzenden Waldränder können zur Saison Brombeeren ohne Ende geerntet werden.
2023-09-04 – Der Lippe See – Eine besondere Erfahrung
Oberflächlich betrachtet liegt dieser Stellplatz ja recht schön. Die Nachteile sind aber gar nicht so schnell aufgezählt:
- Die ganze Nacht fahren die LKW auf der A2 quer durch dein Auto.
- An der gesamten Wasserlinie ist das Baden oder Schwimmen nicht erlaubt und/oder der See ist mit einem Zaun weggesperrt. Ausnahme sind die Strände von zwei Restaurants. Hier musst du aber dafür, dass du dich einfach nur in den Sand setzen oder in Wasser gehen möchtest 5,00 € auf den Tisch des Hauses legen.
- Um dich herum stehen hauptsächlich Wohnmobilisten, die den ganzen Tag entweder unbeweglich rumsitzen, Bier trinken oder ihr Wohnmobil abstauben.
- Und am Morgen werde ich wach, weil auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Sennelager wohl neue Spielzeuge an unsere tapferen Jungs, die unsere Freiheit so erfolglos am Hindukusch verteidigt haben, verteilt worden sind: Viele, viele Hubschrauber, die natürlich auch gleich ausprobiert werden müssen!
Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, ein Platz, den ich jetzt kennen gelernt habe und auf dem ich sicherlich nicht (!) noch einmal aufschlagen werde!
2023-09-05 – Sofort weiter an die Ruhr nach Wickede ans Freibad
Für meine Verhältnisse verlasse ich den offiziellen Wohnmobil Stellplatz am Lippe See recht früh.
Aber nicht bevor ich mit dem Fahrrad den See umrundet habe. Dabei schaue ich mir noch den Parkplatz, circa 800 Meter neben meinem Nachtlager, genauer an. Ich muss zugeben, der ist um vieles attraktiver als der Offizielle. Aber an der Zufahrt dorthin steht ein unmissverständliches Verkehrsschild, welches einige unter uns nicht kennen (wollen). Oder sie betrachten es als unzulässige Einschränkung ihrer vom Grundgesetz verbrieften Freiheit. Und dieses sagt: Durch-, Zufahrt nur für PKW! Naja!





Ich habe mir ein Plätzchen an der Ruhr bei Arnsberg, Im alten Feld über Google Maps ausgesucht. Als ich dort aufschlage, gefällt es mir zuerst dort recht gut. Und ich treffe auch jemanden, der sich ebenfalls als Besucher des Ha KA WE – Treffens outet. Aber bei genauer Betrachtung komme ich doch zu dem Entschluss weiter zu fahren: 1) Bei Temperaturen von circa 40°C kein Baum und kein Strauch der Schatten verspricht und 2) Da am Wasserlauf gebaut wird ist zurzeit kein Zugang zum Wasser vorhanden.
So fahre ich weiter nach Wickede. Immer schön an der Ruhr lang. Ich wusste gar nicht, dass die hier so schön sein kann. Ich stellte sie immer als ein (verschmutztes) Gewässer im rußbraunen Kohlenpott vor. Weit gefehlt!
Der Platz am Freibad ist sehr unscheinbar aber trotzdem schön gelegen. Leider hat das Bad am Tag zuvor sich in die Winterpause begeben. Bei 38°C!
Aber bietet sich ein Plan B. Auf der vor einem liegenden Halbinsel gibt es mehrere Möglichkeiten in der Ruhr zu baden. Im schneller fließenden Arm des Flusses ist es kein Problem, auch wenn das Wasser einem bis zum Hals steht, trotzdem seine Füße noch zu erkennen. So klar ist das Wasser. Aber kalt. So um die zwei Zentimeter.
2023-09-07 – Letzter Platz vor dem Treffen: Ringstraße in Wetter an der Ruhr
Da ich nicht so früh auf dem Werkstattgelände von Nico – ja ich kenne mittlerweile seinen Namen – aufschlagen will, habe ich mir noch einen weitern Platz an der Ruhr rausgesucht. Bei Herdecke in Wetter an der Ringstraße. Dieser Platz trägt natürlich dem, dass er im Kohlenpott liegt, alle Rechnung. Aber er ist recht unkonventionell angelegt. Die Buchten sind groß und kreuz und quer angeordnet.
Und er Ruhrradweg geht direkt daran vorbei. Für mich natürlich eine Einladung, mein Rad auszupacken und los zu radeln. Ich war ja schon einmal im Ruhrpott – mit unserem Buskollektiv aus früheren Zeiten. Schon damals hat es mich überrascht, wie sehr hier, nachdem erkannt war, dass die Kohle keine Zukunft hat, Grün in diesen Molloch des Ruhrgebietes eingearbeitet wurde. Und bei meiner Radtour muss ich feststellen, dass das sich bis heute erhalten hat. Alle Nase lang treffe ich auf kleine Gastronomie – teilweise Bootshäuser, die was zu Trinken anbieten und eine kleine Speisekarte vorhalten. Und von der ganzen Großstadt sieht man vor lauter Bäumen und Auenlandschaft nichts. Traumhaft.


Anders war es mit einigen anderen Gästen auf dem Platz. Es haben sich hier scheinbar welche getroffen, die sich von hier gemeinsam auf den in die Spanienüberwinterung begeben wollten. Das ist ja erst einmal nichts Schlimmes. Aber am Morgen bin ich von einem pfeifenden Geräusch erwacht. Als ich dann aufgestanden bin und mich mit meinem Frühstück vors Auto gesetzt habe, erkannte ich den Grund für die frühe Ruhestörung: Einer von den Joghurtbecherfahrern war dabei mit einer Akkubohrmaschine sein Auto zu polieren. Weil, wie er mir später sagte, den Verkaufswert seines Autos schön hochzuhalten beziehungsweise zu steigern. Kann er das nicht zuhause machen? Oder zu Tageszeiten, wo keiner mehr schläft? Oder auf einer Autobahnraststätte? Oder irgendwo, wo es sowieso laut ist und sonst sich niemand hinstellt? Ich war kurz davor, seine Akkus in die Ruhr zu werfen!
2023-09-08 – Das HA KA WE – Treffen bei Nico
Für mich ist es das erste Mal. Steffi, die Bretterhexe, hat mir diesen Tipp gegeben. Dieses Jahr sicherlich was Besonderes, denn der Chef, Nico, heiratet seine Liebste.
Die Bilder dieses Overlander-Treffens stellt mal wieder Steffi mir zur Verfügung. Danke dafür!







Auf diesem Treffen treffe ich 1) einen TÜV’er, der hier jedes Jahr bei den Gästen auf Wunsch die Fahrzeuge abnimmt und/oder Veränderungen einträgt. Er wird mal nachsehen, wie er mir bei meinem Reifengrößenproblem helfen kann und 2) einen KFZ-Gutachter, der mir für Big Blue ein Wertgutachten erstellen wird.
So ist dieses Wochenende neben dem Treffen mit anderen Overlandern für mich persönlich sehr erfolgreich verlaufen.
2023-09-10 – Nach Hause. Am Montag habe ich einen Zahnarzttermin
Da Nico mir zum Frühstück versichert, dass die Autobahnen hier im Pott am Sonntag nur hierher verstopft sein können (die Polen kommen vom Wochenende zurück zur Arbeit) versuche ich es doch mal mit der Autobahn nach Hause. Und, wie soll ich sagen? Er hat recht. Eine total entspannte Heimfahrt. Und zuhause gleich in die Ernte eingestiegen.
2023-09-13 – Es geht wieder in den Osten: Saalekiez in Brachwitz bei Halle (Saale)
Heute starte ich die zweite Runde meiner September Bewegungsfahrt. Erstes Ziel wird das Treffen „Lange Nacht der Zugvögel“ sein. Da ich die restliche Woche Zeit habe, dort hin zu kommen, mache ich beim Café Saalekiez Zwischenpause. Da ich hier innerhalb der Woche aufschlage, hat das Café natürlich zu. Aber trotzdem treffe ich den Betreiber an und kann mit ihm mal wieder über das Leben im Allgemeinen und Besonderen klönen. Und Radfahren entlang der Saale. Aber zu Jörgs Firma „Georgsenf“ ist es mir dann doch mit dem Rad zu weit. So wasche ich mir den Schweiß von der Radtour auf dem Saaleradweg bei einem Bad in der Saale ab.

2023-09-14 – Gröna – auch an der Saale
Eine Nacht habe ich noch um trotzdem pünktlich in Raguhn-Jeßnitz anzukommen. Ich habe mir dazu ein Plätzchen an der Saale bei Gröna ausgesucht.
Auf dem Weg dorthin leitet mich mein Navi über Straße, von denen ich dachte, dass es solche in Deutschland nicht mehr gibt: Bestes DDR-Blockstein-Pflaster mit großer Wölbung über zweistellige Kilometerentfernungen. Es fällt aber nichts von Big Blue ab. Aber ich habe gegen Ende der Tagesetappe das Gefühl, dass zumindest der Dreck unter dem Auto jetzt endlich abgefallen ist. Er kommt mir leichter vor. Er ist spritziger im Anzug geworden.
Gröna ist ein recht reiches Dörfchen – sagen mir die Eingebornen -, denn sie haben hier unterirdische Kavernen aus DDR-Zeiten, in denen Erdgas verpresst wird. Und das bringt mächtig Gewerbesteuern ein. Und die bleiben in der Kommune.


So ist der Stellplatz zwar einfach und klein aber mit Liebe angelegt. Auch die direkte Umgebung – direkt am Saale-Radwanderweg. Ein schwimmendes Restaurant und ein Biergarten grenzen direkt an. Mehrere überdachte Sitzgelegenheiten ersparen einem das Ausladen der eigenen Tische und Stühle.
Schon bei der Ankunft werde ich von Eingeborenen begrüßt, die scheinbar schon länger das schöne Wetter unter einer oben genannten Sitzgelegenheit genossen haben. Sie weisen mich spaßeshalber darauf hin, dass jeder, der diesen Stellplatz nutzen möchte, erst einmal einen ausgeben müsse. Ich mache zu ihrem Erstaunen aus ihrem Witz gleich bitteren Ernst und stelle (eis-) gekühltes Mönchshof Original auf den Tisch. Das wollen sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen und besorgen weitere Erfrischungsgetränke. Aus dem zweiten Wohnmobil wird noch was selbstgebranntes oder selbstangesetztes beigesteuert. Der Abend wird recht lang.
2023-09-15 – Ankunft beim Treffen „Lange Nacht der Zugvögel“ in Raguhn-Jeßnitz
Nachdem ich mit dem Rad noch nach Bernburg geradelt bin und dort mich auf dem Markt mit ein paar Lebensmitteln eingedeckt habe (leider gibt es hier keinen Käsestand, so dass ich auch zu REWE rein muss) verlasse ich das lauschige Plätzchen Richtung Raguhn-Jeßnitz. Wieder über kilometerlange DDR-Rüttelpisten. Egal wie ich meine Geschwindigkeit anpasse, die Erfahrungen mit Wellblechpisten in der Wüste nutzend, gibt es für diese Wege keine Resonanzgeschwindigkeit. Es klappert und rappelt im ersten und zweiten Gang, bei höheren Geschwindigkeiten in höheren Gängen fällt auch schon mal ein Glas aus dem Regal oder es springt eine Tür auf. Aber am Ende keine verstauchten Daumen, weil mir das Lenkrad aus der Hand geschlagen wurde. Nein. Soweit ist es nicht gekommen.
Bei Ankunft auf dem Veranstaltungsgelände wird mir schnell klar, dass ich zu spät los gefahren bin. Denn mein schattiger Platz am Walnussbaum ist schon belegt. Mist. Aber die Wiese ist groß und ich finde ein anderes Plätzchen, an dem ich für die nächsten drei Tage glücklich werde.

Bei Temperaturen um die 38°C genieße ich die Reiseberichte, die technischen Vorführungen, den Mutzbraten und das Eis Auto.
Am letzten Abend, und das möchte ich auf keinen Fall übergehen, bekomme ich von Reisenden im Kurzhauber eine große, eine ganz große Tüte mit getrockneten Bananen geschenkt. Dafür ein ganz großes und herzliches Danke. Damit habt ihr mir eine sehr große Freude bereitet.

2023-09-18 – Sollnitz am Mildensee
Von Ortsansässigen habe ich den Tipp bekommen, dass man am wenige Kilometer entfernten Mildensee super gut stehen und baden kann.
Also, nichts wie hin. Ich habe ja eine Woche Zeit um nach Hänigsen bei Ütze zum LN2-Treffen zu kommen.




Ein bisschen ungewöhnlich ist die Zufahrt. Es sieht aus wie die Einfahrt auf ein Privatgelände. Dem ist auch so. Ich werde auch gleich von einem Mitbesitzer recht – ich sage mal – direkt empfangen und auf die Regeln hingewiesen. Später entspannt sich das Verhältnis aber komplett. Und es wird ein wunderschöner Aufenthalt. Super See, tolle Badestrände mit FKK Tolerierung und nachts totale Ruhe. Hier kann man Urlaub machen.
Tipps für unsere Selbstversorger: Am Deich wächst wilder Meerrettich.

2023-09-19 – Lappwald
Es ist für meine Verhältnisse schon ein langer Weg vom Mildensee zum Lappwaldsee. Und er führt durch die Magdeburger Börde. Hier habe ich es noch nie windstill erlebt. Eher stürmisch. Aber heute ist es mal wieder grenzwertig. Die Straßen nicht besonders breit und Wind von der Seite. Starker Wind! Sehr starker Wind! Im Radio höre ich, dass auf der A2 mal wieder LKW von der Bahn oder auf andere Fahrzeuge gepustet werden und die Autobahn mehrere Stunden komplett gesperrt ist. Aber irgendwann komme ich am Lappwaldsee an. Enttäuschend! Wenige Meter entfernt von und über der B1 ist die Geräuschkulisse wirklich imposant. So versuche ich Plan B. In Helmstedt gibt es noch einen Stellplatz an einem innerstädtischen Teich. Nun, wie soll ich sagen? Für kommende Generationen ist dieser Platz vielleicht nicht schlecht. Aber heute und in den nächsten Monaten ist er eine Baustelle. Er wird komplett neu angelegt. So muss Plan C her. Am Lappwald gibt es einen Wohnmobil-Händler, der auch einen Stellplatz anbietet. Ich war überrascht. Gut, es ist im Gewerbegebiet. Am Rand vom Gewerbegebiet. Aber direkt am Wald, mit großzügig angelegten Wander- und Radwegen. Und, ich glaubte es kaum, die nicht weit entfernte A2 ist nicht zu hören. Was Wunder.


Nach einer Radtour, bei der ich versucht war Preiselbeeren zu sammeln (was aber nicht so richtig klappte, denn noch zu früh) und einer ruhigen Nacht werde ich mich morgen früh weiter in Richtung Heimat machen.
Tipps für unsere Selbstversorger: Hier findet ihr in direkter Nähe des Stellplatzes Kirsch- und Apfelbäume. Am Waldrand wachsen Brom- und Preiselbeeren.
2023-09-20 – Wipshausen am See
Eigentlich will ich hier ja nur die letzte Nacht bis zum LN2-Treffen in Hänigsen verbringen. Aber das Treffen ist schon voll (ausgebucht). Ich habe mich zu spät, nämlich gestern, darum gekümmert. So bleibe ich erst einmal hier.. Ein wunderschöne Seenlandschaft – für niedersächsische Verhältnisse – lädt mit einem ausgewiesenen Badesee und -strand ein. Der Stellplatz ist etwas beengt am Ende einer Sackgasse. Man kann zwar weiter hineinfahren in zwischen die Seen, was auch einige tun und dort übernachten, aber es steht dort ein Schild, dass man es eigentlich nicht tun soll.



Hier vorne an meinem Platz werde ich von allen freundlich angesprochen oder liege mit den Einheimischen am Strand und lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Einfach nur schön. Im Dorf finde ich auch noch einen Bäckerladen, der echt selber backt. So komme ich nicht um einen Schoko-Croissant drum herum.


Ich bleibe die letzten drei Tage, die mir noch bleiben hier. Und ich bereue es nicht!
Tipps für unsere Selbstversorger: Direkt an der Badestelle wachsen Kirsch- und Apfelbäume.
2023-09-23 – Eckard’s Geburtstag
Da gibt es nicht viel zu erzählen. Eine Familienfeier, die eben für die Familie und nicht für euch ist! Aber dafür musste ich meine Septembertour unterbrechen.
2023-09-26 – Gröna zum zweiten Mal
Heidi war etwas überrascht, dass ich bis zu ihrem Zahnziehtermin noch einmal loswill. Scheinbar hatte sie mir nicht richtig zugehört, als ich von der letzten Etappe zurück nach Hause kam. Aber alles gut.
Nachdem ich mich noch beim Schlachten eines Junghahns, beim Raspeln von zwei Kohlköpfen, dem Tomaten- und Paprikaernten, dem Wechseln der Batterien in dem Hundehalsband und dem Überprüfen der Rattenfallen in den Stallbereichen vergnügt habe bin ich dann erst gegen kurz vor 14:00 Uhr los. So nehme ich dann in Hannover, Lehrte, Peine und Braunschweig alle Staus mit, die heute angeboten werden. Die Vollsperrung der A2 bei Eilsleben hat mich nicht so interessiert, da ich immer die Nordharzautobahn bevorzuge. Und da war dann alles gut. Und meine Befürchtung, dass mein Ziel schon überfüllt sein könnte, hat sich glücklicherweise nicht erfüllt.

Natürlich sitzen wieder fast die gleichen Eingeborenen auf dem kleinen Platz in der Sitzgruppe an der Saale. Dieses Mal habe ich nur noch zwei Dosen Krombacher dabei. Kann also keinen Einstand ausgeben. Und meine „Gastgeber“ sind auch blank. So bleibt es bei einem lockeren Gespräch.
Gegen 19:30 muss auch der Letzte heim zu Muttern. Nun bin ich hier ganz alleine. Ein himmlische Ruhe macht sich breit. Noch der/die letzte RadfahrerIn kommt vorbei geradelt.




Ich brate meinen frisch geraspelten Kohl noch durch und ergänze einen Teil davon mit Süßkartoffel, Paprika, Zwiebel und Tomate sowie ein paar Nudeln. Das Ganze führe ich mir dann in der Bonanza Sitzgruppe zu Gemüte.
Es wird mittlerweile echt schon früh dunkel. Glücklicherweise kühlt es heute aber nicht so schnell aus, so dass ich jetzt noch draußen sitzen kann.
Tipps für unsere Selbstversorger: Wal- und Haselnüsse
2023-09-27 – Joditz, Am Auensee 1
Nach meiner morgendlichen Radtour – diesmal auf der anderen Seite des Saale in Richtung Halle – nach Plötzkau, worüber eine imposantes Schloss thront, mache ich mich auf meinen weiteren Weg die Saale hinauf.


Ab Gefell fange ich an ein Plätzchen für mich zu suchen. Hier bietet sich das Freibad an. Aber da dieses schon, jahreszeitlich bedingt, geschlossen hat, lockt mich der einfache Asphalt Parkplatz doch nicht so. Aber im Ort bekomme ich Mönchshof Hell und Leinöl. Das ist doch schon mal was.
In Hirschberg würde ich zwar direkt an der Saale stehen, aber der Zugang ist total verwildert zugewachsen. Und der größte Teil des Platzes wird als Baustofflager und Parkplatz für 40-Tonner genutzt. Da ist es vorprogrammiert, dass die Ruhe auf dem Platz abends sehr spät und morgens sehr früh abhandenkommt.
So beziehe ich Quartier am Auensee. Ist zwar ein recht gedrängter Campingplatz mit hauptsächlich Dauercampern. Aber der See ist klasse. Es ist wohl der Nachsaison geschuldet, dass sich kaum noch jemand auf der Liegewiese verlustiert. Aber das Wasser ist sauber – klar will ich in diesem Fall nicht in den Mund nehmen – und angenehm warm! Sehr angenehm warm! Da bin ich von meiner jetzigen und der letzten anderes gewohnt. Eine Runde um den See schwimmen, dann abduschen und sich in die Sonne legen. Wann konnten wir das schon mal Ende September?




Tipps für unsere Selbstversorger: An der Rezeption kann man sich einen Angelberechtigungsschein für die, direkt am See vorbeifließende, Saale besorgen.
2023-09-28 – Tröstau am Badesee
Irgendwie habe ich heute Morgen, nur um einem Nachbarn die Freude zu machen, leichter von seinem Platz wegzukommen, mir mal wieder unter einem nicht hoch genug ausgeschnittenem Baum, dieses Mal die vordere Radioantenne abgefahren. Wozu bezahlt man eigentlich 22,00 € für eine Übernachtung, wenn dann nicht einmal das übliche Lichtraummaß auf den Verkehrswegen des Platzes geschaffen wird?
Nichtsdestotrotz, erst einmal abwaschen, eine Runde Schwimmen im Auensee und dann kurz recherchieren, wo es heute hingehen soll. Der Weg ist das Ziel, aber das Ziel sollte schon auf der Strecke nach Wiesau liegen. So kommt Schwarzenbach an der Saale, Brinkenbühl am Förmitzer Stausee, Zell im Fichtelgebirge und der Badesee in Tröstau in Frage.
Schwarzenbach und Zell am Fichtelgebirge stellt sich für meine Erwartungshaltung als Flopp heraus. Der Platz am Förmitzer Stausee ist nicht schlecht. Schön in große Hecken eingepasste Stellbuchten ließen mir das Gefühl aufkommen, dass ich hier alleine stehe. Die zwei „Kollegen“, die hier schon stehen, sind nicht das Problem. Aber das Wasser ist doch recht weit entfernt und im See herrscht zurzeit Wassermangel.



So fahre ich doch – nach einer ausgiebigen Radtour um den See – und um zu doch weiter nach Tröstau. Und dort an den Badesee.
Zuerst ist mir nicht klar, wo ich mich hier hinstellen soll. Am Abend entscheide ich mich dann für die Wiese unten. Nachdem mir am See einige erzählt haben, dass dort immer wieder Wohnmobile stehen.
Aber der Reihe nach. Dieser See ist klein, aber mir unwahrscheinlich viel Liebe angelegt. Der Kiosk mit Sanitäranlagen hat schon saisonbedingt zu. Aber es bestände die Möglichkeit, sich bei der Gemeinde einen Schlüssel dafür zu holen. Am Ufer sind verschiedene Sitz- und Liegemöglichkeiten aufgebaut, die von den Einheimischen auch lustig in der Gegend herumgetragen werden. Die gesamte Biergarten Bestuhlung am Kiosk steht noch allen zur Verfügung und ist nicht (!) angekettet. Und trotzdem noch nichts geklaut.
Nette Badegäste klären mich über das, wie es hier funktioniert auf. Geben mir Tipps wo ich mich am besten hinstelle und wünschen mir am Abend zu Abschied noch viel Spaß und Glück bei meinen Reisen.
Aber – das Wasser in diesem See ist das kälteste, was mir auf dieser Tour untergekommen ist. Und dabei ist er nicht einmal sehr tief, wie mir die Einheimischen erklärten. Aber er liegt auf Grund seiner geringen Größe und dem hohen Baumbestand eben die meiste Zeit im Schatten, im Gegensatz zum Nordufer, wo ich mir in der Sonne fast einen Sonnenstich geholt habe. Aber der Sonnenbrand ist mir gewiss. Und das im September. Ich glaube ich erwähnte das schon einmal, dass das Wetter dieses Jahr aus Reisenden Sicht phänomenal ist.




Jetzt sitze ich hier auf der angrenzenden Wiese neben einem gluckernden Bächlein und trinke mein Abendbier. Ich habe heute noch Mönchshof Original Pils bekommen. Das schmeckt mir ja, seitdem ich es entdeckt habe noch besser als das Mönchshof Hell. Leider ist das Hintergrundgeräusch der B 303 nicht zu überhören. Aber ich hoffe, das wird später geringer werden.
2023-09-29 bis 2023-10-01 – Indian Summer Treffen
Das mit den Hintergrundgeräuschen für die Nacht, da habe ich mich getäuscht. Diese B 303 ging die gesamte Nacht mitten durch mein Bett. Und zwar nicht als monotones Grundrauschen (das verdrängt man ja noch leicht), sondern immer wieder in Spitzen, verursacht durch heulende LKW-Reifen. Denn deren Motoren hört man ja heutzutage nicht mehr.
Aber der Morgen versöhnt mich dann noch echt wieder mit diesem Platz: War das Baden am gestrigen Tag in dem See bei der Hitze ein absoluten Erlebnis, so wird das heute Morgen noch dadurch getoppt, dass die Toiletten, vor allem aber auch die Duschen im Kioskgebäude offen sind und funktionierten. Und anders als bei uns in Niedersachsen sind die Räumlichkeiten von ausgewählter Sauberkeit und es ist nicht eine Spur von Vandalismus zu finden. Einfach nur Super.
Nach einem Frühstück und ausgiebigen Duschbad mache ich mich dann auf die letzten 27 Kilometer nach Wiesau zu Torsten.
Wiederum eine wunderschöne Gegend, die ich hier durchfahre. Die Straßen sind zwar teilweise nur knapp (!) zweispurig (die Oberfranken sind halt sparsame Menschen und vergeuden beim Straßenbau weder Asphalt noch Natur) und bei entgegenkommenden LKW oder (Linien-) Bussen verringern sogar die einheimischen FahrerInnen ihre Geschwindigkeit. Aber ich habe es mir ja so ausgesucht: Keine Autobahnen und wenn es geht auch keine Bundestraßen.
Bei Ankunft auf Torstens und Andreas Anwesen überkommen mich recht schnell Zweifel, was das Herbsttreffen, Indian Summer genannt, betrifft. Irgendwie stehen hier nur drei Wohnmobile, die hier wohl schon länger stehen. Also kein typisches Reisenden-Treffen Ambiente. Nach kurzer Suche nach den „Verantwortlichen“ wird klar: Dieses Jahr gibt es kein Herbsttreffen. Trotzdem beziehe ich meinen üblichen Standplatz, da mir bei den drei anderen Gästen zu viele Hunde rumlaufen und ich doch mehr die Ruhe suche.
So mutiere ich vom „Treffen-Tourist“ zum „Gast des Hauses“ und wir sitzen endlich mal wieder abends mit was zu essen am Lagerfeuer bei einem kalten Bier. Denn noch ist es warm, sehr warm. Und bis lang in die Nacht warm. Und trocken. Das soll sich ja wohl morgen ändern.
In der Nacht und am Morgen regnet es ausdauernd. Aber zu den Zeiten, zu denen ich unter die wachen Menschen zugehörig fühle und frühstücke, kann ich doch schon wieder draußen sitzen. Später radele ich ins Dörfchen. Auch hier, entgegen den Aussagen aller politischen Parteien auf den aktuellen Wahlplakaten, ist hier Bayern nicht unbedingt auf einem guten Weg. Viel Leerstand. Läden die noch vor ein paar Jahren ausgezeichnete Waren anboten stehen jetzt leer. Nur noch ein Supermarkt und drei Kettenbäckereien handeln mit Lebensmitteln. Ansonsten dominieren Kebab Buden und Fressen To Go. Und nicht zu vergessen: Tattoo Studios. Darüber hinaus entwickelt sich am Ortsrand ein riesiges Gewerbegebiet, forciert durch ein ortsansässiges Speditions- und Holzunternehmen. Und dieser Entwicklung sind circa acht Hektar Wald zum Opfer gefallen. Und die industrielle Geräuschkulisse hat stark zugenommen. Es ist ein Trauerspiel.
Gegen Nachmittag kommt die Sonne wieder richtig raus und ich kann leicht bekleidet draußen sitzen, lesen, klönen und nicht zuletzt diese Zeilen schreiben.
Aber jetzt um 19:00 Uhr wird es frisch, Andrea und Torsten bauen ein Nachquartier für ihren neuen Hund und mir wir kalt. Ich werde mich jetzt um mein Abendessen kümmern. Andrea hat mir dankeswerter Weise mit Tomaten aus ihrem eigenen Anbau ausgeholfen. Meine von zuhause habe ich nämlich schon aufgegessen. Und ohne Tomaten bin ich aufgeschmissen. Ähnlich wie vor 50 Jahren, wenn die Raviolidosen alle waren.
2023-10-01 – Naumburg Saale (Blütengrund)
Heute Morgen nebelt es mächtig. Erst gegen 10:00 Uhr fängt es an aufzuklaren. Und gegen 11:00 Uhr kommt dann Torsten um mich beim Frühstück zu begleiten. Gegen 12:00 Uhr bin ich dann soweit, mich von den Beiden zu verabschieden und zu starten.
Direkt vor der Haustür gibt es eine frei Tankstelle. Die funktioniert am Wochenende nur mit Kreditkartenautomat. Aber die will nur 1,75 € für den Liter Diesel. Wenn ich das mit den Preisen der Herreise vergleiche, dann ist das konkurrenzlos preiswert. Und bei meiner heutigen Fahrt, stelle ich fest, dass ich richtig getan habe, hier zu tanken. Denn über den Tag hin fand ich keine Tanke, die unter 1,87 €/Liter lag. Tja, das Glück ist dann eben doch mit den Dummen.
Ich möchte heute so um die 200 Kilometer schaffen und auf der Höhe von Leipzig irgendwo an der Saale übernachten. Dazu verlasse ich die Autobahn bei Bad Klosterlausnitz und fahre nach Neuengöns an der Saale bei Jena. Der Campingplatz ist mir dann doch zu eng. Trotz des FKK-Strandes, der mich ja doch lockt, fahre ich doch weiter nach Naumburg.
Auf dieser Strecke komme ich durch Camburg. Das ist ja ein echt sehenswertes Örtchen. Es ist Zeit für eine Eis Pause. Denn das Wetter ist mittlerweile auch danach.
In Naumburg habe ich mir zwei Plätze rausgesucht. Einmal ein Stellplatz, genannt „Wasserstraße“ und den Campingplatz „Im Blütengrund“. Ich bleibe aus Bequemlichkeit und Entsorgungsdruck beim zweiten hängen. Nicht das wovon ich träume. Aber ein Badesee und endlose Kilometer Radwege ohne nennenswerte Steigungen. Und alle paar Meter irgendwelche Clubhäuser verschiedener Ruder-, Paddel- oder sonstiger Wassersportvereine, die sich – wie ich es auch schon an der Ruhr kennen gelernt habe – mit einem Biergarten im schönsten Ambiente ein Zubrot verdienen.




Endlich sehe ich auch mal die Weinberge an der Saale. Die erinnern mich an die Weinberge im Rheingau. Von vor 55 Jahren, als ich dort am Wochenende mit meinem Vater zu dem Winzer seines Vertrauens gefahren bin um nicht nur Wein zu kaufen. Nein, ich hatte auch damals schon den Eindruck, dass es vielmehr darum ging, per ausgiebiger Weinprobe im Blick zu behalten, wie sich der Wein entwickelt. Leider sehen die Weinberge im Rheingau heute ganz anders aus: großflächige Monokulturen für die industrielle Produktion. Hier bei Naumburg finde ich hauptsächlich kleine Weinberge, die auch in andere Kulturen eingefügt sind. So wie früher eben. Und es sieht so einfach schöner aus.
2023-10-02 – Odertalsperre – Glockenberg-Herzbek
Frühstück in der Sonne am Blütengrund See. Dann kurze Recherche. Es bieten sich die Odertal- oder die Innerste Talsperre an.
Irgendwie finde ich an der ersten den Campingplatz schick. Gemütliche Terrassen mit Blick aufs Wasser und alles ein bisschen verwildert. Nur habe ich leider keine Chance da wirklich rein zu kommen. Der Absatz zur steilen Einfahrt ist einfach zu krass. Da setze ich mit der Mitte auf. Aber es stehen handelsübliche Vans oder Wohnwagen auf den Terrassen. Aber meine Gurke hat einfach einen zu langen Radstand. So bleibe ich auf dem Parkplatz davor. Auch von hier aus bin ich mit wenigen Schritten am Strand. Das Wasser ist erstaunlich warm. Ich hatte auf meiner Tour schon erheblich kältere Gewässer. Und ich bin auch nicht alleine beim Schwimmen.






Meine Radtour fälle hier allerdings etwas kürzer aus. Es gibt keinen Weg um den See. Und auf der Bundestraße zu fahren, dazu habe ich keinen Bock.
Was ich an diesem Platz so einladend finde, ist dass durch die massiven (Durchfahrtsverbots-) Schilder an der Staumauer und der extrem steilen und engen Einfahrt sich die Klientel der Gäste hier schon mal aussiebt. Daher, die wenigen die jetzt zur Nachsaison hier sind, sind wirklich echt ganz patente Nachbarn. Das lohnt sich hier echt ein paar Tage, die mir bei dieser Tour mir aber nicht mehr vergönnt sind, zu verbringen. Auch wenn es nur auf dem Parkplatz ist. Übrigens, der Mensch, der den Platz betreut und mit viel Herzblut sich mit seiner Lebensgefährtin dort engagiert, ist ein wirklich liebenswerter Niederländer. Es hat mir Spaß gemacht, seiner vielseitigen Lebensgeschichte zuzuhören.
2023-10-03 – Nach Hause
Die Nacht war extrem ruhig. Für mich ein schöner Abschluss der drei Septembertouren. Und diesen Platz werde ich mir merken. Auch wenn ich nur auf den Parkplatz komme, die Möglichkeiten hier sind vielfältig und das Ambiente ist das, was ich suche!
Nachdem ich aus dem Harz herausgefunden habe – wegen dem Tag der Einheit, sind viele Durchfahrten der Ortschaften gesperrt und die Umleitungen nur sehr sparsam ausgeschildert – stürmt und regnet es immer stärker, je weiter ich nach Norden komme.
Aber ich erreiche gegen 15:00 Uhr mein Zuhause. In den Armen von Heidi.



